Emirat Afghanistan

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إمارة أفغانستان
Emirat Afghanistan
1823 – 1926
Flagge Afghanistans
Wappen Afghanistans
Flagge Wappen
Amtssprache Persisch
Hauptstadt Kabul
Staatsform Emirat
Staatsoberhaupt Emir
Regierungschef Ministerpräsident Afghanistans
Fläche 652.225 km²
Währung Afghani
Gründung 1823
Unabhängigkeit 1919
Auflösung 1926
Lage des Emirates
Lage des Emirates

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Das Emirat Afghanistan (persisch ‏إمارة أفغانستان‎ - Imārat-i Afġānistān) war ein Emirat zwischen Zentralasien und Südasien, das von 1823 bis 1926 auf dem Gebiet der heutigen Islamischen Republik Afghanistan bestand. Das Emirat entstand aus dem Durrani-Reich, als sich Dost Mohammed, der Begründer der Baraksai-Dynastie, in Kabul durchsetzte. Die Geschichte des Emirates war vom Great Game zwischen dem Russischen Reich und dem Vereinigten Königreich um die Vorherrschaft in Zentralasien geprägt.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits wenige Jahre nach der Gründung des Emirates kollidierten 1837 die russischen und britischen Interessen im Konflikt zwischen Mohammed Schah von Iran und Emir Dost Mohammed, was zum Ersten Anglo-Afghanischen Krieg von 1839 bis 1842 führte. Während des Krieges besetzte Großbritannien das Land und versuchte, die Annäherung Afghanistans an Russland zu verhindern und die russische Expansion einzudämmen. Der Krieg endete zwar mit einem vorläufigen Sieg Großbritanniens, das sich jedoch anschließend zurückzog, sodass Dost Mohammed wieder an die Macht kam.

Nach dem Tod von Dost Mohammed 1863 folgte ihm dessen Sohn Schir Ali, der jedoch bereits nach drei Jahren von seinem älteren Bruder Mohammed Afzal Khan gestürzt wurde. 1878 wurde dieser jedoch wieder von Schir Ali verdrängt, der sich 1878 erneut an Russland wandte, was zu neuen Konflikten mit Großbritannien führte. Daraufhin marschierten die Briten am 21. November in Afghanistan ein und zwangen Schir Ali zur Flucht nach Russland; er starb jedoch bereits 1879 in Mazār-i Scharif. Sein Nachfolger Mohammed Yakub Khan suchte Friedenslösungen mit Russland und gab diesem mehr Mitspracherechte in Afghanistans Außenpolitik. Als der britische Gesandte Louis Cavagnari in Kabul ermordet wurde, setzten die Briten 1880 Abdur Rahman Khan als Emir ein, schlossen Frieden und zogen sich 1881 wieder aus Afghanistan zurück. 1893 zwangen die Briten Afghanistan, der Durand-Linie zuzustimmen, die noch heute mitten durch das Siedlungsgebiet der Paschtunen verläuft und etwa ein Drittel von Afghanistan an Britisch-Indien angliederte.

Der nach dem Krieg an die Macht gelangte Emir Abdur Rahman Khan reformierte das Land, stärkte die Zentralgewalt und schlug zahlreiche Aufstände nieder. Nach seinem Tod 1901 folgte ihm sein Sohn Habibullah Khan als Emir und führte die Reformen fort. Habibullah Khan suchte die Versöhnung mit Großbritannien, mit dem er 1905 einen Friedensvertrag schloss, und mit Russland, das sich wegen der Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg aus Afghanistan zurückziehen musste. Im Ersten Weltkrieg blieb Afghanistan trotz deutscher und osmanischer Bemühungen neutral (Niedermayer-Hentig-Expedition). 1919 wurde Habibullah Khan von politischen Gegnern ermordet.

Habibullah Khans Sohn Amanullah Khan putschte 1919 gegen den rechtmäßigen Thronfolger Nasrullah Khan und wurde Emir Afghanistans. Kurz darauf brach der dritte Anglo-Afghanische Krieg aus, der 1919 durch den Frieden von Rawalpindi beendet wurde, in dem Großbritannien die Unabhängigkeit Afghanistans erstmals anerkannte. Amanullah Khan begann mit der Modernisierung des Landes. Er ließ sich 1926 zum Padschah (König) Afghanistans krönen und gründete damit das Königreich Afghanistan.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan-Heeren Grevemeyer: Afghanistan. Sozialer Wandel und Staat im 20. Jahrhundert. 2. Auflage, Nachdruck der Ausgabe Berlin, 1987. VWB, Verlag für Wissenschaft und Bildung, Berlin 1990, ISBN 3-927408-24-7.
  •  Karl E. Meyer, Shareen Blair Brysac: Tournament of shadows, The great game and the race for empire in central asia. Counterpoint, Washington DC 1999, ISBN 1-58243-028-4.
  •  Philip J. Haythornthwaite: The Colonial Wars Source Book. Arms and Armour, London 1997, ISBN 1-85409-436-X.

Siehe auch[Bearbeiten]