Emma (Zeitschrift)

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Emma
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Beschreibung Frauenmagazin
Fachgebiet Frauenrechte
Sprache Deutsch
Verlag Emma Frauenverlags GmbH (Deutschland)
Hauptsitz Köln
Erstausgabe 26. Januar 1977
Erscheinungsweise zweimonatlich (1977–2009)
dreimonatlich (2010–2012)
zweimonatlich (ab 2013)[1]
Verkaufte Auflage 25717 Exemplare
(Emma Mediadaten für 2019[2])
Herausgeberin Alice Schwarzer
Weblink www.emma.de
ISSN (Print)

Emma ist eine deutschsprachige feministische Publikumszeitschrift. Sie wurde 1977 von einem Kollektiv gegründet und später von der Journalistin Alice Schwarzer alleine weitergeführt. Aktuell erscheint sie zweimonatlich. Im Jahr 2019 betrug die verkaufte Auflage 25.717 Exemplare. Die Redaktion befindet sich über Schwarzers Stiftung FrauenMediaTurm im Kölner Bayenturm.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name „Emma“ wurde wegen seiner Griffigkeit und als Kopfwort des Begriffs „Emanzipation“ gewählt. Die Herausgeberin Alice Schwarzer sagte dazu:

„Der war irgendwann mal aufgetaucht und gefiel uns. Nicht nur wegen der Anspielung auf die Em(m)anzipation, sondern auch, weil er das selbstironische Gegenteil vom platt Erwarteten war: Wie würde sie wohl heißen, diese Zeitschrift der jetzt vollends größenwahnsinnigen Schwarzer? Nora? Die Rächerin? Die Amazone? Nein. Emma. Ganz einfach Emma.“[3]

Die Zeitschrift trägt neben dem Namen Emma zudem zwei Untertitel, die Bezeichnung Das politische Magazin für Menschen, und die Aufforderung Bleibt mutig.[4]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Ausgabe der Emma erschien am 26. Januar 1977 mit einer Auflage von rund 200.000 Exemplaren. Den Start des Magazins finanzierte Alice Schwarzer mit 250.000 Mark aus ihren Autorenhonoraren[5] sowie mit 20.000 Mark aus Krediten von zwei Mitarbeiterinnen (die sie nach einem Jahr mit 10 Prozent Zinsen zurückgezahlt habe).[6] Emma gilt seit der ersten Ausgabe als Leitblatt des Feminismus im deutschsprachigen Raum. In der ersten Redaktion saßen Alice Schwarzer, Fernsehredakteurin Angelika Wittlich, Lokalredakteurin Sabine Schruff und Christiane Ensslin (Schwester von Gudrun Ensslin).[7] Die Zeitschrift hat sich ausdrücklich politisch und wirtschaftlich unabhängig positioniert; laut eigenen Aussagen kann sie sich bis heute fast alleine durch den Kioskverkauf und Abonnementsgebühren finanzieren und ist nicht auf Anzeigen angewiesen.

Anfang Dezember 2007 gab Schwarzer bekannt, die Chefredaktion von Emma spätestens im Frühjahr 2008 an die Fernsehjournalistin und Kolumnistin Lisa Ortgies zu übergeben.[8][9] Schwarzer erklärte, weiterhin als Verlegerin, Herausgeberin und Autorin mitzuwirken. Ortigies verließ das Blatt jedoch zwei Monate nach ihrem Antritt zum 31. Mai 2008 wieder. Um die Entlassung entspann sich eine öffentliche Kontroverse, in der u. a. andauernder Einfluss Schwarzers auf das Tagesgeschäft,[10][11] Differenzen über die Ausrichtung des Magazins[12][13] und die (Nicht-)Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Emma-Redaktion[14] thematisiert wurden.

Seit der ersten Ausgabe im Jahr 2010 (Ausgabe 294) erschien die Emma nur noch viermal im Jahr und nicht mehr alle zwei Monate wie in den Jahren zuvor. Gleichzeitig kündigte sie einen Relaunch und die Verstärkung des Online-Auftritts an. Seit der Ausgabe Januar/Februar 2013 erscheint die Zeitschrift aber wieder im Zwei-Monats-Rhythmus. Gründe dafür seien der vielfache Wunsch von Leserinnen und die wieder steigende Aktualität von „Frauenfragen“. Zudem wurde der Heftpreis von 9,80 Euro auf 7,50 Euro gesenkt, um jüngeren Leserinnen entgegenzukommen.[15]

Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Emma gehört zu den deutschen Zeitschriften mit den größten Auflagenverlusten der vergangenen Jahre. Die verkaufte Auflage betrug im zweiten Quartal 2007, dem Zeitpunkt der letztmaligen Meldung an die IVW, 44.687 Exemplare.[16] Danach stellte das Blatt die Meldung der Auflagenzahlen an die IVW ein. Laut eigenen Angaben betrug 2019 die verkaufte Auflage 25.717 Stück.[17] Seitdem wurde die verkaufte Auflage in den Mediadaten nicht mehr angegeben. Das entspricht einem Rückgang von 31.193 Exemplaren oder 55 Prozent gegenüber 1999.

Entwicklung der verkauften Auflage
1998 bis 2006 IVW, jeweils viertes Quartal; ab 2007 Verlagsangaben

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo PorNO

Die Emma befasst sich mit einer Reihe von Themen wie Ausbildung, Familie, Politik und Arbeitswelt sowie Kultur, Medien, Religion und Pornografie. Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2005 machen Politik, private Rollenverteilung und Medien die meisten Artikel aus. Damit unterscheide sich die Emma grundlegend von konventionellen Frauenzeitschriften und nehme eine besondere Stellung in der deutschen Medienlandschaft ein.[18]

Emma setzt sich nach eigener Aussage für Frauen und für uneingeschränkte Chancengleichheit von Frauen und Männern ein, was sich aus Sicht des Magazins in konkreten Projekten und Kampagnen ausdrückt, die von Emma unterstützt oder initiiert wurden[19][20], zum Beispiel:

Des Weiteren thematisiert die Zeitschrift immer wieder (selbst)kritisch die Kontroversen innerhalb der modernen Frauenbewegung und Themen wie „Missbrauch mit dem Missbrauch“ und Wehrpflicht für Frauen.

Seit Gründung der Zeitschrift bis heute sind die satirischen Cartoons von Franziska Becker ein fester Bestandteil der Emma. Mit ihren Bildergeschichten kommentiert Becker in jeder Ausgabe feministische Themen und die Welt von Frauen und Männern. Für ihr Lebenswerk wurde sie als „witzigste Frauenrechtlerin Deutschlands“ mit dem Satirepreis «Göttinger Elch» 2012 ausgezeichnet.[28]

Emma steht in Deutschland prototypisch für Formen feministischer Medienöffentlichkeit, und stieß mit ihren Positionen zum Beispiel zur Pornografie oder Frauen im Islam innerhalb des feministischen Diskurses sowohl auf Zustimmung wie auch auf Widerstand. Wie andere internationale feministische Medien hat die Zeitschrift Themen in die gesellschaftliche Diskussion gebracht, die zuvor keine Öffentlichkeit fanden.[29]

Journalistinnen-Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1990 bis 2012 wurde alle zwei Jahre der von Alice Schwarzer initiierte Emma-Journalistinnen-Preis vergeben, 2012 unterstützt von der Bundesregierung. Kulturstaatsminister Bernd Neumann sah den Preis als Förderung des Qualitätsjournalismus. „Der Preis von EMMA soll gerade diejenigen Journalistinnen und Journalisten fördern und auszeichnen, die sich mit gesellschaftlichen Fragen kritisch auseinandersetzen – aber handwerklich professionell, d. h. informativ und kreativ bei sauberer Recherche.“[30]

Negativpreis „Sexist Man Alive“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2019 vergibt die Emma-Redaktion jährlich den Negativpreis „Sexist Man Alive“ für den ihrer Ansicht nach frauenfeindlichsten Mann des Jahres. Der Preisname ist eine Anspielung auf die Auszeichnung „Sexiest Man Alive“ des US-amerikanischen Magazins People. Der erste Negativpreis ging an den Rapper Kollegah wegen frauenfeindlicher Texte, 2020 erhielt ihn der FDP-Vorsitzende Christian Lindner wegen Anzüglichkeiten in einer Rede. 2021 bekam ihn Papst Franziskus; er sei trotz mancher positiver Züge nach wie vor „Chef eines Apartheidssystems, in dem Frauen Menschen zweiter Klasse“ seien.[31]

Politische Positionen und Kampagnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sexualität und Sadomasochismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem in den frühen Jahren hat Emma der Sexualitätsdebatte großen Raum eingeräumt. 1977 titelte die Zeitschrift mit dem Thema Unsere sexuellen Phantasien. Auslöser war das Buch der Amerikanerin Nancy Friday. In der Ausgabe September 1977 analysierte die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich den Unterschied zwischen masochistischen Phantasien und der Realität:

„Die Tatsache, dass masochistische Fantasien so zahlreich bei Frauen anzutreffen sind, muss auf ihre jahrhundertelange familiäre Fesselung zurückgehen […]. Gegen die Verinnerlichung und die damit verbundene Hilflosigkeit konnten sich Frauen oft nur zur Wehr setzen, indem sie mit Hilfe der Fantasie aus passiv unterdrückten Wesen zu aktiven Schöpferinnen ihres Leidens wurden.“[32]

Im November 1981 titelte Emma mit den Thesen von Pat Califia und gab der Debatte über Sadomasochismus allgemein und SM unter Lesben im Besonderen Raum. 1982 veröffentlichte Emma den Sonderband Sexualität, in dem u. a. Alice Schwarzer ihre Thesen vom „kleinen Unterschied“ fortführt. Sie wiederholte, dass Erotik traditionell für Männer mit Macht besetzt sei und für Frauen mit Ohnmacht. Sie stellte jedoch gleichzeitig fest: „Im erotischen Masochismus wiederholen Frauen nicht nur ihre politische Unterwerfung. Sie versuchen auch, aus dieser Ritualisierung im Bett – und zum Teil vielleicht sogar selbst mit inszenierter Unterwerfung – Lust zu ziehen. Unterwerfung, Auslieferung, Hingabe sind elementare Bestandteile von Erotik. Genauso wie Eroberung und Überwältigung. Ungut wird es erst, wenn das abgekoppelt ist von der gesellschaftlichen Realität, wenn wir auf einen einseitigen Part festgelegt sind, und wir Frauen aus der sexuellen Hingabe unsere Bestimmung zur allgemeinen Unterwerfung schließen.“[33]

Die in den 1970er Jahren in den USA begonnene feministische Kritik an der Pornografie setzte heftige Auseinandersetzungen in Gang, die in der Bundesrepublik Deutschland 1987 in der PorNo-Kampagne der Zeitschrift Emma mündeten. Emma wendete sich mit einem selbstentwickelten Gesetzesentwurf zum generellen Verbot der Pornografie an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages sowie Justizminister Hans A. Engelhard und Familienministerin Rita Süssmuth. Gegen die enthaltenen Forderungen sprachen sich einige Feministinnen aus, die in dem Sammelband von Claudia Gehrke Frauen & Pornographie (1988) für eine „freie Kultur der Sexualität“ eintraten. Die bereits existierende Gesetzeslage reiche aus, die Verherrlichung gewalttätiger, frauen- und minderheitenfeindlicher Pornografie zu verbieten. Ein Hauptstreitpunkt war sadomasochistischer Sex. Claudia Gehrke vertrat die Auffassung, er sei, auch mit Blick auf die SM-Lesbenszene, ein berechtigtes Begehren, das als sexuelles Spiel verstanden werden könne.[34] 22 Jahre danach schrieben Kathrin Passig und Ira Strübel ein Handbuch für Sadomasochisten, nach dem BDSM eine Form der Selbstbestimmung darstelle. „Dass es für nicht wenige Frauen einen großen und befreienden Schritt bedeutet, ihre sadomasochistischen Phantasien in die Tat umzusetzen, ist im Emma-Universum nach wie vor nicht vorgesehen.“[35]

35 Jahre nach Der kleine Unterschied und seine großen Folgen von Alice Schwarzer[36] brachte Emma in der Ausgabe Frühling 2010 ein Dossier mit dem Titel „What about Sex?“ mit Beiträgen von Gastautorinnen wie Mary Roach, Maja Onken, Sigrid Neudecker, Mia Ming, Necla Kelek, Eva Rieger. Einer der Themenschwerpunkte war Sadomasochismus und sexuelle Fantasien.[37] Im Eingangsartikel schrieb Alice Schwarzer: „Seither ist viel passiert. Die Frauen sind unabhängiger und selbstbewusster geworden im Leben – und damit auch in der Sexualität.“[38]

In dem Artikel Sexualfantasie & Masochismus: Sexuelle Fantasien und ihre Ursachen geht Schwarzer der Debatte nach, die Feministinnen in den 1970er Jahren angestoßen hatten, und zitiert in ihrem Resümee den Psychoanalytiker und wissenschaftlichen Autor Brett Kahr, der nach einer Analyse von 15.000 sexuellen Fantasien zu dem Schluss kommt:

„Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen sexuellen Fantasien und Kindheitsgeschichte. Die Fantasien haben fast immer etwas mit frühkindlichen Prägungen oder gar Verletzungen und Traumata zu tun.“[39][40]

Pornographie an Universitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Emma-Ausgabe vom Dezember 1991 berichtete Ursula Ott[41] auf dem Hintergrund der PorNo-Kampagne über Pornografie im Usenet von Universitäten, demzufolge laut Ott Professoren und Studenten die Computertechnik dazu missbrauchten, Pornografie zu konsumieren. Dabei argumentierte Ott, dass diese Daten Bandbreite und Speicherplatz auf steuerfinanzierter Infrastruktur für universitätsfremde Zwecke bänden. Dieser Emma-Artikel leitete die öffentliche Debatte über Pornografie im Internet ein. Nachdem auch einige Massenmedien darüber berichtet hatten, sperrten viele Universitäten den Zugang zu allen „sexualbezogenen Newsgroups“ – „unabhängig davon, ob dort tatsächlich Pornografie verbreitet oder über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz diskutiert wurde“.[42][43]

Internetaktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Zeitschrift den Möglichkeiten der neuen Medien jahrelang überwiegend kritisch gegenübergestanden hatte, entwickelte sie schließlich im Jahr 2002 unter der Domain emma.de einen eigenen Internetauftritt mit einem moderierten Forum, das durch Online-Clubs, die nur über registrierte Mitgliedschaft zugänglich sind, ergänzt wurde.[44] Seit September 2011 sind alle Hefte von 1977 bis 2011 digitalisiert und können online im EMMA-Lesesaal[45] gelesen werden.

Beispiel: Online-Aktion Unisex-Tarife[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 beteiligte sich Emma an den Bestrebungen für Unisex-Tarife bei Krankenkassen und Versicherungen. Die Emma-Website bot den Download von Flugblättern, Musterreden und Abrechnungen an. Die Nutzerinnen wurden aufgefordert, ein kurzes Statement in der Rubrik „Ich bin dabei!“ zu hinterlassen. Am 30. Juni 2004 waren 1598 Statements zu verzeichnen.[46]

Appell gegen Prostitution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Oktober 2013 lancierte Emma einen Appell gegen Prostitution[47], der von 90 prominenten Erstunterzeichnerinnen unterstützt wurde und mehr als 10.000 Unterschriften erzielte. Die Unterzeichner forderten eine Änderung des Prostitutionsgesetzes von 2002, das die Prostitution zivilrechtlich als reguläres Gewerbe kodifiziert und ihre Ausübung damit liberalisiert hatte. Durch diese Reform sei „Deutschland zu Europas Drehscheibe für Frauenhandel und zum Paradies der Sextouristen aus den Nachbarländern geworden“. Es sollten Maßnahmen ergriffen werden, „die kurzfristig zur Eindämmung und langfristig zur Abschaffung des Systems Prostitution führen“. Freier sollten geächtet oder eventuell bestraft werden. Zudem sollte der Ausstieg aus der Prostitution mit einem ganzen Maßnahmenbündel gefördert werden.[48] Der Appell wurde in deutschen und internationalen Medien thematisiert und breit diskutiert. Es gab sowohl Zustimmung als auch Ablehnung.

Artikel zum Absturz des Germanwings-Fluges 4U9525[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Absturz des Germanwings-Fluges 4U9525 am 24. März 2015 publizierte Emma einen Artikel von Luise Pusch mit der Einleitung „Amoktrips sind Männersache“[49] zur Förderung einer Frauenquote im Cockpit. Diese Verwendung des Unglücks wurde von mehreren Medien aufgegriffen und stieß auf Kritik, vor allem in sozialen Netzwerken.[50][51] In dem Artikel wird auch Gabriela Stoppe, Psychiaterin und Vizepräsidentin von Ipsilon, dem Dachverband für Suizidprävention in der Schweiz, zitiert: „Es wäre nicht nur wegen der Durchmischung sinnvoll, mehr Frauen für den Transport von Menschen zu engagieren, sondern vor allem wegen der Sicherheit“, da Frauen eine deutlich niedrigere Suizidrate hätten. Verbände wie der Österreichische Frauenring riefen zu einer Diskussion des Vorschlags auf.[52]

Transsexualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emma war eine der ersten Zeitschriften, die über das Thema Transsexualität berichteten. Bereits 1984 erschien ein Artikel Alice Schwarzers, in dem sie sich solidarisch mit Transsexuellen zeigte und sie als „Schwestern willkommen“ hieß.[53] Auch in allen folgenden Jahrzehnten gab es mehrere Artikel über diese Thematik, oft auch von oder unter Mitwirkung transsexueller Menschen.[54] Emma versucht dabei ein breites Spektrum der damit zusammenhängenden Themen abzubilden und die Debatte zu bereichern. So gab es gleichermaßen Interviews mit transsexuellen Menschen, die glücklich in ihrem neuen Geschlecht leben,[55] als auch mit Menschen, die wieder in ihr Ursprungsgeschlecht zurückgekehrt sind.[56] Und neben Erfolgsgeschichten wurden auch medizinische oder psychische Probleme durch Geschlechtsangleichende Maßnahmen offen beschrieben.[57]

Die Zeitschrift vertritt einen Ansatz, der Transsexuelle unterstützt, setzt sich jedoch kritisch mit dem verpflichtend sogenannt „affirmativen Ansatz“ von Therapeuten und dem geplanten Selbstbestimmungsgesetz der deutschen Bundesregierung auseinander. Das Selbstbestimmungsgesetz würde es bereits Jugendlichen ab 14 Jahren ermöglichen, sich allein per verbaler Selbstdefinition einem Geschlecht zuzuordnen. Emma kritisiert daran, dass insbesondere Mädchen durch den affirmativen Ansatz nicht herausgefordert würden, in Frage zu stellen, ob nicht vielleicht nur ein Unwohlsein mit ihrer gesellschaftlich zugewiesenen Rolle als Frau, oder auch der fehlende Mut zum lesbischen Coming-out, oder andere psychische Konflikte dahinter stünden. Zu der geplanten Selbstdefinition ab 14 Jahren und der dann möglichen Gabe von Pubertätsblockern weist Emma darauf hin, dass damit Kindern ohne Einflussmöglichkeiten der Eltern die Verantwortung für eine medizinisch irreversible Entscheidung auferlegt würde.[58] Außerdem kritisiert Emma an der geplanten Eigen-Definition nur per Sprechakt, dass damit die „statistische, rechtliche und politische Kategorie“ Frau sich auflösen würde (da jeder sich spontan als Frau definieren könne) und damit verschiedene Problematiken zum Nachteil der Sicherheit und der Chancengleichheit von Frauen entstünden: Schutzräume, die bisher nur Frauen vorbehalten sind, würden verloren gehen. Außerdem könnten Quotenregelungen zur Gleichstellung von Frauen im Beruf und bei Wettbewerben jederzeit unterwandert werden.[59][60]

In einem Emma-Artikel vom Januar 2022 wurde die grüne Bundestagsabgeordnete Tessa Ganserer, eine Trans-Frau, die jedoch weder eine personenstandsrechtliche Änderung noch geschlechtsangleichende Operationen vollziehen möchte, als „physischer und juristischer Mann“ bezeichnet, ihr früherer Name, der Deadname, wurde erwähnt, und es wurde kritisiert, dass sie einen Frauenquoten-Platz erhielt.[61] Der Artikel wurde in der Zeit als diskriminierend bezeichnet und Sibel Schick in der taz meinte, er sei als „verschwörungsideologische Dämonisierung vor allem dazu da, um transfeindliche Gewalt als feministische Selbstverteidigung verkaufen zu können“, und stellte in Frage, ob Emma noch feministisch sei.[62]

Krieg in der Ukraine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. April 2022 erschien auf der Internetseite der Zeitschrift ein offener Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz, in dem gefordert wurde, keine weiteren schweren Waffen an die Ukraine zu liefern. Die 28 prominenten Erstunterzeichner lobten die anfänglich zurückhaltende Haltung von Scholz in dieser Frage und wiesen auf die Gefahr eines dritten Weltkriegs hin, falls vermehrt schwere Waffen geliefert würden.[63][64][65] Der Brief wurde bis zum 22. Mai 2022 von mehr als 282.359 Menschen unterschrieben. Der offene Brief forderte einen stärkeren Fokus auf Verhandlung und das Suchen politisch-diplomatischer statt militärischer Friedenslösungen sowie einen vorsichtigen Umgang mit der Frage nach Lieferung schwerer Waffen. Außerdem wurde darin die Überlegung geäußert, ob bei einem lang anhaltenden und eskalierenden Krieg nicht deutlich mehr (ukrainische) Menschen Tod, Leid, Vergewaltigung und Vertreibung erleiden würden als bei einer wenn auch ungerechten zu verhandelnden Kompromisslösung, und daher sei eine abwägende Haltung im Sinne auch der Opfer ratsam.

In den Medien wurde der Brief kontrovers besprochen.[66] Scholz selbst warf auf der Mai-Kundgebung der Gewerkschaften den Schreibern Zynismus vor.[67] Unter den den Brief ablehnenden Stimmen war etwa der Musiker Wolfgang Müller, der folgende Analogie behauptete: „Was mit der Ukraine passiert, ist das staatliche Äquivalent zu einer Vergewaltigung durch den Ex-Mann, mit angedrohter Vernichtung bei Gegenwehr.“[68] Und der Politikwissenschaftler Herfried Münkler unterstellte, beim deutschen Überfall auf Polen 1939, der den Zweiten Weltkrieg auslöste, hätten die Unterzeichner des Briefes „den Polen also geraten, sich lieber nicht zu verteidigen, um Tote und eine Eskalation zu vermeiden.“[69] Der weißrussisch-russische Schriftsteller Sascha Filipenko warf den Unterzeichnern vor, die (verständliche) eigene Angst vor einem dritten Weltkrieg „hinter irgendwelchen Friedensideen zu verbergen und so zu tun, als wüsste man, wie man Putin aufhalten und diesen drohenden dritten Weltkrieg verhindern“ könne. Es gäbe aber „nicht Rationales, womit man Putins Vorgehen erklären könnte, und keine Logik, mit der man darauf Einfluss nehmen könnte“. Die Unterzeichner hätten „nicht verstanden,dass es nach dem Sieg der Russen nicht nur einen Ort wie Butscha geben würde, sondern Hunderte“.[70]

Erstunterzeichner des Offenen Briefes waren:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alice Schwarzers „Emma“ kommt wieder im Zwei-Monats-Takt. In: horizont.net. 22. November 2012
  2. Mediadaten 2020. 17. Januar 2020, abgerufen am 25. Februar 2022.
  3. Alice Schwarzer: Über Emma. Emma über Emma: Emma lebt! In: Website der Emma
  4. Emma. Das politische Magazin für Menschen. Bleibt mutig. Abgerufen am 1. April 2022.
  5. Alice Schwarzer: Alice im Männerland. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002.
  6. Alice Schwarzer: Mein Leben in Kürze. In: aliceschwarzer.de. 1. März 2010, abgerufen am 6. Juni 2022.
  7. Die Zeitschrift „Emma“ erscheint erstmals. (Memento vom 2. Februar 2017 im Internet Archive) In: SR 2 Kulturradio ZeitZeichen. 26. Januar 1977
  8. Moderatorin Lisa Ortgies übernimmt. In: Spiegel Online. 7. Dezember 2007
  9. Die neue Alice Schwarzer heißt Lisa Ortgies. In: FAZ.net. 7. Dezember 2007
  10. Markus Brauck, Rafaela von Bredow, Isabell Hülsen, Michaela Schiessl: Im Nacken der Neuen. In: Der Spiegel. Nr. 23, 2008, S. 102 (online2. Juni 2008).
  11. vgl. z. B. Nach dem Aus bei „Emma“ – Lisa Ortgies beklagt sich. (Memento vom 3. März 2009 im Internet Archive) In: RP Online. 30. Mai 2008
  12. MedienCity: Zitiert: Noch einmal Emma vs. Lisa Ortgies. Abgerufen am 6. Juni 2022.
  13. Thorsten Dörting: Schwarzers Burma-Missgriff. „Verantwortungslose Polemik“. In: Spiegel Online. 3. Juni 2008
  14. Ulrike Demmer, Angela Gatterburg, Dietmar Hipp, Ulrike Knöfel, Reinhard Mohr: Titel: Halbe Männer, ganze Frauen. In: Der Spiegel. Band 26, 23. Juni 2008 (spiegel.de [abgerufen am 20. Oktober 2018]).
  15. Und der Heftpreis sinkt: „Emma“ erscheint wieder alle zwei Monate. In: kressreport. 24. September 2012
  16. IVW: Emma (2-mtl), abgerufen am 14. Dezember 2017
  17. Emma Mediadaten Nr. 34 (Memento vom 17. Januar 2020 im Internet Archive); des Weiteren: Nr. 28 (Memento vom 24. November 2016 im Internet Archive); Nr. 29 (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive); Nr. 30 (Memento vom 14. Dezember 2017 im Internet Archive); Nr. 31 (Memento vom 29. August 2017 im Internet Archive), abgerufen am 14. Dezember 2017
  18. Alexandra Kühte: Das Frauenbild der feministischen Zeitschrift EMMA: eine Untersuchung über die Darstellung von Frauen und die Behandlung frauenspezifischer Themen. Wissenschaftlicher Verlag Berlin, Berlin 2005, ISBN 978-3-86573-056-5.
  19. Die EMMA-Kampagnen. (Nicht mehr online verfügbar.) In: emma.de. Archiviert vom Original am 13. Oktober 2013; abgerufen am 6. Juni 2022.
  20. Kampagne. Abgerufen am 6. Juni 2022.
  21. Große Emma-Themen Klitorisverstümmelung
  22. Große Emma-Themen Missbrauch
  23. Große Emma-Themen Pornografie
  24. Große Emma-Themen Islamismus
  25. Große Emma-Themen Ganztagsschule
  26. Fußball-Kampagne 1: Die Hälfte vom Ball für die Frauen! Abgerufen am 6. Juni 2022.
  27. Girlsday: Väter, tut was! Abgerufen am 6. Juni 2022.
  28. „Göttinger Elch“ für Cartoonistin Franziska Becker. In: Zeit Online. 29. Januar 2012
  29. Margreth Lünenborg, Tanja Maier: Gender Media Studies. Eine Einführung. UTB, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8252-3872-8, S. 67
  30. Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich der 12. Verleihung des EMMA Journalistinnen-Preises. In: politische-reden.eu. 15. Mai 2012, abgerufen am 6. Juni 2022.
  31. «Emma»: Papst ist «Sexist Man Alive». Abgerufen am 25. Oktober 2021.
  32. Margarete Mitscherlich: Sind Frauen masochistisch? In: Emma. 9/1977
  33. Alice Schwarzer: Sieben Jahre nach dem Kleinen Unterschied. In: Emma-Sonderband Sexualität, 1983
  34. Janett Reinstädler: Stellungsspiele (zugl. Univ.-Diss.). Erich Schmidt Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-503-03758-6, S. 19, 24 f.
  35. Kathrin Passig, Ira Strübel: Die Wahl der Qual. Handbuch für Sadomasochisten und solche, die es werden wollen, Rowohlt Verlag, 2000, ISBN 3-499-60944-4, Kapitel 5 „Dürfen die das? – Die Rechtslage“, Abschnitt „Exkurs: Die PorNO-Kampagne in Deutschland“
  36. Alice Schwarzer: Der kleine Unterschied und seine großen Folgen: Frauen über sich. Beginn einer Befreiung. Neuausgabe Fischer TB, Frankfurt, 2002, ISBN 3-596-15446-4
  37. Emma-Dossier What about Sex? Frühling 2010
  38. Kleiner Unterschied - große Folgen. Abgerufen am 6. Juni 2022.
  39. Alice Schwarzer: Sexualfantasie & Masochismus. In: Emma. Frühjahr 2010
  40. Vgl. Brett Kahr: Sex & Psyche. Penguin UK, 2008, ISBN 978-0-14-102484-4; ders.: Who’s Been Sleeping in Your Head: The Secret World of Sexual Fantasies- Basic Books, London 2009, ISBN 978-0-465-03767-4
  41. Vgl. den Artikel von Ursula Ott: Pornos im Uni-Computer. In: Emma. 12/1991, S. 14–16
  42. Hartmut Neuendorff, Gerd Peter, Rüdiger Klatt (Hg.): Verändern neue Medien die Wirklichkeit? Lit Verlag, 2000, ISBN 978-3-8258-4692-3, S. 77
  43. Achim Bühle: Die virtuelle Gesellschaft des 21. Jahrhunderts: Sozialer Wandel im digitalen Zeitalter. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2. Auflage 2000, ISBN 978-3-531-23123-5, S. 438 f.
  44. Christina Schachtner, Gabriele Winker: Virtuelle Räume, neue Öffentlichkeiten: Frauennetze im Internet. Campus Verlag, Frankfurt 2005, ISBN 3-593-37726-8, S. 61
  45. Emma-Lesesaal
  46. Christina Schachtner, Gabriele Winker: Virtuelle Räume, neue Öffentlichkeiten: Frauennetze im Internet. Campus Verlag, Frankfurt 2005, ISBN 3-593-37726-8, S. 67
  47. Appell gegen Prostitution. (PDF; 51 kB) Emma, abgerufen am 13. November 2013.
  48. „Emma“-Kampagne: Mit Prominenz gegen das „System Prostitution“. In: Spiegel Online. 28. Oktober 2013, abgerufen am 13. November 2013.
  49. Luise F. Pusch: Frauenquote fürs Cockpit! In: Emma. 27. März 2015, abgerufen am 10. Februar 2017 (Kommentar).
  50. Tote für die Quote?! In: Stern.de. 29. März 2015
  51. Tatjana Kerschbaumer: Frauenquote fürs Cockpit? In: Tagesspiegel. 28. März 2015
  52. Jenny Becker: Frauenquote: „Amoktrips sind Männersache“. In: Zeit Online. 29. März 2015
  53. Solidarität mit meinen Schwestern. Abgerufen am 1. April 2022.
  54. Emma. Online-Lesesaal. Archiv. Abgerufen am 1. April 2022.
  55. Emma.Till Amelung war biologisch eine Frau und ist heute ein Transmann. Abgerufen am 1. April 2022.
  56. Emma.Von Frau zu Mann zu Frau. Abgerufen am 1. April 2022.
  57. Emma.Seit 24 Jahren eine Transfrau. Abgerufen am 1. April 2022.
  58. Emma. Online-Lesesaal. Archiv. Abgerufen am 1. April 2022.
  59. Exklusiv-Interview mit Alice Schwarzer: Alice Schwarzer im Interview zu Transsexualität, dem Fall Ganserer und dem neuen Selbstbestimmungsgesetz. Abgerufen am 1. April 2022.
  60. England.Gesetz verhindert. Abgerufen am 1. April 2022.
  61. Ganserer: Die Quotenfrau. emma.de, 19. Januar 2022.
  62. Sibel Schick: Transfeindliche Feminist*innen: Nö danke, „Emma“. taz.de, 24. Januar 2022.
  63. https://www.change.org/p/offener-brief-an-bundeskanzler-scholz
  64. https://de.euronews.com/2022/05/03/unsinn-klitschkos-antwort-auf-den-brief-der-28-deutschen-prominenten
  65. Offener Brief an Kanzler Olaf Scholz. In: emma.de vom 29. April 2022. Abgerufen am 30. April 2022.
  66. Anna von Stefenelli: Kritik-Hagel nach Offenem Brief: „Was geht die Ukraine auch mit kurzem Rock auf die Straße“, watson, 30. April 2022; Michael Hanfeld: Offener Brief in der „Emma“: So sieht Kapitulation aus, faz.net, 30. April 2022; Ruprecht Polenz: Waffenlieferung an die Ukraine: Wer einen Atomkrieg verhindern will, darf Putin nicht gewinnen lassen, zeit.de, 30. April 2022.
  67. Scholz wirft Pazifisten Zynismus vor – Frieden schaffen ohne Waffen?. In: n-tv-de . ntv Nachrichtenfernsehen GmbH. 1. Mai 2022. Abgerufen am 1. Mai 2022: „Einem Ukrainer müsse es zynisch vorkommen, wenn gesagt wird, er solle sich gegen die Putin'sche Invasion ohne Waffen verteidigen.“
  68. Wolfgang Müller: Offener Brief in „Emma“. Das ist Täter-Opfer-Umkehr in Reinkultur. In: Spiegel Online, 1. Mai 2022. Abrufdatum: 2. Mai 2022.
  69. „Kiew entscheidet, aber Europa hat Einfluss“. In: taz vom 14. Mai 2022, S. 6.
  70. Roman Bucheli: «Putin wird so weit gehen, wie ihm Europa zu gehen erlaubt. Und mein Eindruck ist nicht, dass Europa ein wahnsinniges Problem hätte, wenn er sich weitere Länder holt». In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Juni 2022, abgerufen am 26. Juni 2022.