Elzer Berg

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Elzer Berg
Blick aus Richtung Limburg an der Lahn vorbei an Elz (rechts) westwärts zum Elzer Berg

Blick aus Richtung Limburg an der Lahn vorbei an Elz (rechts) westwärts zum Elzer Berg

Höhe 291,3 m ü. NHN
Lage zwischen Elz und Görgeshausen; Landkreis Limburg-Weilburg und Westerwaldkreis; Hessen und Rheinland-Pfalz (Deutschland)
Gebirge Westerwald
Koordinaten 50° 24′ 41″ N, 7° 58′ 23″ OKoordinaten: 50° 24′ 41″ N, 7° 58′ 23″ O
Elzer Berg (Hessen)
Elzer Berg
Besonderheiten Bundesautobahn 3, Tunnel Elzer Berg, Windpark

Der Elzer Berg ist eine 291,3 m ü. NHN hohe Erhebung im Westerwald am Westrand der Gemeinde Elz im hessischen Landkreis Limburg-Weilburg mit Hanglagen im rheinland-pfälzischen Westerwaldkreis. Bundesweite Bekanntheit erlangte die Erhebung vor allem wegen einer Gefällstrecke der Bundesautobahn 3 mitsamt stationärer Geschwindigkeitsüberwachung.

Unter der Erhebung führt der Tunnel Elzer Berg der Eisenbahn-Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main hindurch, auf ihr wurde um die Jahreswende 2015/16 ein Windpark errichtet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Elzer Berg liegt im Süden des Westerwaldes zwischen dem Kernort der hessischen Gemeinde Elz (im Landkreis Limburg-Weilburg) im Osten sowie Niedererbach im Norden, Görgeshausen (beide im Westerwaldkreis) im Westen und Hambach (im Rhein-Lahn-Kreis) im Süden, drei rheinland-pfälzischen Ortsgemeinden. Sein Südwestausläufer ist der Gilnauer Berg (290,1 m), der im Westen und Süden an den Naturpark Nassau stößt. Nordwestlich vorbei am Elzer Berg fließt der kleine Fischbach, der beim nördlichen Niedererbach in den Lahn-Zufluss Erbach mündet und südlich vorbei der Hambach, der beim südöstlichen Aull der Lahn zufließt.

Auf dem Elzer Berg breiten sich Teile des Elzer Waldes aus. Auf ihm liegen auch solche des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Westerwälder Kuppenland (FFH-Nr. 5413-301; 31,87 km²) und das FFH-Gebiet Waldgebiet westlich von Elz (FFH-Nr. 5513-302; 40,83 ha).[1]

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Elzer Berg gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Westerwald (Nr. 32), in der Haupteinheit Niederwesterwald (324) und in der Untereinheit Emsbach-Gelbach-Höhen (324.0) zum Naturraum Eppenroder Hochfläche (324.04). Über seinen Ostausläufer Heidekopf (250 m) fällt die Landschaft in den Naturraum Hadamar-Elzer Beckenrand (311.01) ab, der in der Haupteinheitengruppe Gießen-Koblenzer Lahntal (31) und in der Haupteinheit Limburger Becken (311) zur Untereinheit Inneres Limburger Becken (311.1) zählt.[2]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesautobahn 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Elzer Berg wird zwischen den Anschlussstellen Diez (Rhein-Lahn-Kreis, Rheinland-Pfalz – Kilometer 99,0) und Limburg-Nord (Landkreis Limburg-Weilburg, Hessen – Kilometer 107,5) von der Bundesautobahn 3 überquert. Von seiner Gipfelregion in das Limburger Becken bis nach Limburg an der Lahn hat die A 3 eine 8 km lange Gefällstrecke Richtung Süd-Osten mit zunehmendem Gefälle.

Unfallschwerpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese lange Gefällestrecke bei Autobahnkilometer 100 in Richtung Frankfurt am Main ist ein berüchtigter Unfallschwerpunkt. Anfang der 1970er Jahre wies die Statistik im Schnitt 350 Unfälle pro Jahr auf. Aus diesem Grund wurde zur Überwachung der bestehenden Geschwindigkeitsbeschränkungen im Jahr 1972 eine der ersten stationären Geschwindigkeitsmessanlagen errichtet.[3] In dieser Zeit erhielt der Berg auch den Spitznamen „Katzenbuckel“, weil das Gefälle ähnlich dem eines Katzenbuckels immer weiter zunimmt. Durch diese Topografie nimmt der Fahrer kaum wahr, dass er sich auf einer Gefällstrecke befindet und sein Fahrzeug wird, wenn er nicht auf den Tacho achtet, fast unbemerkt schneller. Dadurch resultiert ein verlängerter Bremsweg, eine der Hauptunfallursachen in der Vergangenheit, besonders bei Lastkraftwagen. An der Autobahn wurde daher ein großes Plakat mit der Aufschrift "Elzer Berg" aufgestellt, das eine schreiende schwarze Katze zeigte, auf deren Buckel zwei Lkw extrem dicht aufeinander auffuhren. Dieses Schild wurde später demontiert, wahrscheinlich bei der Erneuerung der Anlagen im Jahr 1998.[4]

Die Verkehrsüberwachungsmaßnahme hatte einen durchschlagenden Erfolg. In den Folgejahren gingen die Unfallzahlen deutlich zurück. 1999 gab es noch 64 Unfälle, obwohl das durchschnittliche Verkehrsaufkommen pro Tag auf 88.000 Fahrzeuge stieg.[5]

Stationäre Verkehrsüberwachungsmaßnahmen finden nur auf der Gefällestrecke Richtung Limburg statt. In Richtung Montabaur werden jedoch zeitweise temporäre Tempolimits vorgegeben, über welche die Verkehrsteilnehmer durch elektronische Anzeigetafeln informiert werden.

Geschwindigkeitsüberwachung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stationäre Geschwindigkeitskontrolle am Elzer Berg zu Zeiten der 40-km/h-Begrenzung (bis Mai 2009)

Das Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde wird von zwei stationären Geschwindigkeitsmessanlagen überwacht. Diese sind in der zweiten und dritten Schilderbrücke installiert und wurden wegen Vandalismus zeitweise mit Wachen gesichert, wofür die Schilderbrücken sogar eine kleine Kabine neben der Fahrbahn aufweisen. So wurden etwa die Kameras mehrfach beschossen und 1994 sogar gestohlen.[6]

Hinter der dritten Schilderbrücke wird gelegentlich zusätzlich mit Radar oder Lichtschranke kontrolliert. Auf dem rechten Fahrstreifen galt bis Mai 2009 ein Tempolimit von 40 km/h und bis November 2014 eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h.[7] Seitdem wird auf allen drei Spuren jeweils die Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h angezeigt. Ursprünglich wurden vier Schilderbrücken aufgestellt, die vierte und zuletzt folgende, die keine Geschwindigkeitsmessanlagen aufwies, wurde vor einigen Jahren demontiert.[8]

Die genannten Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten entgegen einer weit verbreiteten Ansicht für alle Fahrzeugtypen, da keine Einschränkung durch Zusatzzeichen erfolgt. In der Praxis wurde jedoch für Personenkraftwagen auch auf dem rechten Fahrstreifen eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h zugrunde gelegt. Bei einer gefahrenen Geschwindigkeit zwischen 60 und 100 km/h löste die Anlage zwar aus, die entsprechenden Aufnahmen wurden jedoch nachträglich ohne Erlass eines Bußgeldbescheides aussortiert. Hierdurch sollte ein Konflikt mit dem Rechtsfahrgebot bei schwachem Lkw-Verkehr – beispielsweise nachts oder an Sonntagen – vermieden werden.

Allein im Jahr 2006 wurden am Elzer Berg 93.000 Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt und 1,8 Millionen Euro Bußgelder eingenommen.

Die Technik der Überwachung wurde im Laufe der Jahre regelmäßig aktualisiert. Im Dezember 1998 wurde die baufällige Schilderbrücke am Elzer Berg durch eine neue ersetzt. Das Hessische Innenministerium führte im Herbst 2003 am Elzer Berg einen temporären technischen Funktionstest für automatische Nummernschilderkennung durch, ohne dass Daten gespeichert wurden.[9]

Weitere Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordportal des Tunnels unter dem Elzer Berg mit ausfahrendem ICE 3

Etwa 2 km westlich vom Gipfel des Elzer Berges liegt bei Görgeshausen die Anschlussstelle Diez der dort die Landesstraße 318 überquerenden A 3. Von der Landesstraße zweigt am Nordrand der Ortschaft die L 3447 ab, die über die südlichen Hanglagen des Berges ostsüdostwärts nach Staffel führt. Von Letzterer zweigt in Görgeshausen die Kreisstraße 164 ab, die nordostwärts in das rheinland-pfälzische Niedererbach verläuft. Dort trifft sie auf die K 156, die an der hessischen Grenze in die südostwärts nach Elz führende K 346 übergeht.

Tunnel Elzer Berg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Elzer Berg führt der 1,11 km lange Tunnel Elzer Berg der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main, ein 2002 in Betrieb genommener Eisenbahntunnel zwischen Elz und Görgeshausen.

Windpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon 2010 begannen die Planungen für einen Windpark auf dem Elzer Berg. Messungen in 140 Metern Höhe über dem Erdboden ergaben Windgeschwindigkeiten von 6,0 bis 6,2 m/s, womit der Standort als wirtschaftlich gilt. Nachdem die Planungen 2013 eingereicht wurden, wurde die Genehmigung zum Bau im Frühsommer 2014 erteilt.

Seit Sommer 2015 entstand daher für 22,297 Millionen Euro ein Windpark mit sechs Anlagen des Typs Nordex N117/2400 nördlich und südlich der Autobahn und der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main. Die Anlagen haben eine Nabenhöhe von 141 Metern, einen Rotordurchmesser von 117 Metern und eine Gesamthöhe von rund 199 Metern und sind damit sogenannte Schwachwindanlagen. Ausführendes Unternehmen ist die brandenburgische ENERTRAG AG.[10] Seit Mai 2016 sind die sechs Anlagen fertiggestellt und befinden sich nach einer Testphase nun im Regelbetrieb.[11]

Für die Anlieferung der Bauteile wurde eine eigene provisorische Autobahnabfahrt von der A 3 errichtet, aus diesem Grund musste kein Schwerlastverkehr durch die Gemeinde Elz verlaufen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Heinrich Müller-Miny, Martin Bürgener: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 138 Koblenz. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1971. → Online-Karte (PDF; 5,7 MB)
  3. Felke, D. (1988). 15 Jahre Verkehrsüberwachung am Elzer Berg. Hessische Polizei Rundschau, 11, 19-22
  4. Abbildung des Plakats. Abgerufen am 8. Oktober 2015.
  5. Frankfurter Neue Presse, 16. Februar 2000
  6. Bild vom 9. Januar 2015: Am Elzer Berg erwischte es schon ganz andere Promis … Abgerufen am 8. Oktober 2015.
  7. Geschwindigkeitsbegrenzung am Elzer Berg: … 100 auf allen Spuren (Frankfurter Neue Presse), vom 06. November 2014, auf fnp.de
  8. Elzer Berg – Tempolimit …, Verkehrsportal-Forum vom 22. Februar 2014
  9. Deutsche Polizei 4/2004, S. 16.
  10. Nassauische Neue Presse vom 13. August 2015: Frische Brise für Gemeindekasse. Abgerufen am 8. Oktober 2015.
  11. Nassauische Neue Presse vom 12. Mai 2016: Im Juni soll Strom fließen. Abgerufen am 14. Mai 2016.