Ennio Morricone

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ennio Morricone (2012) Signatur von Ennio Morricone

Ennio Morricone (* 10. November 1928 in Rom; † 6. Juli 2020 ebenda) war ein italienischer Komponist, Dirigent und Oscarpreisträger. Er arbeitete auch unter den Pseudonymen Dan Savio und Leo Nichols und komponierte die Musik für mehr als 500 Filme. Weil er die Filmmusik für zahlreiche Italowestern schrieb, wird sein Name vornehmlich mit diesem Filmgenre in Verbindung gebracht.[1] Er komponierte jedoch auch Musik für andere Genres.

Besondere Bekanntheit erlangten seine Filmmusiken zum Italowestern-Klassiker Zwei glorreiche Halunken (Original: Il buono, il brutto, il cattivo), zum Western-Epos Spiel mir das Lied vom Tod, zu Roland Joffés Drama Mission und zu Giuseppe Tornatores Film Cinema Paradiso. Morricone erhielt 2007 den Oscar für sein Lebenswerk sowie 2016 einen weiteren für die Musik zum Film The Hateful Eight.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Morricone studierte am Konservatorium von Santa Cecilia Trompete und Chormusik und erhielt 1946 sein Konzertdiplom als Trompeter. Ein Jahr später folgte ein erstes Engagement als Theaterkomponist. 1953 begann er mit der Gestaltung des Abendprogramms eines italienischen Rundfunksenders. Für seine Ausbildung als Komponist am Konservatorium, die er 1954 mit einem Diplom abschloss, zeichnete Goffredo Petrassi verantwortlich. 1956 heiratete er Maria Travia. Er etablierte sich ab Mitte der 1950er Jahre mit Kammermusik- und Orchesterwerken in der musikalischen Avantgarde seines Landes. 1958 besuchte Morricone die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt.[2] Im selben Jahr unterschrieb Morricone einen Arbeitsvertrag als Musikassistent bei der staatlichen Rundfunkanstalt Radiotelevisione Italiana, wo er als Arrangeur tätig war. Auch für zahlreiche Schallplattenaufnahmen im Genre Pop (beispielsweise für Gino Paoli und Mina) schrieb er Arrangements und leitete Band und Orchester.

Morricone komponierte 1961 seine erste Filmmusik für Luciano Salces Il Federale, doch ließ der internationale Erfolg noch einige Jahre auf sich warten. 1964 begann er seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Sergio Leone (die beiden waren in dieselbe Schulklasse gegangen) und Bernardo Bertolucci. In dieser Zeit schrieb er unter anderem die Musik für Leones Filme Für eine Handvoll Dollar, Zwei glorreiche Halunken und Spiel mir das Lied vom Tod. Morricones Kompositionen unterschieden sich stark von den traditionellen symphonischen Western-Soundtracks aus Hollywood und wirkten durch ihre ungewöhnlichen Soundelemente (Maultrommeln, Pfiffe, Schreie, Kojotengeheul, Eulenrufe, Glocken, Spieluhren, Peitschenknallen, Schläge auf Amboss etc.) stilbildend und innovativ. Mit einigen seiner Kompositionen konnte der Komponist sogar Hitparadenerfolge verbuchen. Im Genre des Italo-Westerns orientierten sich zahlreiche Komponisten an dem von Morricone entwickelten Stil.

Ab Mitte der 1990er Jahre komponierte Morricone jedes Jahr die Filmmusik für etwa 15 Filme. Außerdem spielte er von 1964 bis in die 1970er Jahre im von Franco Evangelisti initiierten Improvisationsensemble Gruppo di Improvvisazione Nuova Consonanza. Zusammen mit anderen Komponisten gründete Morricone 1984 in Rom das I.R.TE.M, eine Forschungsanstalt für musikalisches Theater.

In mehr als vierzig Jahren künstlerischen Schaffens schrieb Morricone über 500 Filmmusiken und arbeitete dabei mit namhaften italienischen und internationalen Regisseuren zusammen. Er dirigierte eine große Anzahl von Orchestern, wobei er für zahlreiche Konzerte sowie Filmmusikaufnahmen mit dem Roma Sinfonietta Orchestra zusammenarbeitete. Mit diesem Ensemble gab Morricone am 2. Februar 2007 auch ein Ehrenkonzert zum Amtsantritt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon.

Neben Film- und Bühnenmusik schrieb er auch weiterhin Kammermusik für Solisten (Gitarre, Klavier, Violine, Cello) und diverse Formationen (Trio, Quintett, Sextett, Piano und Instrumente, Gesang und Instrumente, Chöre etc.) sowie Kantaten und Messen:

  • Missa Papae Francisci (2015)[3]
  • Partenope (eine Oper mit einem Libretto von Guido Barbieri und Sandro Cappelletto) (1996)[4]
  • Ut (1992)
  • Cantata per l’Europa (1988)
  • Cantata Frammenti di Eros (1985)
  • Gestazione (1980)
  • Requiem per un Destino (1966)
  • Sestetto (1955)

Familie und Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Frau Maria Travia lernte er 1950 kennen. Sie lebten in Italien. Einen weiteren Wohnsitz, z. B. in der Nähe von Hollywood, wollte er nie. Seine Frau unterstützte ihn bei seiner Arbeit; so schrieb sie ergänzende Texte zu seinen Musikstücken zum Film The Mission, die auch lateinische Texte enthalten. Sie haben gemeinsam drei Söhne und eine Tochter:

  • Marco (geb. 1957)
  • Alessandra (1961)
  • Andrea (1964), Dirigent und Filmkomponist, mit dem der Vater die Musik zu Cinema Paradiso komponierte
  • Giovanni (1966), in New York lebender Filmemacher

Bei der Verleihung des Ehrenoscars 2007 sprach Clint Eastwood die Laudatio. Er übersetzte Morricones auf Italienisch gehaltene Dankesworte, da Morricone nicht fließend Englisch sprach. Aus ihrer langjährigen Zusammenarbeit in vielen Filmen entstand eine enge Freundschaft.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ennio Morricone starb am 6. Juli 2020 im Alter von 91 Jahren an der Universität Campus Bio-Medico in Rom an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruchs, den er sich einige Tage zuvor bei einem Sturz zugezogen hatte. Sein Tod rief ein hohes öffentliches Echo hervor, in dem er häufig als der bekannteste Komponist der Filmgeschichte bezeichnet wurde.[5]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ennio Morricone bei den 66. Filmfestspielen von Venedig 2009

Morricone trug mit seiner Musik wesentlich zum Welterfolg der Leone-Western bei,[6] die heute Kultfilme sind, wie zum Beispiel Spiel mir das Lied vom Tod. Leone bekannte einmal, dass Morricone für ihn mehr ein Drehbuchautor sei als ein Komponist, denn durch die Musik könne er etwas mitteilen, was er sonst hätte zeigen müssen.[6] Und vom Komponisten ist überliefert:

„Filmmusik braucht Raum, um sich entfalten zu können. Der Film muss der Musik Zeit geben, um sich zu entwickeln.“

Ennio Morricone[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oscars (Academy Awards)

Golden Globes

Goldene Himbeere

  • 1983: nominiert für Butterfly (Schlechtester Song) It’s Wrong For Me To Love You (zusammen mit Carol Connors)
  • 1983: nominiert für Butterfly (Schlechteste Filmmusik)
  • 1983: nominiert für Das Ding aus einer anderen Welt (Schlechteste Filmmusik)

BAFTA Award

David di Donatello

Grammy

ASCAP Award

Nastro d’Argento für die beste Filmmusik (Nastro d’Argento/Migliore colonna sonora)[7]

Weitere Auszeichnungen

Darüber hinaus wurde er 2017 mit dem Großkreuz, der höchsten Stufe des Verdienstordens der Italienischen Republik, ausgezeichnet und in die Ehrenlegion aufgenommen. 2016 wurde er mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt.[13]

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Morricone im UN-Hauptquartier (2007)

Weltweit wurden mehr als 50 Millionen Alben von Morricone verkauft.[14][15] Seine Kompositionen wurden teilweise in andere Genres übertragen:

Filmmusiken (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chartplatzierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[19][20]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
DE DE AT AT CH CH UK UK US US IT ITTemplate:Charttabelle/Wartung/Charts inexistent
1967 A Fistful of Dollars US107
(28 Wo.)US
Soundtrack zum Film Für eine Handvoll Dollar
1968 The Good, the Bad and the Ugly US4
Gold
Gold

(52 Wo.)US
Soundtrack zum Film Zwei glorreiche Halunken
1971 Spiel mir das Lied vom Tod DE47
(4 Wo.)DE
Soundtrack zum Film Spiel mir das Lied vom Tod
1972 Once Upon a Time in the West CH86
(1 Wo.)CH
Soundtrack zum Film Spiel mir das Lied vom Tod
1981 Sound Giganten DE5
(13 Wo.)DE
This Is Ennio Morricone UK23
(5 Wo.)UK
Chi Mai UK29
(6 Wo.)UK
1987 The Mission UK73
Gold
Gold

(4 Wo.)UK
US132
(13 Wo.)US
IT87
(1 Wo.)IT
Soundtrack zum Film Mission
Charteinstieg in IT erst 2020
1993 Spiel mir das Lied vom Tod –
The Very Best Of
DE77
(10 Wo.)DE
AT32
(2 Wo.)AT
2000 The Very Best Of UK48
(1 Wo.)UK
2004 Movie Masterpieces UK69
(1 Wo.)UK
2007 Platinum Collection IT33
(4 Wo.)IT
Charteinstieg in IT erst 2020
2011 Paradiso UK13
(5 Wo.)UK
2016 Quentin Tarantino’s „The Hateful Eight“ DE82
(1 Wo.)DE
AT54
(2 Wo.)AT
Soundtrack zum Film The Hateful Eight
Morricone 60 DE75
(2 Wo.)DE
CH44
(2 Wo.)CH
UK84
(1 Wo.)UK
IT22
Gold
Gold

(… Wo.)Template:Charttabelle/Wartung/vorläufig/2016IT
2020 De Sergio Leone à Quentin Ternentino CH26
(2 Wo.)CH

grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfügbar

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[19][20]
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
DE DE AT AT CH CH UK UK US US IT IT
1970 Spiel mir das Lied vom Tod (Jill’s Theme) DE14
Gold
Gold
[21]
(30 Wo.)DE
CH2
(16 Wo.)CH
1974 Mein Name ist Nobody DE44
(1 Wo.)DE
CH2
(14 Wo.)CH
1981 Chi Mai DE23
(15 Wo.)DE
AT4
(12 Wo.)AT
CH2
(13 Wo.)CH
UK2
Gold
Gold

(12 Wo.)UK
Titelmusik der BBC-Serie Life and Times
of David Lloyd George
, sowie in den Filmen Maddalena (Come Maddalena), (1971) und Der Profi (Le professionel), (1981).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean Lhassa: Hommage au Maitre Ennio Morricone. Limitierte Auflage von 500 Exemplaren. Editions du Center d’Art d’Ixelles, 1986.
  • Sergio Miceli: Morricone – Die Musik, das Kino. Edition Filmwerkstatt, 2000, ISBN 3-930524-03-1.
  • Christiane Hausmann: Zwischen Avantgarde und Kommerz – Die Kompositionen Ennio Morricones. Wolke Verlag, Hofheim 2008, ISBN 978-3-936000-68-9.
  • Ennio Morricone in Venice. Live at Piazza San Marco. DVD und Buch. Icestorm Entertainment GmbH/ARS Latina, 2008.
  • Toni Hildebrandt: Ennio Morricone und Giuseppe Tornatore. Die Musik, das Kino. Grin Verlag, Regensburg 2007.
  • Wolfgang Sandner: Spiel mir das Lied von Morricone. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. November 2008, Z3.
  • Peter Moormann (Hrsg.): Klassiker der Filmmusik. Reclam-Verlag, Ditzingen 2009.
  • Guido Heldt, Tarek Krohn, Peter Moormann: Ennio Morricone. Edition Text und Kritik, München 2014, ISBN 978-3-86916-274-4.
  • Lorenzo Sorbo: The Dramatic Functions of Italian Spaghetti Western Soundtracks: A Comparison between Ennio Morricone and Francesco De Masi. In: Sebastian Stoppe: Film in Concert. Film Scores and their Relation to Classical Concert Music. VWH Verlag, Glückstadt, Germany 2014, ISBN 978-3-86488-060-5. S. 161–174.
  • Ennio Morricone – Der Meister der Filmmusik. Bildband mit 4 Audio-CDs. edel Germany, 2013, ISBN 978-3-943573-02-2.
  • Interview. In: Die Zeit, Nr. 9/2007

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ennio Morricone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit Ennio Morricone. In: Marc Hairapetian: „Konservative Regisseure wären schreiend vor mir geflüchtet!“ – Ennio Morricone schrieb große Filmmusiken für Sergio Leone, Pier Paolo Pasolini und Quentin Tarantino. Jetzt wird er 90. Zeit für einen Hausbesuch in Rom., in Die Zeit, 10. November 2018
  2. Interview mit Helmut Lachenmann auf van.atavist.com. 26. Februar 2016.
  3. youtube.com
  4. csosoundsandstories.org: Ennio Morricone, a chameleon of modern music
  5. Ennio Morricone morto nella notte a Roma: aveva 91 anni, si era rotto il femore. Celebrati funerali privati con famiglia e Tornatore. In: Il Messaggero. Abgerufen am 6. Juli 2020 (italienisch).
  6. a b c Michael Hanisch: Gefühlte Realität – Ein Perfektionist: der Komponist Ennio Morricone in Film-Dienst 23/2003 S. 46 f. Zum 75. Lebensjahr.
  7. Awards for Ennio Morricone. imdb.com, abgerufen am 4. Dezember 2014.
  8. Hochschule für Musik und Theater München (Memento vom 6. April 2008 im Internet Archive)
  9. ascap.com
  10. Ennio Morricone erhält Europäischen Filmpreis Focus Online, 28. Oktober 2013.
  11. Meldung über Medaillen-Verleihung, abgerufen am 3. Mai 2019.
  12. Prinzessin-von-Asturien-Preis 2020
  13. Ennio Morricone | Hollywood Walk of Fame. Abgerufen am 24. September 2019.
  14. Zammerumaskil, Roma
  15. Fondazione Italiani (Memento vom 29. Juli 2013 im Internet Archive)
  16. The Quentin Tarantino Archives 15. Januar 2013: Django Unchained complete soundtrack list with movie references. abgerufen am 19. Januar 2013
  17. giovannimanfredini.com
  18. Ennio Morricone Offizielle Website.
  19. a b Chartquellen: DE AT CH UK US
  20. a b Gold-/Platin-Datenbanken: UK US
  21. Günter Ehnert: Hit Bilanz – Deutsche Chart Singles 1956–1980. 1. Auflage. Verlag populärer Musik-Literatur, Norderstedt 2000, ISBN 3-922542-24-7, S. 445.