Entziehung Minderjähriger

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Die Entziehung Minderjähriger ist die Wegnahme einer nicht volljährigen Person von einem oder beiden Eltern, dem Vormund oder Pfleger. In Deutschland ist dies eine Straftat oder bei Gefährdung des Opfers ein Verbrechen nach § 235 des Strafgesetzbuches. Sie fällt unter den Oberbegriff Entführung.

Unter diesem Begriff, häufig auch Kindesentziehung genannt, zählt, (1. Variante) eine Person unter achtzehn Jahren gewaltsam, unter Drohungen oder mit List oder (2. Variante) ohne dessen Angehöriger zu sein den Eltern, einem Elternteil, Vormund oder Pfleger zu entziehen bzw. vorzuenthalten.

Eine Entziehung Minderjähriger kann erfolgen:

  • durch Gewalt, Drohung mit einem empfindlichen Übel oder durch List (auch wenn der Täter ein Angehöriger ist; auch gegen Jugendliche);
  • durch internationale Kindesentführung: Entziehung eines Kindes (unter 14 Jahren), um es in das Ausland zu verbringen oder im Ausland zurückzuhalten, nachdem es dorthin verbracht worden ist oder es sich dorthin begeben hat (auch wenn der Täter ein Angehöriger ist);
  • wenn der Täter kein Angehöriger ist, durch Entziehen eines Kindes (unter 14 Jahren) durch irgendeine Handlung (auch wenn das Kind im Inland verbleiben soll)

Wer den Minderjährigen mit der Tat in Lebensgefahr oder in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung oder einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung bringt, sie gegen Bezahlung begeht oder um sich oder einen Dritten dabei zu bereichern, sieht nach deutschem Recht einer Freiheitsstrafe von ein bis zehn Jahren, in minder schweren Fällen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren entgegen. Mit einer Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren wird verurteilt, wer als Täter den Tod des Opfers fahrlässig verursacht, in minder schweren Fällen ist die Länge der Freiheitsstrafe auf ein bis zehn Jahre beschränkt.

Liegt kein mit erhöhtet Strafe bedrohter Fall vor (siehe oben), ist die Entziehung Minderjähriger ein Antragsdelikt. Die Tat wird somit nur auf Antrag der Erziehungsberechtigten verfolgt, außer im Falle besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung.

In Österreich und der Schweiz heißen die entsprechenden Straftatbestände Kindesentziehung beziehungsweise Entziehen von Minderjährigen.

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