Emilio Segrè

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Emilio Segrè (1959)

Emilio Gino Segrè (* 1. Februar 1905 in Tivoli, Italien; † 22. April 1989 in Lafayette, Kalifornien) war ein amerikanischer Physiker italienischer Herkunft. Segrè gelang 1937 der erste unumstrittene Nachweis des Elements Technetium. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete er am Manhattan-Projekt zur Entwicklung der Atombombe in Los Alamos mit. Er erhielt 1959 zusammen mit Owen Chamberlain den Physik-Nobelpreis „für ihre Entdeckung des Antiprotons“.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Segrè wurde in Tivoli geboren und schrieb sich an der Universität La Sapienza in Rom für Ingenieurwissenschaften ein. 1927 wechselte er zur Physik und schloss 1928 seine Studien mit der Promotion unter Enrico Fermi ab.

Nach seiner Armeezeit 1928/29 arbeitete er 1930 mit Otto Stern in Hamburg und Pieter Zeeman in Amsterdam als Rockefeller Stipendiat. 1932 wurde er Assistenzprofessor für Physik in Rom und blieb dort bis 1936, als er Direktor der Physiklaboratorien an der Universität Palermo wurde (bis 1938).

Nach einem Besuch bei Ernest O. Lawrence im Strahlenlabor der University of California, Berkeley 1937 erhielt er einen Molybdän-Streifen aus dem Zyklotron-Deflektor mit ungewöhnlichen radioaktiven Emissionen. Nach chemischer und theoretischer Analyse konnte Segrè zeigen, dass es sich um ein unentdecktes chemisches Element handelte, dem er den Namen Technetium gab. Es war das erste künstlich erzeugte Element, von dem es keine natürlichen Vorkommen gibt.

Während eines Sommeraufenthalts Segrès in Kalifornien 1938 erließen Mussolinis Faschisten in Italien antisemitische Gesetze, die Juden aus Universitätspositionen ausschlossen. Als Jude war Segrè damit zur Emigration aus Italien gezwungen und blieb in den USA. Lawrence verschaffte ihm eine Anstellung als Assistent im Strahlenlabor von Berkeley für 300 US-Dollar monatlich, für den Entdecker eines neuen Elementes freilich eine sehr niedrige Position. Da Segrè gesetzlich an Kalifornien gebunden war, verringerte Lawrence dessen Gehalt auf 116 US-Dollar. Segrè fand parallel dazu eine Anstellung als Lecturer an der University of California, Berkeley. In Berkeley war Segrè an der Entdeckung des Elementes Astat sowie des Plutonium-Isotops 239 beteiligt, welches später in der Atombombe, die auf Nagasaki abgeworfen wurde, Verwendung fand.

Von 1943 bis 1946 arbeitete Segrè am Manhattan-Projekt des Los Alamos National Laboratory als Gruppenleiter mit. 1944 wurde er Bürger der Vereinigten Staaten. Er kehrte 1946 als Physikprofessor nach Berkeley zurück, was er bis 1972 blieb. 1974 nahm er in Rom eine Professur für Kernphysik an.

Da er ein begeisterter Hobbyfotograf war und viele Persönlichkeiten der Wissenschaft porträtierte, wurde das Fotoarchiv des American Institute of Physics nach ihm benannt.

Segrè starb im Alter von 84 Jahren an einem Herzanfall.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1941 wurde Segrè Fellow der American Physical Society. 1952 wurde er in die National Academy of Sciences gewählt und 1973 in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die großen Physiker und ihre Entdeckungen:
    • Band 1: Von den fallenden Körpern zu den elektromagnetischen Wellen (From Falling Bodies to Radio Waves). Piper, München 1986, ISBN 3-492-11174-2 (Original Freeman, San Francisco 1984),
    • Band 2: Von den Röntgenstrahlen zu den Quarks (From X-Rays to Quarks). Piper, München 1984 ISBN 3-492-02566-8, (Original Freeman, San Francisco 1980).
  • A Mind always in motion. University of California Press 1993 (Autobiographie, frei zugängliche Online-Version).
  • Nuclei and Particles. An introduction to nuclear and subnuclear physics. Benjamin 1964, 2. Auflage 1977.
  • Enrico Fermi, physicist. University of Chicago Press 1970.
  • Hrsg.: Experimental nuclear physics. 3 Bände, Wiley 1953–1959.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Claudio G. Segré: Atoms, bombs and eskimo kisses: a memoir of father and son. Viking, New York 1995.
  • Emilio Segrè, in: Internationales Biographisches Archiv 26/1989 vom 19. Juni 1989, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Emilio Segrè – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien