Entrinden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Beim Entrinden (auch Schälen oder Berappen; bairisch, österreichisches Deutsch: Schäpsen) wird von einem Baumstamm die Borke sowie die Saft führende Schicht (Kambium) entfernt.

Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manuelles Entrinden in der Forstwirtschaft (1983)
Manuell entrindeter Stamm einer Fichte (2018)

In der Forstwirtschaft wird in der Regel nur Nadelholz entrindet. Eine Entrindung im Wald (Waldentrindung) erfolgt häufig, um Schädlingsbefall zu vermeiden. Verschiedene Borkenkäferarten (wie zum Beispiel der Buchdrucker) entwickeln sich in der Rinde. Außerdem wird durch die Entrindung die Austrocknung des Holzes beschleunigt, was wiederum dazu führt, dass verschiedene holzbrütende Käferarten oder Holzpilze keinen geeigneten Lebensraum mehr finden. Die Entrindung geschieht von Hand mit dem Schäleisen, motormanuell mit Anbaugeräten für die Motorsäge oder maschinell mit mobilen Entrindungsmaschinen, oft auch als Entrindungszüge bezeichnet.

Die Methode der Entfernung von Rinde am stehenden Stamm, um diesen zum Absterben zu bringen, wird im Artikel „Ringelung“ beschrieben.

Holzindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maschinelles Entrinden in der Holzindustrie

Meist stört die Borke in der weiterverarbeitenden Industrie die folgenden Produktionsprozesse. Entweder behindert sie bei der weiteren Verarbeitung (Sägeindustrie) oder sie ist nicht verwertbar (z. B. bei der Papierherstellung). Daher besitzen fast alle größeren Werke in der Holzindustrie Entrindungsmaschinen (Werksentrindung).

Entrinden bei Bonsais[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entrindeter Bonsai (Juniperus procumbens)

Bei der Gestaltung von Bonsais wird das freigelegte Holz (Kern- oder auch Splintholz) mit einem Bleichmittel auf Schwefelbasis bearbeitet. Es schützt den freien Holzteil vor Pilz- oder Fäulnisbefall. Es darf nie die ganze Rinde entfernt werden, da der Baum sonst abstirbt.

Diese Totholzpartien können nahezu unbegrenzt bearbeitet werden, ob mit Meißel, Fräse oder anderen Werkzeugen, und lassen den Baum sehr alt erscheinen. Auch können dadurch Naturereignisse wie etwa Schneebruch oder Sturmschäden nachgebildet werden, die dem Baum dann eine gewisse Reife oder auch Erfahrung verleihen. Besonders Bäume deren natürlicher Standort das Mittel- und Hochgebirge ist werden solchen Eingriffen unterzogen. Beispielsweise Kiefern und andere Nadelbäume, die bis zur natürlichen Baumgrenze vorkommen wären hierbei zu nennen. Für Laubbäume wie etwa elegante Ahorne oder Birken zieht man weniger knorrige Formen vor.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Kollmann: Technologie des Holzes und der Holzwerkstoffe. Band 2, Holzschutz, 2. Auflage, Springer Verlag, Berlin / Heidelberg 1955.
  • Werner Müller: Furniere, Platten. Grundausbildung, Fachbuchverlag, 1967.
  • Carl Wilhelm Ernst Putsche: Allgemeine Encyklopädie der gesammten Land- und Hauswirthschaft der Deutschen. Achter Band, Baumgärtners Buchhandlung, Leipzig 1829, S. 239 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Entrinden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien