Emscherbrücher

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Emscherbrücher
Skulptur von zwei Emscherbrücher Wildpferden vor dem Eingang der Heitkamp BauHolding

Skulptur von zwei Emscherbrücher Wildpferden vor dem Eingang der Heitkamp BauHolding

Wichtige Daten
Ursprung: Deutschland
Hauptzuchtgebiet: Emscherbruch
Verbreitung: in das Dülmener Pferd überführt
Stockmaß: bis 135 cm
Farben:
Haupteinsatzgebiet: Zug- und Reitpferd,[1] Landwirtschaft, Grubenpferd

Der Emscherbrücher oder Emscherbrücher Dickkopp war eine wild lebende Hauspferderasse. Ihr Vorkommen wurde 1369 erstmals urkundlich erwähnt.[1] Sie war bis Anfang des 19. Jahrhunderts im Bruch entlang der Emscher zwischen Waltrop und Bottrop verbreitet. Die letzten Emscherbrücher wurden in den 1840er Jahren eingefangen und an den Herzog Alfred von Croÿ nach Dülmen verkauft. Sie bildeten damit die Basis zur Zucht des Dülmener Pferds.

Exterieur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Emscherbrücher erreichten ein Stockmaß bis 135 cm bei einem maximalen Körpergewicht von 300 kg. Als Vertreter der Hauspferde hatten sie kurze Ohren, Hornwarzen an allen vier Beinen und einen von der Rückenwurzel herabhängenden behaarten Schweif.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Mittelalter hatten die Adelsfamilien entlang der Emscher das Privileg, das Pferdevorkommen im Emscherbruch zu nutzen. Zum Fang berechtigte Adelshäuser zeigten dies gelegentlich durch eine Prame in ihrem Wappen. Die Prame war eine spezielle Zange, die den Pferden zur Zähmung an die Nüstern geklemmt wurde. Ein oder mehrere Pramen in ihren Wappen führten entlang des Emscherbruchs die Familien op dem Berge in Essen-Bergeborbeck, von Dyck in Essen-Schonnebeck, von Carnap in Essen-Karnap, von der Horst und von der Leythe in Gelsenkirchen-Buer, von Schalke in Gelsenkirchen-Schalke, von Sevinghausen in Wattenscheid und von Dorneburg, gen. Aschebrock in Eickel.[2][3]

Der älteste schriftliche Nachweis der Pferdehaltung im Emscherbruch stammt aus dem Jahr 1369. Bei der Niederlegung seines Amtes listete Adam von Dalhusen, Landkomtur der Deutschordensballei Westfalen, detailliert das Vermögen aller Kommenden auf. Für die Kommende Welheim im heutigen Bottrop an der Emscher wurden dabei 11 im Bruch gehaltene Wildpferde genannt.[1]

In Crange an der mittleren Emscher wurde einmal jährlich zum Laurentiustag im August ein Markt abgehalten, bei dem auch die gefangenen Emscherbrücher Dickköppe zum Verkauf kamen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden sie dazu am Tag vor dem Markt zusammengetrieben und mit Lassos gefangen.[4] Aus dem historischen Markt ist die Cranger Kirmes hervorgegangen, an deren erstem Veranstaltungstag bis in die Gegenwart ein Pferdemarkt abgehalten wird.

Als 1926 für die neu gebildete Stadt Wanne-Eickel ein Wappen gestaltet wurde, war die Erinnerung an die wilden Pferde des Emscherlandes noch lebendig. Ein schwarzes Pferd in goldenem Schild, das einen Emscherbrücher symbolisiert, wurde Wappenbild und ist es in Form des 1975 auf die Stadt Herne übertragenen Wappens geblieben.

Die Haltung von Pferden in der Wildbahn war in Westfalen eine verbreitete Zuchtform. Bis heute wird sie beim Dülmener Wildpferd praktiziert, in der ostwestfälischen Senne gibt es seit 1999 wieder ein Projekt Wildbahn Senner Pferde.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cordula Marx, Agnes Sternschulte (Hrsg.): „... so frei, so stark ...“ Westfalens wilde Pferde (= Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold – Landesmuseum für Volkskunde. Bd. 21). Klartext, Essen 2002, ISBN 3-89861-082-9.
  • Annette Krus-Bonazza: „Auf Cranger Kirmes“. Vom Pferdemarkt zum Oktoberfest des Westens (= Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland. H. 80). Coppenrath, Münster 1992, ISBN 3-88547-186-1. (Volltext als PDF)
  • Aloys Uhlendahl: De leste Iämscherbräuker. In: Der Emscherbrücher. Wanne-Eickeler Hefte. Nr. 1, 1968, (ISSN 1610-3904), S. 2–3 (niederdeutsch)
  • Dietrich Rodenbeck: Die Emscherbrücher. In: Der Emscherbrücher. Wanne-Eickeler Hefte. Nr. 1, 1968, S. 4–9.
  • Friedrich Karl Devens: Das deutsche Roß in der Geschichte, in Sitte, Sang und Sage, E. F. Steinacker, Leipzig 1898.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Annette Krus-Bonazza: „Auf Cranger Kirmes“. Vom Pferdemarkt zum Oktoberfest des Westens, vergl. Literatur
  2. Max von Spiessen:Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Ad. M. Hildebrandt, Görlitz: Starke, 1903
  3. Wolfgang Viehweger: Spaziergang im Eichenwald...: Herrenhäuser im Emscherland, Herne: Ges. für Heimatkunde Wanne-Eickel, 2001
  4. Friedrich Karl Devens: Das deutsche Roß in der Geschichte, in Sitte, Sang und Sage, vergl. Literatur