Energiesicherheit

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Unter Energiesicherheit wird die Versorgungssicherheit mit Energie verstanden. Energiesicherheit hat ökonomische, ökologische, soziale und geopolitische Bedeutung, weshalb die kurz- wie langfristige Gewährleistung der Energiesicherheit ein wichtiges Politikziel ist. Gemäß Artikel 3 des Energiegesetzes wird Energiesicherheit definiert als Zustand der Wirtschaft, welcher die Deckung des aktuellen und perspektivischen Bedarfs der Verbraucher an Brennstoffen und Energie auf eine technisch wie wirtschaftlich sinnvolle Weise und entsprechend der Anforderungen des Umweltschutzes sicherstellt.[1] Nach Ren und Sovacool wird die Energiesicherheit durch die vier Faktoren Availability (Vorhandensein), Affordability (Erschwinglichkeit), Acceptability (Akzeptanz) und Accessibility (Zugänglichkeit) charakterisiert.[2]

Die Energiesicherheit ist seit der ersten Ölkrise 1973/74 weltweit ein zentraler Bestandteil politischen Handelns. Stand zunächst die kurzfristige Versorgungssicherheit mit (günstigem) Erdöl sowie die Reduzierung der Abhängigkeit von ölexportierenden Staaten im Vordergrund, so wandelte sich im Laufe der Zeit die Wahrnehmung der Energiesicherheit. So kamen zum Beispiel die Endlichkeit fossiler Energieträger und damit die langfristig gesehen unsichere Energiebasis der modernen Gesellschaft sowie Umweltprobleme durch konventionelle Energieträger neu hinzu. Daneben spielen heute auch weitere Aspekte wie z.B. die mögliche politische Erpressbarkeit durch energieträgerexportierende Staaten wie z.B. Russland oder die OPEC-Länder eine Rolle.

Ein weiterer Aspekt ist heute zudem die Gewährleistung einer auch in Zukunft unterbrechungsfreien Stromversorgung in einer sich im Rahmen der Energiewende wandelnden Energiewirtschaft. Durch den damit einhergehenden forcierten Ausbau Erneuerbarer Energien ergibt sich einerseits eine größere Energiesicherheit infolge geringerer Abhängigkeit von sich erschöpfenden herkömmlichen Energieressourcen sowie deren Exportstaaten, andererseits aber die Notwendigkeit die schwankende Produktion von Windkraft- und Photovoltaikanlagen durch geeignete Maßnahmen wie den Ausbau des Stromnetzes, den Einsatz schnell regelbarer Kraftwerke, Smart Grids und perspektivisch auch Speicherkraftwerke auszugleichen.

Strom und Gasmarkt in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland regelt das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) die Anforderungen an Versorgungssicherheit. § 1 EnWG definiert als Ziel die „möglichst sichere, preisgünstige, verbraucherfreundliche, effiziente und umweltverträgliche“ Versorgung der Allgemeinheit mit Strom und Gas. Zur Erreichung dieses Ziels haben die Betreiber von Übertragungsnetzen insbesondere durch entsprechende Übertragungskapazität und Zuverlässigkeit des Netzes zur Versorgungssicherheit beizutragen (§ 12 EnWG). Das Gleiche gilt für die Betreiber von Fernleitungsnetzen (§ 15 EnWG). Investitionen, die der Versorgungssicherheit dienen, können nach § 21a EnWG durch Rechtsverordnung begünstigt werden. Auch bestehen Begünstigungen bezüglich des Planfeststellungsverfahren nach § 43b EnWG, wenn die Versorgungssicherheit berührt ist.

Die Versorgungssicherheit wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Form eines Monitorings überwacht (§ 51 EnWG). Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie veröffentlicht alle zwei Jahre spätestens zum 31. Juli einen Bericht über die bei dem Monitoring der Versorgungssicherheit gewonnenen Erkenntnisse[3]. Ebenfalls alle zwei Jahre berichtet die Bundesnetzagentur (§ 63 EnWG). Stellt sich heraus, dass die Versorgungssicherheit mit den vorhandenen Anlagen und den getroffenen Maßnahmen zur Energieeffizienz nicht gesichert ist, kann die Bundesregierung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates den Bau neuer Kapazitäten oder Nachfragesteuerungsmaßnahmen verordnen (§ 53 EnWG).

Nach Ansicht des Europäischen Verbunds der Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) ist Europas Versorgung mit Elektrizität mindestens bis 2025 jederzeit gesichert; eine Versorgungslücke bestehe trotz des Atomausstiegs in Deutschland, der Schweiz und Belgien nicht.[4]

Wie viele Kraftwerke in Zukunft einsetzbar sind, um schwankende Stromproduktion auszugleichen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, zeigt ein Studienvergleich zum Bedarf an steuerbaren Kapazitäten im Stromsystem.[5]

Diskussion um Atomausstieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Stromlücke" oder "Versorgungslücke" sind politische Schlagwörter. Das Umweltbundesamt kam schon 2008 in einer Studie zum Schluss, dass Szenarien zur „Stromlücke“ übertrieben erscheinen und dass es Alternativen gebe.[6] Laut Studie könnten die wegfallenden Kapazitäten der Kohle- und Kernkraftwerke durch Fortschritte bei der Effizienz und den Ausbau der Erneuerbaren Energien „spielend aufgefangen werden, sofern rechtzeitig politisch nachgesteuert“ werde. Dies ergaben auch Berechnungen des Aachener Technologie-Instituts ISuSI[7][8].

Auch der Monitoringbericht 2008 des Bundeswirtschaftsministeriums zur Versorgungssicherheit sah keine Gefahr eines Versorgungsengpasses bei planmäßigem Ausstieg aus der Kernenergie, selbst bei einem konservativ geschätzten Wachstum der Erneuerbaren Energien auf nur 23 Prozent bei der Bruttostromerzeugung bis 2020.[3]

Dagegen sah eine 2008 von der Deutschen Energie-Agentur ausgearbeitete und von den großen Energieversorgungsunternehmen finanzierte Kurzanalyse zur Kraftwerks- und Netzplanung die entsprechenden Thesen als belegt an.[9] Die Neutralität der Analyse war umstritten.[10]

Nach der Bundestagswahl 2009 - eine schwarz-gelbe Bundesregierung kam an die Regierung - ging die schon im Wahlkampf zuvor geführte Diskussion weiter, ob eine Laufzeitverlängerung (LZV) für die seinerzeit 17 aktiven Kernreaktoren sinnvoll sei. Umweltschützer äußerten die Befürchtung, aufgrund von neuen Kapazitäten bzw. laufzeitverlängerten Kernkraftwerken könne der Ausbau erneuerbarer Energie-Anlagen ins Stocken kommen. Die Bundesregierung beschloss im Herbst 2010 eine LZV und brachte sie zügig durch das Gesetzgebungsverfahren. Am 11. März 2011 begann die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Wenige Tage später verkündete die Bundeskanzlerin einen radikalen Wechsel der deutschen Atompolitik. Acht der 17 Kernreaktoren wurden ausgeschaltet (siehe Atom-Moratorium) und verloren im August 2011 ihre Betriebsgenehmigung. Damit endete die Diskussion um den Atomausstieg schlagartig und ebenso die Diskussion, ob der Bau einiger neuer Kohlekraftwerke (Laufzeit von 30 bis 50 Jahren) trotz LZV noch sinnvoll sei. Seit dem Atomausstieg steht der nun erforderliche zügige Ausbau erneuerbarer Energien im Fokus. Im Zuge des Atomausstiegs überließ die Bundesregierung der Bundesnetzagentur die Entscheidung, ob es sinnvoll sei, ein ausgeschaltetes Atomkraftwerk als Kaltreserve einsatzbereit zu halten. Die Bundesnetzagentur verneinte diese Frage. Im Januar 2012 begann in ganz Europa eine etwa vierwöchige Kältewelle. Russland teilte mit, seine Gaslieferungen nach Westeuropa zu drosseln. Anfang Januar 2012 musste der Block C des Kernkraftwerk Gundremmingen - Netto-Leistung 1.288 Megawatt - außerplanmäßig heruntergefahren werden, weil defekte Brennelemente ausgetauscht werden mussten. Dies glichen andere Kraftwerke aus, unter anderem österreichische Reservekraftwerke.[11][12] Deutschland blieb aber selbst während dieser Kältewelle zur Spitzenlast Nettostromexporteur. Im Tagesschnitt wurden 150-170 GWh Strom exportiert, entsprechend der Erzeugung von 5 bis 6 großen Kernkraftwerksblöcken.[13] In diesem Kontext wurde noch einmal gefragt, wie angespannt das Stromnetz sei.

Die Bundesnetzagentur und auch das Forum Netzintegration der Deutschen Umwelthilfe sahen die Situation gelassen. Die Netzbetreiber hätten sich gut auf die Wintermonate vorbereitet, wenn teilweise viel Wind-, aber wenig Sonnenstrom im Netz sei, so die Bundesnetzagentur. Nach ihren Informationen hielten die Stromnetzbetreiber Ende 2011 zwei Gigawatt Leistung als Reservekapazität vor - das sei ausreichend.[14]

In der 2013 veröffentlichten Studie „Auswirkungen des deutschen Kernenergie-Ausstiegs auf den Stromaustausch mit den Nachbarländern“ wurde untersucht, welche Auswirkungen das Abschalten der Kernkraftwerke auf den Stromaustausch der Bundesrepublik mit den europäischen Nachbarn hatte. Demnach erhöhten sich die Importe im Frühjahr und Sommer 2011 kurzfristig; dies habe aber hauptsächlich an jahreszeitlichen Effekten und lange geplanten Kraftwerksrevisionen gelegen. Zudem handelte es sich um ein starkes Wasserkraftjahr in Schweden und Norwegen mit entsprechenden preisgünstigen Stromüberschüssen auf dem europäischen Markt. Der Ausstieg führte demnach nicht zu einem Mangel inländischer Kraftwerkskapazitäten.[15]

Diskussion um erneuerbare Energien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in der Diskussion um den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien ist das Thema Versorgungssicherheit ein kontroverses. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung wächst kontinuierlich, im Jahr 2012 erreichte dieser 23 Prozent. Eine wesentliche Eigenschaft erneuerbarer Energien ist die Tatsache, dass diese in Abhängigkeit von Wind bzw. Sonnenstand und Wetter in unterschiedlichem Umfang zur Verfügung stehen. Zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit sind daher Investitionen in Netze, Speichertechnologien oder Schattenkraftwerke notwendig. In welchem Umfang hier Aufwände entstehen ist politisch umstritten. Die Stromerzeugung durch Photovoltaik wirkt in Deutschland derzeit tendenziell netzstabilisierend, da der Spitzenwert der Sonnenstromerzeugung mittags auf die Zeit höchster Stromnachfrage fällt.[16][17] Auch die Schaffung von virtuellen Kraftwerken kann die Versorgungssicherheit verbessern.[18]

Diskussion um Importabhängigkeit von russischem Erdgas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland deckt etwa je ein Drittel seines Erdgas- und Erdölbedarfs aus Russland, und befindet sich damit in starker Abhängigkeit. In sechs EU-Staaten macht der Anteil russischen Gases an der Stromversorgung beinahe 100 Prozent aus. Polens Premierminister Donald Tusk kommentierte in diesem Zusammenhang, Europa sei energiepolitisch "versklavt". EU-Energiekommissar Günther Oettinger räumte ein, Russland sitze in Hinsicht auf die Gaslieferungen "kurzfristig am längeren Hebel".[19]

Lieferausfälle könnte Europa nur kurz durchhalten, wie der Analyst Steffen Bukold ermittelte. Andere Exportländer wie Norwegen, Großbritannien, Libyen oder Algerien könnten demnach ihre Lieferungen nicht kurzfristig ausreichend erhöhen. Zugleich haben sich Russlands Einnahmen aus dem Export von Öl und Gas deutlich erhöht; zugleich erhöhten sich auch die Militärausgaben, welche durch die Deviseneinnahmen leichter finanziert werden konnten. Allein die Einnahmen aus dem Export von Energierohstoffen machten 2012 rund die Hälfte der russischen Staatseinnahmen aus.[20] Russland ist derzeit nicht mehr in der Lage, das aktuelle Förderniveau zu halten; die Produktion ist rückläufig. Hinzu kommt, dass Deutschland in Zukunft noch mehr als heute mit der Volksrepublik China, Japan und anderen fernöstlichen Staaten um die russischen Gaslieferungen werde konkurrieren müssen. Russland steht daher aufgrund politischer Instabilitäten und geologischer Verknappung nicht mehr als verlässlicher Lieferant zur Verfügung.[21]

Eine Anfang 2014 vorgelegte Analyse der Energy Watch Group zeigt, dass eine Diversifizierung der Erdgaslieferländer nicht erfolgversprechend ist, um die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren. Grund sei, dass auch andere Staaten als verlässliche Lieferanten mittelfristig ausfallen. So werde die Erdgasförderung in den USA in den kommenden Jahren wieder abnehmen. Nicht nur aufgrund politischer Instabilitäten, auch infolge zunehmender Bezugskonkurrenz mit Ostasien und damit einhergehender Preiskämpfe könne sich die EU nicht auf Erdgasimporte aus Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten oder aus Kasachstan verlassen. Auch das Flüssigerdgas (LNG) könne keinen nennenswerten Beitrag zur Energieversorgung leisten, da es auf dem Weltmarkt keine verfügbaren Kapazitäten gebe, um den LNG-Import zu steigern. Als Alternative biete sich nur ein Ausbau der Biogas-Produktion und anderer erneuerbarer Energien an.[21] Eine weitere Studie des Fraunhofer IWES bestätigt, dass ein forcierter Ausbau der erneuerbaren Energien die zu empfehlende Option zur Reduzierung der Importabhängigkeit von Erdgas sei. [22]

Zudem werden Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden und in der Industrie gefordert. Dadurch könne die Importabhängigkeit von russischem Gas halbiert werden.[23]

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat Anfang 2014 Pläne vorgestellt, um die Abhängigkeit der EU von Russland zu verringern. Demnach sollen höhere europäische Gasvorräte eine Lücke von 50 bis 60 Tagen auch ohne Importe bedienen können. Die Kommission plant zudem EU-weite Notfallpläne und will Länder wie Norwegen oder Algerien zu höheren Liefermengen verpflichten.[19] Der Bundesverband Erneuerbare Energie sowie Umweltverbände kritisierten die Pläne als nicht weitreichend genug. Stattdessen müssten Erneuerbare Energien ausgebaut werden und die Energieeffizienz verbessert werden.[24]

Anfang 2014 wurde - auf dem Höhepunkt der Krim-Krise - bekannt, dass der deutsche Energieversorger RWE den Verkauf seiner Öl- und Gastochter RWE Dea an die Luxemburger Investmentgesellschaft LetterOne Group unter Führung des russischen Oligarchen Michail Fridman beabsichtigt. Zudem soll der größte westeuropäische Erdgas-Speicher in Rehden bei Bremen von der BASF-Tochter Wintershall vollständig von Gazprom übernommen werden, einem vom russischen Staat kontrollierten Energiekonzern. Der Wintershall-Gasspeicher umfasst 20 Prozent der deutschen Speicherkapazität. Zusätzlich erhält Gazprom Beteiligungen an Erdgasspeichern im niedersächsischen Jemgum und im österreichischen Haidach, welcher ebenfalls zu den größten Gasspeichern Westeuropas gehört. Gazprom hätte damit erstmals Zugriff auf die Gasinfrastruktur in Deutschland. Über die Speicher-Transaktion hinaus überträgt Wintershall auch das bislang gemeinsam betriebene Erdgashandelsgeschäft in Deutschland vollständig an Gazprom. Dies sichert der russischen Regierung den Zugriff auf ein Fünftel der deutschen Gasspeicherkapazität und ein Fünftel des Gashandelmarktes. Von der Europäischen Kommission wurde diese Transaktion im Dezember 2013 ohne zusätzliche Auflagen genehmigt und soll bis Mitte 2014 vollzogen werden.[25][26]

Diskussion um dezentrale Stromversorgung mit Blockheizkraftwerken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Lösung für die im Moment besonders im Winter eintretende Gefahr eines Stromengpasses wird nun der verstärkte Einsatz von Blockheizkraftwerken, insbesondere Mini-Blockheizkraftwerken diskutiert, da diese genau dann besonders viel Strom produzieren, wenn auch besonders viel Wärmebedarf besteht, z.B. an kalten Winterabenden. Blockheizkraftwerke nutzen im Idealfall 100 % der vorhandenen Primärenergie (meist Gas oder Öl), da die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme zum Heizen verwendet wird. Bei zentralen Großkraftwerken ohne Restwärmenutzung wird hingegen nur etwa 30 % der Primärenergie genutzt[27][28].

Diskussion um Kohlekraftwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ansicht von Umweltorganisationen sind zur Deckung der Stromnachfrage keine weiteren Kohlekraftwerke über die bereits im Bau befindlichen Kraftwerke hinaus mehr erforderlich, da erneuerbare Energien und Energieeffizienz den Strombedarf decken könnten, auch wenn alte Kohlekraftwerke vom Netz gingen. Bislang hatten die Energieversorger diese Ansicht bestritten, allerdings werden immer mehr Kraftwerksprojekte zurückgezogen. „Kraftwerksprojekte fallen wie Dominosteine“, überschrieb das Handelsblatt im Februar 2010 einen Bericht über zahlreiche zurückgezogene Planungen neuer Kohlekraftwerke in Deutschland[29]. Binnen 12 Monaten seien sieben Großprojekte abgesagt worden. Grund seien „immer wieder Proteste von Bürgern vor Ort“. Doch spielten auch wirtschaftliche Faktoren eine Rolle: „Angesichts des rasant wachsenden Anteils erneuerbarer Energien, deren Stromerzeugung stark schwankt, wird es immer schwieriger, ein Kohlekraftwerk über lange Zeiträume im Volllastbetrieb zu fahren. Das macht den Betrieb weniger wirtschaftlich“, konstatiert das Handelsblatt. Zudem lassen steigende Kosten für den Kraftwerksneubau, den Brennstoff Kohle und für Emissionszertifikate die Rentabilität neuer Kohlekraftwerke ebenso schrumpfen wie die Aussicht auf längere Laufzeiten der Atomkraftwerke[29]. Der dänische Energiekonzern DONG investiert deshalb am Standort Deutschland statt in Kohlemeiler künftig lieber in Gaskraftwerke, berichtet die Financial Times Deutschland. Sie seien als flexibler Ausgleich für schwankende Strommengen aus Wind und Sonne die beste Alternative und emittierten zudem wesentlich weniger Kohlendioxid als Kohlekraftwerke[30].

Nach Ansicht des Sachverständigenrats für Umweltfragen sind weder längere AKW-Laufzeiten noch neue Kohlekraftwerke erforderlich. Der Rat warnte davor, dass durch signifikante Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke Überkapazitäten im System entstehen. Die konventionellen Kraftwerke seien auf Dauer nicht mit der erneuerbaren Stromerzeugung vereinbar, da ihre Leistung nicht schnell genug an die Schwankungen der Wind- und Sonnenenergie angepasst werden kann. Das dauerhafte Nebeneinander von konventioneller und wachsender erneuerbarer Stromerzeugung würde das System ineffizient und unnötig teuer machen. Prof. Dr. Olav Hohmeyer, Mitglied im Sachverständigenrat, betont: „Für die Übergangszeit sind weder Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke noch neue Kohlekraftwerke erforderlich. Die Brücke zu den erneuerbaren Energien steht bereits“[31].

Mineralölmarkt in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätestens seit der ersten Ölkrise ist deutlich, dass eine Versorgungssicherheit in Bezug auf Erdölprodukte nur eingeschränkt besteht. Zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit haben daher die meisten Staaten Strategische Ölreserven angelegt, die Schwankungen der Versorgung ausgleichen sollen. Auch für Erdgas bestehen entsprechende Speicher. Die Kapazität beträgt in Deutschland mindestens den Verbrauch für 90 Tage.

Strommarkt in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich regelt das Versorgungssicherheitsgesetz die Versorgungssicherheit im Strommarkt[32].

Strommarkt in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Schweizer Energiepolitik

EU-Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der EU regelt die Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie die Vorschriften über die Versorgungssicherheit mit Strommarkt[33].

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marcin Piechocki, Probleme der Energiesicherheit aus polnischer Perspektive. In: Jochen Franzke (Hrsg.) Europa als Inspiration und Herausforderung, Potsdam 2011, 97-116, S. 97.
  2. Jingzheng Ren, Benjamin K. Sovacool, Quantifying, measuring, and strategizing energy security: Determining the most meaningful dimensions and metrics. In: Energy 76, (2014), 838-849, S. 841, doi:10.1016/j.energy.2014.08.083.
  3. a b Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi), 17. September 2011: Monitoring-Bericht 2008, PDF, abgerufen am 25. Februar 2012
  4. Scenario Outlook & Adequacy Forecast 2012 - 2030
  5. Studienvergleich zum Bedarf an steuerbaren Kapazitäten im Stromsystem
  6. Umweltbundesamt, 7. April 2008: Pressemeldung zur Kurz-Studie des Umweltbundesamtes
  7. UBA: Atomausstieg und Versorgungssicherheit, Berlin 2008: DUH-Hintergrundpapier: „Stromlücke oder Stromlüge? Zu einer interessengeleiteten Debatte über die Zukunft der Stromversorgung in Deutschland
  8. Deutsche Umwelthilfe (DUH), 7. April 2008; Harry Lehmann und Stefan Peter: Das deutsche Ausbaupotential Erneuerbarer Energien im Stromsektor ISuSI: Aachen 2005
  9. DENA vom 12. März 2008: Kurzanalyse der Kraftwerks- und Netzplanung in Deutschland bis 2020 (mit Ausblick auf 2030), aufgerufen am 25. Februar 2012
  10. taz.de / Nadine Michel, 21. Oktober 2009: Trotz Überschüssen - Energieagentur warnt vor Stromlücke, aufgerufen am 25. Februar 2012
  11. Zeit online, 9. Januar 2012: energiewende-stromnetz Stromimporte aus Österreich erregen die Gemüter, aufgerufen 25. Februar 2012
  12. Internationales Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR), 19. Januar 2012: Stromhilfe-Österreich: Tricksen die Versorger die Verbraucher aus?
  13. Focus, 8. Februar 2012: Frankreich braucht „Stromhilfe“ aus Deutschland, abgerufen am 25. Februar 2012.
  14. zeit.de 21. Dezember 2011: Im Stromnetz wird es eng
  15. Studie: Auswirkungen des deutschen Kernenergie-Ausstiegs auf den Stromaustausch mit den Nachbarländern
  16. taz, 3. Februar 2012: Energiewende im Praxistest - Atomkraft an die Wand geblasen, eingefügt am 25. Februar 2012
  17. Manager Magazin, 7. Februar 2012: Tennet-Chef zur Blackout-Gefahr, eingefügt am 25. Februar 2012
  18. 3sat, 10. Mai 2013: Viele kleine Kraftwerke ergänzen sich. Virtuelle Kraftwerke könnten Strommarkt verändern, eingefügt am 2. Juli 2013
  19. a b SPIEGEL: Abhängigkeit von Russland: Oettinger plant Stresstest für Europas Gaskonzerne. vom 28. Mai 2014
  20. EnergyComment: Hintergrundinfos: Russlands Exporteinnahmen aus Öl und Gas und EnergyComment: Krim-Krise: Szenarien und Prognosen für die Gaspreise und die Gasversorgung
  21. a b EWG: Erdgasabhängigkeit der EU von Russland kann nur mit steilem Ausbau der Erneuerbaren Energien beendet werden., 15. April 2014, abgerufen am 1. Juni 2014
  22. Fraunhofer IWES: Erdgassubstitution durch eine forcierte Energiewende. 2014
  23. Deneff/Ecofys: Energieeffizienz kann deutsche Erdgasabhängigkeit von Russland halbieren. Berlin 2014
  24. BEE: So schafft Oettinger keine sichere Energieversorgung. vom 28. Mai 2014
  25. Welt Online: Krim-Krise: Regierung sieht in Speicher-Verkauf kein Problem. 26. März 2014
  26. Welt Online: Gasspeicher-Verkauf an Gazprom ist "unbedenklich". 26. März 2014
  27. Schweizerische Energiestiftung: Blockheizkraftwerke nutzen Brennstoffe doppelt, abgerufen am 25. Februar 2012
  28. Hamburger Abendblatt, 23. Januar 2012: Den Stromverbrauch dem Angebot anpassen, abgerufen am 25. Januar 2012
  29. a b Handelsblatt GmbH, 7. Februar 2010 Kraftwerksprojekte fallen wie Dominosteine, abgerufen 17. September 2011
  30. Financial Times Deutschland, 12. Februar 2010: Dong stellt von Kohle auf Gas um (Memento vom 12. Januar 2012 im Internet Archive), abgerufen am 17. September 2011
  31. Sachverständigenrat für Umweltfragen, Februar 2010: Pressemitteilung: Klimaverträglich, sicher, bezahlbar: 100% erneuerbare Stromversorgung bis 2050
  32. Regierungsvorlage Bundesgesetz Österreich: Versorgungssicherheitsgesetz (PDF; 331 kB), abgerufen am 25. Februar 2012
  33. Richtlinie 2003/54/EG über gemeinsame Vorschriften für den Elektrizitätsbinnenmarkt und zur Aufhebung der Richtlinie 96/92/EG, ABl. Nr. L 176 vom 15. Juli 2003 S. 37