Erbach (Adelsgeschlecht)

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Stammwappen derer von Erbach

Die Grafen von Erbach gehören zum rheinfränkischen Uradel und waren zunächst Ministeriale, die das Amt des Vogtes der Abtei Lorsch innehatten. Ihr Versuch, sich als Reichsministerialen der Staufer zu halten, wurde durch die Wittelsbacher Pfalzgrafen bei Rhein verhindert, die die Herren von Erbach um 1226 als Schenken von Erbach zu ihren Erbschenken machten. Das seit 1532 reichsgräfliche Geschlecht regierte bis zur Mediatisierung 1806 die in mehrere Teilgrafschaften aufgeteilte, zum fränkischen Reichskreis gehörende Grafschaft Erbach und zählte daher zum Hohen Adel. Linien der Familie sind bis heute auf Schloss Erbach und Schloss Fürstenau im Odenwald ansässig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrschaft Erbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ältere Darstellungen sahen Einhard, den Chronisten Karls des Großen, als Stammvater der Erbacher Grafen an. Als Ahnherr der Erbacher könnte allerdings auch der Meier des späteren Kaisers Otto I., Wetti, der in einer Urkunde vom 14. Februar 947 benannt wird, betrachtet werden.[1][2] Darin schenkt Otto I. seinem „nostro villico“ Wetti eine königliche Hufe als Eigengut zu Seckbach. Auch die Hagen-Münzenberg, Heusenstamm und Dornberg gehen vermutlich auf diese eine Ur-Familie zurück.[3][4]

Das Geschlecht der Herren zu Erbach erscheint urkundlich erstmals im Jahr 1148 mit Eberhard I. von Erbach.[5] Eberhard I. von Erbach, wahrscheinlich geboren als Eberhard II. von Hagen,[6] wird um 1165/70 im Lorscher Codex als Vogt über Gebiete im Odenwald erwähnt. Um 1200 erscheinen die Erbach als Reichsdienstmannen, etwas später als Schenken der Kurfürsten von der Pfalz. Im 13. Jahrhundert teilen sie sich in die Linien Erbach-Erbach mit Konrad I. und Erbach-Reichenberg mit Eberhard III. auf. Unter den Söhnen Eberhards III. entstehen dann die Linien Erbach-Reichenberg und Erbach-Reichenberg-Michelstadt.

Ihre Erbacher Burg wird urkundlich um 1303 ersterwähnt. Die Burggründung dieser Wasserburg zu Erbach im Odenwald ist aber höchstwahrscheinlich schon auf den Stammvater Eberhard I. zurückzuführen. Um 1140 wurde dazu wohl der Baumeister Cementarius Wichmann mit deren Errichtung beauftragt. Wichmann hatte als Norddeutscher auch die Erfahrung im Bau von Niederungsburgen.[7] 1422 erlangen die Schenken von Erbach die Reichsstandschaft.

Als Lehensleute der Herrn zu Erbach traten u. a. die Edelknechte Albrecht d. Ä. von Echter, Stammvater der Herren von Echter, und Wortwin von Ungelaube 1335 und 1336 urkundlich auf. Sie erwarben darin den Zehnt zu Beerfurth und wurden vom Schenk Konrad, Herr zu Erbach, damit belehnt.[8][9][10]

Grafschaft Erbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte der Grafschaft Erbach 1645

1532 erfolgte die Erhebung in den Reichsgrafenstand und damit in den Hochadel, nachdem die Erbacher bereits seit dem 13./14. Jahrhundert trotz der Herkunft aus der Reichsministerialität als Angehörige des hochadeligen Herrenstandes gegolten hatten.

Ab 1544 war in der gesamten Grafschaft Erbach die Reformation eingeführt. Erst 1761 setzten für den Bergbau und Verhüttung zugewanderte Fachleute aus katholischen Gebieten wie Tirol, der Steiermark oder dem Erzgebirge durch, dass sie wieder in Michelstadt einen katholischen Gottesdienst abhalten durften. Auch in Erbach ist 40 Jahre später – 1802 – eine katholische Messe nachgewiesen.

Im Grundriß der Staatskunde des deutschen Reichs in ihrem ganzen Umfange: mit Inbegriff der sämmtlichen preußischen und östereichischen Staaten. Band 1 schrieb 1796 Friedrich Leopold Brunn zur Grafschaft Erbach:

»Die Grafsch. Erbach liegt im fränkischen Kreise auf dem Odenwalde, und grenzt an das wertheimische, an die untere Pfalz, an die Bergstraße und an die obere Grafsch. Katzenelnbogen. Der Boden ist gebirgicht, aber doch ziemlich fruchtbar. Der vornehmste Fluß ist die Mümling. Produkte sind: Getreide, darunter vorzüglich Spelz und Weizen, Buchweizen, Kartoffeln, Wein, Nüsse, Holz, Viehzucht, Bienenzucht, Eisen, Marmor, mehrere Steinarten. Die Industrie in Manufakturen und Fabriken ist mittelmäßig. Man führt aus: Spelzmehl, Hafer, Buchweizen, Holz, Kohlen, Potasche, Vieh, Eisen, Nüsse, Honig u. Wachs. Das Land hat seine eignen regierenden Grafen, welche sich in 3 Linien, nemlich in das Haus Erbach-Erbach, Erbach-Schönberg und Erbach-Fürstenau theilen. Es steht aber dem größten Theile nach unter churpfälzischer Oberlehenshoheit. Die vornehmsten Oerter darin sind: Michelstadt, Hptst. Sitz der gemeinschaftl. Regierung, Eisenhammer. – Erbach, kl. St. a. Mümling. Gammelsbach und Schellenbach, Dfr. Eisenhammer. – Fürstenau, altes Schl., Schmelzofen. – Steinbach, Df. Eisenhütte und Hammerw. – Reichenberg, Schl. Vortrefl Weinbau. – Schönberg Schl. u. Paß. a.d. Bergstraße.«[11]

Die zum fränkischen Reichskreis gehörende Grafschaft hatte um 1800 etwa 526 km² mit ca. 33.000 Einwohnern. Infolge der Rheinbundakte (Artikel 24) fiel 1806 der Großteil der Grafschaft an das Großherzogtum Hessen, der Rest an das Königreich Bayern.

Besitzungen und Linien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstandene Burg in Erbach im Odenwald wurde im 13. Jahrhundert gezwungenermaßen den Pfalzgrafen bei Rhein zu Lehen aufgetragen. Die Güter der Erbacher stammten überwiegend aus dem ehemaligen Besitz des Klosters Lorsch um Michelstadt, das 1232 an Kurmainz gefallen war, sowie Beerfelden, ein Pfälzer Lehen, und Reichelsheim.

Ab 1314 war der gesamte Erbachische Besitz pfälzisches Lehen. Das Haus Erbach hatte vorher oft in Kämpfen mit der Kurpfalz gestanden. 1556 kam durch Erbschaft die halbe Herrschaft Breuberg zur Grafschaft.

Im Jahre 1270 erfolgte die erste Teilung der Erbacher, aus der die folgenden Linien hervorgingen:

  • Ältere Linie Erbach-Erbach (bis 1503)
  • Mittlere Linie Erbach-Reichenberg (Fürstenau)
  • Jüngere Linie Erbach-Michelstadt (bis 1531)

Es folgten danach weitere Teilungen, bei denen die Namen der erloschenen Linien immer wiedergewählt wurden. Als letzte entstanden 1717/1718 die folgenden Linien bei der Erbteilung aus der einzig verbliebenen sukzedierten Linie Erbach-Fürstenau; sie existierten am Ende des Alten Reichs noch als reichsunmittelbare Territorien in Nutzteilung ohne Grundteilung der Grafschaft Erbach:[12]

Schlösser und Burgen des Hauses Erbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgende Galerie vereinigt Abbildungen von Repräsentativbauten, die zum historischen Besitz einer Familie der drei Zweige des Hauses Erbach gehörten bzw. noch immer gehören. Während die Grafenhäuser in Erbach und Fürstenau bis heute bedeutende Teile ihrer historischen Besitzungen bewirtschaften, geriet die gefürstete Linie Schönberg[13] unter Fürst Georg Ludwig (1903–1971) in Vermögensverfall.[14]

Linie Erbach-Fürstenau

Linie Erbach-Erbach

Linie Erbach-Schönberg

Symbole und Titulaturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geführte Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1226 waren die Herren von Erbach Erbschenken der Pfalzgrafen bei Rhein und nannten sich Schenken von Erbach, seit 1532 sind sie Grafen des Heiligen Römischen Reichs. Das Prädikat Erlaucht wurde 1820 dem Chef des Hauses durch den Großherzog von Hessen und bei Rhein und 1829 durch den König von Bayern verliehen. 1914 wurde das Prädikat auf alle Mitglieder des Hauses erstreckt.[15]

1903 wurde Graf Gustav Ernst zu Erbach-Schönberg durch den Großherzog von Hessen und bei Rhein mit dem Titel und Namen Fürst und Graf zu Erbach-Schönberg (auch für seine Nachfolger in Besitz und Rolle des Haupts der Standesherrschaft) und mit dem Prädikat Durchlaucht in den erblichen hessischen Fürstenstand erhoben; die Nachgeborenen der Linie Schönberg erhielten den Titel Prinz bzw. Prinzessin zu Erbach-Schönberg und ebenfalls das Prädikat Durchlaucht.[16] Der überkommene (Reichs-)Grafentitel wurde neben dem Fürstentitel beibehalten, um die ungeteilte Zugehörigkeit aller drei Standesherrschaftslinien des Hauses Erbach zur mediatisierten ehemals reichsunmittelbaren Grafschaft Erbach zu dokumentieren. (Ein „Fürstentum Erbach-Schönberg“ gab es nie.) Durch seine Heirat 1871 mit Marie Prinzessin von Battenberg (einer Nichte des Großherzogs von Hessen) ist Gustav Ernst in verwandtschaftliche Beziehung zu den Königshäusern von Großbritannien, Schweden, Griechenland und Spanien sowie zum Zarenhaus getreten.

Geistliche Titel

Angehörige des Hauses Erbach trugen im Mittelalter verschiedene auf geistliche Ämter und Territorien bezogene Funktionstitel, die aufgrund des Zölibats nicht in die Haustitel eingingen. Zu nennen sind hier Gerlach von Erbach († 1332), 1329 bis 1332 erwählter Fürstbischof von Worms, sowie die Brüder Dietrich von Erbach († 1459), von 1434 bis 1459 Kurfürst als Erzbischof von Mainz, und Philipp von Erbach († 1467), von 1434 bis 1467 Fürstabt des Benediktinerklosters Weißenburg im Elsass.

„Weltliche“ Nebentitel

Durch Kauf, Heirat, Erbschaft oder Adoption erwarb das Haus Erbach adelsrechtlich relevante Nebentitel, welche die unterschiedlichen Linien zeitweise oder fortwährend führten und zum Teil heute noch namensrechtlich verwenden:

Herr zu Breuberg

Seit 1399/1400 waren die Schenken und Grafen von Erbach – mit einer Unterbrechung zwischen 1497 und 1556 – im Mitbesitz der Burg und der Herrschaft Breuberg, zuletzt (neben den Grafen bzw. Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg) hälftig durch die Linie Erbach-Schönberg. Alle drei Linien des Hauses Erbach führen den Titel Herr zu Breuberg, ausgewiesen auch im gemehrten Wappen der Häuser (in Silber zwei rote Balken).

Herr zu Bickenbach

1484 erwarb Schenk Erasmus von Erbach (1466–1503) den größten Teil des ehemaligen Besitzes der Herren von Bickenbach von deren Erben und nannte sich ab 1488 Schenk Erasmus, Herr zu Erbach und Bickenbach. Nach dem Verlust der Stammburg der Bickenbacher bereits wenige Jahre später im Zuge der sog. „Bayrischen Fehde“ an Hessen wurde der Titel von seinem Erben Eberhard XIII. nicht weiter verwendet. 1714 verkauften die Erbacher Grafen ihren Besitz im Ort Bickenbach an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt.

Herr zu Wildenstein

Als Graf Philipp III. von Rieneck (1504–1559), der mit Margareta von Erbach (1507–1574) vermählt war, als letztes männliches Mitglied seiner Familie verstarb, ging das zu seinem allodialen Erbe gehörende Amt Wildenstein, zu dem die Burg Wildenstein mit Eschau und einigen umliegenden Ortschaften im Spessart und das linksmainische Kleinheubach gehörte, als zurückgefallenes pfälzisches Lehen und späteres Allodialgut an die Grafen von Erbach. Die Burg – zunächst noch Sitz eines Amtmannes, dann aufgelassen und dem Verfall preisgegeben – und das sie umgebende Gebiet blieb auch noch bei den Grafen von Erbach, als diese den Ort Kleinheubach 1721 an Dominik Marquard zu Löwenstein-Wertheim verkauften. Alle drei Linien des Hauses Erbach führen den Titel Herr zu Wildenstein; das Haus Erbach-Erbach ist noch immer im Besitz des dortigen Forstguts und Wildparks. – Als Graf Ernst Franz zu Erbach-Erbach (1845–1889) im Jahr 1871 morganatisch die bürgerliche Marie Kredell (1847–1921) heiratete, wurde diese kurz vor der Eheschließung vom Großherzog von Hessen und bei Rhein als Frau von Wildenstein in den hessischen Adelsstand erhoben. Das Paar hatte vier Töchter, die den Namen von Wildenstein führten.

Graf zu Limpurg

1711 heiratete in Obersontheim Graf Friedrich Karl von Erbach-Erbach (1680–1731) die Sophie Eleonore (1695–1738), jüngste Tochter des Schenken Vollrath von Limpurg-Speckfeld und seiner Ehefrau Sophie Eleonore Schenkin von Limpurg-Schmiedelfeld. Nach dem Tod Vollraths ohne männliche Erben im Jahr 1713 erhielt Sophie Eleonore als eine der fünf lebenden Töchter einen Teil der Herrschaft der Schenken von Limpurg, wodurch Titel und Wappen der Limpurger auf Friedrich Karl als mitregierendem Grafen von Limpurg-Obersontheim überging. 1720 wurde Friedrich Karl nach dem Tod seines Bruders Philipp Ludwig auch regierender Graf zu Erbach-Erbach; er nannte sich nunmehr Graf zu Erbach und Limpurg. Da er ohne männliche Erben blieb, ging der erbachische Limpurger Besitz – er umfasste die Herrschaft Michelbach an der Bilz – an seine Töchter und dann in der folgenden Generation samt Titel dem Haus Erbach wieder verloren.[17] Der Titel eines Grafen zu Limpurg wurde allerdings neuerlich von Graf Franz I. zu Erbach-Erbach geführt, nachdem er von seiner Schwiegermutter, der Fürstin Christiana Wilhelmina Louise von Leiningen-Dagsburg, geb. Gräfin von Solms-Rödelheim, ihren Quartanteil an der Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Solms-Assenheim abgetreten bekommen hatte.[18] Obwohl er bereits 1790 dieses Erbe seiner verstorbenen ersten Frau an Württemberg verkauft hatte, nannte er sich weiter so, und er wird im Sterb-Protokoll der Pfarrey Erbach für das Jahr 1823 auch noch als „Herr Franz Graf zu Erbach und Limpurg, Herr zu Breuberg p.“ tituliert.

Herr zu Rothenberg

1797 verkaufte Graf August Christoph von Degenfeld-Schonburg (1730–1814) die Herrschaft Rothenberg (samt Moosbrunn) im südlichen Odenwald mit Willen des Königs Franz II. als Lehnsherr an das Grafenhaus Erbach-Fürstenau, das seither den Titel Herr zu Rothenberg führt. Die Forstgüter der Herrschaft befinden sich noch im Besitz der Familie. – Als Graf Adalbert Ludwig Alfred Eberhard Friedrich zu Erbach-Fürstenau (1828–1867) im Jahr 1859 morganatisch die bürgerliche Charlotte Willenbücher (1839–1913) heiratete, wurde diese kurz vor der Eheschließung vom Großherzog von Hessen und bei Rhein als Frau von Rothenberg in den hessischen Adelsstand erhoben. Das Paar hatte einen früh verstorbenen Sohn und zwei Töchter, die den Namen von Rothenberg führten. Die erstgeborene Tochter Thekla von Rothenberg (1862–1941) heiratete in erster Ehe 1888 den Fürsten Gustav zu Bentheim-Tecklenburg (1849–1909) und in zweiter Ehe 1912 den Prinzen Hermann von Schönburg-Waldenburg (1865–1943).

Graf von Wartenberg-Roth

1804 adoptierte der erbenlose Graf Ludwig Kolb von Wartenberg (1752–1818) seine beiden Stiefneffen Franz Carl Friedrich Ludwig Wilhelm Graf zu Erbach-Erbach (1782–1832) und Franz Georg Friedrich Christian Eginhard Graf zu Erbach-Erbach (1785–1854), wodurch diese mit kaiserlicher Genehmigung von 1806 zusätzlich Namen, Titel und Wappen der Grafen von Wartenberg-Roth sowie im Erbgang 1818 deren Besitz, die säkularisierte und zur Reichgrafschaft Wartenberg-Roth erhobene, dem Grafen Kolb als Ersatz für seine im Frieden von Lunéville verlorenen westrheinischen Gebiete übereignete Reichsabtei Rot in Oberschwaben, erhielten. Seither führen die Erbach-Erbacher Grafen den doppelten Titel Graf zu Erbach-Erbach und von Wartenberg-Roth (ohne den alten Stammesnamen Kolb ihres Adoptivvaters). Die Reichsgrafschaft Wartenberg-Roth ging 1806 im Rahmen der Mediatisierung an das Königreich Württemberg, die Rechte als Standesherren gingen 1844 allerdings durch Verkauf der Grafschaft trotz des späteren Rückkaufs verloren.[19] Das Forstgut in Rot an der Rot blieb auch noch nach dem Verkauf eines ansehnlichen Teils sonstiger Immobilien und Ländereien Mitte der 1930er Jahre an die Landsiedlung Württemberg bis 1989 im Besitz der Familie Erbach-Erbach. Ein integraler Bestandteil der Grafschaft Erbach waren diese Besitzungen zu keiner Zeit.

Herr zu Curl und Ostermannshofen, Herr zu Steinbach

Die Grafen Kolb von Wartenberg und späteren Reichsgrafen bzw. Grafen von Wartenberg-Roth führten bzw. führen zusätzlich die Titulatur Herr zu Curl und Ostermannshofen, die von Ludwig Kolbs Urgroßvater, dem preußischem Premierminister und ersten Freiherrn (1695) bzw. Grafen (1699) der Familie Johann Kasimir Kolb von Wartenberg (1643–1712), herstammt. Das Haus Courl und der Lehnshof Ostermann im benachbarten Husen waren nur kurzzeitige Besitzungen der Kolb in der Grafschaft Mark auf dem heutigen Stadtgebiet von Dortmund.[20] Hinzu kam mit der Übernahme der Abtei Rot und des zu diesem gehörenden Amtes Steinbach im seit 1806 zum Königreich Bayern gehörenden Unterallgäu (heute Maria Steinbach) der Titel Herr zu Steinbach. Das Grafenhaus betrieb dort ebenfalls ein Forstgut. – Nachdem Graf Franz Eberhard Alexander Edgar August Adalbert zu Erbach-Erbach und von Wartenberg-Roth (1847–1901) im Jahr 1875 morganatisch die bürgerliche Anna Kittner (1847–1926) geheiratet hatte, wurde diese 1877 vom Großherzog von Hessen und bei Rhein als Frau von Kurl[21] in den hessischen Adelsstand erhoben. Das Paar blieb ohne Nachkommen.

Vollständige Titulaturen zum Ende der Monarchie

Zum Ende der Monarchie 1918 führten die Chefs der drei Linien des Gesamtauses Erbach die folgenden Titel und Prädikate:

  • ältere Linie Erbach-Fürstenau: Graf zu Erbach-Fürstenau, Herr zu Breuberg, Wildenstein und Rothenberg, Erlaucht;
  • mittlere Linie Erbach-Erbach: Graf zu Erbach-Erbach und von Wartenberg-Roth, Herr zu Breuberg, Wildenstein, Steinbach, Curl und Ostermannshofen, Erlaucht;
  • jüngere Linie Erbach-Schönberg: Fürst und Graf zu Erbach-Schönberg, Herr zu Breuberg und Wildenstein, Durchlaucht.

Ohne unmittelbaren Bezug zu historischen Titulaturen des Hauses Erbach steht der Ehename Frau von Lichtenberg der Maria Wilhelmine Luck (1843–1934) als zweiter, 1880 morganitisch geehelichter Gattin des Grafen Eberhard XV. zu Erbach-Erbach (1818–1884). Das Paar hatte zwei Töchter, die den Namen von Lichtenberg führten.

Weitere Namensträger

Elias Graf zu Erbach-Fürstenau (1866–1950) heiratete 1921 Ulrike geb. Tornow (1874–1943), Witwe des 1909 in den erblichen preußischen Adelsstand erhobenen Majors Maximilian von Kremski († 1913).[22] Im Jahr 1941 nahm er die beiden Söhne seiner Ehefrau aus erster Ehe als Kinder an, woraufhin seit 1942 amtsgerichtlich bestätigt der erstgeborene Ulrich Maximilian vom Kremski (1899–1970) den Namen von Kremski-Erbach-Fürstenau[23] und der zweitgeborene Achim Maximilian von Kremski (1903–1958) den Namen Graf zu Erbach-Fürstenau von Kremski führte.[24]

Es bestehen keine genealogischen Verbindungen zur reichsfreiherrlichen Familie von Ulm zu Erbach.

Mitglieder des Hauses Erbach (chronologisch)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mainzer Erzbischof Dietrich Schenk von Erbach

Vor der Teilung in die bestehenden Linien Erbach-Fürstenau, Erbach-Erbach und Erbach-Schönberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 1237 teilte sich das Gesamthaus Erbach im Erbgang mehrfach in verschiedene Linien auf, die zum Namen Erbach den Zusatznamen ihres Sitzes führten. Diese Zusatznamen sind zum Teil identisch mit den nach dem Zusammenfall aller Linien und der abermaligen Aufteilung zu Anfang des 18. Jahrhundertsin in die noch bestehenden Linien Fürstenau, Erbach und Schönberg, ohne dass die Namensgleichheit auf eine direkte Sukzession deutet.

Ältere Linie Erbach-Fürstenau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittlere Linie Erbach-Erbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jüngere Linie Erbach-Schönberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Graf zu Erbach-Schönberg (1728–1799), österreichischer Offizier (Generalfeldwachtmeister), Kommandant der kaiserlichen Leibgarde, Ritter und Statthalter des Deutschen Ordens in der Ordensresidenz Mergentheim, regierender Reichsgraf zu Erbach-Schönberg seit 1788
  • Karl Eugen Graf zu Erbach-Schönberg (1732–1816), österreichischer Offizier (Generalfeldzeugmeister und Inhaber des Regiments Erbach), seit 1799 regierender Graf zu Erbach-Schönberg
  • Gustav Ernst Graf zu Erbach-Schönberg (1739–1812), preußischer Generalmajor, Bruder von Karl Eugen
  • Gustav Graf von Erbach-Schönberg (1791–1813), Offizier unter Napoleon und Träger des Kreuzes der Ehrenlegion
  • Maximilian Graf zu Erbach-Schönberg (1787–1823), Standesherr
  • Emil Graf zu Erbach-Schönberg (1789–1828), deutscher Offizier und Standesherr
  • Ludewig III. Graf zu Erbach-Schönberg (1792–1863), seit 1828 Chef der Linie Erbach-Schönberg, großherzoglich Hessischer Generallieutenant[28]
  • Gustav Ernst Fürst und Graf zu Erbach-Schönberg (1840–1908)Marie Karoline Prinzessin von Battenberg (1852–1923), 1. Fürst und Graf
  • Alexander Fürst und Graf zu Erbach-Schönberg (1872–1944), 2. Fürst und Graf
    • ∞ (Arolsen am 3. Mai 1900) Elisabeth Prinzessin von Waldeck und Pyrmont (1873–1961)
      • Georg Ludwig Erbprinz zu Erbach-Schönberg (* 1. Januar 1903 in König; † 27. Januar 1971 in Bensheim), seit 1944 adelsrechtlich 3. Fürst und Graf
        • ∞ (Schönberg am 2. Juli 1925) Marie Margarethe Deringer (* 25. Dezember 1903 in Tsarskoie Selo; † 22. Dezember 1967 in Darmstadt)
          • Ludewig Prinz zu Erbach-Schönberg (* 17. Oktober 1926 in Schönberg; † 23. November 1998 in Rüsselsheim), seit 1971 adelsrechtlich 4. Fürst und Graf
            • ∞ (Groß-Gerau am 9. März 1946) Rosemarie Moshage (* 22. September 1927 in Schleweke; † 25. Mai 2015 in Bensheim)
              • Burckhard Prinz zu Erbach-Schönberg (* 7. April 1951 in Groß-Gerau; † 30. Juni 1998 in Frankfurt am Main), seit 1971 adelsrechtlich Erbprinz
              • Dietrich Prinz zu Erbach-Schönberg (* 27.3.1954 in Groß-Gerau), Rechtsanwalt, seit 1998 adelsrechtlich 5. Fürst und Graf, seit 2017 Senior des Gesamthauses Erbach
                • ∞ (Groß-Gerau am 18. Mai 1984) Monika Recknagel (* 10. Juli 1955 in Karlsruhe)
                  • Elisabeth (* 1985)
      • Maynolf Prinz zu Erbach-Schönberg (* 13.Mai 1936 in Darmstadt), Kaufmann
        • ∞ III (Darmstadt am 21. April 1976) Solveig Schlegel (* 25. Mai 1949 In Gera)
          • Isabelle (* 1977) verh. Ellinger
          • Peter (* 1981)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Battenberg: Das Schutz- und Hofjudensystem der Grafschaft Erbach. Gedanken zur Geschichte der Juden im Odenwald, besonders im 17. und 18. Jahrhundert. in: AHG NF 53 (1995)
  • Ferdinand Karl Heinrich Beck, Ch. Lauteren: Das Landrecht oder die eigentümlichen bürgerlichen Rechte und Sitten der Grafschaft Erbach und Herrschaft Breuberg im Odenwalde. Olms, G; Auflage: (Reprint d. Ausg. Darmstadt 1824) (1990), ISBN 978-3-487-09267-6.
  • Karl Ernst Demandt: Geschichte des Landes Hessen, 2. Auflage, Bärenreiter-Verlag, Kassel und Basel, 1972, ISBN 3-7618-0404-0, S. 490–496.
  • Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl: Georg-Ludwig Fürst zu Erbach-Schönberg und seine Rolle im Dritten Reich. Ausgeblendete Erinnerungen. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde 63, 2005, S. 255–292.
  • Friedrich Höreth: Beiträge zur Schulgeschichte der Grafschaft Erbach und der Herrschaft Breuberg. Verlag Franz in Erbach 1930.
  • Friedrich Höreth: Die Grafschaft Erbach und die Herrschaft Breuberg vor dem 30-jährigen Krieg. Verlag Franz in Erbach 1930.
  • Friedrich Höreth: Der Odenwald nach dem 30-jährigen Krieg. Verlag Franz in Erbach 1934.
  • Elisabeth Kleberger: Territorialgeschichte des hinteren Odenwalds (Grafschaft Erbach, Herrschaft Breuberg, Herrschaft Fränkisch-Crumbach). Selbstverlag der Hessischen Historischen Kommission Darmstadt 1958 (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 19), besonders S. 53–97.
  • Johann Philipp Wilhelm Luck: Versuch einer Reformations- und Kirchen-Geschichte der Grafschaft Erbach und Herrschaft Breuberg aus archivalischen und andern bewährten Urkunden. Frankfurt, Andreä 1772, 270 Seiten (Digitalisat)
  • Johann Philipp Wilhelm Luck: Historische Genealogie des Reichsgräflichen Hauses Erbach die als Zusätze und Verbesserungen zu Daniel Schneiders im Jahre 1736 herausgegebenen Erbachischen Historie und auch als eigenes Werk gebraucht werden kann in vielvermehrten Tabellen und beygefügten richtigen Beweisthümern entworfen. Franckfurt am Mayn 1786. (Digitalisat)
  • Christian Müller: Geschichte des gräflichen Hauses Erbach-Erbach von 1818 bis zur Gegenwart. Neustadt an der Aich 1955 (Bibliothek familiengeschichtlicher Arbeiten 17)
  • Gustav Simon: Die Geschichte der Dynasten und Grafen zu Erbach und ihres Landes. Brönner, Frankfurt a. M. 1858. - XII, 486, 307 S. : Ill. + Kt.-Beil.
  • Uli Steiger: Die Schenken und Herren von Erbach. Eine Familie zwischen Reichsministerialität und Reichsstandschaft. (1165/70 bis 1422). Diss. Universitätsverlag Winter, 2007, ISBN 978-3-8253-5332-2.
  • Uli Steiger: Die Herren von Erbach und ihr Aufstieg zur Reichsstandschaft 1422. In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes Heft 4, 2009, S. 127–143.
  • Thomas Steinmetz: Die Schenken von Erbach. Zur Herrschaftsbildung eines Reichsministerialengeschlechts. Sonderheft 3 „Der Odenwald“, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, Breuberg-Neustadt 2000, ISBN 978-3-922903-07-9.
  • Jürgen Rainer Wolf: Grafschaft Erbach. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806. Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5 (= Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63), S. 173–194.
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band III, Band 61 der Gesamtreihe, S. 162–163, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1975, ISSN 0435-2408

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Gruber: Minzinberg, Burg-Stadt-Kirche, Zweite Auflage 1973, Graphische Druckanstalt W. Herr, Gießen, S. 80 ff, Stammtafel.
  2. Regesta Imperii Regestendatenbank: RI II,1 n. 147, in: Regesta Imperii Online (online, Abgerufen am 8. Dezember 2012).
  3. Wilhelm E. Heupel: Der Sizilische Grosshof unter Kaiser Friedrich II. Bände 10-11, S. 300.
  4. Thomas Steinmetz: Die Schenken von Erbach, Breuberg-Neustadt 2000, S. 29.
  5. Codex Laureshamensis I, Mannheim, Ausg. von 1768, S. 254 und Guden, Sylloge, S. 34
  6. Steinmetz (2000), Die Schenken von Erbach, S. 29
  7. Steinmetz (2000), Die Schenken von Erbach, S. 80
  8. „Kirch-Beerfurth, Odenwaldkreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 23. Juli 2012)
  9. Simon (1858), 3. Teil, S. 29., Urkunde XXVII.
  10. Simon (1858), 3. Teil, S. 29 f., Urkunde XXVIII.
  11. Friedrich Leopold Brunn: Grundriß der Staatskunde des deutschen Reichs in ihrem ganzen Umfange: mit Inbegriff der sämmtlichen preußischen und östereichischen Staaten. Band 1, Verlag Quien, 1796, S. 269 (online bei google books)
  12. Das Haus Erbach mit seinen Linien Fürstenau, Erbach und Schönberg : über 800 Jahre Gesamtgeschichte mit Stammfolge / Thomas Gehrlein
  13. Grafschaft Erbach-Schönberg, Familienpersonalien (= Hessisches Staatsarchiv Darmstadt) Bestand F 21 Serie. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), abgerufen am 15. April 2013.
  14. Buntes Bild des Erbprinzen zu Erbach-Schönberg gezeichnet, abgerufen 15. April 2013
  15. Hartmut Platte: Das Gräfliche Haus Erbach-Erbach = Deutsche Fürstenhäuser 8. Werl, 2. Auflage 2004.
  16. Beleg im LAGIS
  17. Findbuch des Staatsarchivs Wertheim, abgerufen am 1. Oktober 2017
  18. Besitzeinweisung und Erbhuldigung nach der Abtretung des der Fürstin Christiana Wilhelmina Louise von Leiningen-Dagsburg, geb. von Solms-Rödelheim, zuständigen Quartanteils an der Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Solms-Assenheim an ihren Schwiegersohn Graf Franz von Erbach-Erbach und ihre Tochter Gräfin Charlotte Louise Polyxene von Erbach-Erbach, geb. von Leiningen-Dagsburg. (Staatsarchiv Ludwigsburg, 114 Bü 6300; s. auch Bü 6414).
  19. Vgl. Verhandlungen der Württembergischen Kammer der Standesherren auf dem ordentlichen Landtage 1862–1865. Amtlich herausgegeben. Zweiter Protokollband. Stuttgart [1865], S. 257–283, und Verhandlungen der Württembergischen Kammer der Standesherren auf dem außerordentlichen Landtage im Mai und Juni 1866. Amtlich herausgegeben. Stuttgart [1866], S. 6 u. 13.
  20. Margret Westerburg-Frisch: Die ältesten Lehnbücher der Grafen von der Mark 1392 und 1393. Aschendorff, Münster 1967, S. 65
  21. So die Schreibung im Großherzoglich Hessischen Regierungsblatt auf das Jahr 1877, No. 30, S. 355; in der adelsbezogenen genealogischen Literatur in Anlehnung an die Schreibung der Titulatur des Grafenhauses in der Regel Frau von Curl.
  22. Nachweis der Nobilitierung
  23. Grabstein auf dem Friedhof Sensbachtal
  24. Genealogisches Handbuch der adeligen Häuser (Band 115): Fürstliche Häuser (Band XV). Starcke Verlag, Limburg 1997, S. 258 f.
  25. The Heirs of Europe: Ahnenreihe Erbach-Erbach, Nr. 32
  26. Junge Klassik in Erbach: Saisonvorschau – Die „Konzerte im Elfenbeinmuseum“ auf neuen Pfaden. In: Echo Online. 18. Juni 2013, archiviert vom Original am 5. Dezember 2013; abgerufen am 9. Januar 2014.
  27. Franz August Graf zu Erbach-Erbach und von Wartenberg-Roth. In: Der Spiegel. 6. Januar 1960, S. 79, abgerufen am 9. Januar 2014 (PDF; 177 KB).
  28. „Erbach-Schönberg, Ludewig III. Graf von“. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).