Emanuel von Seidl

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Büste Prof. E. v. Seidl, um 1910
Gedächtnistafel Emanuel Seidl, Rathaus in Murnau am Staffelsee

Emanuel von Seidl (* 22. August 1856 in München; † 25. Dezember 1919 ebenda) war ein Architekt, Innenarchitekt und Ingenieur der deutschen Kaiserzeit. Stilistisch war er ein Vertreter des Historismus, neigte aber auch bestimmten Jugendstil-Elementen zu.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emanuel Seidl wurde als dritter Sohn des wohlhabenden Bäckers Anton Seidl und seiner Frau Therese, Tochter des damals bekannten Bierbrauers Gabriel Sedlmayr in München geboren. Seidl studierte an der Technischen Hochschule München Architektur und arbeitete später als Innenarchitekt u.a. im Büro seines Bruders Gabriel von Seidl. Seit 1896 trug er den Titel eines königlichen Professors. Seidl stellte 1897 den Muschelsaal im Augustiner-Brauhaus in der Neuhauserstraße in München als erstes großes Werk fertig.[1] 1906 wurde Emanuel Seidl als führender Villenarchitekt Süddeutschlands in den bayerischen Adelsstand eines Ritters erhoben und pflegte fortan den Namen Emanuel von Seidl zu tragen.[1]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Augustinerbräu Neuhauser Straße
Die Villa für den Komponisten Richard Strauss von 1907/1908 in Garmisch-Partenkirchen
Das Elefantenhaus im Tierpark Hellabrunn, München als Postkartenmotiv (1932)
Das Gärtnerplatztheater in München

Emanuel von Seidl war zwischen 1900 und 1918 ein erfolgreicher Villenarchitekt und weit über die Grenzen seiner Heimatstadt München hinaus bekannt. Erfasst sind 180 Werke in und um München sowie im sächsischen Erzgebirgsraum, davon etwa ein Drittel große Landhäuser und Villen, von denen noch etwa 60 stehen. Als Beispiele seien hier die Seidlvilla (auch Villa Lauterbacher) am Nikolaiplatz im Münchner Stadtteil Schwabing und seine eigene Villa genannt. Zu seinen wohl bedeutendsten Privathäusern gehören dasjenige für Richard Strauss in Garmisch mit einem eingebauten großzügig verglasten Erker mit Alpenblick und der in Stein bei Hartenstein an der Zwickauer Mulde gelegene Landsitz Schloß Wolfsbrunn, der nach zeitgenössischer Ansicht als letztes und reichstes, aber auch zielbewußtestes und reifstes seiner Bauwerke für den Montanunternehmer Dr. jur. Georg Wolf entstand.[1]

Weitere Objekte waren z.B. eine Stadtvilla für den Mediziner und Universitätsprofessor Hermann von Tappeiner (Ende des 19. Jahrhunderts), die später als Verwaltungsgebäude der Mannheimer Lebensversicherung genutzt wurde, das Staatstheater am Gärtnerplatz in München (1899), das Elefantenhaus im Münchener Tierpark Hellabrunn, zwischen 1900 und 1907 der Ostflügel des Schlosses Sigmaringen,[1] die Fassade des Münchner Theresien-Gymnasiums, der Festsaal im Deutschen Museum sowie das im klassizistischen Jugendstil 1911 erbaute Gebäude in der Widenmayerstraße 25/25a im Stadtteil Lehel.

Zu seinen großen Bauprojekten gehörten Kurhotels, Vereinsgebäude, aber auch die Bauten der Deutschen Abteilung auf der Weltausstellung in Brüssel 1910.

Nach dem Tod seines Bruders Gabriel von Seidl 1913 betreute Emanuel von Seidl das große Projekt Deutsches Museum bis zu seinem eigenen Tod 1919.

In vielen Ausstellungsgestaltungen bewies Seidl dekorative Talente, während Hellabrunn noch heute eindrucksvoll Seidls sensiblen Umgang mit der Landschaft und sein Gespür zur Einbettung von Gebäuden in den Landschaftsraum belegt. Er gestaltete auch den Murnauer Park im Stile eines Englischen Gartens.

Der berühmte süddeutsche Architekt war aber mehr dem verspielten neobarocken Eklektizismus als dem württembergisch Nüchternen oder gar wuchtig Schmucklosen, wie dem Historismus des Stuttgarter Hauptbahnhofs von Paul Bonatz, zugeneigt. Von seiner Italienreise brachte Seidl von dort das Verspielte der Italianità ins Münchner Architekturbüro mit. Diese Ideen, wie etwa aufgemalte Rankgitter oder Lüftlmalerei im Innenhof des Augustinerbräus, hat er in seinen Werken verarbeitet.[1]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gabriele Schickel: Seidl, Emanuel. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 181 f. (Digitalisat).
  • Emanuel v. Seidls Huthaus in Oelsnitz. In: Deutsche Kunst und Dekoration. 15. Jahrgang, Heft 8. Verlags-Anstalt Alexander Koch, Darmstadt 1912
  • Das Schloss Wolfsbrunn zu Stein. In: Koch, Hofrat Alexander (Hrsg.): Innen-Dekoration. 32. Jahrgang, Januar-Februar 1921
  • Schloss Wolfsbrunn im Erzgebirge. In: Koch, Hofrat Alexander (Hrsg.): Innen-Dekoration. 32. Jahrgang, April 1921
  • Neuber, Heino: „EMANUEL v. SEIDLS HUTHAUS IN OELSNITZ.“ – Zur Entstehung und Gestaltung des Huthauses der Gewerkschaft Deutschland in Oelsnitz (Erzgeb.) als bedeutender Jugendstilbau unserer Heimat. In: Die Turmstütze. Nr. 25, 2010
  • Neuber, Heino: „Schlicht, charakteristisch und behaglich sollte es sein.“ (Das Huthaus der Gewerkschaft Deutschland in Oelsnitz nach Plänen Emanuel von Seidls). Erzgebirgische Heimatblätter. Nr. 4/2010
  • Neuber, Heino: Werden, Wirken und Wollen des Bergbauunternehmers Dr. Georg Wolf - eine Dividende seines Lebens (2. Teil). In: Die Turmstütze. Nr. 33, 2014, ISSN 2193-2719

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Emanuel von Seidl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Gabriele Loges (gl): Vertreter des Historismus prägt das Schloss. Vortrag über den Architekten Emanuel von Seidl beschließt den Sigmaringer Kulturherbst. In: Schwäbische Zeitung vom 8. Dezember 2011