Entzündung

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Calor ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum niederländischen Produzenten und DJ siehe Julian Calor.
Dieser Artikel erläutert den medizinischen Begriff; zur Einleitung einer Verbrennung (Chemie) siehe dort.
Entzündung durch Unterkühlung

Entzündung (lateinisch-medizinisch Inflammatio) ist eine körpereigene Reaktion auf schädliche Reize, die sich klassischerweise durch Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerz und funktionelle Einschränkungen äußert. Hinter diesen Entzündungszeichen verbergen sich die Aktivierung ortsständiger Immunzellen, Veränderungen an Gefäßen und das Einwandern und die Aktivierung weiterer Immunzellen (Leukozyten, „weißer Blutzellen“). Nach einem weiteren Begriffsverständnis werden alle an bestimmten Orten ablaufenden Immunreaktionen als Entzündung bezeichnet.

Die Fachbegriffe für Entzündungen werden dabei gebildet, indem die Endung -itis an den griechischen Begriff für die betroffene anatomische Struktur angehängt wird. Entzündungen sollen die Integrität des Organismus sichern, indem sie beispielsweise Krankheitserreger, Fremdstoffe oder Zelltrümmer aus dem Gewebe entfernen; sie bereiten die Wundheilung vor und gehen kontinuierlich in diese über. Entzündungen, die diesem Ziel nicht gerecht werden, sind von großer medizinischer Bedeutung und ein häufiges Ziel antientzündlicher Behandlungen.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Fremdstoff, Antigen oder Gewebeschaden löst den Reiz für eine Abwehrreaktion des Immunsystems aus. Die Entzündungsreaktion findet im betroffenen Organ, im umgebenden Bindegewebe, in den beteiligten Blutgefäßen und im angrenzenden Lymphsystem statt. Dabei kommt es zu den typischen Anzeichen einer Entzündung, der Rötung (lat. rubor), der Überwärmung (lat. calor), der Schwellung (lat. tumor), dem Schmerz (lat. dolor) und einer eingeschränkten Funktion (lat. functio laesa). Diese fünf Zeichen sind nicht immer direkt erkennbar oder auch nur teilweise nachweisbar. Eine Magenschleimhautentzündung beispielsweise kann z. B. vor allem Schmerzen nach dem Essen verursachen und ist dann nur zeitlich begrenzt symptomatisch. Sie kann mit Übelkeit einhergehen.

Die Rötung und Schwellung erfolgt durch die Erhöhung der Durchlässigkeit der Blutgefäße im Zuge der Diapedese der Immunzellen, Erythrozyten und Plasmaproteine durch Ausschüttung der Botenstoffe Interleukin-1 und Prostaglandin I2. Die eingewanderten Zellen und Plasmaproteine werden als Infiltrat bezeichnet. Der Schmerz erfolgt durch eine Ausschüttung von Schmerz-Botenstoffen (Prostaglandin E2, Prostaglandin I2, Bradykinin und andere Kinine) und Zytokinen (Tumor-Nekrose-Faktor) durch die Immunzellen und dient der Ruhigstellung des betreffenden Körperteils und der Schonung von Energiereserven durch geringere Aktivität. Die Temperaturerhöhung wird durch Zytokine wie Interleukin-6 über die Produktion von Prostaglandin E2 vermittelt und entsteht durch vermehrte Stoffwechselaktivität.

Oft besteht die Reaktion aus einer Abstoßung eines Teils des kranken Gewebes durch Nekrose oder Apoptose und anschließender Neubildung von Zellen zur Reparation des Gewebeschadens. Die Abstoßung von Zellen dient bei Hautzellen unter anderem dem Schutz des darunterliegenden Gewebes. Eine Entzündung kann lokal in einem (kleinen) umschriebenen Gebiet auftreten oder den ganzen Körper betreffen. Beispiele für lokalisierte Entzündungen sind z. B. die Enteritis (Entzündung des Darms), die Kolitis (Entzündung des Grimmdarms), die Gastritis (Entzündung des Magens), die Arthritis (Gelenksentzündung), die Myokarditis (Herzmuskelentzündung), die Dermatitis (Hautentzündung) und die Otitis (Ohrenentzündung). Eine sprachliche Ausnahme bildet die Pneumonie (Lungenentzündung), bei der die Endung „-itis“ fehlt (allerdings wird selten auch die Form Pneumonitis verwendet).

In der klassischen Medizin werden Entzündungen häufig durch Abstellen des auslösenden Reizes bekämpft. Unterdrückt man die Abwehrreaktion im Rahmen einer symptomatischen Therapie, kann sich die Heilung dagegen verzögern.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeder das physiologische Maß übersteigende Reiz kann eine Entzündung auslösen. Dies gilt insbesondere für physikalische Reize, wie mechanische Reize (z. B. Druck, Reibung, Verletzung oder Fremdkörper, z. B. Stoffwechselprodukte wie Harnsäurekristalle), thermische Reize (z. B. Wärme, Kälte), Strahlung (UV, Infrarot, ionisierende Strahlung), chemische Reize (reizende und gesundheitsschädliche Stoffe wie z. B. Säuren, Laugen, Toxine, entgleiste Enzyme, wie z. B. bei der akuten Pankreatitis), Allergene und Autoallergene (z. B. bei rheumatischen oder Autoimmunkrankheiten) oder Krankheitserreger (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten).

Ablauf lokaler Entzündungsreaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwanderung von Entzündungszellen bei einer Lungenentzündung (unten), oben normales Lungengewebe
  • Lokale Durchblutungsminderung:
    • Diese nur minutenlange Phase wird auch „initiale Ischämie“ genannt. Gemeint ist eine kurzzeitige lokale Durchblutungsminderung durch die Reaktion des Gefäßbindegewebes auf die Adrenalinausschüttung (arterieller Spasmus). Verbunden mit den verengten Arteriolen sind erweiterte Venolen.
    • Danach folgt eine, vor allem lokale, Hyperämie, die zum einen durch den vom vegetativen Nervensystem ausgelösten Arteriolenspasmus, zum anderen von einer Verengung der Venolen ausgelöst wird. Letztere wird von diversen Mediatoren, z. B. Prostaglandinen, Kininen, ausgelöst. Diese Abflussstörung wiederum führt zur Thrombozytenaggregation, dem Sludge-Phänomen (zähflüssiges Blut), Exsudation und anderen durch Blutstase ausgelösten Folgen.
  • Die Permeabilität der Gefäßwände wird durch Gefäßmediatoren, hier Histamin, Prostaglandine, Kinine und Serotonin, für wenige Minuten gesteigert, so dass ein Blutstau entsteht.[1]
  • Durch die erhöhte Permeabilität können nun Plasmaeiweiße (Blutplasmaexsudation) durch Lücken in den Gefäßwänden in das betroffene Gebiet einströmen. Für die Entzündungsreaktion wichtig sind hierbei vor allem neutrophile, basophile und eosinophile Granulozyten, Makrophagen und Lymphozyten. Es kommt zur Phagozytose der Fremdkörper. Außerdem werden vermehrt Mastzellen in das entzündete Gewebe angeschwemmt.

Schäden durch Entzündung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Immunantwort gegen Noxen ist nicht völlig spezifisch für diese, es wird stets auch gesundes Gewebe geschädigt. Von besonderer Bedeutung ist dies bei chronischen Entzündungen, bei denen die Beseitigung der Noxe nicht gelingt und die Schädigung von gesundem Gewebe deshalb ganz im Vordergrund steht. Beispiele hierfür sind die Lungenfibrose durch Asbest und die Atherosklerose durch oxidierte Lipoproteine, beides Entzündungen, die durch Makrophagen (Riesenfresszellen) aufrechterhalten werden, die am Versuch zugrunde gehen, den zu entfernenden Stoff zu verdauen. Das entzündliche Milieu stellt einen Wachstumsreiz für glatte Muskulatur dar, was bei der Atherosklerose, aber auch bei der COPD den Funktionsverlust verstärkt und manifestiert.

Chronische Entzündung kann in vielen Organen sowie im lymphatischen Gewebe Neoplasien (Karzinome bzw. Lymphome) auslösen und ihr Wachstum und ihre Gefäßversorgung fördern. Ursachen sind der chronische Proliferationsreiz, die wachstumsfördernde Wirkung von Zytokinen und genomische Schäden durch reaktive Sauerstoffspezies, die von Immunzellen (eigentlich zur Schädigung der Noxe) produziert werden.

Problematisch sind Entzündungen auch dann, wenn sie sich gegen körpereigene Strukturen oder harmlose Umweltreize richten, wie bei Autoimmunerkrankungen bzw. Allergien. Unabhängig vom Auslöser werden Entzündungen lebensgefährlich für den Betroffenen, wenn sie nicht mehr lokal ablaufen, wie beim septischen Schock oder bei sehr hohem Fieber.

Allgemeine unspezifische Entzündungszeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den fünf direkten Entzündungszeichen am Ort der Entzündung kann man eine Entzündung ab einem bestimmten Schweregrad an allgemeinen Reaktionen des Gesamtorganismus erkennen. Zu diesen Allgemeinreaktionen gehören:

Molekulare Mechanismen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Entzündung geht einher mit charakteristischen Veränderungen auf molekularer Ebene. Zunächst kommt es durch die auslösenden Stimuli zu Aktivitätsänderungen in bestimmten zellulären Signalwegen, die wiederum zu spezifischen Änderungen des Genexpressionsmusters führen. Einer der wichtigsten intrazellulären Regulatoren von Entzündungsreaktionen ist beispielsweise der Transkriptionsfaktor NF-κB, der durch bakterielle und virale Antigene, Zytokine und durch chemisch-physikalische Noxen aktiviert wird und die Genexpression in betroffenen Zellen schnell und umfassend ändern kann. Unter den hochregulierten Genen befinden sich insbesondere Zytokine und Zelladhäsionsmoleküle, die für eine Verbreitung der Entzündung auf andere Zellen und deren Verstärkung, oft im Sinne einer positiven Rückkopplung, sorgen. Ein Beispiel für eine molekular gut charakterisierte Entzündungsreaktion ist die sogenannte Akute-Phase-Reaktion.

Einteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entzündungen können eingeteilt werden nach dem zeitlichen Krankheitsverlauf:

  • perakut = plötzlich einsetzende sehr schwere Entzündung, die nach wenigen Tagen tödlich endet
  • akut = plötzlich einsetzende Entzündungen
  • subakut = zwischen akut und chronisch – keine nähere Definition
  • primär-chronisch = langsam, schleichend ablaufende Entzündung
  • rezidivierende = wiederholt auftretende Entzündungen
  • progredient = fortschreitende Entzündung (ohne Besserung)
  • sekundär-chronisch = aus nicht-heilenden akuten oder rezidivierenden Entzündungen

nach der Ausdehnung:

nach der Flüssigkeit:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Inflammation – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Entzündung. In: Pathologie-Online, abgerufen am 5. Dezember 2012
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