Endenergie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Endenergie ist der nach Energiewandlungs- und Übertragungsverlusten übrig gebliebene Teil der Primärenergie, die den Hausanschluss des Energienutzers passiert hat, wobei zu den Energienutzern neben den privaten Haushalten auch der Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD), die Industrie und der Verkehr gehört. Endenergie kann als Primärenergieträger vorliegen (z. B. Erdgas) oder in eine sekundäre Energieform umgewandelt worden sein. Beispielsweise wird die chemische Energie von Kohle in Kraftwerken in elektrische Energie umgewandelt und als elektrischer Strom bereitgestellt oder Rohöl (Erdöl) wird in Raffinerien in Kraftstoffe umgewandelt. Da bei der Umwandlung ein Teil der Energie verloren geht (bzw. physikalisch korrekter in nicht mehr weiter nutzbare Energieformen umgewandelt wird), ist die Summe des Endenergiebedarfs geringer als die Summe des Primärenergiebedarfs. Der Primärenergiebedarf enthält also auch alle Umwandlungs- und Übertragungsverluste. In Energiebilanzen werden üblicherweise sowohl Primär- als auch Endenergiebedarf ausgewiesen.

Auch beim Endnutzer erfolgt noch vielfach eine Energieumwandlung in Nutzenergie zur Bereitstellung einer Energiedienstleistung. Diese Nutzbarmachung bedeutet zum Beispiel eine Umwandlung der elektrischen Energie in mechanische Energie zum Antrieb von Geräten oder die Umwandlung der chemischen Energie von Brennstoffen in Wärme. Werden die Verluste dieser Umwandlungsstufe vom Endenergiebedarf abgezogen, so wird das Ergebnis Nutzenergiebedarf genannt.

Endenergiebedarf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da ein Teil der Primärenergieträger zunächst in Sekundärenergieträger (wie z. B. Strom oder Kraftstoffe) umgewandelt wird, weicht die Aufteilung des Endenergiebedarf nach Energieträgern erheblich von der des Primärenergiebedarf ab.

Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Endenergiebedarf lag laut Internationaler Energieagentur (IEA) im Jahr 2011 weltweit insgesamt bei 3.691 Mtoe[1], entsprechend 363.3 Exajoule (EJ).[2] Davon entfielen auf die einzelnen Energieträger:

Anteile am Weltendenergiebedarf[1]
Energieträger Anteil
Öl 41,2 %
Erdgas 15,2 %
Biomasse und Abfall 12,7 %
Elektrischer Strom 17,7 %
Kohle, Torf 9,8 %
Andere (beinhaltet Geothermie, Solarenergie, Windkraft, Wärme etc.) 3,4 %

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verkehr hat den größten Anteil am Endenergieverbrauch in Deutschland. Die 41,304 Millionen Haushalte verbrauchten 2018 etwa 26 % der Endenergie.[3]

Endenergieverbrauch nach Sektoren 2018[3]
Sektor absolut in Petajoule relativ
Bergbau, Verarbeitendes Gewerbe (Industrie) 2.601 29,0 %
Verkehr 2.743 30,6 %
Private Haushalte 2.320 25,8 %
Gewerbe, Handel, Dienstleistungen 1.299 14,5 %
Insgesamt 8.963 100,0 %

Bedeutendster Endenergieträger sind die Mineralölprodukte, gefolgt von Gasen und elektrischem Strom. Anders als beim Primärenergieverbrauch spielen Kohlen keine große Rolle beim Endenergieverbrauch. Eine wachsende Bedeutung haben die erneuerbaren Energieträger und darunter insbesondere die Biomasse.

Endenergieverbrauch nach Energieträgern 2018[3]
Energieträger absolut in Petajoule relativ
Steinkohle 360 4,0 %
Braunkohle 86 1,0 %
Kraftstoffe und übrige Mineralölprodukte 2.693 30,0 %
Heizöl schwer 11 0,1 %
Heizöl leicht 542 6,0 %
Gase

Flüssiggas, Raffineriegas, Kokereigas, Gichtgas und Naturgase

2.294 25,6 %
Strom 1.848 20,6 %
Fernwärme 394 4,4 %
Brennholz, Brenntorf, Klärschlamm und Müll 735 8,2 %
Insgesamt 8.963 100,0 %

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Endenergieverbrauch nach Sektoren 2018[4]
Sektor absolut in Petajoule relativ
Landwirtschaft 22,40 2,0 %
Sachgüterproduktion 323,65 28,8 %
Transport 402,45 35,7 %
Dienstleistungsbereich 105,33 9,4 %
Private Haushalte 272,11 24,2 %
Insgesamt 1.125,95 100 %
Endenergieverbrauch nach Energieträgern 2018[5]
Energieträger absolut in Petajoule relativ
Steinkohle, Koks 11,85 1,1 %
Braunkohle 1,93 0,2 %
Mineralölprodukte

Diesel, Benzin, Petrolkoks, Gasöl, Heizöl, Petroleum

426,75 37,9 %
Gase

Flüssiggas, Naturgas, Gichtgas, Kokereigas

204,80 18,2 %
Biogene Brenn- und Treibstoffe, Brennholz 149,41 13,3 %
Elektrische Energie 227,07 20,2 %
Fernwärme 70,73 6,3 %
Brennbare Abfälle 11,46 1,0 %
Umgebungswärme etc. 21,95 2,0 %
Insgesamt 1.125,95 100 %

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erdölprodukte deckten 2018 mit 409,93 Petajoule knapp die Hälfte des schweizerischen Endenergieverbrauchs. Die Erdölprodukte haben in der Schweiz also eine größere Bedeutung als in Deutschland; beim Erdgas ist es genau umgekehrt. Ein Viertel des Endenergiebedarfs wurde 2018 durch elektrischen Strom gedeckt.[6]

Endenergieverbrauch nach Energieträgern 2018[6]
Energieträger absolut in Petajoule relativ
Erdölprodukte 409,93 49,3 %
Elektrizität 207,53 25,0 %
Gas 112,28 13,5 %
Kohle 4,29 0,5 %
Holzenergie 38,31 4,6 %
Fernwärme 19,40 2,3 %
Industrieabfälle 10,87 1,3 %
Übrige erneuerbare Energien 28,27 3,4 %
Insgesamt 830,88 100,0 %

Speziellere Definitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Endenergie von Gebäuden im Sinne der Energieeinsparverordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im EnEV-Energieausweis angegebenen Werte für den Primär- und Endenergiebedarf von Gebäuden enthalten nicht erneuerbare Energie, die „im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zu dem Gebäude erzeugt […] wird,“ (z. B. Wärme aus einem Sonnenkollektor).

Bruttoendenergiebedarf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (Richtlinie 2009/28/EG) wurde in Artikel 2 Punkt f ein Bruttoendenergiebedarf definiert:

„Energieprodukte, die der Industrie, dem Verkehrssektor, Haushalten, dem Dienstleistungssektor einschließlich des Sektors der öffentlichen Dienstleistungen sowie der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft zu energetischen Zwecken geliefert werden, einschließlich des durch die Energiewirtschaft für die Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung entstehenden Elektrizitäts- und Wärmeverbrauchs und einschließlich der bei der Verteilung und Übertragung auftretenden Elektrizitäts- und Wärmeverluste[.]“[7]

Anders als beim klassisch definierten Endenergieverbrauch sind im Bruttoendenergieverbrauch also auch ein Teil der Verluste bei Erzeugung und Transport einberechnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b IEA: Key World Energy Statistics 2012 (PDF; 6,1 MB), abgerufen am 14. September 2013.
  2. Umrechnung mit Wolfram|Alpha, abgerufen am 14. September 2013.
  3. a b c Gesamtausgabe der Energiedaten – Datensammlung des BMWI. xlsx Dokument. In: bmwi.de. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 22. Juni 2020, abgerufen am 26. August 2020.
  4. Gesamtenergiebilanz Österreich 1970 bis 2018 (Überblick). xlsx Dokument. In: statistik-austria.at. Bundesanstalt Statistik Österreich, 14. Januar 2020, abgerufen am 27. August 2020.
  5. EEV 2005 bis 2018 nach ET und Nutzenergiekategorien für Österreich. xlsx Dokument. In: statistik-austria.at. Bundesanstalt Statistik Österreich, 12. Dezember 2019, abgerufen am 27. August 2020.
  6. a b Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2018. Bundesamt für Energie BFE, 10. Juli 2019, S. 21, Tabelle 14, abgerufen am 26. August 2020.
  7. RICHTLINIE 2009/28/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 23. April 2009 zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen und zur Änderung und anschließenden Aufhebung der Richtlinien 2001/77/EG und 2003/30/EG (PDF; 1,3 MiB)