Emmanuel Macron

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Emmanuel Macron (2015)
Unterschrift

Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron (* 21. Dezember 1977 in Amiens) ist ein französischer Politiker und seit dem 14. Mai 2017 Staatspräsident Frankreichs. Von 2006 bis 2009 war er Mitglied der Sozialistischen Partei (Parti Socialiste, PS). Von August 2014 bis August 2016 war er Wirtschaftsminister im Kabinett Valls II unter Staatspräsident François Hollande (PS).

Er trat mit sozialliberalen und wirtschaftsliberalen Positionen als Kandidat zur Präsidentschaftswahl mit der von ihm gegründeten Partei En Marche an. In seinem Wahlprogramm schlug er eine Modernisierung der Sozialsysteme und des Parlaments sowie eine engere Zusammenarbeit innerhalb der Eurozone vor.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Macron wurde als Sohn eines Ärzteehepaares im nordfranzösischen Amiens geboren: Sein Vater Jean-Michel Macron ist Professor für Neurologie; seine Mutter Françoise Macron-Noguès ist Kinderärztin und arbeitet als beratende Ärztin bei der gesetzlichen Sozialversicherung. Macron hat einen jüngeren Bruder, Laurent (geb. 1979), und eine jüngere Schwester, Estelle (geb. 1982), die beide wie die Eltern Ärzte sind.[1] Die Eltern sind seit 2010 geschieden, und sein Vater hat die Psychiaterin Hélène Joly geheiratet. Das Paar hat einen Sohn, Gabriel, der damit ein Halbbruder von Macron ist.[2] Aus einer nichtreligiösen Familie stammend, ließ sich Macron als 12-Jähriger bei Eintritt in die Jesuitenschule La Providence auf eigenen Wunsch katholisch taufen.[1]

Mit 16 Jahren gewann Emmanuel Macron einen öffentlichen Wettbewerb in französischer Sprache und später einen dritten Preis im Klavierspiel am Konservatorium in Amiens.[3] Er erhielt sein Baccalauréat am Pariser Elitegymnasium Lycée Henri IV.[4] Die Aufnahmeprüfung für die Elitehochschule École normale supérieure hat er zweimal nicht bestanden, er studierte daraufhin zunächst Philosophie an der Universität Paris-Nanterre und Politikwissenschaften am Sciences-Po. Dort schrieb er seine Magisterarbeit über Machiavelli und seine Diplomarbeit über Hegel. Während dieser Zeit arbeitete er in Nanterre zudem von 1999 bis 2001 als Assistent des dort lehrenden Philosophen Paul Ricœur.[5][6] Auch für die Aufnahmeprüfung zur Elite-Verwaltungshochschule École nationale d’administration in Straßburg (ENA) benötigte er einen zweiten Anlauf, wurde dann aber Drittbester seines Jahrgangs, der Abschlussklasse „Léopold Senghor“ (französisch promotion Senghor).[1][7] An der ENA engagierte er sich wie schon in Amiens beim Theater. Aus seinem Jahrgang rekrutierte er zahlreiche Freunde, die seine Präsidentenkampagne unterstützten. Praktika führten ihn in die Präfektur des Départements Oise in Nordfrankreich sowie ein halbes Jahr an die französische Botschaft in Abuja in Nigeria.[1]

Finanzinspektor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem ENA-Abschluss wurde ihm eine Position in einer der drei höchsten Institutionen der Administrative angeboten, und so arbeitete er ab 2005 als Finanzdirektor im öffentlichen Dienst bei der Inspection des Finances, einer einflussreichen Abteilung des Finanzministeriums. Als finanzpolitischer Leitzentrale des Staates entstammten dem Schatzamt häufig die Leiter des Präsidialamtes. Hier lernte ihn schließlich auch Jacques Attali kennen, ein Wirtschaftsprofessor, Publizist und langjähriger Wirtschaftsberater von Staatspräsident François Mitterrand, der ihn später als Berater des neuen Präsidenten François Hollande empfahl.[8][9]

Investmentbanker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Tätigkeit im Finanzministerium arbeitete Macron im Pariser Institut Montaigne, einer wirtschaftsliberalen Denkfabrik. Eingeführt von Serge Weinberg, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von La Redoute und Verwaltungsratspräsidenten von Sanofi, und Jacques Attali erhielt er 2008 mit 31 Jahren eine Position als Investmentbanker bei der Pariser Investmentbank Rothschild & Cie.[10][11][12] Zwei Jahre später wurde er Partner (associé-gérant) bei Rothschild. Im Jahr 2012 begleitete Macron eine der größten Übernahmen des Jahres, den Kauf der Säuglingsnahrungssparte des US-Pharmakonzerns Pfizer durch den Nahrungsmittelkonzern Nestlé für 11,9 Milliarden US-Dollar.[13][14]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Macron ist seit 2007 mit seiner früheren Französischlehrerin Brigitte Trogneux verheiratet, die 24 Jahre älter ist.[15][16] Sie begegneten sich das erste Mal, als er 15 Jahre alt war und das Lycée La Providence in Amiens besuchte.[17] Als er 17 war, wurden sie ein Paar. Um einen Skandal zu vermeiden, zog Macron gemäß dem Wunsch seiner Eltern nach Paris und erwarb dort am Lycée Henri IV sein Baccalauréat.[18]

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsidialamtstätigkeit und Wirtschaftsminister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als François Hollande im Mai 2012 die Präsidentschaftswahl gewann, gab Macron seine Stelle bei Rothschild auf, wechselte in den Präsidialstab und wurde Hollandes Berater für Wirtschafts- und Finanzpolitik. Zudem war er von Mai 2012 bis Juni 2014 als stellvertretender Generalsekretär des Präsidentenamtes im Élysée-Palast tätig.[19]

Das Gebäude des Ministère de l’Economie et des Finances, zu Deutsch Ministerium für Wirtschaft und Finanzen, wird auch nach dem Pariser Stadtteil Bercy genannt

Im Sommer 2014 verstärkte sich der Konflikt zwischen dem linken und dem rechten Flügel innerhalb der Regierung. Der linke Flügel forderte eine Aufgabe des Sparkurses der Regierung und eine andere Euro-Währungspolitik verbunden mit heftiger Kritik Deutschlands.[20] Dies führte zur Auflösung des Kabinetts Valls I. Die linken Minister Arnaud Montebourg, Benoît Hamon und Aurélie Filippetti schieden aus der Regierung aus, und das Kabinett Valls II wurde gebildet. Am 26. August 2014 ernannte Präsident Hollande Macron zum Minister für Wirtschaft, Industrie und Digitales.[21] Macron wurde der Nachfolger von Arnaud Montebourg. Macrons Nominierung wurde als Signal interpretiert, Hollande meine es ernst mit dem von ihm eingeschlagenen unternehmerfreundlicheren Kurs und wolle keine Konfrontation mit Deutschland über die Euro-Währungspolitik.

Macron steht für einen sozialdemokratischen Reformkurs:[22][23] Er war es, der als wichtigster Wirtschaftsberater Hollandes federführend ein Reformpaket (Pacte de Responsabilité et Solidarité)[24] entwarf, das unter anderem mit Steuererleichterungen für Unternehmen in Höhe von 30 bis 40 Milliarden Euro (binnen dreier Jahre) die stagnierende französische Wirtschaft ankurbeln sollte.[25] So wurde der 34-Punkte-Plan Montebourgs zur Reindustrialisierung Frankreichs von Macron auf 11 Punkte reduziert.[26] Macron ermöglichte dabei unter anderem den Verkauf von SFR an Patrick Drahi, den sein Vorgänger Montebourg verhindern wollte.[27] Unter anderem strebte er zudem eine Erweiterung der Sonntagsöffnungszeiten für Geschäfte an und erwirkte eine umfassende Liberalisierung des Fernbusverkehrs.

Emmanuel Macron (2014)

Im Jahr 2014 forderte Macron von Deutschland ein Programm über 50 Milliarden Euro zur Belebung der Wirtschaft in der Eurozone.[28] CDU-Politiker wie Herbert Reul, Norbert Barthle und Gunther Krichbaum wiesen die Forderungen zurück und kritisierten sie als Eingriff in die deutsche Souveränität.[29]

Nach dem Abgang der linken Minister um Montebourg und Hamon gab es Konflikte innerhalb der Parti socialiste. Der linke Flügel der Partei opponierte offen gegen die Regierung. Bis zu einem Drittel der Abgeordneten der Partei stimmten nun bei wichtigen Gesetzesvorhaben gegen die Regierung; die Regierung hatte bei bestimmten Gesetzesvorhaben keine Mehrheit mehr im Parlament. Premier Manuel Valls konnte Reformen nur noch per Notstandsverordnung gemäß Artikel 49 Absatz 3 der französischen Verfassung durchsetzen ohne Abstimmung im Parlament.[30] Insbesondere die Reformvorschläge von Macron waren umstritten und konnten nur per Notverordnung durchgesetzt werden.

Am 17. Februar 2015 wurde das Reformpaket als Gesetzentwurf (Loi Macron) in der Nationalversammlung eingebracht. Das Gesetz wuchs während der langwierigen parlamentarischen Beratungen – mit etwa 3000 Änderungsanträgen – zu einem Werk mit 200 Artikeln an. Dabei tastet die Loi Macron weder die 35-Stunden-Woche noch den Kündigungsschutz noch den Mindestlohn an. Sollte das Gesetz ursprünglich wirtschaftsfreundlich sein und den französischen Arbeitsmarkt liberalisieren, so gilt die in Kraft getretene Version rechten Kritikern als zu kompliziert und dem linken Flügel der Sozialistischen Partei als ein Abbau des Sozialstaats.[31] Der ehemalige Minister Pierre Joxe kritisierte, dass die französischen Sozialisten nicht für eine derartige Politik gewählt wurden.[32] Die Gewerkschaft Confédération générale du travail protestierte gegen die Loi Macron und führte eine Reihe von Protesten und Aktionen gegen das Gesetz durch.[33][34]

Macron galt zunächst als beliebtester Politiker im Kabinett Hollande. Dies änderte sich im Laufe des Jahres 2016, als bekannt wurde, dass Macron zu wenig Steuern gezahlt habe.[35] Seit einer gefilmten Auseinandersetzung im Mai 2016 mit demonstrierenden Gewerkschaftern gilt er bei vielen Mitgliedern der Sozialistischen Partei als rotes Tuch.[36] So forderten Umfragen zufolge 52 % der Franzosen im Juni 2016 seinen sofortigen Rücktritt als Minister.[37] Bekannt war das angespannte Verhältnis zu Manuel Valls, mit dem es mehrfach zu harten Auseinandersetzungen gekommen sein soll. Im Juli 2016 drohte Hollande Macron mit Entlassung.[38] Am 30. August 2016 trat Macron von seinem Amt als Minister zurück. Sein Nachfolger wurde Michel Sapin.

Parteigründung und Präsidentschaftskandidatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2016, etwa ein Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl, machte er die Gründung einer eigenen politischen Bewegung namens En Marche bekannt.[39] Am 30. August 2016 kündigte Macron bei Präsident Hollande seinen Rücktritt an. Innerhalb der PS wurde der Rücktritt Macrons sehr kritisch und als „Verrat“ an der Regierung gesehen.[40] Premierminister Manuel Valls warf Macron fehlende Loyalität vor.[41]

Bereits mit seinem Rücktritt befeuerte Macron Spekulationen über eine eigene Präsidentschaftskandidatur.[42] Eine interne Umfrage der PS ergab daraufhin, dass Macron gegenüber Arnaud Montebourg in einer Kampfabstimmung über die PS-Kandidatur unterliegen würde. Sein Ergebnis wäre aber deutlich besser als das von Hollande und Valls im direkten Vergleich mit Montebourg gewesen.[43] Nachdem Macron erklärt hatte, nicht an der Kandidatenvorwahl der PS teilzunehmen, sondern vielmehr mit einer eigenen Bewegung zu kandidieren, schloss der Generalsekretär der PS Cambadélis eine Unterstützung der Bewegung von Macron durch die PS kategorisch aus.[44]

Macron gab am 16. November 2016 bekannt, dass er als unabhängiger Kandidat zur Präsidentschaftswahl 2017 antreten werde.[45] Dies sei unwiderruflich; er werde auch dann antreten, wenn Hollande für eine Wiederwahl kandidieren sollte.[46] Damit war Macron nach Arnaud Montebourg und Benoît Hamon der dritte ehemalige Minister aus der Regierung Hollandes, der eine Präsidentschaftskandidatur erklärt hatte. Macron konnte in kurzer Zeit außergewöhnlich hohe Spenden für seine Kandidatur in Höhe von rund 2.700.000 Euro sammeln.[47] Die Kandidatur Macrons gilt als ein Beleg für die Zersplitterung des linken Parteienspektrums in Frankreich. Manuel Valls kritisierte die Kandidatur Macrons als „unverantwortlichen naiven Alleingang“, der das linke Lager erheblich schwäche.[48]

Macron galt Anfang des Jahres 2017 als populärer Kandidat, aber man traute ihm nur einen Achtungserfolg zu. Sowohl die Republikaner als auch die Sozialistische Partei hatten mit Alain Juppé bzw. mit Arnaud Montebourg deutlich populärere Kandidaten.[49] Nachdem sowohl Juppé und Montebourg überraschend in den jeweiligen Vorwahlen ihrer Parteien gescheitert waren und weil François Fillon Korruptionsvorwürfen ausgesetzt war, drehte sich die Stimmungslage zugunsten von Macron. Im Januar 2017 ergaben Umfragen, dass Macron im ersten Wahlgang zwischen 21 und 23 % der Stimmen erzielen und die voraussichtliche Stichwahl gegen Marine Le Pen (25 bis 27 %) gewinnen könnte.[50] Zu diesem Zeitpunkt zählte En Marche rund 136.000 Mitglieder, und es wurden Spenden in Höhe von 4 Millionen Euro eingesammelt.[51] Im Februar geriet er wegen seiner Aussagen zur französischen Kolonialvergangenheit in die Kritik – Macron hatte die französische Kolonisierung Algeriens bei einem Besuch des Landes als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet – und verlor in einigen Umfragen mehrere Prozentpunkte.[52] Am 22. Februar erklärte der Zentrumspolitiker François Bayrou seine Unterstützung für Macron und damit seinen Verzicht auf eine eigene Präsidentschaftskandidatur, was Macron steigende Umfragewerte einbrachte.[53] Vorwürfe der Plattform WikiLeaks über mögliche Skandale Macrons stellten sich als unbegründet heraus.[54]

Am 2. März 2017 präsentierte Macron sein Programm für die französische Präsidentschaftswahl am 23. April 2017.[55] Fillon warf Macron vor, sein Wahlprogramm sei ein Plagiat seines Wahlprogramms. Von politischen Beobachtern wird das Programm von Macron als wirtschaftsliberal, sozialliberal und pro-europäisch eingeordnet.[56][57][58][59] Vincent Peillon kritisierte im Wahlkampf, dass Macron und seine Bewegung sich nicht auf eine Koalition mit einer bestehenden Partei festlegen wollten, und bezeichnete dies als Vergewaltigung der Demokratie. Bei einem möglichen Wahlerfolg hätte Macrons Bewegung keine Mehrheit im Parlament und müsste im schlechtesten Fall von Abstimmung zu Abstimmung neue Mehrheiten aushandeln.[60]

In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen am 23. April 2017 erreichte er mit 24,01 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis aller elf Kandidaten und trat daher am 7. Mai in der zweiten Runde zur Stichwahl gegen Marine Le Pen vom Front National an, die in der ersten Runde 21,30 Prozent erreicht hatte.[61] In dieser Stichwahl erhielt er (bei einer Wahlbeteiligung von 74,56 %) 66,1 Prozent der Stimmen.[62] Die in der ersten Runde unterlegenen Kandidaten der Sozialisten und der Republikaner, Benoît Hamon und Fillon, hatten zur Wahl Macrons in der Stichwahl aufgerufen, um eine Präsidentschaft Marine Le Pens zu verhindern.

Politische Positionen im Wahlkampf 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Macron fordert einen Abbau von Regulierungen für Unternehmen.[63] Er möchte das Arbeitsrecht auf grundsätzliche Normen beschränken sowie die 35-Stunden Woche beibehalten, wobei die Branchen und Unternehmen flexiblere Arbeitszeiten aushandeln können sollen.[64] Macron plant den Aufbau eines universellen Rentensystems, das die 37 speziellen Rentensysteme ersetzt und gleichermaßen für Beamte wie Angestellte gilt.[64] Er will die Beibehaltung des Renteneintritts mit 62 Jahren oder nach 42 Jahren Beitragszahlungen bis 2022 garantieren.[64] Arbeitslosenunterstützung fordert er auch für Selbstständige und Freiberufler sowie für Arbeitnehmer, die selbst kündigen. Sie soll jedoch entzogen werden können, bei Ablehnung von akzeptablen Arbeitsangeboten oder fehlendem Engagement bei der Arbeitssuche.[64] Er plant die Streichung von 120.000 Beamtenstellen, außer in Hospitälern.[64] In sozialen Brennpunkten fordert er mehr Lehrer- und Polizistenstellen.[55]

Finanz- und Steuerpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Macron will die öffentlichen Ausgaben binnen 5 Jahren um 60 Mrd. € reduzieren durch Einsparungen im Gesundheitswesen (15 Mrd. €), bei den Gebietskörperschaften (10 Mrd. €), bei den Staatsausgaben (25 Mrd. €), durch Senkung der Arbeitslosigkeit (10 Mrd. €). Er plant Investitionen in Höhe von 50 Mrd. €, davon 15 Mrd. € für Aus- und Weiterbildung, 15 Mrd. € für den ökologischen und energetischen Wandel sowie jeweils 5 Mrd. für die Landwirtschaft, das Gesundheitswesen, das Verkehrswesen und die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung. Er will die Unternehmenssteuern von 33,3 % auf 25 % senken und plant eine Reform der Vermögenssteuer, die Kapital, das investiert wird, von der Besteuerung ausnimmt, außer Immobilieneinkünfte.[64]

Energie- und Umweltpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Macron möchte die Abhängigkeit Frankreichs von der Atomenergie vermindern. Einen Ausstieg aus dieser lehnt er ab. Er fordert ein umweltfreundliches Steuersystem, um eine Wirtschaft mit niedrigem CO2-Ausstoß zu erreichen.[64]

Asylpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Macron fordert eine schnellere Bearbeitung von Asylverfahren, zur Ermöglichung einer zügigen Ausbildung und Integration für Personen mit Asylrecht und einer zügigen Abschiebung von Personen ohne Asylrecht.[64]

Europapolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Macron tritt für eine Demokratisierung der Europäischen Union ein. Er möchte das Schengener Abkommen beibehalten und fordert die Verstärkung von Frontex durch 5.000 neue Grenzbeamte an den EU-Außengrenzen sowie ein gemeinsames Informationssystem für besseren Austausch bei der Bekämpfung von organisiertem Verbrechen und Terrorismus.[64]

Zudem plädiert er für gemeinsame Institutionen für die Eurozone.[55] Er fordert die Einrichtung eines Budgets der Eurozone in Höhe von mehreren 100 Mrd. € für Investitionen, das von einem Parlament der Eurozone legitimiert und kontrolliert und von einem Minister für Wirtschaft und Finanzen der Eurozone gesteuert werden soll.[64] Eine solche europäische Transferunion und damit Euro-Anleihen und die Vergemeinschaftung von Staatsschulden wird von Politikern insbesondere in Deutschland kritisiert. Sie erwarten stattdessen verstärkte Anstrengungen der französischen Politik, die eigene Wirtschaft voranzubringen.[65]

Macron bezeichnete Deutschlands Handelsüberschuss im Export als „nicht mehr tragbar“.[66]

Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Sieg in der Stichwahl zur Präsidentschaft am 7. Mai 2017 versammelte Macron Zehntausende Anhänger auf dem Innenhof des Louvre – und unterstrich damit symbolisch seine Entscheidung, abseits der bisherigen parteipolitischen Linien einen Neuanfang zu versuchen (die Rechten versammeln sich nach Wahlsiegen traditionell auf der Place de la Concorde, die Linken auf der Place de la Bastille). Mit seinem Auftritt, der mit seinem einsamen Hineinschreiten unter Abspielen der Europahymne begann, suchte er die Nähe der Inszenierungen Francois Mitterrands, dessen Grand Projet die Errichtung der Glaspyramide im Innenhof des Louvre gewesen war, was laut Nils Minkmar als Anknüpfungspunkt an den kulturell-intellektuellen Wiederaufstieg Frankreichs in den 1980er Jahren dienen soll. Außerdem erinnere der Louvre an die Befriedungs- und Stabilisierungsleistung König Heinrichs IV. nach den Hugenottenkriegen. In seiner Rede beschwor Macron einen Aufbruchsgeist für Frankreich und Europa „voller Hoffnung, Demut und nahezu klassischem Pathos – wie man es lange nicht gehört hat in Europa“, so Minkmar.[67]

Am 14. Mai 2017 wurde Macron ins Amt eingeführt und übernahm die Amtsgeschäfte von François Hollande.[68] Am folgenden Tag ernannte er den bisherigen Bürgermeister von Le Havre, Édouard Philippe, zum neuen Premierminister. Die Wahl des Politikers der konservativen Républicains soll vor der anstehenden Parlamentswahl Macrons Bemühen um eine parteien- und lagerübergreifende Mehrheit unterstützen.[69] Am Abend besuchte Macron auf seiner ersten Auslandsreise der Tradition entsprechend Berlin und die deutsche Kanzlerin; Sascha Lehnartz kommentierte, Macrons „Pro-Germanismus“ sei eine einzigartige Chance für die bilateralen und europäischen Beziehungen.[70] Auch mehrere Schlüsselpositionen vor allem im Kabinett Philippe sind mit Personen besetzt, die wie der Premierminister selbst, der Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire und die Verteidigungsministerin Sylvie Goulard Affinität zu Europa und besonders zu Deutschland haben, sodass Michaela Wiegel diese neue französische Politikergeneration als „so deutschlandfreundlich wie keine zuvor“ bezeichnete und in ihnen die „Bauherren“ einer möglich gewordenen Erneuerung des institutionellen Europa sah.[71]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Emmanuel Macron – Sammlung von Bildern

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Gilles Martin-Chauffier: Un jeune homme pressé. Paris Match, 10. Mai 2017, Seiten 88–93.
  2. Cathy Lafon: Brigitte Macron : 7 choses à savoir sur la Première dame de France Sud-Ouest, 7. Mai 2017, [[1]]
  3. Jean-Pierre Thiollet: 88 notes pour piano solo. Neva Editions, 2015, ISBN 978-2-35055-192-0, S. 193.
  4. Die Eliten-Maschine. zeit.de 2. Mai 2017.
  5. Emmanuel Macron, un banquier d’affaires nommé secrétaire général adjoint de l’Elysée. lemonde.fr, 16. Mai 2012. (französisch)
  6. Junger Wirtschaftsminister darf Frankreich verführen. Die Welt, 27. August 2014.
  7. Anmerkung: an der ENA erhält jeder Jahrgang den Namen eines Prominenten; z. B. hieß der Jahrgang von François Hollande, Ségolène Royal, Michel Sapin und Dominique de Villepin Voltaire; siehe z. B. hier (frz.). (Le Monde).
  8. Inspection générale des finances: M. Macron (Emmanuel), legifrance.fr vom 9. April 2004
  9. Emmanuel Macron, un banquier d'affaires nommé secrétaire général adjoint de l’Elysée. Le Monde vom 16. Mai 2012.
  10. Vgl.: Martine Orange (2012): Rothschild, une banque au pouvoir. S. 181 (Google Books)
  11. Emmanuel Macron, monsieur superlatif, Le Monde, 27. August 2014
  12. Emmanuel Macron – Le cerveau droit de François Hollande. In: Le Figaro, 13. Dezember 2012
  13. Handelsblatt: 2-Milliarden Übernahme: Nestle kauft Babynahrungssparte von Pfizer-
  14. Ils ont marqué 2012: Emmanuel Macron, l’enfant prodige de l'Elysée. L’Obs, 28. Dezember 2012
  15. Christian Lenoir: Emmanuel Macron „exilé“ à Paris par ses parents... à cause de Brigitte Trogneux. In: www.closermag.fr vom 12. November 2015 (französisch).
  16. Georg Blume, Elisabeth Raether: Emmanuel Macron: Der heitere Populist. In: Die Zeit Online vom 5. Februar 2017.
  17. Gregoire Bison: Avec Macron l’Elysée decroche le poupon. In: Libération vom 12. September 2012, abgerufen am 24. April 2017. (französisch).
  18. Junger Wirtschaftsminister darf Frankreich verführen. In: Die Welt vom 27. August 2014.
  19. Hollande macht Vertrauten zum Wirtschaftsminister. FAZ Online, 26. August 2014.
  20. Cerstin Gammelin Brüssel: Die Lage ist ernst. In: sueddeutsche.de. 1. August 2014, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 29. April 2017]).
  21. Das Kabinett des Präsidenten, Homepage des Elysée-Palastes, 26. August 2014.
  22. Viele Bekannte und ein frisches Etikett. sueddeutsche.de, 26. August 2014
  23. spiegel.de: Hollandes Tabubrecher (Überlegungen zum Ende der 35-Stunden-Woche)
  24. etwa: „Pakt der Verantwortung/Verantwortlichkeit und Solidarität“ Portail du Gouvernement: Pacte de Responsabilité et Solidarité, franz. Regierungsseite, aufgerufen am 27. August 2014.
  25. zeit.de (Macron neuer Wirtschaftsminister. (26. August 2014)) schrieb, der Pakt solle „Frankreichs Unternehmen inklusive CICE binnen drei Jahren Abgabenentlastungen in Höhe von 41 Milliarden Euro bringen.“ sueddeutsche.de nennt 30 Milliarden Euro (vermutlich ohne CICE). CICE = fr:Crédit d'impôt pour la compétitivité et l'emploi
  26. Macron retaille les 34 plans de Montebourg. 16. März 2015, abgerufen am 29. April 2017.
  27. Vivendi a choisi de céder SFR à Numericable. 14. März 2014, abgerufen am 9. April 2017.
  28. Deutschland soll 50 Milliarden in Frankreich investieren. Der Stern, 20. Oktober 2014.
  29. Ministertreffen in Berlin: Frankreichs 50-Milliarden-Plan empört die Union. Spiegel.de, 20. Oktober 2014.
  30. Premierminister Manuel Valls hebelt kurz mal die Demokratie aus. eurojournalist.eu, 19. Februar 2015.
  31. L'ancien ministre Pierre Joxe en guerre contre la loi Macron. In: L'Obs. (nouvelobs.com [abgerufen am 23. November 2016]).
  32. Pierre Joxe : la loi Macron est une « déconstruction du droit social ». In: L’Humanité. 22. Dezember 2014 (humanite.fr [abgerufen am 23. November 2016]).
  33. lefigaro.fr: 1ère 'faillite' des 'cars Macron', selon la CGT. In: Le Figaro. (lefigaro.fr [abgerufen am 23. November 2016]).
  34. Loi Macron : la caisse à outils du libéralisme, CGT, 18. August 2015 (französisch)
  35. Wirtschaftsminister muss Reichen-Steuer nachzahlen. FAZ vom 31. Mai 2016.
  36. Emmanuel Macron: «Le meilleur moyen de se payer un costard, c’est de travailler». Le Figaro, 28. Mai 2016
  37. 52 % des Français souhaitent la démission d’Emmanuel Macron. L’Express, 4. Juni 2016
  38. Hollande droht Macron mit Rauswurf. zeit.de 14. Juli 2016.
  39. zeit.de: Frankreichs Wirtschaftsminister gründet eigene Bewegung. Die Zeit.
  40. Ein Shooting-Star auf dem Weg nach oben. Tagesschau, vom 30. August 2016.
  41. Démission de Macron: On ne «déserte» pas, tacle Manuel Valls. 20minutes.fr. Vom 31. August 2016.
  42. Frankreichs Wirtschaftsminister tritt zurück. Zeit Online, 30. August 2016.
  43. Primaire à gauche: un sondage secret donne Montebourg champion du second tour. Le Figaro, 25. August 2016
  44. Cambadélis menace de sanctionner les soutiens PS de Macron. bfmtv, 1. September 2016
  45. Frankreich: Macron gibt Präsidentschaftskandidatur bekannt. In: Spiegel Online, 16. November 2016.
  46. Etienne Jacob, A. F. P. agence: Présidentielle : la candidature de Macron «irrévocable», même si Hollande se représente. In: Le Figaro. 16. November 2016, ISSN 0182-5852 (lefigaro.fr [abgerufen am 24. April 2017]).
  47. Présidentielle : la gauche en mouvements. In: leparisien.fr. 16. November 2016 (leparisien.fr [abgerufen am 16. November 2016]).
  48. La réaction piquante de Valls à la candidature de Macron. (lalibre.be [abgerufen am 16. November 2016]).
  49. Sondage : L’inattendue popularité de Montebourg. Paris Match, 17. Januar 2017.
  50. Macron überholt Fillon, Le Pen bei knapp 27 Prozent. Spiegel online, 1. Februar 2017
  51. Macron: „Ich verteidige das europäische Projekt“. Der Tagesspiegel, 11. Januar 2017
  52. Michaela Wiegel: Buhrufe für Macrons Kolonialkritik. FAZ, 20. Februar 2017.
  53. Présidentielle 2017 : François Bayrou renonce à se présenter et soutient Emmanuel Macron. francetvinfo.fr, Abruf am 21. März 2017. (französisch)
  54. Jetzt nimmt Wikileaks Emmanuel Macron ins Visier. Tages-Anzeiger, 6. Februar 2017.
  55. a b c Programme de Macron : éducation, chômage, retraite, sécurité… les principaux points. lemonde.fr. Abruf am 21. März 2017 (französisch)
  56. Emmanuel Macron – der heimliche Star im Wahljahr? The Europeen, 21. Januar 2017
  57. Die größten Probleme vor der Präsidentenwahl. Wirtschaftswoche, 19. Januar 2017.
  58. Fortschritt oder Frexit. Süddeutsche Zeitung, 6. Januar 2017
  59. Das Schicksalswahljahr in Frankreich. Deutschlandfunk, 2. Januar 2017
  60. Présidentielle: Peillon accuse Macron de „rapt démocratique“. L’express, 20. März 2017 (französisch)
  61. elections.interieur.gouv.fr
  62. Election présidentielle 2017: France Entière, Résultats au 2d tour. In: interieur.gouv.fr, 7. Mai 2017.
  63. Spiegel online: Arbeitsmarkt, Rente, Finanzen: Das haben Macron und Le Pen mit Frankreichs Wirtschaft vor. Abgerufen am 24. April 2017.
  64. a b c d e f g h i j Vergleich der Positionen der Kandidaten. Deutsch-Französisches Institut, 7. März 2017. (PDF)
  65. Kritik aus Deutschland: Widerstand gegen Macrons Forderungen. Deutschlandfunk, 9. Mai 2017
  66. Macron zum Handelsüberschuss: Deutsche Stärke „nicht mehr tragbar“. In: Tagesschau.de, 17. April 2017.
  67. Nils Minkmar: Emmanuel Macron: Ein neuer Ton der Hoffnung. In: Spiegel Online, 8. Mai 2017.
  68. Kerstin Gallmeyer: Amtseinführung von Macron: Ein Mann mit einer Mission. In: Tagesschau.de, 14. Mai 2017.
  69. Stefan Simons: Neuer Regierungschef: Philippe Macrons Lockvogel. In: Spiegel Online, 15. Mai 2017.
  70. Sascha Lehnartz: Besuch bei Merkel: Macrons mutiger Pro-Germanismus ist eine einzigartige Chance. In: Die Welt, 15. Mai 2017.
  71. Michaela Wiegel: Macron und die Deutschen: Germanophil. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Mai 2017.
  72. 320 S. (Inhaltsverzeichnis)
  73. Zum Autor
  74. 240 S.
  75. 112 S., Pressestimmen
  76. 234 S.
  77. Michaela Wiegel: Rezension auf faz.net