Englisches Löffelkraut

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Englisches Löffelkraut
Englisches Löffelkraut (Cochlearia anglica)

Englisches Löffelkraut (Cochlearia anglica)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Tribus: Cochlearieae
Gattung: Löffelkräuter (Cochlearia)
Art: Englisches Löffelkraut
Wissenschaftlicher Name
Cochlearia anglica
L.

Das Englische Löffelkraut (Cochlearia anglica) gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Wie das Dänische Löffelkraut gehört es zu den ersten Pflanzen, die im rauen Klima der Wattenufer und Salzwiesen bereits im Mai blühen.[1]

Für die Region Oldenburg ist der Trivialname Witten Hedderk belegt.[2]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einjährige Pflanze erreicht Wuchshöhen von 10 bis 30 cm. Der aufsteigende bis aufrechte Stängel ist kantig und kahl. Es hat fleischige, glänzende Blätter. Die Grundblätter der Pflanze sind rosettig angeordnet, langgestielt, eiförmig-rhombisch und oft gezähnt. Die Stängelblätter sind schmal-eiförmig, meist grob gezähnt, gelegentlich aber auch fast ganzrandig, mit herz- oder pfeilförmigem Grund und stängelumfassend.

Blüten des Englischen Löffelkrauts

Blütenstand, Blüten und Früchte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Englische Löffelkraut blüht von Mai bis Juli. Die Blüten stehen in einem reichblütigen, traubigen Blütenstand zusammen. Die weißen Kronblätter haben eine Länge von 5,5 bis 6,5 mm. Die Frucht ist ein eiförmiges bis kugeliges Schötchen von 8 bis 16 mm Länge.[3]

Chromosomenzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 48.[4]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Inhaltsstoffe des Englischen Löffelkrauts bekannt sind Senfölglykoside, Bitterstoffe und in hohem Maße Vitamin C.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Englische Löffelkraut kommt in den Salzwiesen der Nord- und Ostseeküste vor, aber auch im Binnenland Nordeuropas. Ihre Verbreitungsgebiet umfasst Spanien, Frankreich, Großbritannien, Irland, die Niederlande, Deutschland, Dänemark, Norwegen und Schweden.[5] In den Niederlanden nimmt die Art einerseits im Zuiderzee-Gebiet wegen Dammbauten ab, andererseits wurde im Wattenmeer eine Zunahme der Fundpunkte registriert. In Großbritannien und Frankreich geht sie teilweise stark zurück, während in Deutschland nur wenige erloschene Vorkommen angegeben werden.

Die Art braucht kochsalzhaltigen, schlickigen oder schlickig-sandigen Boden. Sie gedeiht in Mitteleuropa in Gesellschaften des Verbands Puccinellion maritimae.[6]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pflanzen gedeihen in Salzwiesen mit einem Salzgehalt von 1,6–2,3 %. Das Salz wird in den Blättern gesammelt und mit dem Abwurf der vertrockneten Blätter wieder ausgeschieden. Sie tritt in kleinen Gruppen, aber auch als einzelnes Exemplar auf. Die Befruchtung der Art, deren Blüten sowohl männliche wie weibliche Organe enthalten, erfolgt über Selbst- oder Insektenbestäubung.

Die Art ist lichtliebend und zeigt extremes Seeklima an. Ihr Standort lässt auf stickstoffreichen, sehr feuchten, salzigen und oft überschwemmten Boden schließen. Die Ausbreitung der Art erfolgt durch Tiere (Klettausbreitung), über Selbstausbreitung und Windausbreitung.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pflanze wurde früher als Heilmittel gegen Skorbut, zur „Blutreinigung“ oder als Wundauflage bei schlecht heilenden Geschwüren benutzt. Löffelkraut enthält sehr viel Vitamin C und wurde deshalb auf Segelschiffen, wo Frischgemüse völlig fehlte, eingesalzen als Schutz gegen die Vitaminmangelkrankheit Skorbut eingesetzt. Die Samen wurden von August bis September gesammelt zu einem heilkräftigen Frischsaft (Löffelkrautgeist) ausgepresst.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur Wildpflanzen Mitteleuropas, ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur Wildpflanzen Mitteleuropas, ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5
  2. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 104. (online).
  3. Werner Rothmaler: Exkursionsflora von Deutschland, Gefäßpfl. Atlasband 3; Gustav Fischer Verl. Jena, 1995.
  4. Cochlearia anglica bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  5. Karol Marhold, 2011: Brassicaceae: Datenblatt Cochlearia In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  6. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 452.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Englisches Löffelkraut (Cochlearia anglica) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien