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Endo Anaconda

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Endo Anaconda (2009)

Endo Anaconda (eigentlich Andreas Flückiger; * 6. September 1955 in Burgdorf; † 1. Februar 2022 in Olten[1]) war ein Schweizer Singer-Songwriter und Schriftsteller. Den Fantasienamen Endo wählte er, weil Ändu, eine berndeutsche Kurzform für Andreas, ausserhalb des Sprachgebiets nicht verstanden wurde. Bekannt war er in erster Linie als Sänger der Berner Mundart-Band Stiller Has.

Endo Anaconda wurde als Sohn einer österreichischen Mutter aus Kärnten und eines Schweizer Vaters geboren. Seine Kindheit verbrachte er zunächst in Biel. Als Fünfjähriger verlor er seinen Vater, einen Polizisten, als dieser bei einem Autounfall tödlich verunglückte. Mit zwölf Jahren wurde er in ein Internat nach Klagenfurt geschickt; später zog seine Familie dorthin nach. In Wien absolvierte er eine Lehre als Siebdrucker.

Endo Anaconda mit Stiller Has, 2009

Anaconda hatte drei Kinder von drei Frauen, war seit 2018 Wochenaufenthalter in Erlinsbach (AG) und lebte sonst in der Emmentaler Gemeinde Trub.[2]

Anaconda starb am 1. Februar 2022 im Alter von 66 Jahren an den Folgen von Lungenkrebs.[3]

Die Neue Zürcher Zeitung würdigte Anaconda 2025 als «eine der eindrücklichsten Figuren» der Schweizer Musikszene, und als «Wort- und Stimmkünstler», der Lieder schuf, die zum Kanon der Schweizer Kultur gehörten, wie «Aare», «Moudi», «Walliselle», «Znüni näh», «Buechdruck» und «Nachtzug».[4]

In den frühen 1980er-Jahren kam Anaconda in die Schweiz zurück und spielte in verschiedenen Berner Musikgruppen, unter anderem bei Caduta Massi und den Alpinisten. 1989 gründete er mit Balts Nill die Band Stiller Has und brachte mit ihm zusammen ihre erste gemeinsame MC mit dem Titel Stiller Has heraus. Ab 2002 trat die Band mit dem bis dahin als Gastmusiker agierenden Gitarristen René «Schifer» Schafer als Trio auf, ab 2005 änderte sich die Zusammensetzung der Band mehrfach. Insgesamt hat Stiller Has zwölf Studioalben, drei Live-Alben, eine Best of CD sowie verschiedene Single-Auskopplungen veröffentlicht.

Anaconda war regelmässiger Kolumnenschreiber in der Berner Zeitung unter dem Pseudonym Bärbeisser und für die Coopzeitung. 2005 erschien eine Auswahl seiner Bärbeisser-Kolumnen unter dem Namen Sofareisen im Ammann Verlag; damit war er fast ein halbes Jahr auf Platz 1 der Schweizer Buchbestsellerliste. Ab 2007 schrieb er auch für das Magazin Faces.[5]

Sein erstes Bühnenstück «Auspacken» wurde am 6. März 2010 am Luzerner Theater uraufgeführt.[6]

Seine hochdeutschen Gedichte erschienen 2025 postum. Die Neue Zürcher Zeitung kritisierte sie als «unbeholfen und konventionell».[4]

Auch politisch war Anaconda aktiv.[7] Er sagte, jede kreative Phase bedinge vorher eine Phase der Musse oder der Faulheit, beim Warten auf eine gute Idee, auch beim Songschreiben.[8] Zudem solle Geld im Wirtschaftskreislauf bleiben und nicht für irgendwelche Spekulationen verzockt werden. Wenn alle jeden Monat bedingungslos ein paar Tausend Franken bekämen, könnte das ein Schritt sein hin zu einer Gesellschaft, die das Geld nicht braucht. «Das Grundeinkommen macht das Geld etwas weniger wichtig und die Leute freier.» Anaconda engagierte sich daher in der Initiative Grundeinkommen[9][10] und auch für die Erhaltung der rumänischen Wassertalbahn.

  • Salzburger Stier 1995
  • Deutscher Kleinkunstpreis 1995
  • Berner Musikpreis 2015
  • Schweizer Musikpreis 2017
  • La Grande Bellezza Lifetime Award 2019
  • 2022 Tribute Award (posthum), Swiss Music Awards[11]
Commons: Endo Anaconda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Endo Anaconda vom 6. September 1955 bis zum 1. Februar 2022 auf der Website von Stiller Has, abgerufen am 2. Februar 2022.
  2. Endo Anaconda: «Im Grunde bin ich sehr scheu». Interview von Hans Graber. In: St. Galler Tagblatt 21. Oktober 2018, abgerufen am 16. Juni 2021.
  3. Martin Burkhalter: Der Stiller-Has-Sänger ist 66-jährig gestorben. In: Tages-Anzeiger, 2. Februar 2022.
  4. a b Manfred Papst: Endo Anacondas Erbe: Warum seine Gedichte nicht unsterblich bleiben werden. In: NZZ. 18. Oktober 2025, abgerufen am 18. Oktober 2025.
  5. FACES: Endo Anaconda neuer Kolumnist auf persoenlich.com vom 9. März 2007, abgerufen am 31. Mai 2014.
  6. Uraufführung des Zügelstückes «Auspacken» (Memento vom 16. März 2016 im Internet Archive) am Luzerner Theater.
  7. Anti AKW Mühleberg Stiller Has.WMV auf Youtube, abgerufen am 27. Februar 2020
  8. Endo Anaconda zum Grundeinkommen, auf grundeinkommen.tv, abgerufen am 27. Februar 2020
  9. Endo Anaconda bei der Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz, abgerufen am 3. August 2013.
  10. Endo Anaconda über das bedingungslose Grundeinkommen, Musse und das Warten auf die gute Idee. Video auf vimeo, abgerufen am 3. August 2013.
  11. persönlich.com: Swiss Music Awards. Endo Anaconda wird posthum geehrt. 18. Mai 2022, abgerufen am 26. Mai 2022.
  12. Endo Anaconda – Sofareisen, beim Ammann Verlag, abgerufen am 24. Dezember 2015