Epfach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen
Venus von Epfach

Koordinaten: 47° 55′ N, 10° 55′ O Epfach, am linken Ufer des Lech gelegen, ist ein Ortsteil der Gemeinde Denklingen im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe des heutigen Ortes gab es seit etwa 14 v. Chr. auf dem später Lorenzberg genannten Hügel unmittelbar am Lech eine römische Straßenstation mit etwa 80 Soldaten und Reitern. Diese hatten die Aufgabe, die Kreuzung der Via Claudia mit der alten Salzstraße zu sichern, die von Salzburg kommend hier den Fluss überquerte und dann nach Kempten führte. Es war der bedeutendste Straßenknotenpunkt im südlichen Bayern.

Ab 50 n. Chr. wurde der unnötig gewordene Militärstützpunkt aufgegeben. Das Umland war inzwischen sicher genug. Nun entstand auf der Lechterrasse eine Siedlung, in der sich Handwerker und Händler niederließen. Sie erhielt den Namen Abodiacum.

Im Jahre 233 zerstörten die Alamannen die Siedlung und hinterließen ein Trümmerfeld. Doch schon zwischen 260 und 270 wurde der Lorenzberg wieder besiedelt, aber diesmal aus Angst vor germanischen Überfällen mit einer ringförmigen Umfassungsmauer versehen.

Um 355 wurde die Siedlung erneut von den Alamannen zerstört, jedoch bald wieder von den Römern besiedelt und aufgebaut. Bis 388 waren römische Truppen auf dem Lorenzberg stationiert.

Gedenkstein für die Ortsgeschichte

Um 370/380 wurde auf der höchsten Kuppe des Lorenzberges ein rechteckiger Saalbau mit dreigeteiltem Chorabschluss errichtet, der als christlicher „Gemeindebau“ interpretiert wird. Nach 955 wurde eine größere Kirche (20 Meter lang und 13 Meter breit), St. Lorenz, erbaut, zum Teil über dem ältesten Gotteshaus aus dem 4. Jahrhundert. Im zwölften Jahrhundert entstand die – wieder wesentlich kleinere – dritte Kirche. Die heutige Kapelle stammt aus dem Jahr 1751.

Das ehemalige Ortswappen zeigt eine römische Öllampe gemeinsam mit dem goldenen Christogramm. Das Wappen geht zurück auf ein Fundstück aus dem späten vierten Jahrhundert, das Zeugnis für christliches Leben in spätrömischer Zeit gibt.

Die anfangs des 19. Jahrhunderts gefundene Statue „Venus von Epfach“ wurde Auslöser für die Suche nach römischen Schätzen. Lorenz Boxler (+ 24.09.1844), der Landrichter von Schongau, veranlasste 1830 die ersten gründlichen Grabungen am Lorenzberg. Ein berühmter Sohn des Ortes war Claudius Paternus Clementianus, dessen Laufbahn ihn vom Norden Galliens in das ferne Judäa führte, wo er als Finanzprokurator an gleicher Stelle wirkte wie etwa 80 Jahre vor ihm Pontius Pilatus. Anschließend kaiserlicher Statthalter in der Provinz Noricum, dem heutigen Österreich, kehrte er als Pensionist nach Epfach/Abodiacum zurück.[1] Beziehungen zum Ort hatte der erste urkundlich belegte Augsburger Bischof Wikterp, der ursprünglich in Epfach bestattet wurde.

Heute liegt der Ort am Fernradweg, der als Via Claudia Augusta entlang der gleichnamigen antiken Römerstraße verläuft.

Am 1. Juli 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde, die zum Landkreis Schongau gehörte, in die Gemeinde Denklingen eingegliedert.[2]

1996 geriet die Gemeinde durch ein Sexualverbrechen an einem siebenjährigen Mädchen in die überregionalen Schlagzeilen[3].

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das kleine Museum Abodiacum im ehemaligen Spritzenhaus der Feuerwehr mit Fundstücken aus der Römerzeit, zwei Modellen und Wandtafeln mit Beschreibungen der historischen Zeit
  • Kapelle St. Lorenz auf dem gleichnamigen Berg
  • Ein römisches Brunnenhaus Nymphäum in der Nähe der Schule
  • Eine bronzene Statue des St. Lorenz mit Gedenktafel auf der Lechbrücke
  • Katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Fischer: 2000 Jahre Epfach. Beiträge zur Ortsgeschichte. Epfach 1986.
  • Günter Ulbert: Der Lorenzberg bei Epfach. Die frührömische Militärstation. Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Band 9. Beck, München 1965.
  • Joachim Werner (Hrsg.): Studien zu Abodiacum – Epfach. Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Band 7. Beck, München 1964.
  • Joachim Werner: Der Lorenzberg bei Epfach. Die spätrömischen u. frühmittelalterlichen Anlagen. Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Band 8. Beck, München 1969.
  • Anton Huber, Martha Ikier, Bruno Ikier: Epfach in alten Photographien. EOS-Druckerei, St. Ottilien 1998.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zu Venus, Grabungen und Claudius berichtet Alpenrand in Römerhand, abgerufen am 13. September 2018
  2. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 492.
  3. Verbrechen: Schrei der Hilflosigkeit. In: Der Spiegel. Nr. 40, 1996 (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Epfach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien