Emil Steffann

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Skizze Notscheune Boust (Titelseite Katalog Emil Steffann, Düsseldorf 1981)

Emil Steffann, häufige Schreibweise: Emil Steffan, (* 31. Januar 1899 in Gadderbaum, heute Bielefeld; † 23. Juli 1968 in Bonn) war ein deutscher Architekt, der vor allem auf dem Gebiet Kirchen- und Klosterarchitektur wirkte.

Franziskanerkirche St. Marien, Köln
St. Laurentius, München
St. Konrad, Duisburg-Fahrn
St. Hedwig, Köln-Höhenhaus
St Elisabeth, Essen
St. Bonifacius, Essen-Huttrop
St. Maria in den Benden, Düsseldorf-Wersten
St. Helena. Bonn
St. Bonifatius, Lübeck
St. Remaclus, Cochem-Cond/Mosel

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emil Steffann war der Sohn eines Arztes der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Seine Vorfahren waren Hugenotten. Nach Abitur und anschließendem Kriegsdienst 1917/1918 im ersten Weltkrieg als Luftauskundschafter besuchte er bis 1921 die Bildhauerklassen der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bielefeld und der Kunstgewerbeschule Berlin. Von 1921 bis 1928 folgten vielseitige autodidaktische Studien in Architekturbüros und auf Baustellen, sowie in der Baugewerkschule Lübeck (Professor Münch). Dort begegnete er Walter Gropius und baute sein erstes Wohnhaus.

Im Jahre 1926 reiste Steffann nach Assisi. Von Assisi und dem Heiligen Franz von Assisi tief beeindruckt, wurde er Katholik. Von den Fragen der sich erneuernden Liturgie und des Kirchenbaus angezogen, besuchte er 1931 in Aachen die Fronleichnamskirche (Architekt Rudolf Schwarz mit Hans Schwippert). Steffann wurde Mitglied der katholischen Jugendbewegung Quickborn, die sich auf der Burg Rothenfels traf. Dort lernte er Romano Guardini und andere kennen, die sich für eine Erneuerung der Liturgie und des Kirchenbaus einsetzten. Rudolf Schwarz übertrug ihm die Bauleitung seines für Guardini entworfenen Wohnhauses in Berlin, gemeinsam beteiligten sie sich am Kirchenbauwettbewerb St. Anna in Berlin-Lichterfelde.

In Lübeck entwarf Steffann Untergrund- und Hauskirchen für vom Nationalsozialismus bedrängte Katholiken (u.a. in Schlutup) und beschäftigte sich mit kleinen Bauaufgaben in dieser katholischen Diaspora.

St. Remaclus. Innenraum

Während des Zweiten Weltkriegs übernahm 1941 Rudolf Schwarz die Landesplanung im von den Deutschen besetzten Lothringen. Seinem Planungsstab gehörte neben Rudolf Steinbach unter anderem auch Emil Steffann an. Steffann befasste sich mit dem Wiederaufbau kriegszerstörter Dörfer. In Boust baute er aus Kriegstrümmern ein Landarbeiterhaus an der alten Römerstraße und schuf mit seiner Gemeinschaftsscheune eine neue Dorfmitte.[1] Mit Hilfe der freitragenden Dachkonstruktion, die er nach dem Krieg patentieren ließ, errichtete Steffann eine stützenfreie Halle, die über ein großes Scheunentor erschlossen wurde und für ihn eine Kirche bedeutete. Er entwickelte Gedanken über ein sinngerechtes Bauen, was für ihn ein material-, konstruktions- und sinngerechtes Bauen voraussetzte und bedeutete. Er verfasste die Baufibel für Lothringen.[2][3]

1944 bis 1946 mit seiner Familie in Frankreich interniert, entwickelte Steffann Typenhäuser aus Trümmermaterial für das kriegszerstörte Deutschland. Nach Lübeck zurückgekehrt, setzte er sich für den Wiederaufbau der kriegszerstörten Altstadt ein. Rudolf Schwarz holte ihn nach Köln, wo Steffann zwischen 1947 und 1949 dem Siedlungswerk der Erzdiözese Köln vorstand und Siedlungen entwarf. 1949 bezog Steffann mit seiner Familie ein kleines Holzfertighaus (Architekt Alfons Leitl) in Mehlem. Dieses Haus wurde zu seiner Wohn- und Werkstatt bis zu seinem Tod 1968. In dieser Zeit baute er mit seinem Bauatelier zahlreiche Kirchen, Klöster und Sozialbauten. Wichtige Mitarbeiter wurden Nikolaus Rosiny, Heinz Bienefeld und Gisberth Hülsmann.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für sein beispielgebendes Wirken im Kirchenbau wurden 1964 Steffann die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Darmstadt, der Staatspreis für Architektur des Landes Nordrhein-Westfalen und 1965 das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.

Rezeption (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1979 widmete die Bauwelt Emil Steffann ein ganzes Heft.[4]
  • 1980 zeigte die Kunsthalle Bielfeld in der Studiogalerie die Ausstellung Emil Steffann (kuratiert von Gisberth Hülsmann mit Manfred Sundermann in Zusammenarbeit mit Ulrich Weisner und Herbert Muck)
  • 1981 eröffnete die Akademie der Architektenkammer NRW in der Kunstakademie Düsseldorf die von Manfred Sundermann kuratierte Wanderausstellung Zwei Rheinische Baumeister des XX.Jahrhundert Rudolf Schwarz und Emil Steffann mit dem Symposium Über die Rückführung der Architektur auf die Philosophie
  • Die Archives d’architecture moderne, AMA Brüssel, stellten in der Nr. 21-1981, sein Werk vor
  • Die Architektur Biennale Venedig 1992 Sakrale Architektur widmete sich dem Schaffen des Bauateliers Emil Steffann
  • Conradt Lienhardt veröffentlichte 1999 zur Ausstellung in der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz und im Franz Hitze Haus Münster die Monografie Emil Steffann (1899-1968) Werk/Theorie/Wirkung
  • 1999 veröffentlichte Susanne Grexa ihre Doktorarbeit Der Architekt Emil Steffann 1899-1968. der Verzicht auf Originalität als Programm (Microfiche)
  • 2009 veröffentlichte der italienische Architekt und Bauhistoriker Tino Grisi seinen Essay Handlung ist alles, Form ist nichts. Die Wandlung des Raumes: Romano Guardini und Emil Steffann zum 40. Todesjahre (deutsch/italienisch) und 2014 seine Doktorarbeit "Können wir noch Kirchen bauen?". Emil Steffann und sein Atelier
  • 2017 veranstaltet der Lehrstuhl für Architekturgeschichte der RWTH Aachen das Seminar "Gebaute Einfachheit - Zum Werk des Architekten Emil Steffann (1899 -1968)" zur Vorbereitung einer Ausstellung über Emil Steffann[5]

Charakteristische Merkmale seines Werkes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ein abgeschlossenen Kirchengelände aus Mauern und Höfen, die vor dem Treiben und Lärm der Straße schützen
  • einen Hof vor dem Gotteshaus zur Sammlung (frühchristlichen Kirchen vergleichbar)
  • Seitliches, nicht zentrales Erschließen der Kirche über eine Raumfolge aus Höfen, Wegen und seitlichen, niedrigen Anbauten
  • massive Mauern aus Trümmermaterial, Stein (Strebepfeiler und Rundbögen, Masse und Öffnung)
  • offene Dachstühle
  • altbewährter Mauer- und Zimmermannstechniken: rau belassene Mauern aus Bruch- oder Ziegelsteinen
  • sichtbare Dachkonstruktionen
  • einfache Baukörper, -weisen und -formen
  • abgestuftes Licht.

Werk (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere von Emil Steffann entworfene Kirchen wurden inzwischen abgerissen oder profaniert und umgewidmet.[24]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gisberth Hülsmann: Emil Steffann 1899-1968, Emil Steffanns Skizzen zur zerstörten Ortsmitte von Bust. Werk, Bauen + Wohnen, 68 (1981), abgerufen am 15,07.2017 (deutsch).
  2. Gerhild Krebs: Emil Steffann. In: Aus: Rainer Hudemann unter Mitarbeit von Marcus Hahn, Gerhild Krebs und Johannes Großmann (Hg.), Stätten grenzüberschreitender Erinnerung – Spuren der Vernetzung des Saar-Lor-Lux-Raumes im 19. und 20. Jahrhundert. Lieux de la mémoire transfrontalière – Traces et réseau x dans l’espace Sarre-Lor-Lux aux 19e et 20e siècles, Saarbrücken 2002, 3., technisch überarbeitete Auflage 200 9. Publiziert als CD-ROM sowie im Internet unter www.memotransfront.uni-saarland.de. Rainer Hudemann unter Mitarbeit von Marcus Hahn, Gerhild Krebs und Johannes Großmann (Hg.),, 2002, 2009, abgerufen am 17.März 2017 (deutsch / französisch).
  3. Von Gisberth Hülsmann in der Zeitschrift arch+ (Nr. 72 vom 1. Dezember 1983) veröffentlicht und erläutert
  4. Bauwelt Nr. 19 vom 18. Mai 1979, Zeitgemäßes Unzeitgemäßes
  5. Caoline Helmenstein: Gebaute Einfachheit - Zum Werk des Architekten Emil Steffann (1899-1968). RWTH Aachen, Lehrstuhl für Architekturgeschichte, Sommersemester 2017, abgerufen am 28.April 2017 (deutsch).
  6. Der Baumeister, Jahrgang 1960, Heft 8
  7. http://www.hda-koeln.de/2006-11-07-bda.html
  8. http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/nord/katholische-kirche-trennt-sich-von-gotteshaus-in-duisburg-fahrn-id6734717.html
  9. kirchensite (Bistum Münster)
  10. Homepage St. Franziskus, Marl
  11. http://www.koelnarchitektur.de/pages/de/architekturfuehrer/95.htm
  12. http://www.aknw.de/aktuell/architekten-in-nrw/retrospektive/detailansicht/artikel/nikolaus-rosiny-1926-2011-dem-gemeinwohl-verpflichtet/
  13. http://www.dwb-nw.de/index.php?id=44&tx_ttnews%5Btt_news%5D=61&cHash=265fed59e9d19427fd05f64899262611
  14. a b c Liste Essener Sakralbauten
  15. http://gemeinde-st-bonifatius-stahldorf.kibac.de/seiten/scheune
  16. http://geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_462000.pdf
  17. http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/pfarreiengemeinschaft_eller_lierenfeld/wir_fuer_sie/Pfarrkirchen/sankt_augustinus.html (Memento vom 23. März 2014 im Internet Archive)
  18. http://www.architektur-ruhr.de/test2007/view.php?id=248
  19. Kulturstadt Köln
  20. http://www.hda-koeln.de/2006-11-08-bda.html
  21. Der Baumeister, Jahrgang 1963, Heft 8
  22. Gemeinde St. Walburga, Porta Westfalica
  23. http://www.hda-koeln.de/2006-11-10-bda.html
  24. Wolfgang Pehnt: Kirchensterben. Deutschland schleift seine Gotteshäuser. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. August 2005, S. 35.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Emil Steffan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien