Emmerich Joseph von Dalberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Emmerich von Dalberg (um 1815),
Porträtarchiv Diepenbroick im LWL-Museum für Kunst und Kultur

Emmerich Joseph Herzog von Dalberg (* 30. Mai 1773[Anm. 1] in Mainz; † 27. April 1833 auf Schloss Herrnsheim) war ein zunächst badischer, später französischer Diplomat und Politiker.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emmerich Joseph von Dalberg war ein Sohn des Freiherrn Wolfgang Heribert von Dalberg und dessen Frau, Elisabeth Auguste Ulner von Dieburg (1751–1816), Enkelin des kurpfälzischen Diplomaten Franz Pleickard Ulner von Dieburg. Emmerich Joseph von Dalberg war damit auch ein Neffe von Großherzog Karl Theodor von Dalberg, letzter Kurfürst von Mainz, letzter Reichserzkanzler des alten deutschen Reiches und Fürstprimas des Rheinbundes. Emmerich Joseph von Dalberg wurde am 31. Mai 1773, dem Pfingstsonntag, in St. Emmeran in Mainz getauft. Taufpate war der Mainzer Erzbischof Kurfürst Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim.[1]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emmerich Joseph von Dalberg heiratete am 27. Februar 1807[Anm. 2] in Paris Marie Pelline Thérèse Cathérine (* 1787; † 15. Dezember 1825 auf Schloss Herrnsheim), Tochter von Antonio Giulio Marqis de Brignole-Sale und seiner Frau, Anna, geborene Pieri.[2]

Einziges Kind aus der Verbindung von Emmerich Joseph und Marie Pelline, war Marie Louise Pelline (* 6. Januar 1813[Anm. 3] in Paris, † 14. März 1860 in Brighton). Sie heiratete zwei Mal: Am 9. Juli 1832 in Paris Ferdinand Richard Edward Acton, 7. Baronet Acton, den Sohn von John Acton, 6. Baronet Acton, des Premierministers des Königreichs Neapel[3], und nach seinem Tod am 25. Juli 1840 in London Granville George Leveson-Gower, 2. Earl Granville (* 11. Mai 1815 in London; † 31. März 1891 in London). Ihr erster Ehemann, Richard Edward Acton nahm nach dem Tod seines Schwiegervaters, Emmerich Joseph von Dalberg, der als letzter männlicher Nachkomme seiner Linie starb, den Namen Dalberg-Acton an. Nachdem 1940 mit Johannes Evangelist von Dalberg der letzte männliche Träger dieses Namens verstarb, sind heute die Nachkommen von Marie Louise von Dalberg die einzigen, die den Namen noch führen.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits als Kind hatte Emmerich Joseph von Dalberg eine Domherrenstelle in Mainz inne, auf die er aber bereits 1787 verzichtete.[4]

1803 trat er in den badischen Staatsdienst ein. Als badischer Gesandter in Paris lernte er Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, den französischen Außenminister, kennen.[5] Vom Juni 1808 bis zum März 1809 führte Dalberg in Karlsruhe vorübergehend und provisorisch das Finanzministerium[6] und war Kabinettsdirektor der badischen Regierung.[7] Nach einem Urlaub kehrte er im August 1809 auf seinen Gesandtschaftsposten in Paris zurück.[8] Anfang 1810 war er an den Vorbereitungen zur Heirat von Napoleon I. und Marie-Louise von Habsburg im März 1810 beteiligt. Kurz darauf, im März 1810, schied er als badischer Gesandter in Paris und aus dem badischen Staatsdienst aus.[9]

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen des Herzogs Emmerich Joseph von Dalberg

Die Stammgüter Emmerich Josephs von Dalberg lagen überwiegend auf dem linken Rheinufer und somit seit 1798 in Frankreich (Département du Mont-Tonnerre). Sie waren „vorübergehend“ beschlagnahmt (sequestriert). Er nahm die französische Staatsbürgerschaft an, um nicht mehr als „feindlicher Ausländer“ eingestuft zu werden, sondern sein Eigentum als französischer Inländer wieder zu erlangen.

Zudem konnte er so – wohl über die engen Beziehungen zu Talleyrand – eine Standeserhöhung erlangen, die mehrere Stufen in der Adelshierarchie übersprang und aus dem Freiherren einen Herzog machte. Am 14. April 1810[10] wurde Emmerich Joseph von Dalberg zum Herzog und zum Staatsrat ernannt, erhielt eine Dotation in Höhe von 4 Millionen Francs und eine Jahresrente von 200.000 Francs. Der Herzogstitel lautete: Duc de Dalberg.

Als Talleyrand in Ungnade fiel, zog sich auch Dalberg zurück, wurde jedoch im April 1814, als Talleyrand an die Spitze der provisorischen Regierung trat, zu einem der fünf Regierungsmitglieder ernannt, die die Restauration der Bourbonen herbei führten. Er nahm als bevollmächtigter Minister Frankreichs, zusammen mit Talleyrand, die französischen Interessen auf dem Wiener Kongress wahr. Napoleon I. setzte ihn nach seiner Rückkehr im Gegenzug auf die Liste der zwölf Verbannten, deren Güter konfisziert wurden.

Dalberg erhielt jedoch nach der zweiten Restauration der Bourbonen alles zurück, wurde Staatsminister und war Pair von Frankreich.[11] 1816 wurde er Gesandter des französischen Königs beim König von Sardinien und Piemont in Turin. Anschließend lebte er in Paris und in den letzten Jahren seines Lebens auf seinem Schloss in Herrnsheim (heute: Worms).

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Herrnsheim

Ab 1808 ließ Emmerich Joseph von Dalberg das Herrnsheimer Schloss durch Johann Philipp Mattlener nach Plänen von Jakob Friedrich Dyckerhoff wiederherstellen und grundlegend umbauen.[12]

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emmerich Joseph Herzog von Dalberg starb am 27. April 1833 auf Schloss Herrnsheim und wurde in der Dalbergkapelle der Ortskirche St. Peter beigesetzt. Er hinterließ in großen Umfang Papiere, die zu einem großen Teil wissenschaftlich noch nicht ausgewertet sind. Dazu zählen eine begonnene, aber nie zu Ende geschriebene Autobiografie[13], Tagebuchaufzeichnungen[14] und Korrespondenz[15] Die einzige Monografie, die über ihn erschienen ist, behandelt nur die erste Zeit seines Wirkens bis zum Eintritt in französische Dienste 1810.[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet

  • Friedrich Battenberg: Dalberger Urkunden. Regesten zu den Urkunden der Kämmerer von Worms gen. von Dalberg und der Freiherren von Dalberg 1165–1843 Band 14/3: Corrigenda, Indices und Stammtafeln (v. Dalberg und Ulner von Dieburg) = Repertorien des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt 14/3. Darmstadt 1987. ISBN 3-88443-238-9
  • Johannes Bollinger: 100 Familien der Kämmerer von Worms und der Herren von Dalberg. Bollinger, Worms-Herrnsheim 1989. Ohne ISBN.
  • Arnulf Jürgens: Emmerich von Dalberg zwischen Deutschland und Frankreich. Seine politische Gestalt und Wirksamkeit 1803–1810 = Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B. Forschungen, Bd. 83. Kohlhammer, Stuttgart 1976.
  • Arnold Kurzyński (Hg.): Catalog der werthvollen und reichhaltigen Bibliothek des Schlosses Herrnsheim bei Worms a. Rh. gesammelt von W. H. Freiherrn von Dalberg dem bekannten Intendanten der Mannheimer Bühne und Gönner Schillers und dessen Sohne Emmerich Joseph Herzogs zu Dalberg welche Montag den 15. Oktober 1883 u. ff. TT. durch Fidelis Butsch Sohn (Arnold Kurzyński) in Augsburg [...] öffentlich gegen Baarzahlung versteigert werden wird. Augsburg 1883.
  • L.-G. Michaud: Dalberg (Emmerich – Joseph – [...]). In: L.-G. Michaud: Biographie universelle, ancienne et moderne. Supplementband 62. Michaud, Paris 1837, S. 29–44.
  • Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten. Neue Folge, Bd. 9: Familien vom Mittel- und Oberrhein und aus Burgund. Marburg 1986. Ohne ISBN, Tafel 60.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Emmerich Joseph von Dalberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bollinger, S. 76: * 23. Mai 1773.
  2. Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X: 27. Februar 1808.
  3. Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X: * 1812.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bollinger, S. 76.
  2. Schwennicke.
  3. Schwennicke, Taf. 60; Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X .
  4. Schwennicke.
  5. Joseph François Michaud: Biographie universelle ancienne et moderne, Band 62 (supplément).
  6. Großherzoglich Badisches Regierungsblatt, Nr. XXI. vom 8. Juli 1808, S. 190–191 Google-Digitalisat
  7. Jürgens, S. 183f, 197.
  8. Jürgens: Emmerich von Dalberg, S. 198.
  9. Jürgens: Dalberg, S. 209.
  10. Schwennicke.
  11. Jean-Baptiste-Pierre Jullien de Courcelles: Histoire généalogique et héraldique des pairs de France: des grands dignitaires de la couronne, des principales familles nobles du royaume et des maisons princières de l'Europe, précédée de la généalogie de la maison de France, Band 6, Paris 1826.
  12. Clemens Jöckle: Preußische Einflüsse auf die klassizistische Architektur in der Pfalz. In: Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (Hg.): Pfälzer Heimat, 29. Jahrgang (1978), S. 140, Anm. 12.
  13. Stadtarchiv Worms, Bestand 159, Nr. 0335/2.
  14. Stadtarchiv Worms, Bestand 159, Nr. 0335/1: Tagebuch des Emerich Joseph von Dalberg als Badischer Gesandter in Paris: Journal terme depuis 1803 / 6 Juin jusqu'en 1810 à Paris pendant ma mission de Ministre plénipotentaire de Bade pres le gouvernement Francais.
  15. Stadtarchiv Worms, Bestand 159, zahlreiche Archivnummern.
  16. Jürgens.
VorgängerAmtNachfolger
?Badischer Gesandter in Paris
1803–1809
Johann Baptist von Pfirdt
Französischer Gesandter in Turin
1815–1820
Frédéric-Séraphin de La Tour du Pin
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888 bis 1890.
Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn du den Artikel so weit überarbeitet hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt, dies belegt ist und er den heutigen sprachlichen Anforderungen genügt.
Um danach auf den Meyers-Artikel zu verweisen, kannst du {{Meyers Online|Band|Seite}} benutzen.