Emotionsappell

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Als Emotionsappell oder Gefühlsappell (lateinisch argumentum ad passiones, englisch appeal to emotion, argument by vehemence oder for the children) bezeichnet man in der Ethik ein rhetorisches Argument, bei dem an die Gefühle eines Zuhörers appelliert wird um diesen zu überzeugen, anstatt den Gegenstand des Arguments sachlich zu belegen.[1][2] Es handelt sich damit um einen Spezialfall eines Red Herring Arguments bzw. des ignoratio elenchi.

Unterscheidung nach Emotion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emotionsappelle gibt es in verschiedenen Varianten. Diese können nach den Gefühlen unterschieden werden, welche sie ansprechen.

Negative Emotionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angst entsteht durch die Erwartung, dass sich gegebene Lebensumstände verschlimmern.

Beispiele
  • „Ihr wollt doch nicht, dass die Ausländer unsere Arbeitsplätze wegnehmen?“

Wut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wut entsteht aus Angst sowie der zugehörigen Hoffnung, die erwartete Verschlechterung durch das eigene Handeln beeinflussen zu können. Wut dient also dazu, Personen zu mobilisieren, um eine Veränderung zu erreichen.

Beispiele
  • „Vergewaltigung ist ein abscheuliches Verbrechen, das keine Menschen, sondern nur Monster begehen können.“
  • „Da hinter jeder Ecke jemand auf euch lauern kann, der eine Waffe bei sich hat, sollten jeder Mensch ein Recht auf eine Feuerwaffe haben.“

Enttäuschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enttäuschung entsteht wie Wut aus einer Angst heraus, jedoch mit dem Unterschied, dass die enttäuschte Person nicht erwartet eine Veränderung an der Situation erreichen zu können. Enttäuschung kann beispielsweise in politischer Propaganda verwendet werden, sodass sich Personen an eine gegebene Situation anpassen anstatt diese zu ändern.

Als Unterformen der Enttäuschung gibt es die Verzweiflung und das Schuldgefühl. Die Verzweiflung ist hierbei eine intensivere Form der Enttäuschung, während das Schuldgefühl ein Spezialfall der Enttäuschung ist, wobei das eigene Handeln als Ursache der Veschlechterung der Situation gesehen wird.

Beispiele
  • „Da kann man nichts machen.“
  • „Das ist einfach so.“
  • „Wir haben das schon immer so gemacht.“

Abscheu[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abscheu dient dazu andere Personen oder Lebewesen abzuwerten und ein relatives Überlegenheitsempfinden (Stolz) aufzubauen. Dadurch wird es ermöglicht Wut anstatt einer Enttäuschung als Reaktion auf einen Angstzustand zu empfinden. In populistisch geprägter Politik ist Abscheu essenziell, damit die Wählerschaft durch Wut mobilisiert wird, anstatt einer Enttäuschung zu verfallen.

Beispiele
  • „Dieser Lungenarzt ist ein überheblicher Besserwisser! Der will mir doch glatt das Rauchen verbieten!“
  • „Glaub der Schulmedizin-Mafia bloß nicht! Das sind Konzerne, die nur daran interessiert sind Geld zu verdienen.“

Traurigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traurigkeit verzerrt die moralische Wahrnehmung und kann dadurch zu suboptimalen moralischen Entscheidungen führen. Auslöser für eine Traurigkeit kann eine Enttäuschung, aber auch Empathie und Mitgefühl sein.

Beispiele
  • „Denk an die armen Kinder!“
  • „Menschen leiden massiv an der Chemotherapie. Es wird Zeit, dass wir diese unmenschliche Praxis endlich aufgeben und diese Menschen in Frieden sterben lassen!“

Positive Emotionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stolz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stolz ist das Gegenstück zur Abscheu. Während bei der Abscheu eine andere Person abgewertet wird, wird beim Stolz die eigene Person aufgewertet, um eine relative Überlegenheit zu empfinden.

Beispiele
  • „Wir sind einfach die Besten!“

Hoffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hoffnung ist die Erwartung einer Verbesserung eines Zustands. Eine Variante ist die Erleichterung, bei der es sich um eine aus einer Angst hervorgegangene Variante der Hoffnung handelt. Hoffnung beeinflusst die Wahrnehmung dadurch, dass man weniger achtsam und kritisch wird und zu einem Wunschdenken führt.

Ein solches Wunschdenken stellt beispielsweise der Glaube an die sogenannte Alternativmedizin, ein Leben nach dem Tod oder Prädestination dar.

Beispiele
  • „Das funktioniert bestimmt! Da bin ich mir sicher.“

Freude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich der Hoffnung stellt die Freude einen emotionalen Zustand dar, der beibehalten werden soll. Hierdurch entsteht kein Interesse die Umstände zu hinterfragen und etwas zu unternehmen, etwa um ein zukünftiges oder weit entferntes Ereignis abzuwenden.

Beispiele
  • „Hör darauf, was dir dein Herz sagt.“
  • „Es macht nichts, dass du Adipositas hast. Hauptsache du bist glücklich!“
  • „Was kümmern dich die Obdachlosen? Dir geht es doch gut!“

Humor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Humor kann dazu verwendet werden, um ein Zusammengehörigkeitsempfinden und damit Stolz zu erzeugen, sowie dazu andere abzuwerten, um Abscheu zu erzeugen.

Beispiele
  • „Vegetarier vermehren sich nicht, sie pflanzen sich fort.“

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. appeal to emotion. In: your logical fallacy is. Abgerufen am 13. Juni 2017 (englisch).
  2. Appeal to Emotion. In: Logically Fallacious. Abgerufen am 13. Juni 2017 (englisch).