Erasbach

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Koordinaten: 49° 8′ 45″ N, 11° 25′ 14″ O

Erasbach
Stadt Berching
Höhe: 406 m
Einwohner: 540 (2016)
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 92334
Vorwahl: 08460
Erasbach

Erasbach ist ein Ortsteil der Stadt Berching im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, Regierungsbezirk Oberpfalz.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt auf circa 406 Meter NHN in der Ebene südlich des Bogens, den der Main-Donau-Kanal von Richtung Berching aus nach Richtung Hilpoltstein macht, nördlich eines Höhenzuges, der mit dem Röschberg bis auf 564 Meter NHN ansteigt.

Kath. Filialkirche „Mariä Heimsuchung“ in Erasbach
Tor der Friedhofsmauer
Das ehemalige Landsassengut
Ehemaliger Zehentstadel
Steinerne Rinne bei Erasbach
Geburtshaus von Christoph Willibald Gluck
Gluck-Denkmal in Erasbach

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erasbach ist als „Erichesbach“ am 22. Juli 1080 erstmals urkundlich genannt, als zu Nürnberg König Heinrich IV. dem Bischof Odalrich von Eichstätt das Privileg der Ausübung des Wildbanns in einem fest umrissenen Gebiet nördlich von Eichstätt verlieh. Erichespach war ein Grenzort dieses Wildbannbezirks.[1] Die Ansiedelung war ursprünglich ein Reichsministerialensitz, wie eine Urkunde des 12. Jahrhunderts besagt; diese Reichsministerialen wurden auch Ministerialen der Eichstätter Kirche.[2] So wird zwischen 1138 und 1149 ein Merbort de Erichspach als Urkundenzeuge Bischofs Gebhard II. tätig.[3] Um 1140 tritt ein Reginger de Eringespach bzw. Erichespach als Zeuge in Urkunden des Klosters Weihenstephan auf.[4] Wenige Jahrzehnte später, zwischen 1183 und 1195, weihte der Eichstätter Bischof Otto in „Erinsbach“ eine Kirche.[5] 1223 erfährt man von einem „ecclesiasticus“, also Mesner, namens Volcmar von Erichesbach.[6] Später erfolgte ein Übergang an die Grafen von Hirschberg, denn 1305, mit dem Aussterben der Grafen von Hirschberg, wurde „Erispach“ mit „Leuten, Gütern und Gericht“ im Gaimersheimer Spruch dem Bischof von Eichstätt zugesprochen.[7] Um 1326/29 übergaben Luitpold und Albert von Wolfstein zu Niedersulzbürg auf dem Tauschweg zwei Besitzungen zu Erasbach und Pollanten, die sie wohl von der Eichstätter Kirche zu Lehen hatten, an das Kloster Plankstetten; 1329 erwarb das Kloster einen Wald bei Erasbach von Heinrich Ziegenfelder. Einen weiteren Hof zu Easbach erhielt das Kloster Plankstetten 1376 bei der Stiftung des Filialklosters „Klösterlein Grab“ am Schlüpfelberg von den Herren von (Hilpolt-)Stein aus deren Eigenbesitz.[8] Die Wolfsteiner hatten weiteren Besitz in Erasbach, denn 1359 wurde in einem Teilungsvertrag der Wolfsteiner Erasbach Albrecht dem Älteren von Wolfstein zu Pyrbaum zugesprochen. 1436 erwarben die Wolfsteiner eine Hofstätte zu Erasbach aus dem Besitz derer zu Hofen; 1740 stammten 15 Untertanen ihrer Allodialerben aus Erasbach.[9] Als 1769 der bayerische Kurfürst von den Allodialerben der Wolfsteiner, den Fürsten von Hohenlohe und Giech, den Wolfsteinschen Allodbesitz erwarben, war mit etwa zehn Gütern auch Besitz in Erasbach darunter.[10] Drei Besitzungen des Eichstätter Bischofs unterstanden dem bischöflichen Kastenamts Jettenhofen des Unteren Hochstifts.[11]

Seit 1346 saß das Adelsgeschlecht der Koppen auf der Burg von Erasbach. Von diesen kam der Besitz 1375 an Konrad Hillebrand und von ihm 1396 an Nikolaus Hillebrand. Danach besaßen das Landsassengut die Mühlbecks, deren Sandsteinwappen sich in der Kirche erhalten hat. Spätere Besitzer waren Reichhart von Bechthal (1519), der Pfleger zu Helfenberg Hans Thanhauser (ab 1522), Christoph von Eyb (1544), Friedrich von Lichtenau (1556), Ulrich Dieß (1568), Doktor der Rechte Georg Hofmann (1573), Christian Hartung (1586), wiederum Georg Hofmann (1591), Georg Deublinger/Deiblimger (1601), der Neumarkter Stadtpfarrer Mathias Faber (1630), mit dessen Eintreten in den Jesuitenorden das Jesuitenkolleg in Eichstätt (1630), der Pfleger zu Velden, der Nürnberger Christoph Ludwig Gugel (1651), der Pfleger von Pfaffenhofen-Haimburg Karl Tuntzler (1697), Karl Tunzlers Erben (1707), schließlich die von Ruprecht (1710 bis ins 19. Jahrhundert; 1829 starb Frhr. Michael Joseph von Ruprecht in Amberg). Ihr Sitz war ein Weiherhaus südlich neben der Kirche, das sich erhalten hat.[12] Für 1644 lässt sich für die Hofmark Erasbach kleiner Besitz in Landerzhofen und Kevenhüll nachweisen.[13] Ab 1732 gab es einen zweiten Landsassensitz in Erasbach, ein Hof des Egidius von Vallende mit zwei Grundholden, der im Erbgang über seine Witwe an deren zweiten Gemahl, Jakob de Lonley, überging und 1806 von Freiherrn von Ruprecht zu Erasbach wieder aufgekauft wurde.[14] Jetzt, gegen Ende des Alten Reiches bestand Erasbach aus 55 Anwesen, die hochgerichtlich dem kurbaierischen Schultheißenamt Neumarkt unterstanden.[15]

Im neuen Königreich Bayern (1806) wurde der Hofmark Erasbach unter dem Freiherrn Joseph von Ruprecht die Patrimonialgerichtsbarkeit II. Klasse zugestanden. Hierzu gehörten 22 Gerichtssassen in Erasbach, vier in Weihersdorf und je einer in Bachhausen, Großberghausen und Kevenhüll; es wurde nach freiwilligem Verzicht des Freiherrn auf ein Ortsgericht im September 1815 aufgehoben, und die Gerichtssassen wurden dem königlichen Landgericht Neumarkt zugeteilt.[16] 1827 wurden sie mit dem seit 1808 bestehenden Steuerdistrikt Erasbach (= Erasbach, Bachhausen und Weidenwang) bzw. mit der 1818 gebildeten Ruralgemeinde Erasbach, die von 1811 bis dahin aus Erasbach und Weidenwang bestand, dem Landgericht und Rentamt Beilngries zugeteilt. Von 1827 bis 1830 gehörte die Reismühle zur Gemeinde Erasbach.[17]

Zum Stichtag 10. Januar 1873 gab es in Erasbach 64 „Viehhaltungen“ mit insgesamt 22 Pferden, 242 Stück Rindvieh, 232 Schafe, 76 Schweine und sechs Ziegen.[18] 1873 wurde das Schulhaus, „200 Schritte“ von der Kirche entfernt, umgebaut; der Lehrer war zugleich Kantor, Organist und Mesner.[19] 1900 betrug der Viehbestand 14 Pferde, 251 Stück Rindvieh, 120 Schafe, 192 Schweine und 24 Ziegen.[20]

Im Dritten Reich gab es in Erasbach ein Wehrertüchtigungslager der Hitlerjugend, das in den ersten Nachkriegsjahren als Lager für Displaced Persons genutzt wurde.[21]

Im Zuge der bayerischen Gebietsreform schloss sich Erasbach mit seiner circa 516 Hektar großen Ortsflur erst spät, nämlich 1976, der Stadt Berching im Landkreis Neumarkt i. d. Opf. an.[22] 1979 wurde ein neuer Friedhof seiner Bestimmung übergeben.[23]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1795: 131 (3 Höfe, 27 Häuser)[24]
  • 1818: 160 (27 Häuser)[25]
  • 1830: 330 (63 Häuser und die Obermühle)[26]
  • 1873: 346 (70 Häuser, 84 Familien)[27]
  • 1900: 307 (65 Wohngebäude)[28]
  • 1950: 686 (74 Anwesen)[29]
  • 1961: 335 7(2 Wohngebäude)[30]
  • 1987: 436 (127 Wohngebäude, 150 Wohnungen)[31]
  • 2016: 540[32]

Kuratiekirche Mariä Heimsuchung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste Kirchenweihe fand durch den Eichstätter Bischof Otto zwischen 1183 und 1195 statt.[33] Die heutige Kirche stammt aus der Gotik des 14. Jahrhunderts, wurde aber im 18. Jahrhundert verändert und 1873 restauriert. Sie ist, wie unverputzte Mauerteile zeigen, aus kleinen, ziemlich regelmäßigen Kalksteinquadern erbaut. Der zweisäulige Hochaltar gilt als „originelle Arbeit des 17. Jahrhunderts“. Die Seitenaltäre stammen von circa 1725.[34] Im Turm hängen zwei größere Glocken aus Gussstahl aus den 1920er Jahren und eine kleinere, ältere Bronzeglocke. – Die Kuratie Erasbach gehört heute zum Pfarreienverbund Berching des Bistums Eichstätt.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Baudenkmäler gelten außer der Kirche das Anwesen Am Erlenbach 10, das ehemalige Landsassengut als Weiherhaus, ein zweigeschossiger, renovierungsbedürftiger Satteldachbau aus dem 16. Jahrhundert, sowie der ehemalige Zehentstadel in der Zehentstraße 4 (im Osten des Ortes), ein zweigeschossiger Satteldachbau aus dem 17. Jahrhundert.[35]

Siehe Baudenkmäler in Erasbach.

Naturdenkmal Steinerne Rinne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Steinerne Rinne bei Erasbach; dazu auch „Sehenswertes Naturdenkmal“ [2]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt an der Staatsstraße 2237, von der nordwestlich von Erasbach Ortsverbindungsstraßen nach den Nachbarorten Weidenwang bzw. Bachhausen abzweigen.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr Erasbach, 1875 gegründet
  • Obst- und Gartenbauverein
  • Kriegerverein (SRK), 1920 gegründet, 1954 wiedergegründet
  • Ball-Spiel-Verein (BSV) Erasbach, 1959 gegründet
  • Zimmerstutzen-Schützenverein, 1911 gegründet
  • Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Erasbach, 1964 gegründet
  • Frauenkreis Erasbach, 1984 gegründet

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Willibald Gluck, Komponist, Opernreformator, * 2. Juli 1714 in Erasbach (mit Weidenwang umstritten), siehe[36], † 15. November 1787 in Wien
  • Johann Koller, Maler und Bildhauer, * 1838 in Erasbach, † 1920 in Neumarkt in der Oberpfalz
  • Anton Kolb, Dr. rer. nat., Professor der Biologie in Bamberg, Fledermausforscher, * 5. November 1915 in Erasbach, † 20. April 1998 in Erlangen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Heidingsfelder (Bearb.): Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen: Palm & Enke 1938
  • Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken, Reihe I Heft 6: Eichstätt, Beilngries-Eichstätt-Greding. München 1959
  • Bernhard Heinloth: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 16: Neumarkt, München 1967
  • Friedrich Hermann Hofmann u. Felix Mader: Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz & Regensburg. XII. Bezirksamt Beilngries. I. Amtsgericht Beilngries, München 1908
  • Alfons Baier: Die „Steinerne Rinne“ am Berg südlich Erasbach/Opf. – eine Untersuchung zur Hydrogeologie und -chemie des Seichten Karstes. In: Geol. Bl. NO-Bayern 52, 1–4, S. 139–194, Erlangen 2002, siehe [3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erasbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heidingsfelder, S. 87 f. (Nr. 259); Hirschmann, S. 22
  2. Heinloth, S. 36
  3. Heidingsfelder, S. 119 (Nr. 380)
  4. Heinloth, S. 37
  5. J. B. Fuchs: Die Kirchweihen Bischofs Otto zu Eichstätt in den Jahren 1183–1195. In: 25. Jahresbericht des historischen Vereins in Mittelfranken, Ansbach 1857, Beilage I, S. 6
  6. Heidingsfelder, S. 189 (Nr. 605)
  7. Heidingsfelder, S. 418 (Nr. 1346) Heinloth, S. 32
  8. J. B. Fuchs: Geschichte des ehemal. Benedictinerklosters Plankstetten in der Diözese Eichstätt, in: 16. Jahresbericht des historischen Vereins in Mittelfranken, Ansbach 1847, S. 41 ff., insbes. S. 59; Heinloth, S. 167 f.
  9. Heinloth, S. 98, 107
  10. Heinloth, S. 106 f.
  11. Hirschmann, S. 78
  12. Hofmann/Mader, S. 63; Heinloth, S. 179 f.
  13. Felix Mader: Geschichte des Schlosses und Oberamtes Hirschberg. Eichstätt 1940, S. 86
  14. Heinloth, S. 180
  15. Heinloth, S. 259
  16. Königlich-Baierisches Intelligenzblatt für den Ober-Donaukreis, Eichstätt, 16. September 1815, Sp. 760 f.
  17. Franz Kumpf: Gesetzes-Statistik von Mittelfranken und den vom vormaligen Rezatkreise getrennten Gerichten, Ansbach 1839, S. 19, Fußnote g; Hirschmann, S. 213
  18. Georg Mayr (Bearb.): Die Viehzählung im Königreiche Bayern vom 10. Januar 1873, München 1874, S. 76
  19. Valentin Grübel (Bearb.): Statistik der deutschen Schulen im Kreise Mittelfranken, Ansbach 1873, S. 330
  20. Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern mit alphabetischem Ortsregister, München 1904, Spalte 807
  21. Hans Holzträger: Die Wehrertüchtigungslager der Hitler-Jugend, 1942–1945. Ein Dokumentarbericht, Ippesheim 1991, S. 104, 109
  22. Info auf der Website von Berching
  23. Erasbach auf der Website von Berching
  24. Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Baiern, 1. Bd. (A–I), Ulm 1796, Sp. 563
  25. Johann Friedrich Jacobi: Neue systematische und allgemeine Erdbeschreibung des Bayern’schen Königstaats, Band IV, Augsburg 1818, S. 105
  26. Karl Fr. Hohn: Der Regenkreis des Königreichs Bayern, geographisch und statistisch beschrieben. Stuttgart und Tübingen 1830, S. 138
  27. Grübel, S. 330
  28. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hg): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern mit alphabetischem Ortsregister [nach der Volkszählung vom 1. Dez. 1900]. München 1904, Sp. 807
  29. Hirschmann, S. 212
  30. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 517
  31. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München 1991, S. 256
  32. Website der Stadt Berching
  33. Heidingsfelder, S. 161 (Nr. 501)
  34. Hofmann/Mader, S. 62
  35. Sixtus Lampl: Denkmäler in Bayern – Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Geländedenkmäler: Band III: Oberpfalz, München 1985, S. 133
  36. [1]