Enziane

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Enziane
Clusius-Enzian (Gentiana clusii)

Clusius-Enzian (Gentiana clusii)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Enziangewächse (Gentianaceae)
Tribus: Gentianeae
Gattung: Enziane
Wissenschaftlicher Name
Gentiana
L.

Die Enziane (Gentiana) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae). Die fast weltweit vorkommenden 300 bis 400 Arten gedeihen vorwiegend in den Gebirgen der gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel, aber auch in den Anden. Einige Arten werden zur Schnapsherstellung und zur Gewinnung von Heilmitteln genutzt. Wenige Arten und Sorten verwendet man als Zierpflanzen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration des Ostalpen-Enzian (Gentiana pannonica) aus Deutschlands Flora in Abbildungen nach der Natur
Samen von Gentiana triflora var. japonica

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enzian-Arten wachsen als ein- bis zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die aufsteigenden bis selbständig aufrechten Stängel sind gerillt oder kantig. Es gibt bei manchen ausdauernden Arten generative und vegetative Sprossachsen.[1]

Die gegenständigen oder selten wirtelig angeordneten Laubblätter stehen in grundständigen Rosetten oder am Stängel verteilt.[1] Die einfachen Blattspreiten besitzen einen glatten Blattrand.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blüten stehen seiten- oder endständig, einzeln oder meist zu mehreren in zymösen Blütenständen oder manchmal in kleinen Gruppen oder Wirteln.[1]

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und meist fünf-, selten vier- oder sechs- bis achtzählig mit doppelter Blütenhülle.[1] Die grünen Kelchblätter sind bis etwa der Hälfte ihrer Länge verwachsen.[2][1] Die Kelchzähne sind faden- bis eiförmig und besitzen einen erhabenen Mittelnerv.[1] Die meist fünf, selten vier oder sechs bis acht Kronblätter sind oft langröhrig, verkehrt-kegelförmig, glocken-, stielteller-, krug- oder selten radförmig (wohl nur bei Gentiana lutea[2]) verwachsen.[1] Meist sind die Kronröhren viel länger als die Kronzipfel.[1] Zwischen den Kronzipfel befinden sich Faltenlappen (Plicae).[3][1] Die Kronblätter können ganz unterschiedliche Blautöne aufweisen oder sind gelb bis weißlich. Es ist nur ein Kreis mit vier oder fünf, selten vier oder sechs bis acht Staubblättern vorhanden; sie sind mit der Kronröhre verwachsen.[1] Die Staubblätter ragen nicht über die Kronblätter hinaus. Die Staubfäden sind an ihrer Basis mehr oder weniger geflügelt. Die Staubbeutel sind meist frei, selten hängen sie zusammen.[1] Es sind fünf bis zehn Drüsen an der Basis des Fruchtknotens vorhanden.[1] Der sitzende oder an einem langen Gynophor befindliche Fruchtknoten ist oberständig.[1] Der Griffel ist meist kurz und linealisch, oder seltener lang und fadenförmig[1] oder er fehlt[2]. Die Narbenlappen sind frei oder verwachsen, zurückgebogen, meist länglich bis linealisch, selten ausgebreitet und gerundet.[1]

Die Kapselfrüchte sind zylindrisch bis ellipsoid und geflügelt, oder mehr oder weniger schmal verkehrt-eiförmig (schmal ellipsoid bei Gentiana winchuanensis) und enthalten viele Samen.[1] Die Samen können geflügelt oder ungeflügelt sein. Die Samenschale ist winzig netzartig, runzelig oder areolate (= gefeldert).[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Bei den meisten Enzian-Arten schließen sich die Blüten bei bewölktem Himmel und kühler Luft, auch bei Erschütterungen durch Hagel, Regen und starkem Wind.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Gentiana umfasst weltweit 300 bis 400 Arten, die vorwiegend in den Gebirgen der gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel, aber auch in den Anden gedeihen. Gentiana-Arten fehlen in Afrika. In Europa gedeihen etwa 35 Gentiana-Arten vorwiegend in den Alpen.

In Mitteleuropa kommen folgende Arten vor[4]

Kochscher Enzian oder Silikat-Glocken-Enzian (Gentiana acaulis), Alpen-Enzian (Gentiana alpina), Schmalblättriger Enzian (Gentiana angustifolia), Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea), Bayerischer Enzian (Gentiana bavarica), Kurzblatt-Enzian (Gentiana brachyphylla), Villars-Enzian (Gentiana burseri subsp. villarsii), Clusius-Enzian oder Kalk-Glocken-Enzian oder Stängelloser Enzian (Gentiana clusii), Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata), Tauern-Enzian (Gentiana frigida), Karawanken-Enzian (Gentiana froelichii) mit der Unterart: Silvia-Zenaris-Enzian (Gentiana freolichii subsp. zenarii), Ligurischer Enzian (Gentiana ligustica), Gelber Enzian (Gentiana lutea), Schnee-Enzian (Gentiana nivalis), Rundblättriger Enzian (Gentiana orbicularis), Ostalpen-Enzian oder Pannonischer Enzian oder Ungarischer Enzian (Gentiana pannonica), Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe), Liegender Enzian (Gentiana prostrata), Niedriger Enzian oder Niedlicher Enzian (Gentiana pumila), Tüpfel-Enzian (Gentiana punctata), Purpur-Enzian (Gentiana purpurea), Rostans Enzian (Gentiana rostanii), Triglav-Enzian (Gentiana terglouensis subsp. terglouensis), Schleichers Enzian (Gentiana terglouensis subsp. schleicheri), Schlauch-Enzian (Gentiana utriculosa), Frühlings-Enzian oder „Schusternagerl“ (Gentiana verna). Der bekannte Trivialname „Stängelloser Enzian“ bezeichnet sowohl den Clusius-Enzian als auch den Kochschen Enzian.
Kochscher Enzian
(Gentiana acaulis)
Schwalbenwurz-Enzian
(Gentiana asclepiadea)
Clusius-Enzian (Gentiana clusii)
Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata)
Tauern-Enzian (Gentiana frigida)
Blüte im Detail von Gentiana newberryi
Schnee-Enzian (Gentiana nivalis)
Gentiana occidentalis subsp. corbariensis
Lungen-Enzian
(Gentiana pneumonanthe)
Gentiana scabrida var. scabrida
Gentiana septemfida var. lagodechiana
Gentiana triflora var. japonica
Gentiana triflora var. montana
Schlauch-Enzian (Gentiana utriculosa)
Frühlings-Enzian (Gentiana verna)

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Gentiana wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 227–232[5] aufgestellt.[6] Als Lektotypus wurde 1913 Gentiana lutea L. von Nathaniel Lord Britton und Addison Brown in An Illustrated Flora of the Northern United States, Canada, & the British Possessions, 2. Auflage, Band 3, S. 8 festgelegt.[6] Synonyme für Gentiana L. sind: Calathiana Delarbre, Chondrophylla A.Nelson, Ciminalis Adans., Dasystephana Adans., Ericala Gray orth. var., Eurythalia D.Don orth. var., Favargera Á.Löve & D.Löve, Gentianodes Á.Löve & D.Löve, HolubogentiaÁ.Löve & D.Löve, Kuepferella M.Laínz, Kurramiana Omer & Qaiser, Mehraea Á.Löve & D.Löve, Pneumonanthe Gled., Qaisera Omer, Tretorhiza Adans., Ulostoma G.Don.[7]

Der botanische Gattungsname Gentiana ist der griechische Name für Arten dieser Gattung und wurde nachweislich seit 50 bis 100 n. Chr. verwendet. Er leitet sich laut Dioscoroides und Plinius dem Älteren vom illyrischen König Genthios (180–168 v. Chr.) her, der als Erster die Heilwirkung von Enzian-Arten (vermutlich Gentiana lutea) erkannt haben soll. Illyrien war ein Gebiet das in der Nähe des heutigen Albaniens lag. Heute noch werden Genthios als Frauenname und Gentian als Namen für beide Geschlechter in Albanien und anderen Gebieten verwendet.[2]

Die Gattung Gentiana gehört zur Subtribus Gentianinae aus der Tribus Gentianeae innerhalb der Familie Gentianaceae.[7] Früher wurden auch die Gattungen Kranzenziane (Gentianella), Fransenenziane (Gentianopsis) und Haarschlund (Comastoma) zu einer großen Gattung Enziane (Gentiana s. l.) gezählt.

Die Gattung Gentiana wird in zehn oder elf Sektionen gegliedert:

  • Sektion Gentiana sect. Asclepiadeae (Grossh. ex Gagnidze) Tzvelev (beispielsweise: Gentiana asclepiadea)
  • Sektion Gentiana sect. Calathianae (beispielsweise: Gentiana bavarica)
  • Sektion Gentiana sect. Chondrophyllae Bunge (beispielsweise: Gentiana arisanensis)
  • Sektion Gentiana sect. Ciminalis (beispielsweise: Gentiana acaulis)
  • Sektion Gentiana sect. Cruciata (beispielsweise: Gentiana cruciata)
  • Sektion Gentiana sect. Dolichocarpa T.N.Ho (beispielsweise: Gentiana sedifolia)
  • Sektion Gentiana sect. Frigida (beispielsweise: Gentiana algida)
  • Sektion Gentiana sect. Gentiana (beispielsweise: Gentiana burseri)
  • Sektion Gentiana sect. Isomeria (beispielsweise: Gentiana depressa)
  • Sektion Gentiana sect. Kudoa (beispielsweise: Gentiana arethusae)
  • Sektion Gentiana sect. Pneumonanthe (beispielsweise: Gentiana affinis)

Es gibt etwa 300 bis 400 Enzian-Arten (Gentiana) (Auswahl):

Österreichische 1-Cent-Münze

Symbolik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Enzianarten haben die im Pflanzenreich seltene reinblaue Blütenfarbe, weshalb diese Enziane zum Symbol der Treue wurden. Auf den österreichischen Euro-Centmünzen ist der Enzian abgebildet, auf dem rumänischen Ein-Leu-Schein und auf dem Schweizer Fünffrankenstück. Die Deutsche Bundesbahn benutzte die Bezeichnung „Blauer Enzian“ für einen Fernschnellzug und späteren Trans-Europ-Express zwischen Hamburg und München, dessen Laufweg später auch nach Österreich verlängert wurde.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Wurzelstöcke“ einiger Enzian-Arten werden seit dem Mittelalter zur Herstellung von Schnaps, als Arzneimittel und zur Appetitanregung verwendet. Im Gegensatz zu den auf vielen Flaschenetiketten abgebildeten blau blühenden Enzianen werden zur Schnapsbrennerei die großwüchsigen Arten (Hochstauden-Enziane),[9] insbesondere der Gelbe Enzian (Gentiana lutea), verwendet, außerdem wird auch Purpur-Enzian (Gentiana purpurea), Tüpfel-Enzian (Gentiana punctata) und Ungarischer Enzian (Gentiana pannonica) dafür genutzt.

Auch als Bitterstoff (Amarum) finden Enziane Verwendung. So wird aus der Wurzel bestimmter Arten die bitterste „natürliche“ Substanz der Welt gewonnen, das Amarogentin. Amarogentin ist auch in einer Verdünnung von eins zu 58 Millionen noch deutlich wahrnehmbar.[10]

Bei vielen Enzianarten schmecken auch die oberirdischen Teile bitter und werden deswegen vom Weidevieh gemieden. Dies ist ein Grund dafür, dass sich Enzianarten auf den beweideten Almwiesen besonders gut halten konnten.

Alle europäischen Enzian-Arten stehen unter Naturschutz, das heißt, sie dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden. Daher werden zurzeit Versuche unternommen, den für die Schnapsherstellung benötigten Enzian zu kultivieren, und ein großer Teil der für Schnapsgewinnung und Arzneimittel benötigten Drogen wird schon als Spezialkultur auf Äckern angebaut und geerntet.

Die durch gärtnerische Kreuzung aus Gentiana farreri und Gentiana sino-ornata entstandene Hybride Macauleys Enzian (Gentiana ×macauleyi)

Sorten einiger Arten und Hybriden werden als Zierpflanzen verwendet.

Nicht in diese Verwandtschaft gehört trotz Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht zur Gattung gehört aber der Indische Gelbe Enzian (Kuru, Katuka, Hu Huang Lian), ein bitteres Heilkraut des West-Himalaja (Picrorhiza kurroa Royle ex Benth; Plantaginaceae).[11]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ting-nung Ho, James S. Pringle: Gentianaceae.: Gentiana, S. 15 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 16 - Gentianaceae through Boraginaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 1995, ISBN 0-915279-33-9. (Abschnitte Beschreibung und Systematik)
  • Eintrag bei der Gentianaceae-Website.
  • Ho Ting-nong, Liu Shang-wu, Lu Xue-feng: A Phylogenetic Analysis of Gentiana (Gentianaceae). In: Acta Phytotaxonomica Sinica, Volume 34, Issue 5, 1996, S. 505–530.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x Ting-nung Ho, James S. Pringle: Gentianaceae: Gentiana, S. 15 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 16 - Gentianaceae through Boraginaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 1995, ISBN 0-915279-33-9.
  2. a b c d Datenblatt beim Gentian Research Network.
  3. Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd Müller: Rothmaler - Exkursionsflora von Deutschland: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Springer, 2016, ISBN 978-3-662-50420-8, S. 406–410 (Gentiana auf S. 406-410 in der Google-Buchsuche).
  4. David Aeschimann, Konrad Lauber, Daniel Martin Moser, Jean-Paul Theurillat: Flora alpina. Ein Atlas sämtlicher 4500 Gefäßpflanzen der Alpen. Band 2, Seite 10-24. Haupt Verlag, Bern, Stuttgart, Wien 2004, ISBN 3-258-06600-0.
  5. Linné 1753 Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  6. a b Gentiana bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  7. a b Gentiana im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  8. a b Karol Marhold, 2011: Gentianaceae. Gentiana. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Zuletzt abgerufen am 13. Februar 2014
  9. Eitel-Friedrich Scholz: Nicht nur blau blüht der Enzian. o.D., oeav-obergailtal.at.
  10. Geschmackssensoren für die bitterste natürliche Substanz der Welt identifiziert. Deutsches Institut für Ernährungsforschung (Pressemitteilung). Abgerufen am 20. März 2013.
  11. Picrorhiza kurroa. Spektrumverlag: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen;
    Picrorhiza kurroa Royle ex Benth (Plantoginaceae). In: Schrott, Ammon: Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin 2012, S. 418;
    Picrorhiza Kurroa (Hu Huang Lian) chineseherbshealing.com

Ergänzende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Xaver Finkenzeller: Alpenblumen. München 2003, ISBN 3-576-11482-3.
  • Manfred A. Fischer, W. Adler, K. Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Hansjörg Küster: Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. München 1999, ISBN 3-406-45357-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Enziane (Gentiana) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien