English Electric Lightning

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English Electric Lightning
English Electric Lightning T.4 etwa 1964
Typ: Abfangjäger
Entwurfsland: Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Hersteller: English Electric/British Aircraft Corporation
Erstflug: 4. August 1954
Indienststellung: Dezember 1959
Stückzahl: 337

Die English Electric Lightning, später BAC Lightning, war ein zweistrahliger Abfangjäger des britischen Herstellers English Electric. Die Maschine wurde ab Ende der 1950er- bis 1988[1] bei der Royal Air Force und von arabischen Luftstreitkräften eingesetzt.

Entwicklung[Bearbeiten]

Der Prototyp P.1A startete am 4. August 1954 zum Erstflug. Im Gegensatz zu damaligen NATO-Überlegungen hinsichtlich Mehrzweckkampfflugzeugen war die Lightning von vornherein nur als Abfangjagdflugzeug konzipiert und fand auch nur als solches Verwendung.

Technik[Bearbeiten]

Die Lightning verfügte dank ihrer kompromisslos schlanken Rumpfform mit stark gepfeilten Tragflächen ohne Grenzschichtzäune über hervorragende Flugleistungen in Bezug auf Geschwindigkeit, Steigleistung und Gipfelhöhe. Die Querruder waren wie bei Deltaflügeln quer zur Flugrichtung an den Hinterkanten der Flächenenden angebracht.

Sie war das erste britische Jagdflugzeug, das mit Einsatz des Nachbrenners eine Geschwindigkeit von Mach 2 erreichte und eines der ersten Muster überhaupt, das ohne Nachbrenner über Mach 1 schnell fliegen konnte (sogenanntes Supercruise).[2] Ihre Nachteile waren die geringe Einsatzreichweite und die knapp bemessene Bewaffnung. Bemerkenswert war, dass die beiden Strahltriebwerke übereinander und nicht wie bei anderen Düsenjägern nebeneinander im Rumpf angeordnet waren: Dies führt dazu, dass auch beim Ausfall eines Triebwerks das Flugzeug ohne Maßnahmen des Piloten zum Geradeausflug fähig ist.

Versionen[Bearbeiten]

Für die Streitkräfte des Vereinigten Königreiches wurden folgende Baureihen entwickelt (siehe auch die Informationen über das Bezeichnungssystem britischer Luftfahrzeuge):

English Electric P.1A
Einsitziges Überschallversuchsflugzeug zur Erprobung, 2 gebaut
English Electric P.1B
Einsitziges Vorserienmodell zur Erprobung, 3 Prototypen und 20 weitere gebaut
Lightning F.Mk.1
Einsitzige Abfangjägervariante mit Triebwerken Avon 200R, Bewaffnung mit Firestreak-Lenkwaffen, 19 gebaut
Lightning F.Mk.1A
Einsitzige Abfangjägervariante mit Triebwerken Avon 210R und Betankungssonde, 28 gebaut
Lightning F.Mk.2
Einsitzige gegenüber der F.1 verbesserte Abfangjägervariante, 44 gebaut
Lightning F.Mk.2A
Einsitzige Abfangjägervariante mit Triebwerken Avon 211R, Fanghaken und größerem Treibstofftank,, 31 umgebaute F.2 auf nahezu F.6 Standard
Lightning F.Mk.3
Einsitzige Abfangjägervariante mit Triebwerken Avon 301R, leistungsfähigerem Radar, ohne Aden-MK, Bewaffnung mit Red-Top-Lenkwaffen anstelle der Firestrak sowie einem vergrößerten Seitenleitwerk, 70 gebaut
Lightning F.Mk.3A
Einsitzige Abfangjägervariante mit größerem Treibstofftank und geänderter Flügelgeometrie, 16 gebaut
Lightning T.Mk.4
Doppelsitzige Trainervariante auf Basis der F.1A, 22 gebaut (inklusive zwei Prototypen)
Lightning T.Mk.5
Doppelsitzige Trainervariante auf Basis der F.3, 22 neu gebaut, zwei Prototypen entstanden aus T.4
Lightning F.Mk.6
Einsitzige Abfangjägervariante mit neuem Tragflächenprofil (analog F.3A) und Zusatztanks auf den Tragflächen, Rückbewaffnung mit Aden-MK, 39 neu gebaut, 9 umgebaute F.3 und 15 umgebaute F.3A

Die folgenden Versionen waren Bezeichnungen für den Export:

Lightning F.Mk.52
Einsitzige Abfangjägervariante für Royal Saudi Air Force (RSAF), 5 umgebaute F.Mk.2
Lightning F.Mk.53
Einsitzige Abfangjägervariante für Kuwait Air Force (KAF), basierend auf F.Mk.6 mit zusätzlichen Pylons, 46 neu gebaut, 1 umgebaute F.6
Lightning T.Mk.54
Doppelsitzige Trainervariante für die RSAF, entspricht der T.Mk.4, 2 Stück
Lightning T.Mk.55
Doppelsitzige Trainervariante für die KAF & RSAF, basierend auf T.Mk.5, 8 neu gebaut, 1 umgebaute T.5 (die jedoch bereits vor der Lieferung abstürzte)

Technische Daten[Bearbeiten]

English Electric Lightning beim Landeanflug
Kenngröße Lightning F.Mk.3
Länge    16,84 m
Spannweite    10,62 m
Höhe    6,40 m
Flügelfläche    35,31 m²
Flügelpfeilung    60°
maximale Startmasse    19.000 kg
Triebwerk    2 × TL Rolls-Royce Avon; je 5.990kp ohne, je 7.530kp mit Nachbrenner
Höchstgeschwindigkeit    2450 km/h in 12.000 m
Marschgeschwindigkeit    950 km/h
Steiggeschwindigkeit    254 m/s
Dienstgipfelhöhe    18.300 m
Reichweite    2000 km
Start/Landerollstrecke    960 m
Besatzung    1 Mann
Insgesamt gebaute Stückzahl; 334 (inkl. Trainer)

Bewaffnung[Bearbeiten]

Bordwaffen

  • 2 × oder 4 × 30-mm-ADEN-Maschinenkanonen mit je 130 Schuss Munition in einer schnell ausbaubaren Waffenwanne

Luft-Luft-Lenkwaffen

Behälter

  • 2 × 1182-Liter-Überflügel-Zusatztanks

Nutzer[Bearbeiten]

Militärische Nutzer

120 (100 F.1/F.2/F.2A/F.3/F.3A/F.6 und 20 T.4/T.5)

Die zur Luftraumverteidigung eingesetzten britischen Modelle wurden in dieser Rolle beginnend in den 1970er-Jahren durch die McDonnell Douglas F-4 Phantom II ergänzt, nach der Einführung des Panavia Tornado F3 Ende der 1980er-Jahre schließlich ganz aus dem Dienst genommen. Bei der RAF Germany wurden Lightnings der Baureihe F2a von 1965 bis 1977 auf dem Flughafen Gütersloh bei der 19. und 92. Squadron betrieben, letztere erst ab 1968 in Gütersloh, nach drei Jahren Betrieb auf der Air Base Geilenkirchen. Sie stellten unter anderem die Quick Reaction Alert (QRA) Alarm-Rotten für Nordwestdeutschland.

41 (35 F.52, 2 T.54, 6 T.55)

14 (12 F.53, 2 T.55)

Private Nutzer

Flugfähige Exemplare mit Möglichkeit zum Mitflug gab es bis November 2009 noch bei dem Anbieter Thunder City auf dem Cape Town International Airport in Südafrika, wo zwei F.Mk.6-Einsitzer sowie ein T.Mk.5-Doppelsitzer flugbereit gehalten wurden. Der zweite von dem Unternehmen betriebene Doppelsitzer ging am 14. November 2009 verloren, der Flugbetrieb wurde dann eingestellt, die Firma steht im Sommer 2011 zum Verkauf.

Stationierungsorte in Deutschland[Bearbeiten]

In der Flugausstellung Hermeskeil wird die XN782 sowie im Luftwaffenmuseum der Bundeswehr in Berlin-Gatow die XN730 ausgestellt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dokumentarfilm mit vielen Details (Englisch)
  2. Ferdinand C. W. Käsmann: Weltrekordflugzeuge. Band 2, 2. Auflage, Aviatic Verlag GmbH, Oberhaching 1999, S. 60.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: English Electric Lightning – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien