Erbach (Bad Camberg)

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Erbach
Ehemaliges Gemeindewappen von Erbach
Koordinaten: 50° 18′ 30″ N, 8° 15′ 19″ O
Höhe: 200–450 m ü. NN
Fläche: 10,65 km²[1]
Einwohner: 2800 (30. Jun. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 263 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 65520
Vorwahl: 06434
Panorama
Panorama

Erbach im Taunus ist nach der Kernstadt der zweitgrößte Stadtteil von Bad Camberg im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg in Mittelhessen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauf des Dombachs am Lindenplatz

Erbach liegt im Goldenen Grund des Hintertaunus, nördlich des Taunushauptkamms. Im Süden ist Erbach fast vollständig mit der Kernstadt Bad Camberg verwachsen. Von Nordwest nach Südost führt die B 8 durch den Ort. An der westlichen Gemarkungsgrenze verlaufen die A3 und die ICE-Strecke Frankfurt-Köln. Durch Erbach fließen der Emsbach und der Dombach. Die Kreisstadt Limburg an der Lahn liegt rund 16 Kilometer nordwestlich.

Die Erbacher Gemarkung verläuft lang gestreckt von Südwest nach Nordost. Im Nordwesten grenzt Erbach an Oberselters. Danach folgen im Uhrzeigersinn Eisenbach, der Weilroder Ortsteil Hasselbach (zugleich Grenze zum Hochtaunuskreis), Schwickershausen, die Kernstadt Bad Camberg und Dauborn. Der Nordosten der Erbacher Gemarkung wird von Mischwald bedeckt, während im westlichen Teil landwirtschaftliche Fläche vorherrscht. Der Ort selbst liegt in einer Senke an der Einmündung des Dombachs in den Emsbach. Nach Westen steigt das Gelände in der Gemarkung abrupt auf bis zu 280 Meter an, im Osten über eine längere Strecke auf fast 450 Meter am Stückelberg. Der Ort selbst liegt auf rund 200 Metern Höhe.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologisch wird der Ostrand der Gemarkung von stark schieferhaltiger Grauwacke bestimmt. Weiter westlich geht die Formation in eisenschüssigen Schiefer mit Quarzitstreifen mit Südwest-Nordost-Verlauf über. Nordöstlich an die Ortslage schließt sich ein Quarzkies-Lager an, das sich in Richtung Norden ausdehnt. Der Westteil der Gemarkung besteht aus einer mächtigen Lössschicht. Nördlich des Orts beginnt ein Bleierzgang, der sich bis nach Oberselters fortsetzt. Naturräumlich wird der Ort dem Goldenen Grund innerhalb der Idsteiner Senke zugeordnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einer Schenkung an das Kloster Lorsch um 768, die Arilbach (das heutige Erbach) und Widergisa (heute Würges) gemeinsam vornahmen, wurden die beiden Orte erstmals urkundlich erwähnt. Grabfunde lassen auf einen fränkischen Ursprung der Siedlung schließen, die vermutlich im 6. oder 7. Jahrhundert gegründet wurde. Um 1100 die entstand die erste Kapelle in Erbach, die als St. Georgs-Kapelle 1328 namentlich erwähnt wurde. Wegen Baufälligkeit der Kapelle wurde 1817 mit dem Bau der Sankt-Mauritius-Kirche begonnen, der drei Jahre später abgeschlossen wurde. Aufgrund der Verdreifachung der Bevölkerung Erbachs seit 1820 wurde 1969 die Kirche neu erbaut, bis auf den Turm wurden keine Gebäudeteile von der alten Kirche übernommen.

1961 wurde eine neue Schule errichtet. 1905 wurde der Ort an das Stromnetz angeschlossen, ab 1910 eine zentrale Trinkwasserversorgung installiert.

Wirtschaftshistorisch ist die ungewöhnlich große Zahl von sieben Mühlen interessant, die noch im 19. Jahrhundert in dem vergleichsweise kleinen Ort betrieben wurden.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1974 wurde Erbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit vier weiteren Gemeinden durch Landesgesetz in die Stadt Camberg eingegliedert.[3][4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Erbach lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][5]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erbach: Einwohnerzahlen von 1650 bis 2016
Jahr  Einwohner
1650
  
48
1834
  
1.002
1840
  
1.095
1846
  
1.091
1852
  
1.114
1858
  
1.119
1864
  
1.237
1871
  
1.157
1875
  
1.206
1885
  
1.096
1895
  
1.097
1905
  
1.097
1910
  
1.114
1925
  
1.206
1939
  
1.211
1946
  
1.703
1950
  
1.721
1956
  
1.746
1961
  
1.798
1967
  
2.022
1970
  
2.094
2012
  
2.628
2016
  
2.734
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 18 evangelische, 1078 katholische Einwohner
• 1961: 153 evangelische, 1630 römisch-katholische Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsvorsteher des Ortsbezirks Erbach ist Peter Wozniak.[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1968 wurde der Gemeinde Erbach im damaligen Landkreis Limburg ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In blauem, durch einen silbernen Schräglinksbach geteilten Schild oben ein silbernes Schwert und eine silberne Lanze schräggekreuzt, unten ein goldenes Erlenblatt.[7]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 1934 sorgt die Freiwillige Feuerwehr Erbach im Taunus (vom 4. März 1972 an mit Jugendfeuerwehr) für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe in diesem Ort.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alte Schneidmühle wurde erstmals 1668 urkundlich erwähnt. Es handelt sich um eine Wassermühle, die am Emsbach errichtet wurde. Das heutige Wohn- und Betriebsgebäude wurde jedoch erst um 1800 errichtet. Die Mühle weist einen mittelschächtigem Zellenrand und einen dreiteiligen Holzschutz im Emsbach auf.

Die alte Schule wurde 1828 erbaut und 1939 durchgreifend saniert. Das Gebäude wurde bis 1961 als Schule und bis zur Eingemeindung 1974 als Rathaus genutzt.

Ein Bürgermeisterhaus wurde um 1644 errichtet und durch ein Torhaus mit dem Nachbargebäude verbunden. Das Ensemble ergibt eine repräsentative Fachwerk-Anlage, an der besonders der fränkische Erker des Torbaus mit seinen vielen Verzierungen hervorsticht.

Im Zentrum Erbachs befindet sich der Brunnenplatz. Auf dem nahegelegenen Lindenplatz findet jährlich das Lindenblütenfest statt.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Erbach beheimatet sind der „Angelverein 1980“ und der Fußballverein „SV 1930 Erbach“. Ferner gibt es den „Judo-Club 1973“, den „Kegel-Sport-Verein“, den Tennisclub „TC Erbach“, den Turnverein „Frisch auf“ und den Schützenverein „Einigkeit 1929“.

Erbach verfügt über die im Jahr 1934 gegründete Freiwillige Feuerwehr Erbach im Taunus und den Carnevalverein „Närrisch Erbach“, im musikalischen Bereich den Kirchenchor „St. Mauritius“, den Gesangverein „Frohsinn 1848“ und den Männergesangverein „Eintracht 1893“. Ferner bestehen der „Verschönerungsverein“ (seit 1967) sowie der „Kleintierzuchtverein Erbach“. Der „Verein für Allgemeine Vogelzucht und Vogelhaltung“ verfügt über eine Ortsgruppe in Erbach. Ältester Verein dürfte die „Vereinigte Handwerkerzunft“ sein, die ihre Entstehung auf das 12. bis 14. Jahrhundert zurückführt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erbach (Bad Camberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Erbach, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Statistische Zahlen im Internetauftritt der Stadt Bad Camberg, abgerufen im Januar 2017.
  3. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Limburg und des Oberlahnkreises. (GVBl. II 330-25) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 5, S. 101, § 9 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 809 kB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Nassauische Neue Presse: Ortsbeirat: Peter Wozniak (SPD) ist Erbacher Ortsvorsteher | Nassauische Neue Presse. 5. Dezember 2016 (nnp.de [abgerufen am 20. Juni 2017]).
  7. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Erbach, Landkreis Limburg, Regierungsbezirk Darmstadt vom 1. Juli 1968. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1968 Nr. 29, S. 1058, Punkt 797 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,7 MB]).