Endlager Olkiluoto

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Plan des Endlagers Olkiluoto

Das Endlager Olkiluoto [ˈɔlkiluɔtɔ] (finnische Kurzbezeichnung VLJ-luola für voimalaitosjäteluola, wörtlich "Kraftwerksabfallhöhle") ist ein Endlager für Atommüll auf der Insel Olkiluoto vor der Westküste Finnlands in der Gemeinde Eurajoki rund 25 Kilometer nördlich der Stadt Rauma. Dort befindet sich auch das Kernkraftwerk Olkiluoto. Errichter und zukünftiger Betreiber des Endlager ist die Firma Posiva OY, ein Joint-Venture der finnischen AKW-Betreiber Teollisuuden Voima und Fortum.

Ein Teil des Endlagers ist für schwach- und mittelradioaktive Abfälle (LAW bzw. MAW) vorgesehen. Erste Standortuntersuchungen wurden bereits 1980 durchgeführt, die Bauarbeiten begannen im Jahr 1988. Im Mai 1992 wurden die ersten Abfälle eingelagert. Die Betriebsgenehmigung ist bis Ende 2051 gültig.

Das Lager besteht aus zwei Hohlräumen in Kristallingestein (Tonalit, umgeben von Glimmergneis) in 60 bis 100 Meter Tiefe[1]: einem für trockenen LAW aus der Instandhaltung („MAJ-Silo“) und einem für bituminierten MAW („KAJ-Silo“). Jeder dieser Hohlräume ist 34 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 24 Meter.

Die Kapazität der Anlage ist so ausgelegt, dass sie alle während einer 40-jährigen Betriebsdauer des Kernkraftwerks anfallenden schwach- und mittelradioaktiven Abfälle (schätzungsweise 9.500 ) aufnehmen kann. Das Endlager kann später erweitert werden, um auch Stilllegungsabfälle und Abfälle aus dem Betrieb eventueller neuer Anlagen endzulagern. Die Abfälle werden in Form von Beton-Quadern eingelagert, von denen jeder 16 Fässer enthält. Die Lagerkapazität beträgt 60.000 m3.

Seit 2004 wird zusätzlich ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gebaut, das die verbrauchten Brennelemente sowohl aus den Reaktoren in Olkiluoto als auch jene des Kernkraftwerks Loviisa aufnehmen soll. Der Ausbau dieses auch Onkalo (Finnisch für Hohlraum, Höhle) genannten Teil des Endlagers[2] ist auch Thema des Dokumentarfilms Into Eternity.

Oktober 2017 zeigt orf.at eine 3-D-Planübersicht über die Anlage 400 bis 500 m tief im Fels. 70 km Tunnellänge soll auf 2 km2 Grundfläche errichtet werden. Ein etwa 8 m breiter Tunnelabschnitt wird als Foto gezeigt, dessen etwa 3,5 m hohen Seitenwände horizontale Sprengbohrungen zeigen und an die oben ein halbelliptisches Gewölbe von etwa 3 m Höhe anschließt. Im Dachgewölbe zu sehen sind 15 Reihen von Druckplatten von Felsankern, die eine Verkleidung aus Streckmetall halten. Weiters wird in Schemazeichnungen ein geplantes Verfahren zum Einlagern von Brennstäben dargestellt: Einige Brennstäbe, die jahrelang in Abklingbecken mit Wasser vorgelagert waren, werden als Bündel "in ein Meter breite (vertikal stehende, zylindrische) Kanister aus Gusseisen platziert". Das Verschließen dieser Kanister wird nicht dargestellt Mehrere dieser Gusseisenelemente werden "wiederum in Kupferkanister gesteckt, die eine Korrosion durch Grundwasser verhindern sollen" und ebenfalls zylindrisch geformt sind und aufrecht stehen. Aus dem Durchmesser der Eisenröhren von etwa 1 m lässt sich durch Längenvergleich ein Außendurchmesser von 4–5 m und eine Länge von etwa 20 m für das Kupferrohr ableiten. Das Kupferrohr umschliesst daher ein Volumen von etwa 300 m3, ist davon nur ein Drittel mit Material der mittleren Dichte von 8 kg/l ausgefüllt wiegt die Einheit immerhin 800 Tonnen. In einem weiteren Schritt wird gezeigt, wie dieses Kupfergefäß in einer Bohrung am Boden des Tunnels versenkt ist. Die Lichte Höhe des Tunnels scheint kleiner zu sein als die Länge des Kupferzylinders, dieser muss also waagrecht im Stollen transportiert und in eine mit ausreichend größerem Durchmesser ausgeführte Bohrung im Boden versenkt werden. Eine Verfüllung des Zwischenraums soll mit Bentonit erfolgen, das bei Zutritt von Wasser aufquillt. Weiters thematisiert wird unentschlossen, ob das verfüllte Lager mit keinerlei Hinweisen auf seinen Inhalt ausgestattet werden soll, oder aber mit der Darstellung von schmerzerfüllten menschlichen Gesichtern, um von Menschen in 100.000 Jahren noch als Warnung verstanden werden zu können.[3]

Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anfang November 2015 gab die finnische Regierung dem Betreiber Posiva die Genehmigung 6500 Tonnen in Kupfer eingekapseltes Uran zu endlagern. Beginn der Endlagerung ist ab 2020 geplant.[4]
  • Ende November 2016 gab die finnische Strahlenschutzbehörde STUK ebenso eine Genehmigung zur Endlagerung in 400 m Tiefe, ab dem Jahr 2023 mit einer Laufzeit von 100 Jahren.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • STUK - Radiation and Nuclear Safety Authority, Nuclear safety (englisch)
  • Posiva Website der Betreiberfirma in finnisch, englisch und schwedisch

Koordinaten: 61° 14′ N, 21° 27′ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DBE: Endlagerung weltweit - Europa. Finnland. In: dbe.de. Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH (DBE); abgerufen am 7. März 2013.
  2. ONKALO, Webseite des Betreibers Posiva Oy, Abgerufen am 20. Juni 2014
  3. Finnland plant für die Ewigkeit : Vorausdenken für 100.000 Jahre orf.at, 26. Oktober 2017, abgerufen 27. Oktober 2017.
  4. Webseite YLE (schwedisch): [1], 12. November 2015
  5. Webseite YLE (schwedisch): [2], 29. November 2016