Enteroaggregative Escherichia coli

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Enteroaggregative Escherichia coli (EAggEC oder EAEC) sind bestimmte pathogene (krankheitsauslösende) Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli (E. coli). Sie bilden zusammen mit den diffus adhärenten E. coli (DAEC) die Gruppe der Adhärenten E. coli.

Sie wurden 1985 erstmals als Auslöser von Durchfall beschrieben. EAEC kann Reisediarrhoe oder chronischen Durchfall bei Kindern in Entwicklungsländern auslösen.[1] Auch in Industrieländern kann es Ursache akuter wässriger Durchfälle, vor allem bei immunsuppressiven Patienten, sein oder bei Kindern chronischen Durchfall verursachen.[2] Unklar ist, wie bedeutsam EAEC als Ursache von Durchfallepidemien in Industrieländern ist.[1]

EAEC zeigte sich im Laborversuch resistent gegen viele Antibiotika, jedoch gab es erfolgreiche Therapien bei HIV-Patienten mit EAEC-assoziiertem Durchfall durch Ciprofloxacin.[3] Auch Rifaximin wurde erfolgreich zur Therapie verwendet[4] und es gab in den letzten 10 Jahren keine signifikanten Änderungen der Minimalen Hemm-Konzentration.[5]

Adhärenzmuster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

E. coli zeigen verschiedene Adhärenzmuster. Enteroaggregative E. coli zeigen definitionsgemäß eine aggregative Adhärenz. Diese kommt durch das Aneinanderheften der E. coli untereinander (Autoagglutination) zustande. Das typische Adhärenzmuster an HeP-2-Zellen (Zellkultur menschlicher Epithelzellen), das „stacked-brick“-Muster (gestapelte Mauersteine), gilt als Standardverfahren zur Diagnose von EAEC.[6]

Virulenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für EAEC wurden eine Reihe von Virulenzfaktoren beschrieben, darunter Adhesine, Toxine, Dispersin und Eisenaufnahmesysteme (iron utilization systems). Keiner der Faktoren ist in allen EAEC gleichzeitig präsent und viele finden sich auch in anderen E. coli.[7][8]

Im Zusammenhang mit einer Epidemie, die 2011 von Deutschland ausging, spielten Shiga-like Toxin produzierende Stämme von E. coli mit aggregativen Eigenschaften eine Rolle.[9] Shiga-like-Toxin produzierende Stämme von EAEC waren zu diesem Zeitpunkt bereits vorher beschrieben worden.[10][7]

Klinik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine EAEC-Infektion kann symptomlos verlaufen, sie kann auch eine akute oder chronische Durchfallerkrankung verursachen. Meist wird von wässrigem Durchfall mit oder ohne Blut im Stuhl berichtet. Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und leichtes Fieber gehören zu möglichen Symptomen einer Erkrankung.[11]

Im Darm verursacht EAEC zytotoxische Effekte, zerstört also Gewebezellen. Es existieren zahlreiche verschiedene Variationen klinischer Symptome von EAEC.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Javier A. Adachi, Zhi-Dong Jiang, John J. Mathewson u. a.: Enteroaggregative Escherichia coli as a Major Etiologic Agent in Traveler's Diarrhea in 3 Regions of the World. In: Clinical Infectious Diseases. Band 32, Nr. 12, 2001, S. 706–1709, doi:10.1086/320756.
  2. H.-I. Huppertz, S. Rutkowski, S. Aleksic, H. Karch: Acute and chronic diarrhoea and abdominal colic associated with enteroaggregative Escherichia coli in young children living in western Europe. In: The Lancet. Band 349, Nr. 9066, 1997, S. 1660–1662, doi:10.1016/S0140-6736(96)12485-5.
  3. Christine A. Wanke, Jul Gerrior, Virginia Blais u. a.: Successful Treatment of Diarrheal Disease Associated with Enteroaggregative Escherichia coli in Adults Infected with Human Immunodeficiency Virus. In: The Journal of Infectious Diseases. Band 178, Nr. 5, 1998, S. 1369–1372, doi:10.1086/314443.
  4. Zhi-Dong Jiang, Shi Ke,Ernesto Palazzini: In vitro activity and fecal concentration of rifaximin after oral administration. In: Antimicrobial Agents and Chemotherapy. Band 44, Nr. 8, 2000, S. 2205–2206 (online (PDF; 147 kB)).
  5. Jeannette Ouyang-Latimer, Syed Jafri, Audrey VanTassel u. a.: In Vitro Antimicrobial Susceptibility of Bacterial Enteropathogens Isolated from International Travelers to Mexico, Guatemala, and India from 2006 to 2008. In: Antimicrobial Agents and Chemotherapy. Band 55, Nr. 2, 2011, S. 874–878, doi:10.1128/AAC.00739-10.
  6. „Enteroaggregative Escherichia coli (Memento vom 21. Juli 2012 im Webarchiv archive.is) Website von Wissenschaftlern der University of Bradford, UK und des Haverford College, USA.
  7. a b Jennifer Hwang, Lisa M. Mattei, Laura G. VanArendonk, Philip M. Meneely and Iruka N. Okeke: A Pathoadaptive Deletion in an Enteroaggregative Escherichia coli Outbreak Strain Enhances Virulence in a Caenorhabditis elegans Model, 28 June 2010, doi:10.1128/IAI.00014-10 In: Infection and Immunity. 2010, 78: 4068-4076
  8. B. M. Sobieszczańska: Distribution of genes encoding iron uptake systems among enteroaggregative Escherichia coli strains isolated from adults with irritable bowel syndrome 19. Nov. 2008 doi:10.1111/j.1469-0691.2008.02093.x In: Clinical Microbiology and Infection, 2008, 14: 1083–1086.
  9. BfR: Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) O104:H4: ein erstes bakteriologisches Kurzporträt (pdf)
  10. Pressemitteilung Universitätsklinikum Münster 10. Juni 2011: EHEC-Ausbruchsstamm: Prof. Karch vermutet den Mensch als ein Reservoir
  11. a b P. Kaur, A. Chakraborti, A. Asea: Enteroaggregative Escherichia coli: An Emerging Enteric Food Borne Pathogen. In: Interdisciplinary Perspectives on Infectious Diseases. 2010, doi:10.1155/2010/254159.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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