Enalapril

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Strukturformel
Strukturformel von Enalapril
Allgemeines
Freiname Enalapril
Andere Namen
  • 1-{N-[(S)-1-Ethoxycarbonyl-3-phenylpropyl]-(S)-alanyl}-(S)-prolin
  • (all-S)-1-[N-(1-Ethoxycarbonyl-3-phenylpropyl)-alanyl]-prolin
Summenformel C20H28N2O5
Kurzbeschreibung

weißer Feststoff (Maleat)[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
  • 75847-73-3
  • 76095-16-4 (Enalapril-Maleat (1:1))
  • 149404-21-7 (Enalapril-Natrium)
  • 84680-54-6 (Enalaprilat-Dihydrat)
EG-Nummer 616-271-9
ECHA-InfoCard 100.119.661
PubChem 5388962
DrugBank DB00584
Wikidata Q422185
Arzneistoffangaben
ATC-Code

C09AA02

Wirkstoffklasse

Antihypertensiva

Wirkmechanismus

ACE-Hemmer

Eigenschaften
Molare Masse 376,45 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

143–144,5 °C (Enalapril-Maleat)[2]

Löslichkeit

löslich in Wasser: 25 g·l−1[2]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]

Maleat

keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [1]
Toxikologische Daten

2973 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Enalapril ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der ACE-Hemmer, der zur Behandlung der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) und der Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Enalapril selbst ist ein inaktives Prodrug. Sein Wirkprinzip beruht nach Aktivierung durch hydrolytische Abspaltung von Ethanol zum Enalaprilat auf der Hemmung des Angiotensin-konvertierenden Enzyms (ACE).

Chemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enalapril wurde den ACE-hemmend wirkenden Peptiden des Giftes der Jararaca-Lanzenotter (Bothrops jararaca), einer brasilianischen Schlangenart, nachempfunden. Enalapril enthält eine stabilisierte Dipeptidstruktur und ist ein Kondensationsprodukt aus den Aminosäuren (S)-Prolin und (S)-Alanin sowie aus 2-Oxo-4-phenylbuttersäureethylester.[3]

Enalapril ist ein inaktives Prodrug, was durch Veresterung der freien Carbonsäurefunktion mit Ethanol erreicht wurde. Diese Ethanolgruppe wird im Organismus in der Leber durch Esterasen abgespalten, wodurch das aktive Enalaprilat entsteht.

Enalapril enthält drei Stereozentren, folglich gibt es acht verschiedene Stereoisomere. Als Arzneistoff wird nur das stereochemisch einheitliche (all-S)-Isomer eingesetzt. Die sieben anderen Stereoisomere sind bedeutungslos.

Pharmakologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anwendungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enalapril wird einzeln (Monotherapie) und in Kombination mit anderen Blutdrucksenkern (Kombinationstherapie, insbesondere mit Diuretika oder Kalziumkanalblockern) überwiegend zur Therapie des Bluthochdrucks eingesetzt. Auch zur Behandlung der Herzinsuffizienz gilt es als Mittel der ersten Wahl. Im Gegensatz zu einigen anderen ACE-Hemmern, wie z. B. Ramipril konnte Enalapril keine Wirksamkeit in der Prophylaxe (Vorbeugung) des Herzinfarkts zeigen.

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enalapril führt als Inhibitor des Angiotensin Converting Enzyme zu einer verminderten Bildung von Angiotensin II aus Angiotensin I. Diese verminderte Bildung von Angiotensin II bedingt eine Abnahme des Tonus der Blutgefäße und damit eine Abnahme des Blutdrucks. Ebenfalls führt die Abnahme des Angiotensin-II-Spiegels zu einer Verringerung der Aldosteron-Freisetzung aus der Nebennierenrinde und somit zu einer Beeinflussung des Wasserhaushalts (siehe auch Renin-Angiotensin-Aldosteron-System).

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Nebenwirkungen von Enalapril werden mit einem durch ACE-Hemmer bedingten verlangsamten Abbau und Kumulation von Bradykinin in Verbindung gebracht. Dazu zählen Hautreaktionen, wie z. B. Exantheme und Nesselsucht, ferner auch Angioödeme. Schwere allergische Hautreaktionen werden hingegen nur sehr selten beobachtet.

Zu den Nebenwirkungen auf die Atemwege zählen trockener Husten, Heiserkeit und Halsschmerz. Asthmaanfälle und Atemnot können ebenfalls, wenn auch selten, auftreten.

Als Folge der Hauptwirkung von Enalapril kann es zu einer zu starken Blutdrucksenkung kommen. Infolgedessen können gelegentlich Schwindel, Kopfschmerz und Benommenheit beobachtet werden. Von schweren Herz-Kreislaufereignissen wie Angina Pectoris, Herzinfarkt und Synkope wurde nur in Einzelfällen berichtet.

Durch den Eingriff in den Wasser- und Elektrolythaushalt können gelegentlich Nierenfunktionsstörungen beobachtet werden. Eine Proteinurie (Ausscheidung von Proteinen im Harn) wird hingegen nur selten beobachtet.

Da Enalapril in der Schwangerschaft u. a. Wachstums- und Knochenbildungsstörungen beim Kind verbunden mit einer erhöhten Sterblichkeit hervorrufen kann, darf Enalapril in dieser Zeit nicht eingenommen werden und sollte durch andere geeignete therapeutische Maßnahmen ersetzt werden.

Wechselwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enalapril verstärkt die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin und oralen Antidiabetika sowie die blutbildverändernden Wirkungen von Immunsuppressiva.

Durch Eingriff in den Wasser- und Elektrolythaushalt kann die Ausscheidung von Elektrolyten verlangsamt werden, was insbesondere bei der Therapie mit Lithium und kaliumsparenden Diuretika beachtet werden sollte.

Bei Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Arzneimitteln sollte eine verstärkte Blutdrucksenkung berücksichtigt werden.

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate

ACEpril (CH), Alapril (A), Elpradil (CH), Epril (CH), Mepril (A), Pres, Renistad (A), Renitec (A), Reniten (CH), Xanef[4] (D), zahlreiche Generika (D, A, CH)

Tiermedizin: Enacard, Enadog, Enalatab, Prilenal

Kombinationspräparate
  • In Kombination mit Hydrochlorothiazid: Co-Acepril (CH), Co-Renitec (A), Co-Mepril (A), Co-Renistad (A), Coenytyrol (A), Elpradil HCT (CH), Epril plus (CH), Renitec plus (A), Reniten plus (CH), Generika (D, A, CH)
  • In Kombination mit Lercanidipin: Carmen ACE (D), Zaneril (D), Zanipress (D), Zanipril (A)
  • In Kombination mit Nitrendipin: Baroprine (A), Cenipress (A), Eneas (D)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Datenblatt Enalapril bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 8. Dezember 2016 (PDF).Vorlage:Sigma-Aldrich/Name nicht angegeben
  2. a b The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage, 2006, S. 607, ISBN 978-0-911910-00-1.
  3. Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher und Dietmar Reichert: Pharmaceutical Substances, 4. Auflage (2000), Thieme-Verlag Stuttgart, S. 739–741, ISBN 978-1-58890-031-9.
  4. Rote Liste Service GmbH (Hrsg.): Rote Liste 2017 – Arzneimittelverzeichnis für Deutschland (einschließlich EU-Zulassungen und bestimmter Medizinprodukte), Rote Liste Service GmbH, Frankfurt/Main, 2017, Aufl. 57, ISBN 978-3-946057-10-9, S. 553.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!