Epiphysenfuge

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Längsschnitt durch einen ausgewachsenen Röhrenknochen. Die verknöcherte Epiphysenfuge befand sich während des Wachstums etwa dort, wo der Übergang zwischen Epi- und Metaphyse liegt.
Knochen7Jahre.jpg Knochen15Jahre.jpg
Skelettszintigrafien bei zwei Kindern, links 7 Jahre, rechts 15 Jahre alt (nicht maßstabsgerecht). Jeweils intensiver Knochenstoffwechsel in den Wachstumsfugen.

Die Epiphysenfuge (oder Wachstumsfuge, von griechisch: επίφυση - „darauf Gewachsenes“, „Entstandenes“) besteht aus hyalinem Knorpel. Sie bezeichnet die Fuge zwischen der Epiphyse (Endstück, Träger der knorpeligen Gelenkfläche) und der Metaphyse der Röhrenknochen. Sie ist der Ort des Knochenwachstums durch enchondrale Ossifikation. Der Ossifikationskern in der Epiphysenfuge wird Epiphysenkern genannt.

Physiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der knorpeligen Epiphysenfuge findet bei jugendlichen Wirbeltieren bzw. Menschen das Längenwachstum der Röhrenknochen statt. Dieses Knochenwachstum wird interstitiell bezeichnet, weil Knochenzellen (Osteoblasten) in den Knorpel einwandern. Dadurch wird einerseits die Diaphyse länger, andererseits die Epiphyse nach distal verschoben. Sobald Knochengewebe die Epiphysenfuge vollständig ersetzt, ist das Längenwachstum eines Individuums abgeschlossen.[1] [2]

Für die Epiphysenfugen am Handskelett des Menschen gibt es spezielle Atlanten, die das chronologische Alter eines Kindes mit dem aktuellen Skelettalter vergleichen lassen.[3] Damit können, zusammen mit aktuellen Längenmessungen von Körpergröße, Sitzgröße, Beinlänge etc., Aussagen über das noch zu erwartende Gesamtwachstum des Kindes oder des Jugendlichen gemacht werden. Die Epiphysenfugen schließen sich beim Menschen durchschnittlich ab dem neunzehnten Lebensjahr.

Krankheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zum Erwachsenen, bei dem der gesamte Langknochen verknöchert ist, ist der knorpelige Anteil beim Kind und Jugendlichen sehr verletzlich. Unter mechanischer Belastung kann es hier Schäden geben (z. B. Apophysitis calcanei, Morbus Schlatter).

Verletzungen der Epiphysenfuge (z. B. Epiphysiolyse) und Knochenbrüche, die die Epiphysenfuge kreuzen, können zu fehlerhaftem Wachstum führen. Wachstumsstörungen können wie bei der multiplen epiphysären Dysplasie auch erblich bedingt sein.

Eine Fraktur unter Einbeziehung der bereits teilweise geschlossenen Epiphysenfuge wird Übergangsfraktur genannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dietrich Starck: Embryologie. Ein Lehrbuch auf allgemein biologischer Grundlage. 3., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Georg Thieme, Stuttgart 1975. Dort Knochenbildung auf knorpeliger Grundlage, S. 574f.
  2. Wolfgang Bargmann: Histologie und Mikroskopische Anatomie des Menschen. 7., überarbeitete Auflage. Georg Thieme, Stuttgart 1977. Dort Chondrale Knochenbildung, S. 131–135.
  3. William Greulich: Radiographic atlas of skeletal development of the hand and wrist. Stanford University Press, 1999. ISBN 0804703981

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]