Enoch zu Guttenberg

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Enoch zu Guttenberg, 2012

Georg Enoch Robert Prosper Philipp Franz Karl Theodor Maria Heinrich Johannes Luitpold Hartmann Gundeloh Freiherr von und zu Guttenberg[1] (* 29. Juli 1946 in Guttenberg; † 15. Juni 2018 in München) war ein deutscher Dirigent.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enoch zu Guttenberg entstammte dem fränkischen Adelsgeschlecht Guttenberg. Er wurde im Sommer 1946 als einziger Sohn und zweites von fünf Kindern des späteren Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundeskanzleramt Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg und dessen Ehefrau Rosa Sophie (geb. Prinzessin von Arenberg, 1922–2012) geboren. Enoch zu Guttenberg war von 1971 bis 1977 mit Christiane Gräfin von und zu Eltz (* 1951) verheiratet. Aus dieser ersten Ehe stammen die beiden Söhne Karl-Theodor zu Guttenberg und Philipp Franz zu Guttenberg. Enoch zu Guttenberg war seit dem Jahr 1997 bis zum Jahr 2016 mit der Dirigentin Ljubka Biagioni verheiratet. Aus dieser Beziehung entstammen zwei Söhne, die im Jahr 2003 und 2005 geboren wurden.[2] Zuletzt war er mit der aus München stammenden Sopranistin[3] Susanne Bernhard verlobt.[4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enoch zu Guttenberg studierte Komposition und Dirigieren in München und Salzburg. Einer seiner Lehrer war Carl Feilitzsch. 1967 gründete er die Chorgemeinschaft Neubeuern.[5] 1997 wurde ihm die Leitung des freien und projektbezogenen Orchesters Klangverwaltung übertragen.[6] Zahlreiche Einspielungen auf CD dokumentieren diese Zusammenarbeit. Im Jahr 2000 leitete Enoch zu Guttenberg im Königsschloss Herrenchiemsee ein siebentägiges Bachfest. Daraus entstanden im nächsten Jahr die Herrenchiemsee Festspiele,[7] die seither jährlich unter Guttenberg als Intendant[8] auf der Insel Herrenchiemsee veranstaltet wurden. Seit Mai 2003[9] war Guttenberg Ehrendirigent der Hofer Symphoniker.[10]

Guttenberg war stark im Umweltschutz engagiert. Er war 1975 Mitgründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Im Mai 2012 trat er aus diesem aus, weil er die seiner Meinung nach landschaftszerstörenden Windkraftanlagen im Gegensatz zum BUND ablehnte und den Verdacht der Käuflichkeit des BUND nicht länger mittragen wollte.[11] Enoch zu Guttenberg hat seine Kritik am BUND aufrechterhalten. Den Vorsitzenden Hubert Weiger bezeichnete er in einem 2016 erschienenen Buch als „Werbeoffizier der Windindustrie“.[12] Guttenberg warf Weiger vor, zu wenig gegen den Bau von Windparks vorzugehen und dadurch einen Beitrag zur Zerstörung von Natur und Landschaft zu leisten.[13] Weiger rede auch den Tod von Vögeln durch Windkraftanlagen klein.[14] Der BUND hatte Guttenberg wegen seiner kritischen Äußerungen verklagt, aber im April 2016 die Klageschrift zurückgezogen, laut Guttenberg aus „Angst vor der Macht der Wahrheit“.[15]

Enoch zu Guttenberg war Mitglied im Kuratorium der ÖDP-nahen Stiftung für Ökologie und Demokratie.[16] Er war zunächst Mitglied der CSU, trat aber im Jahr 1992 nach einem Konflikt mit dem damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl aus, weil dieser sich weigerte, an einer Demonstration gegen Antisemitismus teilzunehmen.[17] Später trat Guttenberg auf Drängen seines Sohnes Karl-Theodor wieder in die Partei ein.[18]

Enoch zu Guttenberg starb im Juni 2018 im Alter von 71 Jahren.[19]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Arbeit erhielt Guttenberg mehrere Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, den Bayerischen Poetentaler (1994), die Bayerische Staatsmedaille für Verdienste um die Umwelt (2009) sowie den Bayerischen Verdienstorden. Den Deutschen Kulturpreis ECHO Klassik gab er im April 2018 als Reaktion auf die Preisverleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang zurück.[20] Diesbezüglich sprach er „von einem schmutzigen Menetekel für eine furchtbare Zeit, die angebrochen“ sei.[21]

2015 wurde Guttenberg Ehrenpräsident im neu gegründeten Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB).[22]

Er war Ehrenbürger der Gemeinden Guttenberg und Neubeuern.

Zu Guttenberg war Komtur des Königlich Bayrischen Hausritterordens vom Heiligen Georg, dem Hausorden des Hauses Wittelsbach.

Vermögensverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1952 erhielt Enoch zu Guttenberg von seinem Vater das Weingut Reichsrat von Buhl in Deidesheim in der Pfalz.[23] 1989 wurde das Gut an japanische Investoren verpachtet, seit 2005 gehört es zur Unternehmensgruppe Niederberger.

Im Oktober 2010 schätzte das Manager Magazin das Vermögen von Enoch zu Guttenberg in seinem Spezial Die 500 reichsten Deutschen auf 400 Millionen Euro. Ursprung des Vermögens sei neben Großgrundbesitz das Rhön-Klinikum in Bad Neustadt an der Saale gewesen.[24] Im März 2002 verkaufte die Familie des Klinikumsgründers Unternehmensanteile für 260 Millionen Euro an die Bayerische Hypo- und Vereinsbank.[25][26]

Guttenberg übertrug sein Vermögen und seinen Grundbesitz, inklusive Familienschloss samt Inventar und Forstbetrieben im Landkreis Kulmbach, einer privatnützigen österreichischen Privatstiftung mit Sitz in Radmer.[27] Philipp Franz zu Guttenberg, der jüngere Sohn, hat nach der Aufteilung des Erbes das Schloss und das Familienunternehmen übernommen. Die Freiherrlich von und zu Guttenberg’sche Familienstiftung wurde am 31. Oktober 2008 im österreichischen Kurort Semmering angemeldet.[28]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian Wildhagen: Plötzlich kennt man ihn als Vater. FAZ.net vom 27. April 2010.
  2. Eckart Lohse, Markus Wehner: Guttenberg. Biographie. Droemer, München 2011, ISBN 978-3-426-27554-2, S. 107.
  3. Biographie auf ihrer Homepage
  4. sueddeutsche.de: Traueranzeige
  5. Die Chorgemeinschaft Neubeuern. Website des Ensembles
  6. Orchester der KlangVerwaltung: Dirigent
  7. Herrenchiemsee Festspiele: Idee und Ort herrenchiemsee-festspiele.de
  8. Herrenchiemsee Festspiele: Intendant Enoch zu Guttenberg herrenchiemsee-festspiele.de
  9. Hofer Symphoniker: Das Orchester. In: hofer-symphoniker.de, abgerufen am 25. Juni 2018.
  10. Hofer Symphoniker: Ehrendirigent Enoch zu Guttenberg. In: hofer-symphoniker.de, abgerufen am 25. Juni 2018.
  11. Enoch zu Guttenberg: Ich trete aus dem BUND aus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 13. Mai 2012, abgerufen am 19. Juni 2013.
  12. Enoch zu Guttenberg: Stählerne Monster. In: Georg Etscheit (Hrsg.): Geopferte Landschaften. Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. München 2016, S. 27, 29.
  13. Enoch zu Guttenberg: Stählerne Monster. In: Georg Etscheit (Hrsg.): Geopferte Landschaften. Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. München 2016, S. 30.
  14. Enoch zu Guttenberg: Stählerne Monster. In: Georg Etscheit (Hrsg.): Geopferte Landschaften. Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. München 2016, S. 40.
  15. Enoch zu Guttenberg: Stählerne Monster. In: Georg Etscheit (Hrsg.): Geopferte Landschaften. Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. München 2016, S. 38 f.
  16. Stiftung für Ökologie und Demokratie: Kuratorium
  17. Olaf Przybilla: Neuer CSU-Generalsekretär – Freiherr und Freigeist. In: Süddeutsche Zeitung. 30. Oktober 2008, abgerufen am 21. Oktober 2015.
  18. Georg Etscheit: Familie zu Guttenberg: Was Joseph Haydn mit der Klimaerwärmung zu tun hat. In: Zeit online. 19. März 2009, abgerufen am 21. Oktober 2015.
  19. Melitta Burger: Begnadeter Künstler und guter Freund. In: Neuen Presse Coburg. 15. Juni 2018, abgerufen am 15. Juni 2018 (mit Audioversion).
  20. Musiker geben Echos zurück. „Neue Stufe der Verrohung erreicht“. In: faz.net, aktualisiert am 17. April 2018, abgerufen am 25. Juni 2018.
  21. Echo-Preisträger schaffen Platz im Regal. In: Nordbayerischer Kurier. 18. April 2018, S. 3.
  22. Enoch zu Guttenberg und Hubert Weinzierl als Ehrenpräsidenten designiert. aufgerufen am 15. November 2016.
  23. Weingut Reichsrat von Buhl: Historie. In: von-buhl.de. Abgerufen am 21. Oktober 2015.
  24. Die 500 reichsten Deutschen. In: Manager Magazin Spezial. Nr. 11a, 2010, S. 61.
  25. Anna Trömel: Guttenberg-Familie gibt ihre Anteile vollständig ab. Hypovereinsbank engagiert sich bei Rhön Klinikum. In: Handelsblatt. 13. März 2002, abgerufen am 21. Oktober 2015.
  26. Aktientipp – Rhön-Klinikum: 20 Rekorde in Serie. In: Wirtschaftswoche. 24. Februar 2009, abgerufen am 21. Oktober 2015.
  27. Familie des Wirtschaftsministers: Guttenbergs übergeben Schloss an Stiftung. In: Spiegel online. 14. Oktober 2009, abgerufen am 21. Oktober 2015.
  28. Uwe Ritzer: Familie Guttenberg geht stiften. In: Süddeutsche Zeitung. 4. Oktober 2009, abgerufen am 21. Oktober 2015.