Epiphanien-Kirche (Berlin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Epiphanien-Kirche
Kirche mit Pfarr- und Gemeindehaus im Hintergrund

Kirche mit Pfarr- und Gemeindehaus im Hintergrund

Baujahr: 1906
Einweihung: 8. April 1906
Architekt: Jürgen Kröger
Stilelemente: Eklektizismus, Elemente im Architekturstil der Romanik, der Gotik, der Renaissance, des Barock und des Jugendstils
Bauherr: Evangelische Luisen-Kirchengemeinde Berlin-Charlottenburg
Grundfläche: 34 × 30 m
Platz: 1009 Personen
Turmhöhe:

40 m

Lage: 52° 30′ 46,8″ N, 13° 17′ 5,4″ OKoordinaten: 52° 30′ 46,8″ N, 13° 17′ 5,4″ O
Anschrift: Knobelsdorffstraße 72/74
Westend
Berlin, Deutschland
Zweck: evangelisch-uniert; Gottesdienst
Gemeinde: Evangelische Epiphaniengemeinde Berlin-Charlottenburg
Landeskirche: EKBO
Webseite: www.epiphanien.de

Der Gebäudekomplex in der Knobelsdorffstraße 72/74 im Berliner Ortsteil Westend des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf aus der 1904–1906 von Jürgen Kröger erbauten evangelischen Epiphanien-Kirche und dem 1929–1930 von Walter und Johannes Krüger errichteten Gemeindehaus steht unter Denkmalschutz. Die im Zweiten Weltkrieg ausgebrannte Kirche wurde 1957–1960 von Konrad Sage unter Verwendung der alten Außenmauern und des 1953 von Erich Ruhtz vereinfachten Turms wiederhergestellt und umgebaut. Der Innenraum des kreuzförmigen Zentralbaus wurde um 90 Grad in Nord-Süd-Orientierung gedreht und erhielt ein neues Dach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausdehnung Charlottenburgs nach Westen und die damit verbundenen weiten Wege der evangelischen Gläubigen zur Luisenkirche in den 1890er Jahren machten einen westlicher gelegenen Gottesdienstraum erforderlich. Bereits ab dem 1. Oktober 1894 wurden in der Aula der Realschule in der Schlossstraße Gottesdienste abgehalten. In Erwartung einer weiteren Ausdehnung Charlottenburgs pachtete die Kirchengemeinde ein Grundstück für eine Kapelle am Spandauer Damm Ecke Fürstenbrunner Weg. Diese von den Architekten Johannes Vollmer und Heinrich Jassoy für ca. 20.000 Mark gebaute Interimskirche wurde am 4. April 1897 eingeweiht. Für den Bau der künftigen Kirche wurde ein Gelände in der Nähe des alten Luisenkirchhofs in Westend erworben. Nach Fertigstellung der Epiphanienkirche wurde die Kapelle abgerissen und am Nonnendamm wieder aufgebaut, später wurde sie erneut abgerissen und als Wichernkirche wieder aufgebaut.

Unter Schirmherrschaft der Kaiserin Auguste-Viktoria wurde die Genehmigung zum Neubau der Kirche erteilt, der Entwurf wurde in einem Architektenwettbewerb ermittelt. Die Kaiserin wählte aus mehreren Vorschlägen den Namen Epiphanienkirche aus. Weil die Kirche von Nord-Westen nur über sandige Wege zu erreichen war, bekam sie in der Bevölkerung den Namen „Kirche auf dem Sandberg“. Die veranschlagten Baukosten für die Kirche betrugen 350.000 Mark, ausgegeben wurden 470.000 Mark. Die Ausstattung mit den notwendigen Kirchengeräten übernahm die Muttergemeinde. Die Kosten für zwei Pfarrer trug die Berliner Stadtsynode.

Im Jahr 1904 wurde die Kantstraße über den Lietzensee hinaus verlängert und die Bebauung rund um den See und in den anliegenden Straßen mit herrschaftlichen Mietshäusern für die Mittelschicht begonnen. Dieser war der Weg zur Epiphanienkirche zu weit, und sie befürwortete deshalb eine Teilung der Kirchengemeinde. Am 1. April 1913 entstand die ca. 50.000 Mitglieder zählende selbstständige Gemeinde Epiphanien II (Südost), die am 18. April 1915 ihren heutigen Namen „Kirchengemeinde am Lietzensee“ erhielt. Am 1. April 1957 wurde eine dritte Predigtstätte von Epiphanien abgetrennt, für die die Neu-Westend-Kirche in der Eichenallee Ecke Bolivarallee gebaut wurde.

Beim Angriff auf Berlin Anfang Mai 1945 wurde die Epiphanien-Kirche zerstört und das angrenzende Gemeindehaus beschädigt. Die britische Besatzungsmacht sorgte für die Beseitigung der Kriegsschäden des Gemeindehauses, beanspruchte allerdings den Gemeindesaal für ihre Gottesdienste. Sie gestaltete den Gemeindesaal entsprechend den liturgischen Erfordernissen des anglikanischen Gottesdienstes um. 1950 verlegten die Engländer die Gottesdienste in die inzwischen erbaute Kirche St. George. Seither stand der Gemeindesaal der Epiphaniengemeinde als alleinigem Benutzer wieder zur Verfügung. Der Saal wurde den Erfordernissen des evangelischen Gottesdienstes entsprechend umgestaltet und erhielt der Saalgröße gemäß eine Kleinorgel von Karl Schuke.

Alte Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Kirche

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der kreuzförmige Zentralbau hat einen flachen Chor und eine Doppelturmfront, im Südwesten wurde ein zweigeschossiger Anbau errichtet, in dem sich u. a. die Sakristei befindet. Der Mauerwerksbau ist mit roten Ziegeln und braunen Terrakottafliesen verblendet, der Sockel und das Portal, das sich an der Turmfront befindet, sind aus Natursteinmauerwerk. Der Portalvorbau besteht aus einer kielbogenüberfangenen Rundbogennische, darüber eine kleine Fensterrose, die Glockenstube hat rundbogige Schallöffnungen, die quadratischen Turmenden mit geschweiften Giebeln und steilen polygonalen Helmen sind mit barocken Hauben bekrönt. Die Giebel des Querschiffes sind verziert. Über dem Hauptgesims befindet sich eine spitzbogige Attika.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Wandmalerei über dem Altar stellte Jesus Christus dar. An den Seiten des Altarraumes waren der barmherzige Samariter und die Heimkehr des verlorenen Sohnes abgebildet. Im Schlussstein über dem Altar thronte Gott zwischen zwei Engeln. Auf dem Kirchengestühl hatten 1009 Personen Platz.

Die großen Fenster in den Giebeln des Querschiffs zeigten Weihnachts- und Ostermotive. In den acht kleineren Fenstern waren die Köpfe von Christian Friedrich Bernhard Augustin, Martin Luther, Philipp Melanchthon, Friedrich Schleiermacher, Monika, Katharina von Bora, Königin Luise und Amalie Sieveking dargestellt. Über dem Chor, in dem die Orgel stand, befanden sich Bilder von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Paul Gerhardt und Ernst Moritz Arndt. In dem Rundfenster über der Orgel war ein Harfe spielender David abgebildet.

Neue Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altarraum
Blick in die Kirche, mit Resten der alten Kirche (alter Altarraum)

Der Wiederaufbau des Kirchengebäudes erstreckte sich über einen Zeitraum von 15 Jahren. Am 27. März 1960 weihte Otto Dibelius das neue Gotteshaus ein.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erste Sicherungsmaßnahme wurden 1953 die beiden Türme, die ursprünglich barocke Turmhelme trugen, unter einem steilen Satteldach zusammengefasst. Der Wiederaufbau des Kirchengebäudes nach Entwürfen von Konrad Sage und Karl Hebecker erfolgte 1957–1960 in zwei Bauabschnitten, bei denen Dach und Innenraum neu gestaltet wurden. Zudem wurde der Haupteingang von der östlich des Turmes verlaufenden Rognitzstraße, die zugunsten des Stadtautobahnbaus aufgehoben wurde, auf die Südseite zur Knobelsdorffstraße verlegt.

Die bei Turm und Gemeindehaus vorhandene Richtung des Dachfirstes wurde auf das Kirchendach übertragen. Der Mittelteil in Süd-Nord-Richtung wurde nunmehr als Langhaus angesehen. Der westliche und östliche Kreuzarm sind als niedrige Seitenschiffe ausgebildet, die mit flachen Aluminiumdächern eingedeckt sind.

Das Dach wurde auf die 15 Meter hohen alten Umfassungsmauern aufgesetzt und bietet eine hochliegende Belichtung am oberen Raumabschluss, die noch vorhandenen Fensteröffnungen waren nicht mehr verwendbar. Das Dach wird aus einem Aluminium-Tragwerk mit Voll-, Halb- und Viertelpyramiden gebildet. Von innen besteht eine freie Sicht auf die Unterseite des Daches. Die Glasarchitektur der Stirnfelder hat die Form von Rauten. Die freitragende Aluminium-Dachkonstruktion wurde von der Firma Aluminiumbau Fritz Scheinecker KG in Kriftel/Taunus ohne Dachstuhl gebaut.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Struktur des Innenraums wurde verändert. Die Gebäudeachse wurde um 90 Grad gedreht, der Altar liegt jetzt an der Nordseite. Der Altarraum bildet ein auf die Spitze gestelltes Quadrat, in dessen Mitte der Altar steht, auf den das dreiteilige Kirchengestühl für ca. 600 Personen radial ausgerichtet ist. In der Verlängerung der Achse befindet sich die Taufe. Die Kanzel ist an der südwestlichen Quadratseite angeordnet, und der Taufstein wurde in der Verlängerung der Mittelachse aufgestellt.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Orgel

Bereits die erste Orgel sollte auch zu Konzertzwecken genutzt werden können. Daher wurde die Orgel von den Gebrüdern Dinse so eingerichtet, dass später ohne große Schwierigkeiten zwei weitere Register eingebaut werden konnten. Das Instrument wurde in Zusammenarbeit mit der TU Berlin in zwei Baustufen realisiert: 1975 wurde von der Firma Orgelbau Friedrich Weigle ein ausbaufähiges Instrument mit zunächst 15 Registern gebaut. Das Instrument wurde auf den Raum der Kirche abgestimmt und hat nach der 2. Baustufe im Jahr 1995 insgesamt 3518 Pfeifen. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertraktur ist elektrisch. Eine Besonderheit der Orgel ist, dass die mehrchörigen Register mit Vorab-Zügen aufgeteilt sind.[1]

I Hauptwerk C–a3
1. Pommer 16′
2. Prinzipal 08′
3. Octave 04′
4. Octave 02′
5. Mixtur VI–XII
vorab: II 02′
vorab: IV–V 023
vorab: I–V 02′
6. Quinte 0223
7. Terz 0135
8. Septime 0117
9. Gedackt 08′
10. Waldflöte 04′
11. Kubische Pfeife 08′
12. Harmonika Schwebung 08′
13. Trompete 08′
Tremulant
II Schwell-Oberwerk C–a3
14. Rohrgedackt 8′
15. Prinzipal 4′
16. Oktave 1′
17. Scharff V–VIII
vorab: III
vorab: II 023
vorab: I–III
18. Holzflöte 08′
19. Koppelflöte 04′
20. Nasat 0223
21. Flageolett 02′
22. Cymbel I–IV 029
23. Dulcian 16′
24. Krummhorn 08′
Tremulant
III Schwell-Brustwerk C–a3
25. Gedackt 8′
26. Rohrflöte 4′
27. Prinzipal 2′
28. Mixtur III–IV
29. Rauschpfeife II
vorab: Quinte 0113
vorab: Schwiegel 01′
30. Terzflöte 0135
31. None 089
32. Aliquot 0811
33. Rankett 16′
34. Dreikegelregal 08′
35. Trichterregal 04′
Tremulant
Pedalwerk C–f1
36. Prinzipal 16′
37. Oktave 08′
38. Rauschpfeife VI
vorab: Nasat 0513
vorab: Octave 04′
vorab: Quinte 0223
vorab: Oktave 02′
vorab: Quinte 0113
vorab: Octave 01′
39. Subbass 16′
40. Gemshorn 08′
41. Hohlflöte 04′
42. Spitzflöte 02′
43. Posaune 16′
44. Trompete 08′
45. Clarine 04′
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Geläut aus drei Bronzeglocken wurde von Franz Schilling gegossen.

Schlag­Ton Inschrift
a′ MACHE DICH AUF UND WERDE LICHT, DENN DEIN LICHT KOMMT! JESAJA 60, 1
d′ ICH BIN DAS LICHT, WER MIR NACHFOLGET, DER WIRD NICHT WANDELN IN DER FINSTERNIS. EV. JOH. 8, 12
f′ WIR PREDIGEN NICHT UNS SELBST, SONDERN JESUM CHRISTUM, DASS ER SEI DER HERR. 2. KOR. 4, 5

Die beiden großen Glocken wurden im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen, die kleinste blieb erhalten. Sie wurde 1926 für ein Ehrenmal verwendet.

Das zweite Geläut aus den 1920er Jahren

Gewicht (kg) Schlag­ton Inschrift
2200 d′ MACHE DICH AUF UND WERDE LICHT, DENN DEIN LICHT KOMMT.
1350 f′ NIEMAND HAT GRÖSSERE LIEBE DENN DIE, DASS ER SEIN LEBEN LÄSST FÜR SEINE FREUNDE.
0900 g′ UNS IST BANGE, ABER WIR VERZAGEN NICHT.

wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt. Die Glocken läuteten noch drei Jahre lang bis sie schwiegen.

1958 wurde ein neues Bronzegeläut aus vier Glocken von Petit & Gebr. Edelbrock hergestellt.

Gewicht (kg) Ø (cm) Höhe (cm) Krone (cm) Schlagton Inschrift
1180 135 113 23 e′ ICH BIN DER WEINSTOCK, IHR SEID DIE REBEN.
0810 110 091 18 fis' LEHRET ALLE VÖLKER UND TAUFET SIE.
0450 100 081 16 a′ ICH WILL DICH SEGNEN.
0310 080 066 14 h' HALTET AN IM GEBET.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ALUMINIUM, Fachzeitschrift der deutschen Aluminium-Industrie, 35. Jg., Heft 2, S. 66/71, 1959.
  • Günther Kühne, Elisabeth Stephanie: Evangelische Kirchen in Berlin. Berlin 1978.
  • Klaus-Dieter Wille: Die Glocken von Berlin (West). Geschichte und Inventar. Berlin 1987.
  • Der Gemeindekirchenrat der Epiphaniengemeinde Berlin-Charlottenburg: Geschichte der Epiphanien-Kirchengemeinde. Berlin 1992.
  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin: Berlin und seine Bauten. Teil VI. Sakralbauten. Berlin 1997.
  • Christine Goetz und Matthias Hoffmann-Tauschwitz: Kirchen Berlin Potsdam. Berlin 2003.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Epiphanienkirche (Berlin-Westend) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zur Orgel