Emil Bieber

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

August Emil Julius Berlin-Bieber (* 8. Januar 1878 in Hamburg; † 29. April 1962 in Kapstadt) war ein deutscher Fotograf mit Atelier in Hamburg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emil Berlin-Bieber wurde 1878 als Sohn des Fotografen Leonard Berlin in Hamburg geboren. 1892 übersiedelte er mit seinen Eltern nach Berlin. 1897 begann er eine Ausbildung zum Fotografen. Während seiner Lehre arbeitete er in Budapest und London bei Freunden seines Vaters. Ab 1903 war er gemeinsam mit seinem Vater Mitinhaber des fotografischen Ateliers E. Bieber in Berlin und Hamburg. Nach 1911 war er alleiniger Inhaber des Ateliers E. Bieber in Hamburg.

In der Zeit des Nationalsozialismus verschlechterten sich für Juden wie ihn die Arbeits- und Lebensbedingungen. Mit seiner Familie verließ er 1938 das Deutsche Reich[1]. Nach einem kurzen Aufenthalt in England übersiedelte er nach Südafrika. Ein vergleichbarer Erfolg wie in Hamburg gelang ihm nicht mehr. Emil Berlin-Bieber verstarb 1962 in Kapstadt.

Das fotografische Atelier E. Bieber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der Führung von Emil Berlin-Bieber wurde das fotografische Atelier E. Bieber zu einem der bedeutendsten für Porträtaufnahmen in Deutschland. Zahlreiche Aufnahmen von Persönlichkeiten wie Albert Ballin, Carl Hagenbeck und Wilhelm II. und weniger bekannten Personen wie Carl Zarniko, Franziska Ellmenreich und Friedrich Bolte wurden mit einem Blindstempel signiert[2].

Nachdem Emil Berlin-Bieber Mitinhaber des Ateliers geworden war, verlegte er das Atelier 1904 in den (Alten) Jungfernstieg 8/9 Ecke Neuer Wall. Gemeinsam mit dem Hamburger Fotografen Rudolf Dührkoop war er zugleich einer der ersten, die Porträtaufnahmen auch außerhalb der Atelierräume machten.

„„Bis 1933 führte ich den Betrieb im Hause Jungfernstieg 8 mit durchschnittlich 18-20 Angestellten und Jahresumsätzen von um und über RM 100.00,-. Die Jahresgewinne beliefen sich auf etwa RM 20.000 bis 25.000. Die besondere Bedeutung meines Ateliers lag in Folgendem: Neben den photographischen Bildniswerkstätten führte ich auch ein großes Mal-Atelier, in dem durchschnittlich 3 akademische Porträtmaler beschäftigt waren. Außerdem hatte ich ein Dauerabkommen mit der führenden hamburgischen Presse, die ich mit Porträts von hervorragenden Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wissenschaft belieferte.““

Emil Berlin-Bieber: Schreiben an das Amt für Wiedergutmachung vom 17. August 1954.[3]

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann der quälerische Niedergang des fotografischen Ateliers E. Bieber. Eine Fortsetzung des Atelierbetriebes nach 1938 misslang.

Die 35.000 Platten des Ateliers gelangten nach dem Krieg nahezu vollständig und unversehrt an den Axel-Springer-Verlag. Dieser geordnete Bestand von großem historischem Wert wurde Anfang des Jahres 1958 [4] mit dem Einverständnis Emil Biebers[5] an Interessierte verteilt und so als Sammlung unwiederbringlich zerstört.

Revers einer CdV des Atelier E. Bieber aus der Schaffenszeit von Emilie Bieber mit dem Schriftzug, den auch Emil Berlin-Bieber als Blindstempel nutzte.

Hofphotograph[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich seiner Vermählung verlieh Kronprinz Wilhelm ihm 1905 den Titel Hoflieferant.[6]

Urheberrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hamburger Fotograf Klaus Niermann erwarb 2004 die Verwertungs- und Urheberrechte an Emil Biebers Nachlass von dessen Sohn[Anm. 1].

Hedwig Bieber, fotografisches Atelier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab zwischen 1920 und ca. 1965 ein weiteres Fotoatelier mit dem Namen Bieber in Hamburg. Es gehörte der Porträtfotografin Hedwig Bieber (1887–1976). Familienangehörige waren früher Glockengießer in Hamburg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Hamburger Adressbücher SUB – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Fotograf Klaus Niermann schreibt auf seiner Webseite (Emil Bieber): „Ein bedeutender Teil der Fotos, Platten sowie eine umfangreiche Chronik befinden sich seit 1982 im Besitz von Klaus Niermann.“ Fotografien wurden während der Existenz des Ateliers (1852–1938) mit einem Schriftzug oder Blindstempel E. Bieber markiert, -unabhängig von dem jeweiligen Inhaber des Ateliers. Um festzustellen, ob es sich um eine Fotografie von Emil Berlin-Bieber handelt, infolgedessen Verwertungs- und/oder Urheberrechte geltend gemacht werden könnten, ist daher u.a. das Jahr der Herstellung ausschlaggebend. Wenig Beachtung bezüglich der Urheberrechte hat bisher der Umstand gefunden, dass Emil Berlin-Bieber in einer Veröffentlichung des Hamburger Abendblattes vom 15. Januar 1958 die ca. 35.000 Platten seines ehemaligen Archives verschenkt hatte.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilfried Weinke: Verdrängt, vertrieben, aber nicht vergessen. , S. 45.
  2. Abbildung einer vollständigen Seite des Berliner Feuilleton-Korrespondenz Nr. 51 vom 20. Januar 1909 mit den Namen der bis dato fotografierten Regierenden Fürsten, Prinzen, Aristrokraten, Bürgermeister, Senatoren, Minister, Diplomaten, Gelehrte, Ärzte, etc. in Wilfried Weinke: Verdrängt, vertrieben, aber nicht vergessen., S. 69.
  3. Wilfried Weinke: Verdrängt, vertrieben, aber nicht vergessen., S. 42.
  4. Rudolf Weschinsky: Er wollte keine Masken, Hamburger Abendblatt, Nr. 25 vom 30. Januar 1958, S. 9, Zum ersten Male flammt der Blitz, Nr. 29 vom 4. Februar 1958, S. 9 und Und plötzlich steht die Vergangenheit auf, Nr. 39 vom 15. Februar 1958, S. 5
  5. Rudolf Weschinsky: Bitte lächeln Majestät, Hamburger Abendblatt, Nr. 21 vom 25. Januar 1958, S. 11 (siehe Kasten: Ein Geschenk für viele Hamburger)
  6. Photographische Korrespondenz, Bd. 42, Wien u. Leipzig, 1905, S. 340