Enter (Museum)

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Enter
Logo
Daten
Ort Solothurn
Art
Technikgeschichte
Eröffnung 2011
Besucheranzahl (jährlich) 9.000 (2019)
Betreiber
Stiftung ENTER
Leitung
Violetta Vitacca
Website
Museumseingang, davor Grossprojektor Spitlight
Teil der Rundfunkausstellung
Teil der Telefonausstellung

Das Enter (Eigenschreibweise: ENTER) ist ein Museum für Computer und Unterhaltungselektronik in Solothurn, Schweiz. Es stellt neben Computern ab 1950 auch mechanische und elektronische Rechenmaschinen, Exponate aus der Radio- und Fernsehtechnik, Tonaufnahme- und Wiedergabegeräte zwischen 1860 und 1990 sowie Telekommunikationsgeräte aus. Das Museum bezeichnet die Anzahl noch funktionierender Computersysteme als «vermutlich weltweit einzigartig».[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum geht auf die Sammlung des Unternehmers Felix Kunz zurück, der über 30 Jahre Computer sammelte.[2] Zunächst bewahrte er die Objekte in den eigenen vier Wänden auf, später in seinem Unternehmen Digital-Logic AG auf 200 m².[3] Als auch dort der Platz zu klein wurde, präsentierte man ab 2003 einen Teil der 5.000 Objekte in der ausgebauten Scheune Lischerhof mit 600 m² um.[4][3] Damals lag der Sammlungsschwerpunkt bei Computern.[3] 2010 gründete Kunz zusammen mit Monique und Peter Regenass die Stiftung ENTER. Der Sammler Regenass steuerte rund 300 mechanische Rechenmaschinen zur Sammlung bei.[5] Dank des Fördervereins Enter und gespendeter Sammlungen konnte das Ausstellungsspektrum erweitert werden. Radio-, Fernseh- und Studiotechnik kamen hinzu.[3] 2011 wurden 1.800 m² große Räumlichkeiten eines ehemaligen Getränkedepots am Bahnhof Solothurn zum Museum umgebaut. Die Eröffnung fand am 2. Dezember 2011 statt.[6] Im Jahr 2023 soll das Museum am neuen Standort in Derendingen eröffnet werden.

Das Museum wird heute von der Stiftung ENTER getragen und von privaten Stiftern und Sponsoren, u. a. über einen Förderverein, finanziert.[7] Die Stiftung hat sich auf die Fahnen geschrieben, «die Anwendung und Verbreitung von Informations-, Multimedia-, Unterhaltungs-, Kommunikations- und anderen Technologien, deren Geschichte, Nutzen und Potentiale der Allgemeinheit zu vermitteln».[6]

Relevanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum präsentiert eine Sammlung über Industrie- und Technik-Geschichte von nationaler und europäischer Bedeutung, die qualitativ laufend weiterentwickelt wird.[8] Es ist europaweit eine der grössten und vielfältigsten Sammlungen dieser Art.[9] Durch das Erhalten der Funktionsfähigkeit von Datenträgern und Lesegeräten aller Generationen wird ein Stück Kulturgeschichte bewahrt,[8] nicht zuletzt durch die Digitalisierung von alten, analogen Datenträgern für jedermann.[10]

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum zeigt rund 10.000 Ausstellungsstücke aus der Radio-, Fernseh- und Computergeschichte, aus den Anfangsjahren bis zur Gegenwart.[11]

„Was wir hier sehen, sind im Grunde alles Vorgänger der Apps, die wir heute auf dem Smartphone haben.“

Violetta Vitacca, Museumsleiterin: Transhelvetica[9]

Viele der Exponate wurden in der Region Solothurn entwickelt und produziert, z. B. von Autophon oder Anton Gunzinger.[12] Zum Ende jeder Technikära, landen alte Geräte auf dem Müll – oder bei Sammlern.[13] Die Gegenstände stammen grösstenteils aus den Sammlungen der Stiftungsgründer oder von Privatpersonen.[12] Beispielsweise konnten 2013 vierzig Objekte des Sammlers Robert Weis in das Museum integriert werden, mithilfe der Stiftung Enter und Swiss Computer Graphic Association. Historische Halbleiter zählen zu den wichtigen Exponaten.[13]

Fotos von 4.400 Exponaten sind bereits über die Internetseite des Museums abrufbar (Stand 2021).[14] Die Philosophie des Museums lädt den Besucher ein, fast alle Stücke anzufassen.[15]

Die Sammlung umfasst die Solothurner Industriegeschichte, Schweizer Technikhighlights und internationale Raritäten. Im Museum wird besonderer Wert darauf gelegt, dass die Geräte funktionstüchtig sind, was das Museum von anderen Technikmuseen unterscheidet.[2]

Ausgewählte Exponate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der funktionsfähige Champs de l’Air
Der funktionsfähige Apple I
  • Champs de l’Air
    Die erste Schweizer Radiosendestation Flugplatzsender Lausanne stammt von 1922. Diese Sendeanlage am Champ de l’Air in Lausanne begann am 26. Februar 1923 mit dem Ausstrahlen eines täglichen Rundfunkprogramms.[16] Der erste Radiosender der Schweiz ist funktionsfähig.[12]
  • Apple I
    Im Museum werden alle Apple-Modelle gezeigt, die je produziert wurden. Fast alle Exponate sind noch betriebsfähig, darunter auch einer von weltweit noch «acht oder neun» (Museumsgründer Kunz) funktionierenden Apple I. Vom Apple I wurden nur 200 Stück produziert, die ersten Modelle noch in der Garage von Steve Jobs’ Eltern, mit einem Gehäuse aus Holz. Kunz hat sein Exemplar in den 1990ern für 10 US$ auf einem Flohmarkt gekauft. Des Weiteren sind zum Beispiel die seltene Sonderserie Twentieth Anniversary Macintosh oder der erste iPod zu sehen.[7]
  • Frühe Heimcomputer wie der Mark-8 Minicomputer und der Commodore PET 2001
  • Grossrechner wie ein IBM System/370 von 1970 oder ein Sperry UNIVAC Modell 90/30 von 1972
  • Erster elektronischer Tischrechner: Anita, 1961
  • Smaky Computer, von Jean-Daniel Nicoud, EPFL, 1977–83
  • Mobil/ Auto-Telefon Natel A von 1978
    Ein weiteres Ausstellungsstück ist ein Autotelefon im Aktenkoffer von 1978. Das 15 Kilogramm schwere mobile Telefon kostete ca. 20.000 DM. Die maximale Gesprächszeit pro Monat betrug drei Minuten, damit auch andere aufs Netz konnten.[17] Ein Mitbegründer des Museums Kunz montierte als Lehrling bei Autophon Teile dieses Modells.[18]
  • Erster Videoprojektor Eidophor, ETH Zürich, Ing. Fritz Fischer, 1939–75
  • Erster Röhrenfernseher, Marconi, 1934
  • Spitlight, Outdoor-Projektor, 1955/56
    Der 170 PS starke Lastzug, der den Projektor trägt, wurde vom Museum zur Straßentauglichkeit restauriert. Dabei wurde Wert drauf gelegt, die alte Technik zu erhalten.[9] Finanziert wurde das Unterfangen unter anderem durch Crowdfunding.[19] Der Spitlight hat mittels der Gobo-Technik auf Wolken oder Berge projiziert.[20]

Neubau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Solothurn und die Bahnen haben Bedarf am jetzigen Grundstück des Museums gemeldet. Daher fiel im Herbst 2020 die Entscheidung, das Museum zu verlegen. Die Wahl fiel auf ein teilweise bebautes Gewerbegrundstück in Derendingen mit 9.400 m² und einer angrenzenden Baulandreserve von 3.800 m². Die Finanzierung wird mithilfe der Ernst Göhner Stiftung und der Hasler Stiftung gestemmt.[14] Als Museumsgestalter fiel die Wahl auf die Steiner Sarnen Schweiz AG.[21] Das Grundstück wurde am 1. Januar 2021 übernommen.[21] Die Eröffnung ist für 2023 geplant. Ziel der neuen Einrichtung ist Erhaltung und Vermittlung des materiellen und immateriellen Kulturgütererbes. Der Fokus ist regional, die Perspektive global.[22]

Die großes Grundfläche bietet Möglichkeiten, sich räumlich zu entwickeln. Museumslager und Werkstätten werden am selben Ort untergebracht werden können.[23] Die Lagerräume wurden bereits nach Derendingen überführt.[14] Zwischen dem Bahnhof und dem neuen Museum soll ein Shuttleservice eingerichtet werden, mit einem selbstfahrenden Bus oder Oldtimer.[23]

Das bestehende Lagergebäude soll erhalten bleiben, daneben entsteht ein futuristischer[15] Neubau aus Glas und Metall. Er beinhaltet eine Ausstellungsfläche von 3.200 m².[24] Dort werden unter anderem begehbare Dioramen, ausgestattet mit zeitlich passenden Geräten, durch die Jahrzehnte führen.[8] Insgesamt wird die Fläche über 5.000 m² betragen, denn sowohl Lager und Werkstatt werden zu besichtigen sein. Eine Akademie soll auf 520 m² Verständnis, technisches Handwerk und Grundlagenwissen für Technik fördern.[22]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Enter (Museum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Was ist die Tätigkeit des Enter. Museum Enter. Abgerufen am 18. Dezember 2011.
  2. a b Solothurn: Feldschlösschen-Depot wird zum Computermuseum. In: ICT Kommunikation. 8. Dezember 2011, abgerufen am 2. Juli 2021.
  3. a b c d Felix Kunz, Violetta Vitacca: Konzept Enter Derendingen. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn Dezember 2020, S. 44.
  4. Wolfgang Wagmann: Aus Bierdepot wird Computer-Museum. In: Solothurner Zeitung. 8. April 2010. Abgerufen am 18. Dezember 2011.
  5. Andreas Kaufmann: Jetzt kann man in Solothurn bestaunen, was gestern Zukunft war. In: Solothurner Zeitung. 3. Dezember 2011. Abgerufen am 18. Dezember 2011.
  6. a b Felix Kunz, Violetta Vitacca: Stiftung Enter Jahresbericht 2020. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn Juni 2021, S. 19.
  7. a b «Apple 1» – Rarität erhält in Solothurn einen Ehrenplatz. In: srf.ch. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 21. Mai 2016, abgerufen am 2. Juli 2021.
  8. a b c Felix Kunz, Violetta Vitacca: Konzept Enter Derendingen. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn Dezember 2020, S. 28.
  9. a b c Gülpinar Günes: Beam mich hoch,Scotty! In: CH Regionalmedien AG (Hrsg.): Solothurner Zeitung. Solothurn 11. Juni 2020, S. 17 (enter.ch [PDF]).
  10. Felix Wirth: Museumsguide. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn 9. Juni 2021.
  11. Andreas Kaufmann: Im Enter-Museum vereinen sich 100 Jahre Radiotechnologie. In: solothurnerzeitung.ch. Solothurner Zeitung, 7. November 2013, abgerufen am 2. Juli 2021.
  12. a b c Lara Frey: Museum Enter entführt auf eine Reise durch die Geschichte der Elektronik. In: solothurnerzeitung.ch. Solothurner Zeitung, 12. August 2019, abgerufen am 2. Juli 2021.
  13. a b Museum «Enter» – Im Solothurner Computer-Museum stehen neue Sammlerstücke. In: solothurnerzeitung.ch. Solothurner Zeitung, CH Regionalmedien AG, 6. Juni 2013, abgerufen am 2. Juli 2021.
  14. a b c Felix Kunz, Violetta Vitacca: Stiftung Enter Jahresbericht 2020. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn Juni 2021, S. 8.
  15. a b Felix Wirth: Museumsguide. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn 9. Juni 2021, S. 2.
  16. Felix Wirth: Museumsguide. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn 9. Juni 2021, S. 25.
  17. Felix Wirth: Museumsguide. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn 9. Juni 2021, S. 60.
  18. 40 Jahre Natel – Die Schweizer Mobiltelefonie beginnt in Solothurn. In: srf.ch. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 11. Oktober 2018, abgerufen am 2. Juli 2021.
  19. Felix Kunz, Violetta Vitacca: Stiftung Enter Jahresbericht 2020. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn Juni 2021, S. 20.
  20. Das Androli-Spitlight - der erste Wolkenprojektor. Abgerufen am 18. Juli 2021 (deutsch).
  21. a b Felix Kunz, Violetta Vitacca: Stiftung Enter Jahresbericht 2020. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn Juni 2021, S. 7.
  22. a b Felix Kunz, Violetta Vitacca: Konzept Enter Derendingen. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn Dezember 2020, S. 4.
  23. a b Felix Kunz, Violetta Vitacca: Stiftung Enter Jahresbericht 2020. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn Juni 2021, S. 12.
  24. Felix Kunz, Violetta Vitacca: Konzept Enter Derendingen. Hrsg.: Enter.ch Das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik. Solothurn Dezember 2020, S. 6.


Koordinaten: 47° 12′ 11,9″ N, 7° 32′ 30″ O; CH1903: 607808 / 228044