Eppaner Eislöcher

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Umgebung der Eislöcher
Das Innere eines Eislochs

Die Eislöcher am Gandberg zwischen Eppan und Kaltern in Südtirol sind lokale Kaltluftgebiete, in denen die Temperatur entscheidend von der allgemein in der Region üblichen abweicht. Das Phänomen wird mit dem physikalischen Prinzip der Windröhre (in der Höhlenforschung auch als konvektive Luftbewegung bekannt) erklärt.

Das Biotop ist geprägt durch Porphyrschuttmassen, Verwitterungsprodukte des oberhalb steil aufsteigenden Gandbergs, der Teil des Mendelkammes ist. An der oberen Öffnung des Quarzporphyrs strömt im Sommer warme Luft ein, kühlt an dem vom Winter ausgekühlten Fels ab, sinkt ab und strömt an den unteren Öffnungen des Gesteins wieder als kalte Luft aus. Sie bleibt in einer Mulde von etwa 200 m Länge, 50 m Breite und 5 m Höhe liegen, da sie schwerer ist, als die darüber liegende warme Luft. Ihre Temperatur unmittelbar am Eisloch beträgt zwischen null und neun Grad. In der Mulde finden hier Pflanzen auf 500 m Meereshöhe einen Lebensraum, den es sonst nur im Hochgebirge gibt, so etwa die Rostblättrige Alpenrose.

Das Eisloch-Phänomen gibt es auch an anderen Orten in den Alpen; oft kommt es an großen Steinhalden vor wie in Eppan. Was den Eppaner Eislöchern zu besonderer Bekanntheit verholfen hat, dürfte wohl die Tatsache sein, dass sich die kalte Luft in der schon genannten Mulde sammeln kann.

Die vielen durch einen Bergsturz entstandenen Felstrümmer bei den Eislöchern haben immer schon die Phantasie der Bevölkerung angeregt. Die Sage erzählt von einer Stadt, die unter den Trümmern begraben liegt. Die Verschüttung ist die Abrechnung Gottes mit deren frevelhaften Bewohnern. Das Kältephänomen hat in neuerer Zeit zu verschiedenen Spekulationen Anlass gegeben. So wurde ein unterirdischer Wasserlauf vermutet, auch ein verschütteter, noch vorhandener Eiszeitgletscher. Schlüssig ist die Erklärung nach dem Prinzip der Windröhre.

Die Eppaner Eislöcher stehen unter Naturschutz.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Pfaff: Die Eislöcher im Überetsch. Schlern-Schriften 24/1933.
  • Adriano Cumer, Friedrich Ladurner: Temperaturmessungen im Gebiet der Eislöcher bei Eppan. Tätigkeitsbericht des Biologischen Landeslabors der Autonomen Provinz Bozen, 1987.
  • Arbeitskreis Südtiroler Mittelschullehrer (Hrsg.): Naturkundliche Wanderungen 3. Verlagsanstalt Athesia 1990.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eppaner Eislöcher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Windröhren-Prinzip

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschütztes Biotop Eislöcher. Amt für Natur, Landschaft und Raumentwicklung, Autonome Provinz Bozen – Südtirol

Koordinaten: 46° 26′ 44″ N, 11° 14′ 45″ O