Entlebuch LU

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LU ist das Kürzel für den Kanton Luzern in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Entlebuchf zu vermeiden.
Entlebuch
Wappen von Entlebuch
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton LuzernKanton Luzern Luzern (LU)
Wahlkreis: Entlebuch
BFS-Nr.: 1002i1f3f4
Postleitzahl: 6160–6163
UN/LOCODE: CH ENT
Koordinaten: 647518 / 204854Koordinaten: 46° 59′ 35″ N, 8° 3′ 48″ O; CH1903: 647518 / 204854
Höhe: 723 m ü. M.
Höhenbereich: 588–1910 m ü. M.[1]
Fläche: 56,90 km²[2]
Einwohner: 3280 (31. Dezember 2019)[3]
Einwohnerdichte: 58 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
7,0 % (31. Dezember 2019)[4]
Website: www.entlebuch.ch
Entlebuch web.jpg

Lage der Gemeinde
BrienzerseeEiseeLungererseeSarnerseeWichelseeMelchseeAlpnacherseeSoppenseeTueteseeKanton BernKanton ObwaldenKanton NidwaldenWahlkreis HochdorfWahlkreis Luzern-LandWahlkreis Luzern-StadtWahlkreis SurseeWahlkreis WillisauDoppleschwandEntlebuch LUEntlebuch LUEscholzmatt-MarbachFlühliHasle LUMarbach LURomoosSchüpfheimWerthensteinWolhusenKarte von Entlebuch
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Entlebuch ist eine politische Gemeinde im Wahlkreis Entlebuch des Kantons Luzern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Südwesten des Kantons Luzern an der Hauptstrasse LuzernBern. Das gesamte Gemeindegebiet ist Hügel- oder Bergland. Das Dorf selber liegt in der Talmulde, welche die Kleine Emme geschaffen hat. An der Stelle, wo die Entlen in diese von rechts her einmündet. Nahe dem höchsten Punkt der Gemeinde, dem Wissgubergrat (1930 m ü. M.), an der Grenze zum Kanton Obwalden, entspringt die Grosse Entlen, die entlang ihres gesamten Bachlaufs die Grenze zur Gemeinde Hasle bildet. Der gesamte hochgelegene Teil der Gemeinde ist stark bewaldet und stellenweise sehr sumpfig. In den unteren Zonen wurde der Wald gerodet, um Platz zu schaffen für die Landwirtschaft. Der Schlierengrat mit dem Bärnerstig (1649 m ü. M.) bildet bis zur Schrotenegg die Kantonsgrenze zwischen Obwalden und Luzern. Diese führt dann in nordwestlicher Richtung hinüber zum Risetestock (1759 m ü. M.) und von dort in nordöstlicher Richtung weiter zum Wängengrat. Westlich des Schlierngrats entspringt der (Entlebucher-) Rotbach. Dieser Bach liegt in einem kleinen Hochtal. Er mündet auf 1158 m ü. M. von rechts in die Grosse Entlen ein. Ein weiterer Zufluss der Grossen Entlen ist der Älleggbach, der südlich des kleinen Weilers Brüederen (1079 m ü. M.; 7,4 km südöstlich des Dorfs) in die Grosse Entlen einmündet. Nur wenig weiter unten, direkt nördlich von Brüederen, mündet von rechts der Eibach in die Grosse Entlen. Am Hang nördlich über dem Lauf der Grossen Entlen liegt der Ortsteil Finsterwald (1060 m ü. M.; 3,5 km südöstlich des Dorfs). Der Fischbach, der westlich des Risetestocks entspringt, bildet bis zu seiner Einmündung in den Rümlig die Grenze zur Gemeinde Werthenstein. Bis zum Gehöft Munistein (wie „Munimatt[e]“ von schweizerdeutsch Muni abgeleiteter Name der Alpweide über dem Rümlig beim Hinterberg. Muni ist als Abkürzung für Munizipalstier synonym mit dem gemeindeeigenen Zuchtstier[6]) bildet dann der Rümlig die Grenze. Zwischen Rümlig und dem weiter westlich liegenden Bramegggrat liegen die Weiler und Gehöfte, welche zusammen den Ortsteil Rengg bilden. Westlich des Brameggrats, bis hin zur Kleinen Emme, liegt der Ortsteil Ebnet (722 m ü. M.; 4 km nordnordöstlich des Dorfs). Ebnet ist ein Strassendorf, das aus den Weilern (von Süd nach Nord) Mülacher, Ebnet und Bleiki besteht. Am rechten Ufer der Grossen Fontannen liegt die Exklave Dieplischwand (808 m ü. M.; 3,8 km südwestlich des Dorfs).

Vom gesamten Gemeindegebiet wird die Hälfte (50,1 %) landwirtschaftlich genutzt. Wald und Gehölz bedecken 42,6 % des Areals und 3,6 % sind Siedlungsfläche.

Entlebuch grenzt an Doppleschwand, Hasle, Malters, Romoos (Exklave Dieplischwand), Schüpfheim, Schwarzenberg, Werthenstein und Wolhusen im Kanton Luzern – sowie an die Gemeinden Alpnach und Sarnen im Kanton Obwalden.

Die Region Entlebuch gehört wegen ihren Hochmoorlandschaften zur UNESCO Biosphäre. Die Region verfügt über markierte Wander- und Velowege. Im Winter wird in Finsterwald eine Langlaufloipe und in Gfellen eine kleine Skipiste angelegt.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1745 bis 1850 verdoppelte sich die Einwohnerzahl. Danach sank sie durch Abwanderung in andere Regionen der Schweiz und Auswanderung nach Übersee bis 1910 trotz hohen Geburtenüberschüssen (1850–1910: −14,9 %). In den folgenden 50 Jahren bis zum Jahr 1960 wuchs sie dann erheblich (1910–1960: +26,4 %). Nach einem Rückschlag in den 1970er und 1980er Jahren folgte nochmals ein Anstieg, der nun aber gebremst ist.

Quelle: Bundesamt für Statistik; 1850 bis 2000 Volkszählungsergebnisse, 2010 ESPOP, seit 2011 STATPOP

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung benutzt als Alltagssprache eine hochalemannische Mundart. Die Sprache des Entlebuchs weist erhebliche Unterschiede gegenüber der Mundart der Region Luzern auf. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 96,67 % Deutsch, 0,74 % Albanisch und 0,59 % Italienisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher war die gesamte Einwohnerschaft Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Unter anderem wegen der Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und aus dem Ausland hat sich dies geändert. Dennoch sind die Leute im Entlebuch auch heute noch strenggläubiger als im Landesdurchschnitt und Kirchenaustritte sind hier ebenfalls weniger häufig. Heute (Stand 2000) sieht die religiöse Landschaft wie folgt aus: Es sind 87,64 % römisch-katholische, 4,40 % evangelisch-reformierte und 0,33 % orthodoxe Christen. Ausserdem gibt es 2,0 % Muslime und 5,9 % Konfessionslose und andere.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2019 zählte die Gemeinde 3'280 Einwohner. Davon waren 3'050 Schweizer Staatsangehörige und 230 (= 7,0 %) Menschen anderer Staatsangehörigkeit. Die grössten Zuwanderergruppen kommen aus Deutschland (47 Menschen), Portugal (21), Italien (17), Polen (12) und dem Kosovo (11).[7][8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild aus 300 m von Walter Mittelholzer (1922)
Pfarrkirche St. Martin in Entlebuch

Auf Grund verschiedener Namen ist auf eine spätalemannische Besiedelung zu schliessen. Papst Innozenz II. bestätigte im Jahre 1139 dem Kloster Trub seinen Besitz in Enndlybuch. Auch andere Klöster besassen Grundbesitz in Entlebuch. Später wurden die Freiherren von Wolhusen die weltlichen Herren. Diese verkauften ihren Besitz an die Habsburger. Die Gemeinde gehörte dann bis 1385 zum Amt Wolhusen. Der Vogt Peter von Thorberg verwaltete um 1350 das Gebiet – er schränkte die Freiheiten der Bauern ein und erhöhte die Abgaben, wodurch er sich bei den Leuten unbeliebt machte. Im Jahr 1385 gingen die Entlebucher daher ein Bündnis mit der Stadt Luzern ein. Sie zahlte den Habsburgern (als immer noch nominelle Herren) im Jahr 1405 300 Gulden für das Innere (=Entlebuch) und Äussere Amt Wolhusen. Die Entlebucher waren wie ihre Nachbarn in Obwalden sehr auf ihre Eigenständigkeit bedacht. So wehrten sie sich verschiedentlich gegen die Einflussnahme Luzerns. 1513 beteiligten sie sich am Zwiebelnkrieg und 1653 war das Entlebuch ein Zentrum der aufständischen Bauern im Bauernkrieg. Nach der Niederlage in Letzterem wurden die Freiheitsrechte eingeschränkt. Bis zum Untergang der Alten Eidgenossenschaft gehörte der Ort zur Landvogtei Entlebuch; 1798 kam die Gemeinde zum Distrikt Schüpfheim und 1803 zum damals neu geschaffenen Amt Entlebuch. Übrigens ist Schüpfheim und nicht Entlebuch der Hauptort des Amts.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat Entlebuch besteht aus fünf Mitgliedern und ist wie folgt aufgestellt:

  • Vreni Schmidlin-Brun (FDP): Gemeindepräsidentin
  • Robert Vogel (CVP): Gemeindeammann und Vizepräsident
  • Joe Herzog (freie Liste): Sozialvorsteher
  • Tanja Bieri-Baumeler (SVP): Umwelt und Tourismus
  • Petra Renggli Hodel (CVP): Bildung und Kultur

Kantonsratswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Kantonsratswahlen 2019 des Kantons Luzern betrugen die Wähleranteile in Entlebuch: CVP 39,6 %, SVP 29,2 %, FDP 25,2 %, SP 3,6 %, GPS 2,4 %, .[9]

Nationalratswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2019 betrugen die Wähleranteile in Entlebuch: SVP 38,0 %, CVP 34,3 %, FDP 17,5 %, SP 3,7 %, GPS 3,6 %, glp 2,3 %.[10]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlebuch ist immer noch stark landwirtschaftlich geprägt, obwohl nur noch 20 Prozent der Arbeitsplätze in diesem Bereich liegen (verglichen mit dem 4-%-Landesdurchschnitt ist das sehr viel).

Auf Nesslenbrunnenboden in Finsterwald wurden durch die Luzernische Erdöl AG (Leag)[11] von 1985 bis 1994 ca. 74 Mio. m3 Erdgas gewonnen und in die Transit-Gasleitung Holland-Italien gespeist.[12] Des Weiteren wurden 2400 m3 Leichtöl gefördert.[13] Ein Industriedenkmal erinnert heute auf dem Freizeitplatz Bohrplatte daran.

Bei Rengg befindet sich der Windpark Feldmoos/Rengg.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt an der Bahnlinie Luzern–Bern und verfügt über einen eigenen Bahnhof. Ausserdem sind einzelne Ortsteile durch die Postautolinien Entlebuch–Ebnet und Entlebuch–Finsterwald-Gfellen erschlossen.

Entlebuch liegt an den Strassen (Luzern–)Wolhusen–Bern und (Luzern–)Wolhusen–Thun (über den Schallenberg). Die nächstgelegenen Autobahnanschlüsse sind Emmen-Süd in 29 km Entfernung und Dagmersellen in 30 km Entfernung. Beide liegen an der A2.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Horat: Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern, Neue Ausgabe I: Das Amt Entlebuch. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1987 (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 80). ISBN 3-7643-1900-3. S. 47–87.
  • Lebenszeiten im Entlebuch. Das Amt Entlebuch. Schüpfheim, 1999. ISBN 3-907821-09-2
  • Willi Huber: Entlebuch 1918 – 1939. Entlebuch 1994
  • Willi Huber: Entlebuch – 2000. Entlebuch 2004

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Entlebuch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFS Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  3. Regionalporträts 2021: Kennzahlen aller Gemeinden. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2019 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  4. Regionalporträts 2021: Kennzahlen aller Gemeinden. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländerprozentsatz aufgrund Stand 2019 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  5. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde (Memento des Originals vom 1. Januar 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bfs.admin.ch (Ständige Wohnbevölkerung)
  6. Alfred Helfenstein: Das Namengut des Pilatusgebietes. Keller, Luzern 1982 ISBN 3-85766-004-X, S. 26.
  7. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde
  8. Ausländische Wohnbevölkerung nach Nationalität, Aufenthaltsstatus und Bevölkerungstyp (LUSTAT Statistik Luzern)
  9. https://www.lustat.ch/files_ftp/daten/kt/0003/w173_302t_kt0003_gd_d_2019.html Kantonsratswahlen: Stärke der Parteien 2019
  10. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde
  11. Bohrinsel Schweiz, NZZ Folio 09/04
  12. Erdölrausch im Entlebuch@1@2Vorlage:Toter Link/www.wanderweb.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. , wanderweb.ch.
  13. Willi Huber: Finsterwald. In: Historisches Lexikon der Schweiz.