Epfach

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Epfach
Gemeinde Denklingen
Koordinaten: 47° 54′ 39″ N, 10° 54′ 38″ O
Höhe: 650 m ü. NHN
Einwohner: 434 (25. Mai 1987)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 86920
Vorwahl: 08869
Blick auf Epfach und den Lech

Epfach, lateinisch Abodiacum, am linken Ufer des Lech gelegen, ist ein Pfarrdorf und Ortsteil der Gemeinde Denklingen im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römerzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe des heutigen Ortes gab es seit etwa 14 v. Chr. auf dem später Lorenzberg genannten Hügel unmittelbar am Lech eine römische Straßenstation mit etwa 80 Soldaten und Reitern. Diese hatten die Aufgabe, die Kreuzung der Via Claudia mit der alten Salzstraße zu sichern, die von Salzburg kommend hier den Fluss überquerte und dann nach Kempten führte. Es war der bedeutendste Straßenknotenpunkt im südlichen Bayern.

Ab 50 n. Chr. wurde der unnötig gewordene Militärstützpunkt aufgegeben. Das Umland war inzwischen sicher genug. Nun entstand auf der Lechterrasse eine Siedlung, in der sich Handwerker und Händler niederließen. Sie erhielt den Namen Abodiacum.

Im Jahre 233 zerstörten die Alamannen die Siedlung und hinterließen ein Trümmerfeld. Doch schon zwischen 260 und 270 wurde der Lorenzberg wieder besiedelt, aber diesmal aus Angst vor germanischen Überfällen mit einer ringförmigen Umfassungsmauer versehen.

Um 355 wurde die Siedlung erneut von den Alamannen zerstört, jedoch bald wieder von den Römern besiedelt und aufgebaut. Bis 388 waren römische Truppen auf dem Lorenzberg stationiert.

Gedenkstein für die Ortsgeschichte

Um 370/380 wurde auf der höchsten Kuppe des Lorenzberges ein rechteckiger Saalbau mit dreigeteiltem Chorabschluss errichtet, der als christlicher „Gemeindebau“ interpretiert wird.

Die anfangs des 19. Jahrhunderts gefundene Statue „Venus von Epfach“ wurde Auslöser für die Suche nach römischen Schätzen. Lorenz Boxler († 24. September 1844), der Landrichter von Schongau, veranlasste 1830 die ersten gründlichen Grabungen am Lorenzberg. Ein berühmter Sohn des Ortes war Claudius Paternus Clementianus, dessen Laufbahn ihn vom Norden Galliens in das ferne Judäa führte, wo er als Finanzprokurator an gleicher Stelle wirkte wie etwa 80 Jahre vor ihm Pontius Pilatus. Anschließend kaiserlicher Statthalter in der Provinz Noricum, dem heutigen Österreich, kehrte er als Pensionist nach Epfach/Abodiacum zurück.[1]

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

743 fand vermutlich hier die Schlacht bei Epfach statt. Bischof Wikterp, der erste nachgewiesene Bischof von Augsburg, wurde in dieser Kirche nach seinem Tod um 771/72 bestattet. Nach 955 wurde eine größere Kirche (20 Meter lang und 13 Meter breit), St. Lorenz, erbaut, zum Teil über dem ältesten Gotteshaus aus dem 4. Jahrhundert. Im zwölften Jahrhundert entstand die – wieder wesentlich kleinere – dritte Kirche, die um 1820 durch einen Neubau ersetzt wurde. Die heutige St. Lorenz-Kapelle stammt aus dem Jahr 1751. Von 1286 bis zur Säkularisation gehörte die Kirche zum Prämonstratenserkloster Steingaden.

Ab der Gemeindebildung 1818[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Epfach mit Forchau, Guttenstall, Lechrainer, Neuhof und Römerau wurde durch das zweite bayerische Gemeindeedikt von 1818 begründet. Vor der Gebietsreform 1972 gehörte Epfach zum ehemaligen Landkreis Schongau. Am 1. Juli 1972 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde in die Gemeinde Denklingen eingegliedert und gehörte nun zum Landkreis Landsberg am Lech.[2]

1996 geriet die Gemeinde durch ein Sexualverbrechen an einem siebenjährigen Mädchen in die überregionalen Schlagzeilen.[3]

Ortswappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Ortswappen zeigt eine römische Öllampe gemeinsam mit dem goldenen Christogramm. Das Wappen geht zurück auf ein Fundstück aus dem späten vierten Jahrhundert, das Zeugnis für christliches Leben in spätrömischer Zeit gibt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Epfach und Liste der Bodendenkmäler in der Gemarkung Epfach

  • Das kleine Museum Abodiacum im ehemaligen Spritzenhaus der Feuerwehr mit Fundstücken aus der Römerzeit, zwei Modellen und Wandtafeln mit Beschreibungen der historischen Zeit
  • Kapelle St. Lorenz auf dem gleichnamigen Berg
  • Ein römisches Brunnenhaus Nymphäum in der Nähe der Schule
  • Eine bronzene Statue des St. Lorenz mit Gedenktafel auf der Lechbrücke
  • Katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt am Fernradweg, der als Via Claudia Augusta entlang der gleichnamigen antiken Römerstraße verläuft.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Fischer: 2000 Jahre Epfach. Beiträge zur Ortsgeschichte. Epfach 1986.
  • Günter Ulbert: Der Lorenzberg bei Epfach. Die frührömische Militärstation. Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Band 9. Beck, München 1965.
  • Joachim Werner (Hrsg.): Studien zu Abodiacum – Epfach. Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Band 7. Beck, München 1964.
  • Joachim Werner: Der Lorenzberg bei Epfach. Die spätrömischen u. frühmittelalterlichen Anlagen. Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Band 8. Beck, München 1969.
  • Anton Huber, Martha Ikier, Bruno Ikier: Epfach in alten Photographien. EOS-Druckerei, St. Ottilien 1998.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Epfach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zu Venus, Grabungen und Claudius berichtet Alpenrand in Römerhand, abgerufen am 13. September 2018.
  2. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 492 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Verbrechen: Schrei der Hilflosigkeit. In: Der Spiegel. Nr. 40, 1996 (online30. September 1996).