Epicondylitis

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Klassifikation nach ICD-10
M77.0 Epicondylitis ulnaris humeri
M77.1 Epicondylitis radialis humeri
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Epicondylus lateralis humeri

Epicondylitis (auch Epikondylopathie; Epikodylose oder Epikondyalgie) ist ein erworbener, schmerzhafter Reizzustand der Sehnenansätze von Muskeln des Unterarms, die an den beiden Knochenvorsprüngen oberhalb des Epikondylus am distalen Teil des Oberarmknochens entspringen. Die Erkrankung wird der Gruppe der Enthesiopathien zugeordnet.

Es gibt zwei Formen:

  • Epicondylitis radialis humeri (auch Tennisellenbogen; Tennisarm oder Epicondylitis humeri lateralis): am äußeren Epikondylus des Oberarmknochens (Strecker des Handgelenks und der Finger).
  • Epicondylitis ulnaris humeri (auch Golferellenbogen, Golferarm oder Epicondylitis humeri medialis): am inneren Epikondylus des Oberarmknochens (Beuger des Handgelenks und der Finger).

Ursachen[Bearbeiten]

Eine Epicondylitis entsteht durch Überbeanspruchung der Unterarmmuskulatur. Mögliche Auslöser sind:

  • einseitige Beanspruchung (z. B. bei Tastatur-/Mausbenutzung, siehe auch: Repetitive Strain Injury Syndrom, Sportklettern)
  • falsche Haltung (im Beruf, bei der Haus- und Gartenarbeit oder in der Freizeit)
  • falsche Technik bei Schlägersportarten (der Griffumfang spielt dabei wohl keine Rolle[1])
  • falsche Schlafhaltung in Seitenlage (Verwendung des stark gebeugten Armes als Kopfstütze)
  • Erkrankungen wie Fibromyalgie

Symptome[Bearbeiten]

Typisch ist ein umschriebener Druckschmerz über dem Muskelansatz am Ellenbogen und eine Schmerzauslösung oder -verstärkung bei Betätigung dieser Muskeln.

Wichtige Differentialdiagnosen, die in Kombination auftreten können, sind:

Therapien[Bearbeiten]

Neben physiotherapeutischen Verfahren existieren auch Therapien wie Zuwarten, Kühlung mit Eis, Ultraschall, Lasertherapie, Interferenztherapie, Hochvolttherapie, Elektrostimulationstherapie, Muskelkräftigungsübungen, Armschlinge, Bandagen, Verbände, Strahlentherapie, Stoßwellen-Therapie (ESWT und Lithotripsie), Anwendung von Diclofenac-haltigen Cremes und Gelen, manuelle Therapie (beispielsweise Querfriktion nach James Cyriax), Akupunktur, Blutegelbehandlung, lokale Friktionsmassagen und die Gabe von Kortison.[2] Bei fehlendem Therapieerfolg sollten auch Erkrankungen der Halswirbelsäule abgeprüft werden, z. B. Bandscheibenschäden (v. a. Höhe C5-7), Foramenstenosen in dieser Höhe oder klinisch überwiegend anzutreffen funktionelle Störungen der unteren Halswirbelsäule und der Brustwirbelsäule, hier dann als therapeutische Konsequenz Chirotherapie und/oder Physiotherapie.

Studien mit physiotherapeutischen Verfahren (Dehnübungen, physiotherapeutisches Training) legen nahe, dass diese möglicherweise in manchen Punkten anderen überlegen sind.[3][4]. Wichtig für eine Heilung ist eine entsprechende Belastungspause. Auch physiotherapeutische Übungen sollten in der Regel erst durchgeführt werden, wenn die Schmerzen weitgehend abgeklungen sind.[5] Eine komplette Ruhigstellung ist dagegen nicht notwendig und auf Dauer mitunter sogar rezidivfördernd.

Bei Notfällen wird eine operative Therapie angewandt. Im Bereich des Epicondylus radialis humeri (Tennisellenbogen) kommt in der Regel die Operation nach Wilhelm-Hohmann zum Einsatz. Hierbei wird eine Entlastung der Muskelspannung durch eine teilweise Durchtrennung der Sehnenansätze an der betroffenen Epicondyle (Discisions-Tenotomie) herbeigeführt (= OP nach Hohmann). Zusätzlich wird eine Durchtrennung des radialen Nervengeflechtes, das direkt dem Epicondylus radialis aufliegt, durchgeführt. Hierzu wird die Knochenfläche einfach verödet (Verfahren nach Wilhelm).

Im Bereich des Epicondylus ulnaris humeri (Golferellenbogen) ist es notwendig, den Sulcus und Nervus ulnaris aufzusuchen und genau darzustellen. Wie auf der radialen Seite wird auch hier eine Sehnenverlängerung (Tenotomie) der Unterarmbeugesehnenansätze durchgeführt. Bei gleichzeitiger Ulnariseinklemmung muss der Nerv befreit (Dekompression) und ggf. versetzt werden (Transposition).[6]

Nach der OP wird ein stabilisierender Verband angelegt, der Arm braucht nicht ruhiggestellt zu werden. Bei Sulcus-ulnaris-Transposition kann für kurze Zeit eine Schiene zur Ruhigstellung angelegt werden. Nach etwa fünf Wochen tritt in der Regel die Heilung ein. Leistungssport ist nach ca. drei Monaten wieder möglich.

Bei chronischem Leiden von mehr als vier Monaten gibt es zudem die alternative Therapie mittels Botulinumtoxin. Hierbei wird das Nervengift Botulinumtoxin niedrig dosiert in den Muskel injiziert. Das Toxin legt nach einer einmaligen Injektion Muskeln und Sehnen zwei bis drei Monate lahm, so dass sie sich erholen können. Wenn die Wirkung nachlässt, haben sich in der Regel die Beschwerden verringert oder sind sogar ganz verschwunden. Als Nebenwirkung hängt der dritte Finger der jeweiligen Hand wegen der lähmenden Wirkung vorübergehend etwas herunter, wenn man die Hand streckt.

Literatur[Bearbeiten]

Leitlinien[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. G. F. Hatch, M. M. Pink, K. J. Mohr, P. M. Sethi, F. W. Jobe: The Effect of Tennis Racket Grip Size on Forearm Muscle Firing Patterns. In: The American Journal of Sports Medicine. 34, 2006, S. 1977–1983, doi:10.1177/0363546506290185.
  2. M. I. Boyer, H. Hastings: Lateral tennis elbow: “Is there any science out there?” In: Journal of shoulder and elbow surgery. Band 8, Nummer 5, 1999 Sep-Oct, S. 481–491, ISSN 1058-2746. PMID 10543604. (Review).
  3. Pia Nilsson, Eivor Thom, Amir Baigi, Bertil Marklund, Joergen M nsson: A prospective pilot study of a multidisciplinary home training programme for lateral epicondylitis. In: Musculoskeletal Care. 5, 2007, S. 36–50, doi:10.1002/msc.97.
  4. BMJ, 333, 21. November 2006, 939 zitiert nach Ärzte Zeitung: Erfolg für Physiotherapie bei Tennisellbogen
  5. Deutscher Verlag für Gesundheit und Ernährung, http://tennisarm.behandeln.de/tennisarm-uebungen.html
  6. A. B. Imhoff und R. Baumgartner: Checkliste Orthopädie, Thieme, 2006, ISBN 3-13-142281-5.
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