Ensinger (Unternehmen)

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Ensinger GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1966
Sitz Nufringen, Baden-Württemberg
Leitung Klaus Ensinger (Geschäftsführer)

Roland Reber (Geschäftsführer)

Mitarbeiter 2.068 (2011/12)[1]
Umsatz 350,2 Mio. Euro (2011/12)[1]
Branche Kunststoffe
Produkte Kunststoff-Halbzeuge, Fertigteile, Profile, CompoundsVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.ensinger-online.com

Die Ensinger GmbH verarbeitet technische Kunststoffe zu Halbzeugen, Fertigteilen, Profilen und Compounds. Hauptsitz des international tätigen Familienunternehmens ist Nufringen, Baden-Württemberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1966 durch Wilfried Ensinger gegründet. Die Herstellung und der Vertrieb von thermoplastischen Kunststoff-Halbzeugen gehörte zu den ersten Arbeitsschwerpunkten. Eng damit verbunden ist die Weiterentwicklung des Extrusionsverfahrens und der Anwendungstechnik. Mit der Verlagerung des Firmensitzes nach Nufringen erweiterte das Unternehmen seine Fertigungskapazitäten. Wenig später begann die Fertigung von Komponenten durch Zerspanung von Halbzeugen. Ende 1977 konnte Ensinger die ersten serienmäßig aus glasfaserverstärktem Polyamid 6.6 hergestellten Wärmedämmstege an Hersteller von Aluminiumfenstern ausliefern. Ein 1980 errichtetes zweites Fertigungswerk in Cham (Oberpfalz) ermöglichte die Serienfertigung von Isolierprofilen und anderen Produktlinien.[2] 1985 kam mit der Spritzguss-Sparte ein weiteres Standbein hinzu.

Die heute größte Tochtergesellschaft der Unternehmensgruppe entstand 1986 in Washington, Pennsylvania. In den Folgejahren baute Ensinger zahlreiche weitere Auslandsniederlassungen in Europa, Südamerika und Asien auf.

1997 erfolgte die Übergabe der Geschäftsführung an die zweite Generation. 2002 startete der Vertrieb in China, seit 2007 ist das Unternehmen auch mit einer eigenen Produktion in dem Land vertreten. Mit dem Spritzgusswerk in Rottenburg-Ergenzingen entstand 2009 ein dritter Fertigungsstandort in Deutschland.[3]

Geschäftsfelder[Bearbeiten]

Eingesetzt werden die von Ensinger hergestellten Kunststoffprodukte in den unterschiedlichsten Industriebranchen, darunter im Maschinenbau, in der Automobil- und Luftfahrtindustrie und in der Medizintechnik. Auch in der Lebensmittelindustrie und in der Elektro- und Halbleitertechnik sind die technischen Lösungen auf Basis thermoplastischer Polymere sehr verbreitet. In vielen Fällen ersetzen Hochleistungskunststoffe dabei andere Materialien wie Metalle oder Keramiken. Häufig sind sie aber auch die einzige Alternative bei der Realisierung neuer technischer Anwendungen.

Das Spektrum der verarbeiteten Polymere reicht von Konstruktionskunststoffen (wie PA, PET und POM) bis hin zur Klasse der besonders temperaturbeständigen Hochleistungskunststoffe (PEEK, PPS, PSU, PI u.a.).

Ensinger bedient sich einer Vielzahl von Herstellungsverfahren, v.a. Extrusion, mechanische Bearbeitung und Spritzgießen.

Bei Ensinger bildet die Spartenorganisation die Produktlinien ab. Die Unternehmensgruppe gliedert sich in die folgenden Geschäftsbereiche:

Compounds[Bearbeiten]

Bei der Compoundierung werden Kunststoff-Rohstoffe aufgeschmolzen, mit Füll- oder Zuschlagstoffen zu dünnen Strängen extrudiert und zu Granulaten geschnitten. Durch diesen Veredelungsprozess lassen sich die Eigenschaften der Kunststoffe anwendungsspezifisch anpassen. Beispiele für modifizierte Kunststoffe von Ensinger sind Produkte mit verbesserten Gleit-Reib-Werten oder Werkstoffe mit definierten elektrischen Eigenschaften.

Halbzeuge[Bearbeiten]

Halbzeuge sind die gängigste Lieferform für Kunststoffwerkstoffe und stellen für Ensinger traditionell das Kerngeschäft dar. In zahlreichen Industriebranchen, etwa im Maschinenbau, kommen extrudierte Platten, Rundstäbe und Hohlstäbe zum Einsatz, wenn kleine Stückzahlen technischer Teile angefertigt werden (z.B. Lager, Buchsen, Hebel oder Zahnräder). Die Bearbeitungsschritte können von einem einfachen Halbzeug-Zuschnitt über Schleifen oder Hobeln bis hin zu einer präzisen zerpanungstechnischen Bearbeitung nach Zeichnungsvorgabe reichen.

Die von Ensinger v.a. verarbeiteten Konstruktions- und Hochleistungskunststoffe bilden den Schwerpunkt im Halbzeug-Portfolio.

Spritzguss-Fertigteile[Bearbeiten]

Das Spritzgussverfahren ermöglicht eine effiziente Serienproduktion von technischen Teilen und Baugruppen aus Hochleistungskunststoffen. Für die Automobilindustrie produziert Ensinger u. a. Anlaufscheiben, Kolbenringe und Kugelschalen. Außerdem werden Maschinenelemente wie Lager, Buchsen, Hebel, Zahnräder oder Führungen hergestellt. Die verschleißarmen Werkstoffe sind temperatur-, kraftstoff- und ölbeständig. Zu den weiteren Einsatzbereichen für spritzgegossene Präzisionsteile gehören die Medizingerätetechnik und die Luft- und Raumfahrtindustrie.

Polyamid-Guss (Halbzeuge und Fertigteile)[Bearbeiten]

Der drucklose Formguss ist eine Verfahrenstechnik für die Produktion von Polyamid-Halbzeugen und -Fertigteilen. Zum Einsatz kommen die großvolumigen Gussteile vor allem im Schwerlastbereich (Abstützteller, Pufferplatten, Gleitelemente) und in Transportsystemen (Seilrollen für Kräne und Förderanlagen, Umlenkrollen für Aufzüge).

Zerspante Fertigteile[Bearbeiten]

Durch Fräsen, Drehen, Bohren und andere mechanische Verfahren werden Fertigteile aus Halbzeugen oder Spritzgussteilen hergestellt. Die spanabhebende Bearbeitung von Konstruktions- und Hochtemperaturkunststoffen wird vor allem für die Anfertigung von Kleinserien technischer Bauteile genutzt, aber auch für Prototypen. Produktbeispiele: Ventilkolben, Transmissionshebel, Zahnräder, Isolierkörper, IC-Testsockel, Dialyseblöcke oder Probeimplantate.

Industrieprofile und Rohre[Bearbeiten]

In der Industrie eingesetzte Profile und Spezialrohre aus thermoplastischen Kunststoffen unterliegen hohen mechanischen, thermischen oder chemischen Beanspruchungen. Deshalb werden die Produkte häufig mit Kohle- oder Aramidfaser verstärkt oder mit reibmindernden Zusätzen versehen. In der Coextrusion können Verstärkungsstoffe wie Metalle eingearbeitet, Kunststoffe mit verschiedenen Eigenschaften im Ummantelungsverfahren verbunden oder Hart-Weichverbindungen gefertigt werden (z.B. für Dichtlippen).

Wärmedämmprofile[Bearbeiten]

Die von Ensinger für den Fenster-, Türen- und Fassadenbau entwickelten Wärmedämmprofile erzeugen eine thermische Trennung der Innen- und Außenschalen von Metallrahmen. Sie sollen durch Isolierung die Energiekosten senken.

Scheibenabstandhalter für Isolierglas[Bearbeiten]

Scheibenabstandhalter aus isolierendem Kunststoff entkoppeln die Wärmebrücke am Übergang vom Glas zum Rahmen, sie sollen den für die Klimatisierung von Räumen notwendigen Energieaufwand reduzieren.

Weitere Produktlinien[Bearbeiten]

Über eine außergewöhnliche Langzeitbeständigkeit und Festigkeit verfügen formgepresste Polyimid-Werkstoffe. Der Temperaturanwendungsbereich dieser Hochleistungskunststoffe reicht von −270 °C bis 300 °C. Für extreme thermische Belastungen bietet Ensinger neue Materialtypen mit einer Wärmeformbeständigkeitstemperatur von bis zu 470 °C an [4] (nach HDT/A).

Standorte[Bearbeiten]

Mit insgesamt 2.100 Mitarbeitern an 27 Standorten ist die Unternehmensgruppe in allen wichtigen Industrieregionen weltweit mit Fertigungsstätten oder Vertriebsniederlassungen vertreten.

Fertigungsstandorte in Deutschland[Bearbeiten]

  • Nufringen
  • Cham
  • Rottenburg-Ergenzingen

Fertigungsstandorte im Ausland[Bearbeiten]

  • Lenzing, Österreich
  • Linz, Österreich
  • Beynost, Frankreich
  • Olcella di Busto Garolfo, Italien
  • Tonyrefail, Wales, Großbritannien
  • Bridgwater, Großbritannien
  • Glasgow, Großbritannien
  • Washington, Pennsylvania, USA
  • Grenloch, New Jersey, USA
  • Greenwood, Delaware, USA
  • Putnam, Connecticut, USA
  • Houston, Texas, USA
  • Sao Leopoldo, Rio Grande do Sul, Brasilien
  • Song Jiang, Shanghai, China

Daneben besitzt das Unternehmen Vertriebsniederlassungen in Dänemark, Polen, Schweden, Spanien, Tschechien, Slowakei, Japan, Singapur, Vietnam und Indien.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bundesanzeiger: Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. April 2011 bis zum 31. März 2012
  2. „Hochleistungskunststoffe für jede Anwendung - Das Chamer Werk der Ensinger GmbH“ In: "Wirtschaft konkret (IHK Regensburg)“, Ausg. 3/2008, S. 28-32
  3. "Fabrik mit Durchblick" In „Plastverarbeiter“, Oktober 2009, S. 20-24
  4. "Polyimid Tecasint 4000 – Wärmeformbeständigkeit bis zu 470 °C" „plastverarbeiter.de“, 22. November 2012

48.627868.89457Koordinaten: 48° 37′ 40″ N, 8° 53′ 40″ O