Engelhorn Verlag

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Der Engelhorn Verlag war ein in Stuttgart ansässiger Buchverlag.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1900: Plakat für Engelhorns allgemeine Romanbibliothek nach einem Entwurf von Karl Ferdinand Klimsch;
Druck: Union Deutsche Verlagsgesellschaft und A. Schuler Chemigraphische Kunstanstalt, Stuttgart

Nachdem bereits 1844 die Lithographische Kunstanstalt mit Verlag Engelhorn & Hochdanz gegründet worden war, aus der sich 1860 das gleichartige Unternehmen von Emil Hochdanz bildete,[1] wurde – ebenfalls 1860 – von Johann Christoph (auch Jean) Engelhorn (1818–1897) der Engelhorn Verlag gegründet. Johann Christoph Engelhorn stammte aus einer angesehenen Mannheimer Bürgerfamilie. Sein jüngerer Bruder Friedrich Engelhorn war 1865 maßgeblich an der Gründung der BASF in Ludwigshafen beteiligt. Johann Engelhorn hatte zunächst eine kaufmännische Lehre in Heidelberg absolviert und sich 1841 in Stuttgart niedergelassen. Drei Jahre später hatte er sich dort mit dem Lithographen Emil Hochdanz (1816–1885) zusammengeschlossen und den Verlag „Engelhorn & Hochdanz“ gegründet, der u. a. die Modezeitung „Allgemeine Musterblätter“ herausgab. 1860 trennten sich die beiden Geschäftspartner.

In seinen Anfangsjahren legte der Verlag von J. Engelhorn zunächst naturwissenschaftliche und handelswissenschaftliche Werke auf. Ab 1863 gab das Unternehmen die kunstgewerbliche Zeitschrift „Gewerbehalle“ heraus. Kurze Zeit später folgte der „Möbel-Basar“. Ab 1874 publizierte der Verlag landeskundliche Prachtwerke wie „Italien – Eine Wanderung von den Alpen bis zum Aetna“, „Kunstschätze Italiens“ oder „Das Schweizerland“, die durch zahlreiche Holzschnitte illustriert waren.

1876 trat der Sohn des Unternehmensgründers Carl Engelhorn (1849–1926) in den Verlag ein. Während seiner Ausbildung hatte er einige Zeit in den Vereinigten Staaten gelebt und brachte von dort die Idee der Romanbibliothek mit. Der Verlag verpflichtete die beliebtesten deutschen Autoren der Zeit und gab ab 1884 alle zwei Wochen zu einem günstigen Preis einen neuen Roman heraus. Die Bücher wurden in zwei Varianten angeboten: als Taschenbuch oder auch mit festem Einband. Beide Serien besaßen einen roten Einband, der zu ihrem Markenzeichen wurde. Die Reihe entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen Erfolg und machte das Unternehmen weithin bekannt.

Nach dem Rückzug des Vaters 1890 führte Carl Engelhorn die Firma allein. Das Engagement von Carl Engelhorn ging weit über den Buchverlag hinaus. Zwischen 1897 und 1901 stand er dem Börsenverein Deutscher Buchhändler vor. Außerdem war er an der Gründung der Stuttgarter Volksbücherei beteiligt. Der Verleger stellte ein geeignetes Baugrundstück zur Verfügung und stiftete 80.000 Mark für den Bau des Bibliotheksgebäudes.

1910 verkaufte Carl Engelhorn den Verlag an Paul Schumann und Adolf Spemann, wobei die Firma nun in „J. Engelhorns Nachfahren“ geändert wurde. In den 1920er Jahren gab das Unternehmen dann die Buchreihen „Musikalische Volksbücher“, „Lebendige Welt“ und „Engelhorns Tierbücher“ heraus. Nach dem Tod Paul Schumanns war Adolf Spemann ab 1937 Alleininhaber der Firma.

1956 wurde der „Engelhorn Verlag“ von der Deutschen Verlags-Anstalt übernommen. Im Zusammenhang mit deren Umzug nach München zu Beginn des neuen Jahrtausends ging der Engelhorn Verlag ganz in der DVA auf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Engelhorn, J. In: Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler – Deutsche Buchdrucker – Beiträge zu einer Firmengeschichte des deutschen Buchgewerbes. Band 2. Berlin/Eberswalde 1903, S. 215f.
  • Ulrich Frank-Planitz: Die Verlegerfamilie Engelhorn. In: Lebensbilder aus Schwaben und Franken. 16, 1986, S. 273–291.
  • Sabine Schust: Carl Engelhorn und die Volksbibliothek Stuttgart. In: Peter Vodosek, Alistar Black, Peter Hoare (Hrsg.): Mäzenatentum für Bibliotheken (= Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens. 39). Wiesbaden 2004, S. 289–294.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vergleiche die Angaben nebst Querverweisen der Deutschen Nationalbibliothek