Engpasskonzentrierte Strategie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Bezeichnung Engpasskonzentrierte Strategie (EKS) wird für einen Schulungsansatz verwendet, welcher zur Formulierung persönlicher oder geschäftlicher Strategien steht.[1] Die Engpasskonzentrierte Strategie wurde von Wolfgang Mewes 1970 begründet und ist als Markenzeichen geschützt. Das Fernlehrwerk wurde von 1971 bis 1989 unter der Bezeichnung Kybernetische Managementlehre (EKS) herausgegeben.[2] Heute werden vielfach auch die ebenfalls geschützten Werktitel Energo-Kybernetische Strategie und Evolutionskonforme Strategie verwendet. Sie bezeichnen alle dieselbe Strategie, kennzeichnen aber einen leicht veränderten Schwerpunkt des Betrachters.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Entstehung der EKS hat ihren entscheidenden Impuls aus der Bilanzbuchhaltung, Kostenrechnung und Betriebswirtschaftslehre bekommen. Sie basiert auf der Einsicht, dass nicht die Kosten- und Ertragsverhältnisse, sondern die jeweiligen Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse für die Entwicklung von Menschen und Unternehmen entscheidend seien. – Die klassische Betriebswirtschaftslehre hatte die Machtprobleme ausgeklammert. Aus der Erfahrung mit Teilnehmern betriebswirtschaftlicher Lehrgänge und der Analyse außergewöhnlicher Karriere- und Unternehmenserfolge hat Mewes seine Erkenntnisse für andere nachvollziehbar als sog. EKS formuliert. Neben den dokumentierten praktischen Karriere- und Unternehmenserfolgen[3] gründet die EKS wissenschaftliche Absicherung der EKS auf Erkenntnissen insbesondere der Evolutionslehre und der Systemwissenschaften.[4][5]

Analytisch verwandte Konzepte mit anderen Schwerpunkten der Anwendung finden sich unter dem Paradigma Theory of Constraints von Eliyahu M. Goldratt.[6]

Strategie[Bearbeiten]

Strategie bedeutet nach Mewes nicht - wie üblich - langfristige Erfolgsplanung, sondern die Art und Weise, seine und verbündete Kräfte optimal zum Nutzen seiner Zielgruppe einzusetzen. Über den Zielgruppennutzen wird der eigene Gewinn optimiert. Die von Mewes postulierten Wirkungsmechanismen der EKS führen zu überproportionalen Ergebnissen. Aufgrund der Nutzung dieser Mechanismen können Personen und Unternehmen überdurchschnittlich erfolgreich werden (wie Würth, Kärcher und viele weitere). Die primäre Vermittlungsform war und ist ein Fernlehrgang, der bei der Studiengemeinschaft Darmstadt bezogen werden kann. Richard Seeger hat unter der Bezeichnung EKS-PC eine elektronische Version der EKS entwickelt.[7] Die aktuelle Weiterentwicklung wird als webbasiertes Lernmanagementsystem bzw. als Blended Learning angeboten und enthält das Originalmaterial, neuere Fallstudien, die Anwendersoftware, Datenbanksysteme, Foren, Wikis, Blogs u.v.a. Die Rechte daran und zuvor schon im Jahr 2008 die Werksnutzungsrechte wurden vom Managementzentrum St. Gallen übernommen. Mewes hatte schon das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten; 2010 wurde er mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche ausgezeichnet.

Die Lehrgangsmodule zielen darauf ab, dass sich Unternehmen, Personen, Regionen und Kommunen entsprechend ihrer Ressourcen spezialisieren, um in der Marktnische ihren Erfolg zu erhöhen. Hiervon zu unterscheiden ist der Begriff der Nischenstrategie, welcher keinem Markenschutz unterliegt.

Anwender der EKS organisieren sich bereits seit 1970 im Bundesverband StrategieForum e. V. (www.strategie.net). Diese Non-profit-Organisation unterstützt ihre Mitglieder durch eigene Medien (Strategie Journal) und regionale sowie zentrale Veranstaltungen (www.strategie-kongress.de). EKS-orientierte Berater haben sich in der Beratergruppe Strategie e. V. zusammengeschlossen (www.beratergruppe-strategie.de).

Engpassanalyse[Bearbeiten]

Die Engpassanalyse ist integraler Bestandteil der EKS-Strategie von Mewes. Anfänglich hatte Mewes seine EKS-Strategie als 'Evolutions-konforme Strategie' definiert, womit er am Beispiel des Minimumgesetzes für das Pflanzenwachstum (Carl Sprengel und Justus von Liebig) die für die EKS-Strategie zentrale Bedeutung der Engpassanalyse beschreiben und die naturwissenschaftliche Grundlage seiner Strategie darlegen konnte.

Das Wachstum von Pflanzen wird durch den Minimumfaktor (die im Verhältnis knappste Ressource) eingeschränkt. Wird dieser Minimumfaktor (beispielsweise Nährstoffe) beseitigt, entwickelt sich die Pflanze ohne Einschränkung weiter. Mewes behauptet, dass dieses Prinzip für alle vernetzten Systeme gilt, also auch für Wirtschaftsunternehmen. Sowohl das Wachstum von Pflanzen als auch von Betrieben kann durch die Beseitigung des jeweiligen Minimumfaktors gefördert werden.

Mewes beschreibt den Minimumfaktor für wirtschaftliche Einheiten meist als Engpass, der für eine bessere Entwicklung analysiert und überwunden werden muss. Der zentrale Engpass ist nach Mewes der von einer engumrissenen Zielgruppe mit gleichartigen Problemstellungen am stärksten empfundene Mangel. Innovationen, die diesen Mangel beseitigen, lassen eine günstige Entwicklung des eigenen Unternehmens erwarten.

Die 4 Grundprinzipien[Bearbeiten]

  1. Konzentration der Kräfte auf Stärkenpotenziale, Abbau von Verzettelung
  2. Orientierung der Kräfte auf eine engumrissene Zielgruppe
  3. In die Lücke (Marktnische) gehen
  4. Sich in die Tiefe der Problemlösung entwickeln, Marktführerschaft anstreben

Die 7 Phasen[Bearbeiten]

Die EKS baut neben den vier Prinzipien auf den folgenden sieben Entwicklungs-Phasen auf:

Phase

  1. Ist-Situation feststellen, Stärken als Kernkompetenz ermitteln (besonders im Vergleich zum Wettbewerb). Worin sind wir wirklich gut? Was können wir besser als andere?
  2. Das erfolgversprechendste Geschäftsfeld erarbeiten. Worin liegen die größten Chancen und womit kann das eigene Unternehmen den größten Nutzen bieten?
  3. Erfolgversprechendste Zielgruppe erarbeiten. Wer kann unsere Leistung(en) am besten gebrauchen – und wer passt zu uns als Kunde (soz. Affinität)
  4. Größter Engpass der Zielgruppe (Kundengruppe) ermitteln – und lösen! Welches Problem können wir in dieser Kundengruppe lösen (Problemhierarchie: techn., wirt., soz., gesell. [aufsteigend])
  5. Innovieren – basierend auf dem Bestreben, weitere Lösungen für die Kundengruppen-Probleme zu schaffen. Nach dem Lösen eines Engpasses entstehen beim Kunden (besser in der Kundengruppe) neue/ andere Probleme. Diese gilt es ebenfalls zu lösen und vor allem frühzeitig zu erkennen – mit den Kunden zusammen (Vertrauensverhältnis erarbeiten durch Nutzenbieten)
  6. Durch die Konzentration auf die Kernkompetenz werden ggf. Kooperationen sinnvoll oder notwendig. Hierbei sind es aber immer synergetische Kooperationen – im Vergleich zu additiven Kooperationen (z. B. Einkaufs-Gemeinschaften).
  7. In dieser Phase wird ein konstantes Grundbedürfnis für die jeweilige Zielgruppe dauerhaft gelöst, was einer reinen Verfahrens- oder Produktspezialisierung entgegensteht. Ziel ist die Verbesserung der Markt- bzw. Machtstellung, das Ergebnis nicht selten die Marktführerschaft.

Kybernetische Managementlehre (EKS)[Bearbeiten]

Wolfgang Mewes gilt als Pionier der kybernetischen Managementlehre in Deutschland.[8] - Auch Protagonisten der EKS gewichten deren Bedeutung und Wirkung differenziert. Nach Fredmund Malik bestehe die Besonderheit der EKS in ihrer dynamischen Form der Spezialisierung. Damit trage sie maßgeblich zur Komplexitätsbewältigung bei und zeige in der Orchestrierung mit weiteren kybernetischen Tools eine große Bedeutung für das Management komplexer Systeme.[9] Als Inhaber der Markenschutzrechte reklamiert auch Seeger eine Deutungshoheit für sich. Danach bilde die Neufassung der KYBERNETISCHEN MANAGEMENTLEHRE (EKS) eine Synthese zwischen den bisherigen Machtlehren und den neueren Erkenntnissen der Kybernetik. Insbesondere darin liege ihre epochale Bedeutung.

Mewes zeigt die Wege auf zur Erreichung einer strategischen Schlüsselposition von Einzelpersonen (Angestellte, Freiberufler und Unternehmer) und der damit zu erreichenden Verbesserung der Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse im Mosaik sozio-ökonomischer Einheiten (Abteilungen, Betrieben und Märkten). Die so verstandene EKS sei demnach auch eine Strategie zur wirkungsvollen Förderung von Karrieren in nahezu allen Berufen.

Die kybernetische Managementlehre (EKS) präsentiert sich als Alternative bzw. Ergänzung zur etablierten Betriebswirtschaftslehre. Wird ein Unternehmen allein nach der traditionellen Betriebswirtschaftslehre (so wie sie in den 1980er Jahren konzipiert war) geführt, fehle die nötige Dynamik zur Verwirklichung von Innovationen und Entwicklung von Wettbewerbsvorsprüngen. Auch sei das Rechnungswesen einseitig auf die Erfassung und Vermehrung des Bilanzvermögens ausgerichtet. Als evolutionäres Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell mit einer an der Kybernetik orientierten Führung sei diese EKS eine bessere Lösung für die Unternehmen.[10] Die kybernetische Managementlehre (EKS) unterscheidet sich auch von der später publizierten EKS-Strategie mit ihrem Phasen-Modell. Zentraler Kern der kybernetischen Managementlehre (EKS) ist eine bereits in den 1970er Jahren von Wolfgang Mewes präsentierte und an Entwicklungsengpässen ausgerichtete Kalkulationsmethode und Balanced Scorecard. Richard Seeger, der ein Bearbeitungsrecht im Sinne des § 3 UrhG an Mewes´ Werk hat, entwickelt E-Learning-Kurse, EKS-Bilanzen und Programme zur Unternehmenssteuerung auf der Basis der kybernetischen Managementlehre (EKS).

Ganz allgemein ermöglichten die mit EKS bereitgestellten Tools die Regelung und Steuerung von Projekten, Unternehmen und Organisationen.[11] Übereinstimmung besteht darin, dass das Gebiet der Steuerungs- und Regelungstechnik – die Kybernetik – in Zukunft eine noch größere Bedeutung in der Führung von komplexen Organisationen erlangen werde.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herbert Gross: Die Chancen ändern sich - Gedanken zum Wachstum. Econ Verlag, Düsseldorf/ Wien 1976, ISBN 3-430-13582-6.
  2. Kybernetische Managementlehre (EKS). Mewes Verlag, Frankfurt am Main, ISBN 3-922062-00-8.
  3. Hermann Simon: Die heimlichen Gewinner - Die Erfolgsstrategien unbekannter Weltmarktführer. Campus Verlag, 1996, ISBN 3-593-35460-8.
  4. Bernd Venohr: Wachsen wie Würth – Das Geheimnis des Welterfolgs. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2006.
  5. Hans Hass, Horst Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter. Seewald Verlag, Stuttgart-Degerloch 1978, ISBN 3-512-00496-2.
  6. Theory of Constraints
  7. Kerstin Friedrich, Fredmund Malik, Lothar J. Seiwert: Das große 1x1 der Erfolgsstrategie. Gabal, 2009.
  8. Frederic Vester: Neuland des Denkens – Vom technokratischen zum kybernetischen Zeitalter. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1980, ISBN 3-421-02703-X.
  9. Kerstin Friedrich, Fredmund Malik, Lothar Seiwert: Das große 1x1 der Erfolgsstrategie – EKS-Erfolg durch Spezialisierung. Gabal Verlag, Offenbach 2009, ISBN 978-3-86936-001-0.
  10. Reinhold Würth: Beiträge zur Unternehmensführung. Verlag Paul Swiridoff, Schwäbisch Hall 1985, ISBN 3-921279-07-0.
  11. Hans Bürkle (Hrsg.): Mythos Strategie - mit der richtigen Strategie zur Marktführerschaft. Gabler Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-8349-1835-2.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kerstin Friedrich, Fredmund Malik, Lothar Seiwert: Das große 1x1 der Erfolgsstrategie. Gabal Verlag, Offenbach 2009, ISBN 978-3-86936-001-0.