Energon

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Energon Bürogebäude von Norden

Das Energon ist ein Bürogebäude im Passivhausstandard auf dem Eselsberg in Ulm. Es hat eine Nettogrundfläche von 6911 m² und ca. 420 Arbeitsplätze. Der symmetrische Baukörper des Energon besitzt 5 Etagen, mit einer räumlich nach außen gekrümmten Fassade. Das Gebäude ist eine Stahlbeton-Skelett-Konstruktion mit einer Fassade aus Holzelementen. Die Büros sind überwiegend an Unternehmen der IT- und Softwarebranche vermietet. Ebenso stehen große Schulungsräume, sowie ein Casino zur Verfügung. Im Zentrum des Gebäudes bildet ein großes, glasüberdachtes Atrium, in welchem sich sämtliche Treppen und Verbindungsstege befinden, den kommunikativen Mittelpunkt des Gebäudes. Als Standort für das Gebäude wurde ein schattenloser Südhang gewählt, um die optimale Sonneneinstrahlung nutzen zu können. Bauherr ist die Software AG Stiftung, Architekt ist das Büro oehler faigle archkom solar architektur, das Energiekonzept, die Haustechnik und Bauphysik wurden von der Firma ebök geplant. Durch eine gemeinsame Planung von Architekt, Haustechniker und Tragwerksplaner wurden von Anfang an die Anforderungen und Komponenten aufeinander abgestimmt.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erdwärmesonden und die Nutzung der Geothermie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das EnerGon verfügt über 40, jeweils 100 Meter tiefe Erdbohrungen, in welche Kunststoffrohre mit einer U-Form eingelassen sind. Diese Rohre werden mit Wasser als Wärmeträgerflüssigkeit durchströmt und geben im Sommer Wärme an das Erdreich ab bzw. nehmen im Winter Wärme aus der konstanten Bodentemperatur von 10° Celsius auf. Über Wärmetauscher zwischen den Erdsonden und der Betonkerntemperierung (BKT) wird das Wasser der Betonkerntemperierung nun vorgewärmt, bzw. vorgekühlt. Ebenso wird die Zuluft für die Frischluftversorgung des EnerGons über Wärmetauscher vorgewärmt oder vorgekühlt.

Temperierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BKT besteht aus Wasserrohren, die in der Betondecke einbetoniert sind. Über die große Strahlungsfläche der Deckenunterschicht kann jeder Raum angenehm und nicht spürbar beheizt bzw. gekühlt werden. Aufgrund der Dämmung nach Passivhausstandard werden nur minimale Temperaturunterschiede zum Heizen und Kühlen benötigt. Gekühlt wird mit minimal 18 °C Wassertemperatur, beheizt wird mit maximal 22 °C Wassertemperatur.

Schematische Darstellung der Zulufterwärmung und Betonkerntemperierung

Belüftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Belüftungssystem im Energon garantiert mit einer Umwälzleistung von maximal 29.000 m3/h, eine ganzjährig angenehme und wohltemperierte Frischluftverteilung im gesamten Gebäude. Für die Vorwärmung im Winter bzw. die Vorkühlung im Sommer wurde ein Betonrohr mit 28 m Länge und 1,8 m Durchmesser im Erdreich verlegt. Über 3 Ansaugtürme gelangt die Zuluft in diesen Kanal, durchströmt selbigen und nimmt Wärme auf bzw. gibt Wärme ab. Über den Temperaturaustausch durch die Erdwärmesonden kann die zuvor schon vorgekühlte Zuluft noch zusätzlich heruntergekühlt werden. In den Wintermonaten hingegen kann die schon vorgewärmte Zuluft mit Hilfe der Erdwärmesonden auf ca. 5° Celsius weiter erwärmt werden. Weiter besteht die Möglichkeit, der Abluft rund 65 % ihrer ursprünglichen Wärme zu entziehen und der Zuluft wieder zuzuführen. Sollte dies nicht ausreichen, wird die Wärmeenergie des Fernwärmeanschlusses dazu genutzt, die Zuluft zusätzlich zu erwärmen.

Wärmedämmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus hat eine 35 cm starke Wärmedämmung in der Fassade, 20 cm unter der Gebäudegrundplatte und 50 cm auf dem Dach. Die Fassade wurde mit einer von den Architekten oehler faigle archkom entwickelten Holzelementbauweise vorgefertigt und montiert. Das Passivhaus verbraucht nach Passivhaus-Projektierungspaket PHPP 12 kWh Heizenergie pro m² Nutzfläche und Jahr.

Beleuchtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinsichtlich der Beleuchtung ist eine künstliche Lichtquelle bei Tageslicht nur in wenigen Fällen vonnöten. Die Blendjalousien an der Fassade des Gebäudes besitzen oben liegende Reflektoren, die Licht direkt in die Büros leiten, selbst wenn der untere Bereich der Jalousie als Blendschutz vollständig geschlossen ist. Die innenliegenden Flure im Gebäude werden über Glaselemente neben den Bürotüren mit Tageslicht ausreichend versorgt. Die zentraler gelegenen Büroräume profitieren über den Lichteinfall über das Dach des Innenhofs. Dieser Lichteinfall kann selbstverständlich auch über Jalousien geregelt werden. Sämtliche künstliche Beleuchtungen sind mit Energiesparlampen und zusätzlichen Vorschaltgeräten zur Wirkungsgradoptimierung ausgestattet. Des Weiteren sorgen Sensoren für Anwesenheitserkennung und tageslichtabhängige Regulierung der Beleuchtungsstärke für weitere Energieeffizienz

Energiekonzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Energon Ulm ist eines der ersten Bürogebäude, dass nach den Kriterien des Passivhausstandards geplant und gebaut wurde. Die Passivhaus Dienstleistung GmbH in Darmstadt hat dem Bürogebäude Energon am 28. Oktober 2002 das Zertifikat Qualitätsgeprüftes Passivhaus verliehen. Die Urkunde wurde dem Bauherrn im Rahmen der offiziellen Einweihung am 30. Oktober 2002 übergeben. Das Gebäude verfügt neben den passiven Gebäudekomponenten über zwei solartechnische Anlagen. Eine Photovoltaikanlage befindet sich direkt auf dem Dach des Bürogebäudes und eine weitere befindet sich auf dem zum Gesamtprojekt zählenden, benachbarten Parkhaus. Zusammen erreichen sie 136 kWp und einen jährlichen Ertrag von ca. 137.000 kWh. Allein mit der Leistung der beiden Anlagen wird mit rund 70 % ein Großteil des Primärenergiebedarfs des Gebäudes abgedeckt. Durch die zusätzliche Nutzung der Fernwärme wird so viel Energie gewonnen, dass nahezu der gesamte Energieverbrauch des Gebäudes gedeckt wird. Somit ist der Betrieb des Energon annähernd CO2-neutral, wodurch jährlich 175 Tonnen CO2 eingespart werden.

Das Gebäude wurde vom Passivhaus-Institut Darmstadt im Jahr 2002 als Passivhaus zertifiziert mit folgenden Werten:

  • Primärenergie-Kennwert Heizenergie = 35 kWh/(m² a),
  • Primärenergie-Kennwert Klimatisierung = 17 kWh/(m² a),
  • Primärenergie-Kennwert Warmwasser = 7 kWh/(m² a),
  • Primärenergie-Kennwert Sonstige = 9 kWh/(m² a),
  • Primärenergie-Kennwert PV-Strom = −72 kWh/(m² a)

Chronologie Energon Ulm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1999 Oktober/November Vorgespräche mit eingeladenen Architektenteams / Dezember Ausschreibung für Architekturwettbewerb mit Vorgabe: Gebäude im Passivhausstandard
  • 2000 Februar Abgabe der Entwürfe / März Fachliche Bewertung / April Entscheidung über den Siegerentwurf, Beginn der Planung
  • 2001 Mai Grundsteinlegung
  • 2002 Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft & Technologie / 31. Oktober Einweihung / November Einzug der ersten Mieter
  • 2003 Juli Deutscher Solarpreis in der Kategorie „Solares Bauen“
  • 2004 1. Januar Beginn der offiziellen 2-jährigen Messphase
  • 2005 Februar Innovationspreis Architektur und Technik / 31. Dezember Ende der offiziellen Messphase
  • 2006 Juni Auszeichnung bestes Kühlkonzept in deutschen Bürogebäuden
  • 2007 EU veröffentlicht Energon als vorbildliches Bürogebäude

Weblink/Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 48° 25′ 9,3″ N, 9° 56′ 4,4″ O