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Embryo (Band)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Embryo
Embryo in München, 2019

Embryo in München, 2019

Allgemeine Informationen
Herkunft München, Deutschland
Genre(s) Krautrock, Weltmusik
Aktive Jahre
Gründung 1969
Auflösung
Website embryo.jimdosite.com
Gründungsmitglieder
Christian Burchard († 2018)
Blasinstrumente, Violine
Edgar Hofmann († 2026[1])
Bass
Lothar Meid († 2015)
Aktuelle Besetzung
Multiinstrumentalistin
Marja Burchard
Maasl Maier
Wolfi Schlick
Jakob Thun
Trompete
Sascha Lüer
Gitarre
Jan Weissenfeldt
Ehemalige Mitglieder
Gitarre, Altsaxophon
Chris Karrer († 2024)
Gitarre, Oud
Roman Bunka († 2022)
Gitarre, Oud
Yulyus Golombeck († 2000)
Jimmy Jackson
Keyboard
Dieter Miekautsch
Keyboard
Michael Wehmeyer
Flöte
Hansi Fischer
Chuck Henderson
Lena Bloch
E-Bass
Lothar Meid († 2016)
E-Bass
Ralph Fischer
E-Bass
Dave King
E-Bass
Gerald Luciano Hartwig
E-Bass
Chris Lachotta
E-Bass
Uve Müllrich
Perkussion
Klaus Götzner
Perkussion
Ramesh Shotham
Perkussion
Butze Fischer († 2002)
Kontrabass, E-Bass
Ulrich Bassenge
Gitarre, Saz
Eugen de Ryck
E-Bass, Gitarre
Nick McCarthy
Kontrabass,E-Bass
Michael Schöne
Jens Pollheide
Mik Quantius
Valentin Altenberger
Marimba, Schlagzeug
Lothar Stahl
Live- und Session-Mitglieder
Saxophon, Flöte
Charlie Mariano (†)
Saxophon, Flöte
Monty Waters (†)
Nadaswaram, Saxophon, Gitarre
Roland Schaeffer
Altsaxophon
Michael Hornstein
Werner Aldinger
Piano
Mal Waldron (†)
E-Piano
Hermann Breuer († 2023)
Piano, Orgel
Larry Porter
Gitarre
Sigi Schwab († 2024)
Gitarre
Geoff Goodman
Gitarre, Geige, Banjo
Titus Waldenfels
E-Bass
Ufo Walter
Schlagzeug, Perkussion, Piano
Salah Ragab
Perkussion
Trilok Gurtu
Houssaine Kili
Ghatam, Perkussion
Norbert Keck
Perkussion
Paramashivam Pilai
Komponist, Violine, Cello, Klavier, Horn
Peter Michael Hamel
Synthesizer
Fathy Salama
Ustad Samad Habibi
Christian Burchard, Finkenbach Festival 2011
Marja Burchard, 2019

Embryo ist eine deutsche Jazzrock- und Weltmusik-Band. Die Gruppe wurde 1969 von Christian Burchard gegründet. Im Lauf der Jahre haben über 400 nationale und internationale Jazz- und Rockmusiker bei der sich als Kollektiv begreifenden Gruppe mitgewirkt, darunter viele namhafte Jazz- und Krautrock-Musiker.

2016 übernahm Marja Burchard, die Tochter des Bandgründers, die Leitung des Projekts.

Christian Burchard war bereits in den 1960er Jahren als Jazzmusiker aktiv und spielte Klavier, Posaune und Vibraphon. Er tourte mit Mal Waldron und bildete mit dem Saxophonisten und Geiger Edgar Hofmann sowie dem Schlagzeuger Dieter Serfas das Jazztrio „Contemporary Trio“. 1969 wechselte Burchard selbst ans Schlagzeug und formierte mit Hofmann und Lothar Meid die neue Band Embryo.

Meid verließ die Band nach kurzer Zeit, um sich Amon Düül anzuschließen. Christian Burchard sammelte unterdessen immer neue Musiker um sich. Insgesamt haben seit 1969 über 400 Musiker beim Musikkollektiv Embryo gespielt.[2] Zu den langjährigen Mitgliedern zählen u. a. Roman Bunka (Gitarre, Oud), Uve Müllrich (Bass), Michael Wehmeyer (Keyboards), Lothar Stahl (Marimba, Schlagzeug) und Jens Pollheide (Bass, Flöte). Außerdem gab es langjährige Freundschaften zu anderen Musikern und Bands, die immer wieder als Gäste bei Embryo erschienen, darunter Charlie Mariano, Mal Waldron, Marty Cook, Chris Karrer (Amon Düül), und Roland Schaeffer (Guru Guru). Eine enge personelle Verflechtung bestand außerdem mit der Herforder Band Missus Beastly, die gemeinsam mit Embryo, Sparifankal und Ton Steine Scherben 1976 das Label April (später Schneeball) gründeten.[3]

Früh, 1971, hatte Embryo einen Radiohit mit dem Titel Tausendfüßler.[4][5] Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Stil der Band vom jazzigen Krautrock zu Weltmusik, wobei verschiedene Stile und Richtungen miteinander vereint wurden. Viele Embryo-Alben entstanden auf ausgedehnten Konzertreisen in andere Kontinente. Die Band ist dabei auch mit wichtigen Musikern der von ihnen bereisten Ländern wie Shoba Gurtu, T. A. S. Mani, R. A. Ramamani, Mahmoud Gania und Okay Temiz aufgetreten. Der Film Vagabunden Karawane von Werner Penzel (1980) berichtet über eine dieser Reisen, die von Deutschland bis nach Indien führte.

Im Dezember 1971 fasste die Band gemeinsam mit Mal Waldron und Jimmy Jackson den Plan, nach dem Vorbild alter Jam-Session-Platten ohne größere Proben live im Studio aufzunehmen, wobei kein Stück wiederholt werden sollte. Am 23. Dezember 1971 entstanden so Call und Dreaming Girls in der Besetzung Mal Waldron (E-Piano), Jimmy Jackson (Orgel und Mellotron), Edgar Hofmann (Geige), Jörg Evers (Bass) und Christian Burchard (Schlagzeug, Perkussion und Marimba). Toningenieur war Dieter Dierks, der die Aufnahme auch auf Videorecorder festhielt. Orient Express folgte im März 1972, nun mit Dave King anstelle von Jörg Evers und ohne Edgar Hofmann.[6]

Im Frühjahr 1972 unternahm Embryo auf Einladung des Goethe-Instituts eine mehrwöchige Tournee durch Nordafrika. Im Umfeld dieser Reise verließ Mitgründer Edgar Hofmann die Gruppe, kurz darauf auch Dave King, sodass Christian Burchard als einziges Gründungsmitglied verblieb. Nach der Tournee wurde Orient Express vollständig neu abgemischt und um eine Einleitung ergänzt, die mit dem Originalton von Radio Marrakesch beginnt, den die Band in Marokko auf Kassettenrecorder mitgeschnitten hatte, und die in ein Duo aus Marimba und Saz übergeht. Roman Bunka, der schon zur Zeit von Embryos Rache mitgespielt hatte, kehrte zur Band zurück und steuerte mehrere Playbacks bei, danach stieß der frühere Missing-Link-Pianist Dieter Miekautsch hinzu. Über Siegfried Schwab lernte die Gruppe Charlie Mariano kennen, mit dem mehrere Konzerte folgten, bevor Mariano nach Indien aufbrach. Ihre Alben produzierte die Band zu dieser Zeit selbst und verkaufte die fertigen Produktionen an eine Plattenfirma, worauf der Co-Produzent Rainer Blome alias Zok Zokker sie gebracht hatte.[6]

Der Organist Jimmy Jackson, der bereits Anfang der 1960er Jahre zum Musikerkreis des Münchner Lokals Tabarin gehört hatte, dem auch Lothar Meid, Olaf Kübler und Christian Burchard angehörten, wirkte an mehreren Embryo-Alben mit, darunter Steig aus. Wegen finanzieller Meinungsverschiedenheiten verließ er die Gruppe und stieg im Februar 1973 fest bei der Chris Braun Band ein.[7]

Im November 1973 kamen zwei Embryo-Alben gleichzeitig in die Plattenläden. In einer Stellungnahme in der Musikzeitschrift Sounds bezeichnete die Band We keep on bei BASF als ihre eigentliche neue LP. Rocksession sei durch ein Geschäft zwischen ihrer früheren Plattenfirma United Artists und Metronome auf dem Label Brain erschienen. Da sich ihre Musik seitdem stark verändert habe, besitze diese Platte nur noch biografischen Wert. Besonders missfiel der Band das Cover.[8]

Bassist Uve Müllrich und Keyboarder Michael Wehmeyer verließen 1980 Embryo und formierten ihre eigene, zunächst Embryo's Dissidenten genannte Band Dissidenten.

1986 und 1987 bereisten Embryo (Christian, Michi Wehmeyer, Dieter Serfas und Gerald Hartwig) Nigeria und trafen dort auf Fela Anikulapo Kuti sowie das Yoruba Dun Dun Orchestra.

1996[9] trat Christian Burchards Tochter Marja (* 1985) im Alter von elf Jahren erstmals bei Embryo in Erscheinung.[10] Als Multiinstrumentalistin (Klavier, Akkordeon, Marimba, Vibrafon, Schlagzeug, Posaune,[11] Orgel, Keyboard, Santur)[12] hatte sie sich bald einen festen Platz in der Band erspielt.

Im Juli 2008 erhielt Embryo beim TFF Rudolstadt den Deutschen Weltmusikpreis Ruth 2008 für das Lebenswerk verliehen.

Im Sommer 2016 erlitt Christian Burchard im Alter von 70 Jahren einen Schlaganfall und war danach nicht mehr fähig aufzutreten.[11] Daraufhin übernahm seine Tochter Marja die Leitung der Band und führt sie auch nach dem Tod Burchards im Januar 2018 fort. Sie hat die Band durch neue Elemente wie Beatboxing[13] und neue Musiker verjüngt, trägt aber mit der Einbindung von Musikern wie Roman Bunka und Michael Wehmeyer auch die Embryo-Tradition fort.

Am 2. Juli 2026 startete die Band eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne, um die Reparatur ihres Tourbusses zu finanzieren und wieder auf Tour gehen zu können.[14]

Die deutsche Musikzeitschrift Sounds besprach Steig aus im April 1973. Der Rezensent Bernd Gockel hob hervor, dass die Beteiligten anders als die meisten deutschen Rockgruppen durch langjährige Erfahrung in Jazz und Jazzrock die technischen Voraussetzungen zum Improvisieren mitbrächten. Die erste Plattenseite mit Orient Express und Dreaming Girls zählte er „zum Besten, was die gesamte Rock-Musik bisher hervorgebracht hat“. Orient Express sei so dicht und komplex, dass zur Veranschaulichung der Vergleich mit dem Mahavishnu Orchestra naheliege, Dreaming Girls dagegen „eine Ballade voller Schönheit und Ruhe“. Die knapp 18-minütige Gemeinschaftskomposition Call auf der zweiten Seite erreiche dieses Niveau nicht, sie leide unter einer „übergroßen stofflichen Zusammenballung“ und wirke gestückelt. Insgesamt sei Steig aus eine Platte „mit riesigen Vorzügen und kaum nennenswerten Schwächen“.[15]

  • Opal – LP/CD, 1970 Ohr 56003 u. 556003
  • Embryos Rache – LP/CD, 1971
  • Father Son & Holy Ghosts – LP/CD, 1972
  • Steig aus – LP/CD, 1973
  • Rocksession – LP/CD, 1973
  • We keep on – LP/CD, 1973
  • Surfin – LP/CD, 1975
  • Bad Heads & Bad Cats – LP/CD, 1976
  • Life – LP/CD, 1977
  • Apo-Calypso – LP/CD, 1977
  • Embryo's Reise – 2LP/CD, 1979/1980
  • Embryo+KCP+Charlie Mariano Live – LP, 1980
  • Anthology (Every Day Is Okay) – LP, 1980
  • La Blama Sparozzi - Zwischenzonen – DLP, 1982
  • Zack Glück – LP, 1984
  • Embryo & Yoruba Dun Dun Orchestra – LP, 1985
  • Africa – LP, 1987
  • Turn Peace – LP/CD, 1989
  • Ibn Battuta – CD, 1994
  • Ni Hau – CD, 1996
  • Live in Berlin – CD, 1998
  • Istanbul Casablanca - Tour 1998 – 2 CDs, 1999
  • Invisible Documents – 2CDs, 1999
  • One Night at the Joan Miró Foundation – CD, 2000
  • Live 2000 Vol.1 – CD, 2001
  • Live 2001 Vol.1 – CD, 2001
  • Bremen 1971 – CD, 2003
  • Hallo Mik (liverecordings 2002 & 2003) – CD, 2003
  • Embryo & Mal Waldron & Charlie Mariano – 29.6.73 in Hamburg – LP, 2003
  • Embryonnck - No-Neck Blues Band & Embryo – CD, 2006
  • Live im Wendland – CD, 2007
  • For Eva – LP/CD, 2007 (1967er-Aufnahmen des Pianisten Mal Waldron, mit Christian Burchard und Dieter Serfas)
  • Freedom in Music – CD, 2008
  • Live at Burg Herzberg Festival 2007 – CD, 2008
  • Wiesbaden 1972 – CD, 2009
  • Embryo 40 – 2CD, 2010 (Trikont)
  • Message from Era Ora – 2LP, 2013 (Sound of Cobra) (mit Massimo Urbani)
  • It Do – 2LP/CD, 2016 (Trikont)
  • Umsonst und draußen – Vlotho 1977 – CD, 2017
  • Live at Kaschemme Basel (2018) - Download, 2020
  • Embryo Paradise: Live in Japan 2019 - 2 CDs, 2020
  • Live Behind The Green Door - LP, 2020
  • Auf Auf - CD, 2021
  • Vagabunden Karawane, 1980 (von Werner Penzel)
  • Embryo - Free4Ever you think, 2018 (von Michael Wehmeyer)
  • Alexander Simmeth: Krautrock transnational. Die Neuerfindung der Popmusik in der BRD, 1968–1978, Transcript Verlag, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-8376-3424-2
Commons: Embryo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Jochen: „Embryo“-Gründungsmitglied Edgar Hofmann gestorben. [progrock-dt], 23. Februar 2026, abgerufen am 25. Februar 2026.
  2. ↑ Embryo - Presse 2006. 12. Oktober 2006, archiviert vom Original am 12. Oktober 2006; abgerufen am 14. März 2021.
  3. ↑ April. Abgerufen am 25. Februar 2021.
  4. ↑ Embryo – Krautrockurgestein. Bandleader Christian Burchard erinnert sich. In: ChristophWagnerMusic.blogspot.com. 25. August 2017, abgerufen am 14. Mai 2019: „Dort haben wir das Album ‚Embryo’s Rache‘ veröffentlicht. Doch waren wir denen zu avantgardistisch, obwohl die Platte gut lief. Wir schafften es sogar in die LP-Charts. Der Titel ‚Tausendfüßler‘ wurde überall im Radio gespielt, war ein richtiger Rundfunkhit.“
  5. ↑ Embryo’s Rache. Indigo, archiviert vom Original am 14. Mai 2019; abgerufen am 14. Mai 2019.
  6. 1 2 Bernd Gockel: Embryo wächst und gedeiht. In: Sounds. Nr. 49, März 1973, S. 34–35.
  7. ↑ Hermann Haring: Chris Braun Band. In: Sounds. Nr. 4, April 1973, S. 10.
  8. ↑ Zwei neue Embryo-Platten. In: Sounds. Nr. 11, November 1973, S. 8.
  9. ↑ Embryo beendet die Sommerpause im Archiv. Archiv für populäre Musik im Ruhrgebiet, 28. August 2017, abgerufen am 7. Mai 2019.
  10. ↑ Seit 42 Jahren auf Tour: Die Reise von Embryo geht weiter. In: mittelbayerische.de. 16. September 2011, archiviert vom Original am 6. Mai 2019; abgerufen am 6. Mai 2019.
  11. 1 2 Dirk Wagner: Der Schatten des Vaters. In: sueddeutsche.de, 29. September 2016, abgerufen am 6. Mai 2019.
  12. ↑ Hanni Kinadeter: 50 Jahre „Embryo“: Krautrockband feiert Jubiläum. In: hallo-muenchen.de. 30. April 2019, abgerufen am 15. Mai 2019.
  13. ↑ Musikalischer Geheimtipp auf dem Venusberg. In: traunsteiner-tagblatt.de. 2. Juni 2018, abgerufen am 8. Mai 2019.
  14. ↑ Help Embryo Get Back on the Road. Abgerufen am 24. August 2026.
  15. ↑ Bernd Gockel: Embryo: Steig aus! In: Sounds. Nr. 4, April 1973, S. 44 (Rubrik „Plattenkritik“).