Epworth Sleepiness Scale

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Die Epworth Sleepiness Scale (ESS) ist ein Verfahren zur Erfassung der Tagesschläfrigkeit durch Verwendung eines sehr kurzen Fragebogens. Das Verfahren wird in der Schlafmedizin bei der Diagnose von Schlafstörungen eingesetzt.[1]

Es handelt sich um ein Instrument der nichtapparativen Diagnostik für Schlafforschung und Schlafmedizin.

Inhalt des Fragebogens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgefragt wird retrospektiv die subjektive Einschätzung einer Person hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit, in acht vorgegebenen typischen Situationen (tatsächlich) in den Schlaf zu fallen. Die Einstufung erfolgt in einer aufsteigenden Skala von 0 bis 3. Die Ergebnisse zu den acht Fragen werden zu einem Wert addiert. Ein Ergebnis von 0–9 wird als normal angesehen, bei Problemen mit dem Schlaf und höheren Werten sollte ärztlicher Rat gesucht werden.[2] Für eine zutreffende Diagnose sind weitere Tests und Untersuchungen erforderlich.

Der Fragebogen wurde ursprünglich mit der Absicht geschaffen, durch gleichbleibende Wortwahl Vergleichbarkeit zu schaffen. Mit der befragten Person sollen Ergebnisse nicht vor dem vollständigen Ausfüllen besprochen werden.[3]

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Erfassung der Tagesschläfrigkeit zu Beginn der Diagnostik kann der Test auch erneut eingesetzt werden, um Erfolge einer Therapie zu dokumentieren. Als Vorteil gegenüber anderen Fragebögen und apparativer Diagnostik kann der geringe Aufwand seitens des Patienten und die schnelle Auswertung gesehen werden. Grenzen sind dem Test schon dadurch gesetzt, dass die abgefragten Situationen dem Patienten bekannt sein müssen, Kinder sind damit ausgeschlossen. Beurteilt werden längere Zeiträume, nicht jedoch tageszeitliche Schwankungen.

Bei der Beurteilung als Klassifikator hat die ESS bezogen auf Narkolepsie sowohl hohe Spezifität (100 %) als auch hohe Sensitivität (93,5 %).[4]

Der Fragebogen wird in der Leitlinie zur Narkolepsie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) bei den notwendigen Schritten bei der Erstdiagnostik einer Narkolepsie ausdrücklich benannt.[5] Er wird nach der Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“ der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) auch bei der Diagnostik anderer Schlafstörungen verwendet.[1]

Auswertung:

ESS-Score Gesundheitliche Bedeutung
0-6 gesund nur einfaches, unbedenkliches Schnarchen
6-10 grenzwertiger Befund
10-15 V. a. auf leichte bis mittelschwere schlafbezogene Atemstörung
größer als 16 schwere Schlafstörung mit gesundheitlichem Risiko

[6]

Alternativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Bestimmung der Schwere der Tagesschläfrigkeit werden in der Schlafmedizin und anderen Bereichen je nach Fragestellung eine Vielzahl von Verfahren eingesetzt. Zur apparativen Diagnostik zählen Multipler Schlaflatenztest (MSLT) und Multipler Wachbleibetest (MWT), zur nichtapparativen Diagnostik die Stanford Sleepiness Scale (SSS) und viele weitere Fragebögen[7].

Die Verfahren berücksichtigen in unterschiedlichem Umfang jeweils Teilaspekte der Tagesschläfrigkeit.[8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Test wurde 1991 von Murray W. Johns (Epworth Hospital in Melbourne, Australien) eingeführt.[2] Im Laufe der Jahre wurde der Text in mehrere andere Sprachen (Deutsch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Japanisch, Portugiesisch, Schwedisch, Spanisch, Türkisch und Chinesisch/Mandarin) übertragen und teilweise in diesen Versionen validiert.[3] Inzwischen wird er weltweit eingesetzt.

Von der DGSM wurde eine deutsche Version erstellt, zu der auch Normdaten veröffentlicht wurden. Bei Gesunden erzielten 85 % der Probanden einen Gesamtwert kleiner 10, der ESS für die Gesamtgruppe lag bei 6,6±3,5 (SD).[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). In: AWMF online (Stand 2009).
  2. a b Murray W. Johns: A new method for measuring daytime sleepiness: the Epworth sleepiness scale. In: Sleep. Vol. 14, Nr. 6, 1991, S. 540–545, PMID 1798888 (englisch).
  3. a b Epworth Sleepiness Scale (Offizielle Website), abgerufen am 21. Januar 2013.
  4. Murray W. Johns: Sensitivity and specificity of the multiple sleep latency test (MSLT), the maintenance of wakefulness test and the Epworth sleepiness scale: Failure of the MSLT as a gold standard. In: Journal of Sleep Research. Vol. 9, Nr. 1, 2000, S. 5–11, doi:10.1046/j.1365-2869.2000.00177.x, PMID 10733683 (englisch).
  5. S1-Leitlinie Narkolepsie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DNG). In: AWMF online (Stand 2008)
  6. Schlafzentrum Ruhrgebiet: Epworth-Test zur Tagesschläfrigkeit (Epworth Sleepiness Scale) - Schlafzentrum Ruhrgebiet. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  7. Azmeh Shahid, Kate Wilkinson, Shai Marcu, Colin M. Shapiro: STOP, THAT and One Hundred Other Sleep Scales. Springer, New York 2012, ISBN 978-1-4419-9892-7, doi:10.1007/978-1-4419-9893-4.
  8. Murray W. Johns: Daytime sleepiness, snoring, and obstructive sleep apnea. The Epworth Sleepiness Scale. In: Chest. Vol. 103, Nr. 1, 1993, S. 30–36, doi:10.1378/chest.103.1.30 (englisch).
  9. Cornelia Sauter, Roland Popp, Heidi Danker-Hopfe, Antje Büttner, Barbara Wilhelm, Ralf Binder, Wilfried Böhning, Hans-Günther Weeß: Normative values of the German Epworth Sleepiness Scale. In: Somnologie. Vol. 11, Nr. 4, 2007, S. 272–278, doi:10.1007/s11818-007-0322-8 (englisch).