Emergency Rescue Committee

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Das Emergency Rescue Committee (ERC) war eine Hilfsorganisation für Flüchtlinge vor dem NS-Regime in Frankreich in der Zeit von 1940 bis 1942. Koordiniert wurde die Rettung zahlreicher europäischer Intellektueller und Künstler durch den amerikanischen Journalisten Varian Fry. Nach dessen Verhaftung und Abschiebung aus Marseille war das ERC an der Gründung des International Rescue Committee beteiligt.[1]

Gründung, Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel, Potsdamer Straße 1, in Berlin-Tiergarten

Das ERC wurde im Juni 1940 in New York auf Initiative u. a. der österreichischen Emigranten Karl Frank (aka Paul Hagen) und Joseph Buttinger mit Unterstützung von Thomas und Erika Mann gegründet.[2] Dramatischer Anlass war die vorausgegangene militärische Niederlage des republikanischen Frankreichs gegen die nationalsozialistische deutsche Wehrmacht. In dem aufgezwungenen Waffenstillstand vom 22. Juni 1940 wurde Frankreich verpflichtet, jede Person auszuliefern, die die deutschen Behörden verlangten. Damit waren vor allem die politischen Emigranten aus Deutschland und Österreich in Gefahr, in die Fänge von Gestapo und SS zu geraten.

Das ERC verhalf von seiner Gründung bis zur kompletten Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen Ende 1942 intellektuellen Gegnern der Nationalsozialisten zur Flucht in die USA. Die Mehrzahl der Emigranten war mit Beginn der Kriegshandlungen in miserabel ausgestatteten Lagern interniert und zusammengepfercht worden und musste die Überführung in Konzentrationslager, Folter und Tod befürchten.

Der Journalist Varian Fry wurde vom ERC nach Marseille geschickt, wo er einen Mitarbeiterstab aus zum Teil selbst von der Verfolgung Bedrohten um sich sammelte, wie den Schriftsteller Hans Sahl und den Ökonomen Albert O. Hirschman. Seine Arbeit reichte von der materiellen Unterstützung bis zur Organisation der Ausreise, mit legalen und illegalen Mitteln.[2] Papiere und Visen mussten besorgt, Schiffsplätze gekauft, heimliche Wege über die spanische Grenze organisiert werden.

Bekannt ist zum Beispiel das tragische Ende der Flucht von Walter Benjamin, der sich in Spanien aus Angst, nach Frankreich zurückgeschickt zu werden, das Leben nahm.[2] Aber viele Persönlichkeiten verdanken dem ERC und Varian Fry ihr Leben, insgesamt über 2.000.

Vom ERC Gerettete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

     

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Boyer, Paul S. (Hg.): Oxford Companion to United States History. New York: Oxford University Press, 2001, 675.
  • Lackner, Herbert: Die Flucht der Dichter und Denker. Wie Europas Künstler und Wissenschaftler den Nazis entkamen. Wien: Carl Ueberreuter Verlag, 2017. 96-102.
  • Lash, Joseph: Eleanor and Franklin. New York: W.W. Norton & Company, 1971, 635-637.
  • Weinberg, Sheila: A Hero of Our Own: The Story of Varian Fry. New York: Random House, 2001, passim.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Emergency Rescue Committee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c The Life of Eleanor Roosevelt Papers Project: Emergency Rescue Committee, abgerufen am 14. Oktober 2017
  2. a b c Herbert Lackner: Die Flucht der Dichter und Denker, Nachrichtenmagazin Profil - Ausgabe 15/2015, Seite 33
  3. a b c Herbert Lackner: Die Flucht der Dichter und Denker, Nachrichtenmagazin Profil - Ausgabe 15/2015, Seite 34 bis 36
  4. Eine eindringliche Schilderung der Flucht nach Spanien und Portugal sowie zur Rolle Varian Frys und des Emergency Rescue Committee findet sich bei Manfred Flügge: Heinrich Mann. Eine Biographie, 2006, S.284-392