Emil Heilbut

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Emil Heilbut (* 1861 in Hamburg; † 1921 in Montreux[1]) war ein deutscher Kunstsammler und -vermittler, Publizist und Kunstkritiker. Er trug wesentlich zur Durchsetzung des französischen Impressionismus im Deutschen Kaiserreich bei.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emil Heilbut, der Sohn eines Hamburger Rabbiners, betätigte sich zunächst als Maler im impressionistischen Stil; er wurde wahrscheinlich durch seinen Onkel, den in Frankreich lebenden Onkel Ferdinand Heilbut (1826–1889) in die Pariser Kunstszene eingeführt.[3] Er betätigte sich zunächst als Kunstsammler und -vermittler, gelegentlich als Kunsthändler.

Heilbut gehörte mit Carl Bernstein zu den ersten Sammlern in Deutschland, die in den 1880er-Jahren Werke der französischen Impressionismus besaßen. Heilbut nannte die früheste Sammlung von Gemälden Claude Monets in Deutschland sein Eigen, sammelte jedoch bis hin zu Paul Cézanne und James McNeill Whistler, mit dem er als Mitglied des Kunstvereins (1870–80) zur Vorbereitung der Großen Kunst-Ausstellung des Kunst-Vereins in der Kunsthalle Hamburg korrespondierte.[4]

Paul Cézanne: Landschaft mit Pappeln, 1885–87, National Gallery (London)

In Heilbuts Besitz befanden sich u. a. drei Gemälde von Claude Monet.[5] Die Werke der Franzosen Courbet, Corot, Rousseau und Millet wurden dem Sammlerehepaar Erdwin und Antonie Amsinck durch Emil Heilbut vermittelt.[6] Von Auguste Rodin hatte er eine Büste Antonin Prousts erworben.[7] Von Ambroise Vollard erwarb er 1895 ein Pastell von Edgar Degas,[8] 1900 für 6.000 Francs drei Gemälde von Paul Cézanne (Landschaft mit Pappeln, Stillleben mit Äpfeln und Birnen).[9]

1889 hielt Heilbut Vorträge über französische Kunst des 19. Jahrhunderts an der Weimarer Kunstschule und stellte seine Monet-Gemälde dem Publikum vor, was anwesende Künstler wie Christian Rohlfs, Theodor Hagen und Ludwig von Gleichen-Rußwurm stark beeinflusste.[5] So kam es, dass „die von Heilbut vermittelte Anschauung Monetscher Bildsprache einen wichtigen Entwicklungsschub innerhalb der Weimarer Malerschule auslöste“.[2]

Bruno Cassirer lernte Heilbut als Mitarbeiter von Maximilian Hardens politischer Wochenzeitschrift Die Zukunft kennen.[10] Heilbut war dann ab 1902 mit Cäsar Flaischlen Redakteur der Zeitschrift Kunst und Künstler. Monatsschrift für Bildende Kunst und Kunstgewerbe, die bei Bruno Cassirer verlegt wurde und sich zur führenden Kunstzeitschrift Deutschlands entwickelte.[11] 1907 wurde Heilbut von Karl Scheffler abgelöst, der die Zeitschrift bis zur letzten Nummer im Mai 1933 betreute. Heilbut schrieb u. a. über die Berliner Secession, die Wiener Secession und die Sammlung Linde. 1903 veröffentlichte Heilbut den schmalen Band Die Impressionisten im Verlag Bruno Cassirer.

Heilbut hat mit seinem vielseitigen Schaffen wesentlich dazu beigetragen, die moderne Kunst im Deutschen Kaiserreich zu etablieren. Mit namhaften Kritikern der frühen Moderne wie Julius Meier-Graefe, Richard Muther oder Cornelius Gurlitt setzte er sich für die damals neuen Kunstströmungen vehement ein, insbesondere für moderne Künstler wie Max Liebermann (den er in seiner „Studie über den Naturalismus und Max Liebermann“ (1887) als „tapferste[n] Vorläufer der neuen Kunst in Deutschland“ bezeichnete[12][13]), Vincent van Gogh und Cézanne;[14] er verteidigte in den Kunstdebatten seiner Zeit aber auch Künstler des 19. Jahrhunderts wie Caspar David Friedrich[15] und Arnold Böcklin.[10]

Gleichzeitig beschäftigte er sich nicht nur mit der französischen und deutschen, sondern auch intensiv mit der skandinavischen und englischen Kunst, über die er in zahlreichen Zeitschriften und Zeitungen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts Artikel veröffentlichte, u. a. in Die Kunst für Alle (1887), Pan, Tag, Zeitschrift für bildende Kunst, Die Nation, Freie Bühne für Modernes Leben und in der Neuen Rundschau

Er pflegte Umgang mit Harry Graf Kessler[16] und korrespondierte mit einer Reihe von Künstlern und Intellektuellen seiner Zeit, u. a. mit Gerhart Hauptmann, Otto Brahm und Max Slevogt[17]. Er veröffentlichte seine Beträge z. T. auch unter dem Pseudonym Herman(n) Helferich.[5]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hendrik Ziegler: Emil Heilbut. Ein früher Apologet Claude Monets. In: Andrea Pophanken, Felix Billeter (Hrsg.): Die Moderne und ihre Sammler. Französische Kunst in deutschem Privatbesitz vom Kaiserreich zur Weimarer Republik (= Passagen. Bd. 3). Akademie-Verlag, Berlin 2001, ISBN 978-3-05-003546-8, S. 41–65 (Digitalisat, PDF; 13 MB).
  • Heilbut, Emil. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 10: Güde–Hein. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. Saur, München 2002, ISBN 3-598-22690-X, S. 237 f.
  • Sabine Schlenker: Mit dem „Talent der Augen“. Der Kunstkritiker Emil Heilbut (1861–1921). Ein Streiter für die moderne Kunst im Deutschen Kaiserreich. VDG-Verlag, Weimar 2007 [zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation 2006], ISBN 978-3-89739-563-3 (Übersicht).

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bruno Jahn: Die deutschsprachige Presse: Ein biographisch-bibliographisches Handbuch. 2 Bde. Saur, München 2005, DNB 975914197, Bd. 1, Sp. 421.
  2. a b Matthias Hamann: Literaturbesprechung. In: historisches-centrum.de; Rezension zu: Andrea Pophanken, Felix Billeter (Hrsg.): Die Moderne und ihre Sammler. Französische Kunst in deutschem Privatbesitz vom Kaiserreich zur Weimarer Republik (= Passagen. Bd. 3). Akademie-Verlag, Berlin 2001, ISBN 978-3-05-003546-8.
  3. Sven Kuhrau: Der Kunstsammler im Kaiserreich: Kunst und Repräsentation in der Berliner Privatsammlerkultur. Ludwig, Kiel 2005 [zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation 2002], ISBN 978-3-937719-20-7, S. 266.
  4. Emil Heilbut, 1861–1921 (Biogramm). In: The Correspondence of James McNeill Whistler, On-line Edition, University of Glasgow.
  5. a b c Peter Stapf: Der Maler Max Thedy (1858–1924). Leben und Werk. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2014 [zugleich: Jena, Universität, Dissertation 2013], ISBN 978-3-412-22264-2, S. 107.
  6. Andrea Meyer: Zwischen Original und (Ver-)Fälschung. Werke von Jean-François Millet in deutschem Privatbesitz. In: Ulrike Wolff-Thomsen, Sven Kuhrau (Hrsg.): Geschmacksgeschichte(n). Öffentliches und privates Kunstsammeln in Deutschland 1871–1933. Ludwig, Kiel 2011, ISBN 978-3-86935-133-9, S. 55–75, hier 58.
  7. Stephan Wolohojian unter Mitarbeit von Anna Tahinci (Hrsg.): A private passion. 19th-Century Paintings and Drawings from the Grenville L. Winthrop Collection, Harvard University. [Ausstellungskatalog, Musée de Beaux Arts, Lyon, The National Gallery, London, The Metropolitan Museum of Art, New York.] Yale University Press, New Haven [u. a.] 2003, ISBN 1-588-39076-4, S. 288 (auszugsweises Digitalisat).
  8. Gloria Groom: Vollard and German Collectors. In: Rebecca A. Rabinow (Hrsg.): Cézanne to Picasso: Ambroise Vollard, Patron of the Avant-Garde. [Ausstellungskatalog The Metropolitan Museum of Art, New York, The Art Institute of Chicago, Musée d'Orsay, Paris.] The Metropolitan Museum of Art, New York und Yale University Press, New Haven, Conn./London 2006, ISBN 0-300-11779-5, S. 231–242, hier 237 (auszugsweises Digitalisat).
  9. Rebecca A. Rabinow, Jayne S. Warman: Selected Chronology. In: Rebecca A. Rabinow (Hrsg.): Cézanne to Picasso: Ambroise Vollard, Patron of the Avant-Garde. [Ausstellungskatalog The Metropolitan Museum of Art, New York, The Art Institute of Chicago, Musée d'Orsay, Paris.] The Metropolitan Museum of Art, New York und Yale University Press, New Haven, Conn./London 2006, ISBN 0-300-11779-5, S. 274–304, hier 279.
  10. a b Julius Meier-Graefe: Kunst ist nicht für Kunstgeschichte da. Briefe und Dokumente. Herausgegeben und kommentiert von Catherine Krahmer unter Mitwirkung von Ingrid Grüninger (= Veröffentlichungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Bd. 77). Wallstein, Göttingen 2001, ISBN 978-3-89244-412-1, S. 380 (auszugsweises Digitalisat).
  11. Horst Uhr: Lovis Corinth (= California studies in the history of art. Bd. 27). University of California Press, Berkeley/Los Angeles/Oxford 1990, ISBN 0-520-06776-2, S. 130 (auszugsweises Digitalisat).
  12. Hermann Helferich [Emil Heilbut]: Studie über den Naturalismus und Max Liebermann. In: Die Kunst für Alle, Bd. 2, 1887, H. 14, S. 209–214, 225–229, Bd. 12, 1897, H. 15, 225–228, hier Bd. 2, S. 229.
  13. Gesa Jeuthe: Die Wertschätzung der deutschen Kunst. Zur Preisentwicklung der Werke von Max Liebermann und Emil Nolde. In: Maike Steinkamp, Ute Haug (Hrsg.): Werke und Werte. Über das Handeln und Sammeln von Kunst im Nationalsozialismus (= Schriften der Forschungsstelle „Entartete Kunst“. Bd. 5). Akademie-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-05-004497-2, S. 3–22, hier 5 und 18 (auszugsweises Digitalisat).
  14. Sowohl Emil Heilbut als auch Julius Meier-Gräfe deuteten das Werk van Goghs, ebenso wie das Cézannes, als „exzessiv, heftig und als Ausdruck inneren Drangs“ – eine Begrifflichkeit, die beide Künstler deutlich aus dem Zusammenhang mit dem „französischen Impressionismus“ herausnahm und die zugleich in den folgenden Jahren die deutsche Rezeption der „expressionistischen“ Kunst prägte. Zit. nach: Daniela Wilmes: Wettbewerb um die Moderne. Zur Geschichte des Kunsthandels in Köln nach 1945 (= Schriften zur modernen Kunsthistoriographie. Bd. 2). Akademie-Verlag, Berlin 2012 [zugleich: Bonn, Universität, Dissertation 2011], ISBN 978-3-05-005197-0, S. 31 (auszugsweises Digitalisat).
  15. Christian Scholl: Historisierter Klassizismus. Die Odyssee-Landschaften Friedrich Prellers d. Ä. und ihre zeitgenössische Rezeption. In: Ernst Osterkamp, Thorsten Valk (Hrsg.): Imagination und Evidenz. Transformationen der Antike im ästhetischen Historismus (= Klassik und Moderne. Schriftenreihe der Klassik Stiftung Weimar. Bd. 3). De Gruyter, Berlin/Boston 2011, ISBN 978-3-11-025297-2, S.  101–128, hier 124 (auszugsweises Digitalisat).
  16. Dem Schauspieler Edward Gordon Craig verschaffte er auf Harry Graf Kesslers Bitte Zugang zu Otto Brahm, dem Direktor des Berliner Lessingtheaters. S. 54. Vgl. Uta Grund: Zwischen den Künsten. Edward Gordon Craig und das Bildertheater um 1900. Akademie-Verlag, Berlin 2002 [zugleich: Berlin, Humboldt-Universität, Dissertation 1999], ISBN 978-3-05-003721-9, S. 66 (auszugsweises Digitalisat).
  17. 12 Briefe von und an Emil Heilbut. In: Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin, abgerufen am 14. Februar 2018.