Empfängnis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfängnis bezeichnet die Verschmelzung der Eizelle mit einem Spermium bei der Befruchtung und die Entstehung eines Keims.[1] Ihrer Natur nach kann die Empfängnis einer Frau erst rückblickend beim Beginn einer Schwangerschaft festgestellt werden.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche Vorsilbe war ent-, die sowohl die Richtung auf etwas hin als auch die Trennung von etwas weg benennt. Vor dem Buchstaben f entstand aus der unbetonten Vorsilbe ent- die Vorsilbe emp-, sodass das Verb nun empfangen lautet, das dem ahd. intfāhan entstammt.[2]

Mit Empfängnis gleichbedeutend ist Konzeption, von lateinisch conceptio, abgeleitet von concipere (con-capere, capere), zu Deutsch fangen, nehmen, erfassen, empfangen. Es ist das Stammwort für den Begriff Kontrazeptiva für die verschiedenen Methoden der Empfängnisverhütung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Volksglauben gab es die Annahme, nach der weder ein Mann noch ein Geschlechtsverkehr in einem plausiblen Zusammenhang mit dem Zustandekommen einer Schwangerschaft stehe. Vielmehr wurde eine Schwangerschaft auf die Wirkungen von Wasser, des Lichts der Sonne oder des Mondes oder sogar von Nahrungsmitteln zurückgeführt.[3]

Eine medizinisch exakte Bedeutung des Begriffes Empfängnis wurde erst durch die Forschungen des Embryologen Karl Ernst von Baer (1792–1876) gefunden, der 1827 die weibliche Eizelle entdeckte. Zuvor herrschte die irrtümliche Annahme, die unter dem Mikroskop entdeckten Spermien des Mannes würden eine Art von „Samen“ darstellen, der allein den Embryo enthält, den die Frau beim Koitus als „fruchtbare Erde“ empfängt, ohne dass auch ihre Erbanlagen zur Entstehung des Kindes beitragen (Präformationslehre). Dabei entstand die falsche Bezeichnung „Samenzellen“ für die Spermien, die wegen der irreführenden Bedeutung heute nicht mehr gebräuchlich ist. Ein Pflanzensame enthält bereits einen pflanzlichen Embryo und kann keinesfalls dazu dienen, eine pflanzliche Eizelle zu befruchten (siehe auch Bestäubung).

Das Eindringen des Spermiums in die Eizelle hatte 1842 der englische Physiologe Martin Barry, ein Schüler von Friedrich Tiedemann, entdeckt.[4]

Infolge der Fortschritte der Reproduktionsmedizin ist eine Empfängnis auch durch eine künstliche Befruchtung möglich.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Pschyrembel: Wörterbuch Sexualität. De Gruyter. Berlin/New York 2003, Lemma Empfängnis.
  2. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. De Gruyter, Berlin/New York 1975, Lemma -ent.
  3. Pschyrembel: Wörterbuch Sexualität. De Gruyter. Berlin/New York 2003, Lemma Zeugungsmythen.
  4. Reinhard Hildebrand: Barry, Martin. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 147.

Historische Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jacob Rueff: Ein schoen lustig Trostbuechle von den empfengknussen und geburten der menschen [...]. Zürich (Christoph Froschauer) 1554; Neudruck, mit einer Einführung von Huldrych M. Koelbing, Zürich 1981.
    • Lateinische Ausgabe: De conceptu et generatione hominis. De matrice et eius partibus […]. Frankfurt am Main 1587; Neudruck Stuttgart o. J.