Enstatit

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Enstatit
Enstatite - Kilosa District, Morogoro Region, Tanzania.jpg
Enstatit-Kristall aus Tansania
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
  • Amblystegit
  • Chladnit
  • Ficinit
  • Orthoenstatit
  • Paulit
  • Peckhamit
  • Protobastit
  • Shepardit
  • Victorit
Chemische Formel Mg2[Si2O6]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Kettensilikate und Bandsilikate; Gruppe Orthopyroxene
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.DA.05 (8. Auflage: VIII/F.02)
65.01.02.01
Ähnliche Minerale Hypersthen
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m 2/m 2/m
Raumgruppe (Nr.) Pbca (Nr. 61) (Nr. 61)
Gitterparameter a = 18,24 Å; b = 8,82 Å; c = 5,18 Å Bitte Quelle als Einzelnachweis ergänzen!
Formeleinheiten Z = 8 Bitte Quelle als Einzelnachweis ergänzen!
Häufige Kristallflächen {010}, {210}, {311}, {111}
Zwillingsbildung einfach oder lamellar nach {100}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5 bis 6
Dichte (g/cm3) 3,20 bis 3,25
Spaltbarkeit gut nach {210}
Bruch; Tenazität uneben
Farbe farblos, grau, weiß, grünlich, bräunlich, mitunter dunkelgrün
Strichfarbe weiß
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,650 bis 1,668[1]
nβ = 1,652 bis 1,673[1]
nγ = 1,659 bis 1,679[1]
Doppelbrechung δ = 0,009 bis 0,011[1]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten vor dem Lötrohr fast unschmelzbar, in Säuren unlöslich

Das Mineral Enstatit ist ein häufig vorkommendes Kettensilikat aus der Gruppe der Pyroxene mit der idealisierten Zusammensetzung Mg2[Si2O6]. Er bildet eine Mischreihe mit Ferrosilit (Fe2+2[Si2O6]). Innerhalb dieser Reihe werden alle Zusammensetzungen mit mehr als 1 Mg und weniger als 0,1 Ca pro Formeleinheit als Enstatit bezeichnet, alle weiteren allgemein als Hypersthen.

Enstatit ist farblos oder blass gelb, grün, oliv oder braun gefärbt, transparent bis undurchsichtig mit Glasglanz auf Kristallflächen und Perlglanz auf Spaltflächen. Die Kristalle sind von prismatischen bis faserigen Habitus, oft lamellar verzwillingt nach {100} und können bis zu 50 cm lang werden. Er zeigt eine gute Spaltbarkeit parallel zu den Prismenflächen {210}, wobei sich die Spaltflächen im Winkel von 88° schneiden. Dies unterscheidet ihn von ähnlichen Amphibolen deren Spaltflächen sich im Winkel von ca. 120° schneiden.

Enstatit ist ein verbreitetes gesteinsbildendes Mineral des Erdmantels (Peridotite), der unteren Erdkruste (Granulit), basischer Magmatite (Gabbro, Pyroxenit) sowie granulitfazieller Metabasite (Granulite), Metapelite und metamorpher Kalksilikatgesteine. Darüber hinaus ist es ein Bestandteil von Enstatit-Chondriten und Aubriten, seltenen Klassen von Steinmeteoriten. Auch auf der Oberfläche einiger Asteroiden, wie (44) Nysa, (64) Angelina und (216) Kleopatra wurde dieses harte Mineral nachgewiesen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name stammt aus dem griechischen (enstates = Gegner, Widersacher) und bezieht sich darauf, dass Enstatit fast unschmelzbar ist.

Weitere veraltete Bezeichnungen wurden für teilweise oder vollständig in andere Minerale umgewandelten Enstatit verwendet:

  • Agalit: Vermutlich teilweise in Talk umgewandelter Enstatit
  • Bastit, Schillerspat: In Serpentin, Talk und eventuell Anthophyllit umgewandelter Enstatit
  • Diaclasit, Germarit, Phastin: Umgewandelter Enstatit
  • Szaboit: Teilweise umgewandelter Enstatit

Erstmals beschrieben und benannt wurde das Mineral 1855 von Gustav Adolf Kenngott. Als Typlokalität gilt der Berg Zdar bei Ruda nad Moravou (deutsch Eisenberg an der March) in Tschechien, da das Material zur chemischen Analyse von dort stammte.[2]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Enstatit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Donpeacorit, Ferrosilit und Nchwaningit die eigenständige Untergruppe der „Orthopyroxene“ innerhalb der Pyroxengruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Enstatit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach dem Aufbau der Silikatketten sowie der Zugehörigkeit zu größeren Mineralfamilien, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seines Aufbaus in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; Pyroxen-Familie“ zu finden ist, wo es als Namensgeber die „Orthopyroxene – Enstatitgruppe“ mit der System-Nr. 9.DA.05 und den weiteren Mitgliedern Akimotoit, Donpeacorit und Ferrosilit bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Enstatit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Kettensilikatminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Ferrosilit und Donpeacorit in der Gruppe der „Orthopyroxene“ mit der System-Nr. 65.01.02 innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enstatit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pbca (Raumgruppen-Nr. 61) mit den Gitterparametern a = 18,24 Å; b = 8,82 Å; c = 5,18 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Varietäten und Modifikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bronzit

Die Verbindung Mg2[Si2O6] ist dimorph,kommt also neben dem orthorhombischen Enstatit noch als monoklin kristallisierender Klinoenstatit vor.[3]

Bekannte Varietäten sind:

  • Bronzit hat durch seine Eisen-Beimengungen eine typische Bronzefärbung.
  • Lime-Bronzit ist eine Calcium-haltige Varietät
  • Vanadium-Bronzit enthält Beimengungen von Vanadium

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enstatit bildet sich in ultrabasischen Magmagesteinen wie Gabbros und Peridotiten. Durch Metamorphose kann es sich in Marmor bilden. Begleitminerale sind unter anderem Diopsid, Klinopyroxen, Olivin, Phlogopit, Pyrop und Spinell.

Insgesamt konnte Enstatit bisher (Stand: 2011) an rund 580 Fundorten nachgewiesen werden. Neben seiner Typlokalität Eisenberg an der March wurde Enstatit noch an mehreren Orten in Böhmen und Mähren gefunden.

In Deutschland fand sich das Mineral bei St. Blasien und Todtmoos in Baden-Württemberg; in Schwaben, Franken und der Oberpfalz in Bayern; bei Bad Harzburg in Niedersachsen; Niederbachem in Nordrhein-Westfalen; an vielen Orten der Eifel in Rheinland-Pfalz sowie bei Chemnitz und im Erzgebirge in Sachsen.

In Österreich konnte Enstatit unter anderem am Pauliberg im Burgenland, in der tiroler Gemeinde Wildschönau sowie an mehreren Orten in Kärnten, Niederösterreich, Salzburg und der Steiermark gefunden werden.

In der Schweiz trat das Mineral bisher bei Utzenstorf (Bern), Tafers (Freiburg), Châtillens (Waadt), Saas-Almagell (Wallis) sowie an mehreren Orten der Kantone Graubünden und Tessin auf.

Weitere Fundorte sind Algerien, die Antarktis, Argentinien, Aserbaidschan, Australien, Botswana, Brasilien, Chile, China, Finnland, Frankreich, Ghana, Griechenland, Grönland, Indien, Israel, Italien, Japan, Jemen, Kanada, Kasachstan, Lesotho, Libyen, Madagaskar, Mexiko, Mongolei, Myanmar, Namibia, Neukaledonien, Neuseeland, Nigeria, Norwegen, Oman, Pakistan, Papua-Neuguinea, Peru, Polen, Portugal, Republik Kongo, Rumänien, Russland, in der westlichen Sahara, auf den Salomonen, Schweden, Simbabwe, Slowakei, Spanien, Sudan, Südafrika, Tadschikistan, Tansania, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[4]

Auch in Gesteinsproben vom Mittelatlantischen Rücken und Ostpazifischen Rücken sowie außerhalb der Erde auf dem Mond (Landeplatz der Apollo 15-Mission) und im Schweifmaterial des Kometen Wild 2 wurde Enstatit gefunden.[4]

Fundstellen für die Varietät Bronzit sind unter anderem verschiedene Meteoriten bei Massing (Bayern), Breitscheid (Hessen), Ibbenbüren und Peckelsheim (NRW) sowie der Ölberg bei Hundsangen (Rheinland-Pfalz) und Freiberg (Sachsen) in Deutschland; der Totenkopf (Salzburg) und der Hohenwartberg im Dunkelsteinerwald (Niederösterreich) sowie Kraubath an der Mur (Steiermark) in Österreich und in verschiedenen Meteoriten bei Utzenstorf (Bern), Langwies (Graubünden) und Châtillens (Waadt) in der Schweiz.[5]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durchsichtige grüne Kristalle werden zu Schmucksteinen verarbeitet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 232.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Enstatite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Mindat - Enstatit
  2. Adolf Kenngott: Über den Enstatit, eine neue Species in dem Geschlechte der Augit-Spathe. In Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Band XVI, Wien 15. März 1855, S. 162); online verfügbar als über rruff.info (PDF 1,5 MB; S. 12)
  3. Enstatite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 76 kB)
  4. a b Fundorte für Enstatit beim Mineralienatlas und bei Mindat
  5. Fundorte für Bronzit bei Mindat