Enzo Dara

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Enzo Dara (* 13. Oktober 1938 in Mantua; † 25. August 2017[1] ebenda) war ein italienischer Opernsänger (Bass) und Opernregisseur.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dara war zunächst als Journalist tätig.[2] Gesang studierte er in seiner Geburts- und Heimatstadt Mantua bei Bruno Sutti.[2] Sein Bühnendebüt als Opernsänger gab er 1960 am Stadttheater von Fano in der Provinz Pesaro als Philosoph Colline in La Bohème[1][2]; dort sang er auch erstmals den Bartolo in Rossinis Der Barbier von Sevilla. Nach seinem Militärdienst nahm er seine Sängerkarriere wieder auf und sang zunächst an italienischen Provinzbühnen. 1966 trat er am Theater von Reggio Emilia als Dulcamara in Donizettis Der Liebestrank auf.[2] 1967 sang er dort ebenfalls den Bartolo und verlegte seine Karriere dann insbesondere auf das Buffo-Fach.[1][2] 1969 sang er beim Spoleto Festival die Rolle des Mustafà in Rossinis Die Italienerin in Algier.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1970er Jahre begann Daras Karriere an den großen italienischen Opernhäusern. 1970 debütierte er mit der Rolle des Bartolo an der Mailänder Scala. 1976 gastierte er mit dem Ensemble der Mailänder Scala am Royal Opera House Covent Garden in London als Dandini in La Cenerentola.[1][2] In Italien gastierte Dara in den folgenden Jahren u. a. am Opernhaus von Rom, am Teatro La Fenice in Venedig, in Palermo, Parma, Neapel, Bologna und Genua. Internationale Gastspiele gab er in Deutschland, Frankreich, in Brüssel, Zagreb und am Bolschoi-Theater in Moskau.

Im Oktober 1981 gab er als Dandini sein Debüt an der Wiener Staatsoper; bis 1990 trat er dort in über 50 Vorstellungen auf, u. a. auch als Bartolo und als Taddeo in Die Italienerin in Algier.[3] 1982 debütierte er als Bartolo an der Metropolitan Opera in New York City; dort sang er 1991 auch den Dulcamara, in der Saison 1993/94 dann auch den Bartolo. 1984 übernahm er beim Rossini Opera Festival in Pesaro die Rolle des Barone di Trombonok in der Welturaufführung der Oper Il viaggio a Reims unter der musikalischen Leitung von Claudio Abbado; diese Rolle sang er 1988/1989 auch an der Wiener Staatsoper in insgesamt 15 Vorstellungen. Auch in den folgenden Jahren sang er beim Rossini Festival: 1986 den Geronio in Il turco in Italia, 1988 den Vormund Gaudenzio in Il signor Bruschino und im August 1992 noch einmal als Barone di Trombonok, „wo er in seiner Komik am besten war“[4], in der Ensemble-Oper Il viaggio a Reims. Im Oktober 1992 sang er den Baron von Trombonok auch in mehreren halbszenischen Il viaggio a Reims-Aufführungen in der Berliner Philharmonie (Berliner Philharmoniker, Dirigent: Claudio Abbado) und erwies sich in seiner Rolle erneut als „italienischer Buffo-Bariton par excellence“.[5]

In den 1980er und 1990er Jahren setzte Dara seine anhaltende internationale Karriere fort. Er sang erneut an der Covent Garden Opera (1985 als Bartolo; 1987 als Dulcamara), am Teatro La Fenice in Venedig (1990; Titelrolle in Don Pasquale), am Teatro Zarzuela in Madrid (1990; als Selim in Il turco in Italia), am Opernhaus von Monte Carlo (Spielzeit 1992/93, in „bester Buffo-Manier“[6] als Taddeo in L’italiana in Algeri), am Teatro Donizetti in Bergamo (1993), an der Bayerischen Staatsoper München (Spielzeit 1993/94), am Opernhaus von Houston/Texas (1995; als Don Magnifico in La Cenerentola), am Teatro Regio in Parma (1996; als Simone in I quattro rusteghi), am Grand Théâtre de Genève (1997; als Don Magnifico) und an der Hamburgischen Staatsoper (1998; ebenfalls als Don Magnifico).

Im Jahre 2000 trat er in Rom, anlässlich der 100-Jahrfeier der Uraufführung der Oper Tosca, in der Rolle des Mesners auf. Außerdem gastierte er 2000 am Teatro Colón in Buenos Aires (als Geronio in Il turco in Italia) und erneut an der Bayerischen Staatsoper (als Don Magnifico). 2001 kehrte Dara, anlässlich seines 40-jährigen Bühnenjubiläums, noch einmal auf die Bühne der Mailänder Scala zurück, wo er in drei Gala-Aufführungen den Don Magnifico sang. Mit dieser Rolle gastierte er 2001 auch an der Griechischen Nationaloper in Athen, wo er gleichzeitig auch Regie führte. Ende 2001 zog sich Dara dann als Sänger von der Opernbühne zurück.

Seit Anfang der 1990er Jahre war Dara immer wieder auch als Opernregisseur hervorgetreten.[1] Seine erste Inszenierung war Rossinis Barbier im Jahre 1990 in Venedig. Er inszenierte u. a. regelmäßig in Bergamo und in Venedig. In der Spielzeit 1992/93 inszenierte er am Teatro Comunale di Bologna den Cimarosa-Einakter Amor rende sagace (dt. Titel: Die Liebe macht weise) und sang gleichzeitig „mit seiner üblichen bewundernswerten Bravour“ den abgelehnten ältlichen Liebhaber Ambrogio.[7] Als Opernregisseur war er bis 2015 aktiv; seine letzte Bühnenarbeit war eine traditionelle Inszenierung von Rossinis La cambiale di matrimonio (Premiere: September 2015) am Teatro La Fenice.[8]

Rollen und Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dara sang in Verlauf seiner Karriere schwerpunktmäßig die klassischen Bassbuffo-Partien des italienischen Belcanto-Repertoires, insbesondere in den Werken von Gioacchino Rossini und Gaetano Donizetti, aber auch in Opern von Pergolesi, Cimarosa, Galuppi, Paisiello und Salieri. Bartolo, Don Magnifico, der Barone di Trombonok und der Don Pasquale gehörten zu seinen besonderen Glanzpartien. Die Rolle des Bartolo sang er während seiner Bühnenlaufbahn in über 400 Vorstellungen, davon allein in 41 Vorstellungen an der Metropolitan Opera in New York.[2]

Dara galt einer der „wichtigsten und talentiertesten“ Bassisten Italiens.[1][2] Er besaß ein großes temperamentvolles und darstellerisches Talent. Charaktere zeichnete er mit „jovialen und ausdrucksvollen“ Gesicht; er vermied dabei jedoch stets die komische Übertreibung und machte aus den von ihm dargestellten Figuren niemals „Knallchargen“.[1][9] Der Dirigent und Rossini-Spezialist Alberto Zedda bezeichnete Dara als den „begnadetsten Komödianten auf der modernen Bühne.“[9]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dara starb im Alter von 78 Jahren in seiner Geburts- und Heimatstadt Mantua nach langer Krankheit.[1] Er wurde im engsten Familienkreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit beigesetzt.[1]

Tondokumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enzo Daras Stimme ist auf zahlreichen Tonträgern und in Video-Mitschnitten dokumentiert. Zu seinen Schallplattengesamtaufnahmen gehören u. a.:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i È morto Enzo Dara, addio al basso buffo più famoso d’Italia. Todesmeldung und Nachruf. In: La Repubblica vom 27. August 2017. Abgerufen am 8. September 2017
  2. a b c d e f g h Acclaimed Italian Basso Buffo Enzo Dara has Died. Nachruf. In: OPera nEws vom 27. August 2017. Abgerufen am 8. September 2017
  3. Rollenverzeichnis von Enzo Dara. In: Chronik der Wiener Staatsoper 1945-2005, S. 361. Löcker Verlag, Wien 2006. ISBN 3-85409-449-3.
  4. Gina Guandalini/B.H.: DER LETZTE TRIUMPH. Aufführungskritik. In: Orpheus. Ausgabe 12/13. Dezember 1992. Seite 71.
  5. Ingrid Wanja: RECHTZEITIGE ROSSINI-HOMMAGE. Aufführungskritik. In: Orpheus. Ausgabe 12/13. Dezember 1992. Seite 128/129.
  6. Julia Poser: GLÜCK. Aufführungskritik. In: Orpheus. Ausgabe 4. April 1993. Seite 51.
  7. Gina Guandalini/G.H.: REPERTORIO ANTICO. Aufführungskritik. In: Orpheus. Ausgabe 4. April 1993. Seite 49.
  8. "La Cambiale di Matrimonio" di Enzo Dara al Teatro La Fenice. Tradizionale con un pizzico di originalità, squisitamente. Di Stefano Duranti Poccetti. In: Corriere dello Spettacolo vom 23. September 2015. Abgerufen am 8. September 2017.
  9. a b Gran Buffone: der Bass Enzo Dara. Kulturradio rbb. Sendung vom Rainer Damm vom 20. Februar 2017. Abgerufen am 8. September 2017.