Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne (Koblenz)

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Deutsches ReichWar Ensign of Germany (1903–1919).svg Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne
Heute überbaut
Gemeinde Koblenz
Koordinaten: 50° 21′ N, 7° 35′ OKoordinaten: 50° 20′ 59″ N, 7° 35′ 3″ O
Erbaut 1903
Alte Kasernennamen
1923–1929 Caserne Turenne FrankreichCivil and Naval Ensign of France.svg
Ehemals stationierte Einheiten
Infanterie-Regiment Nr. 68 Deutsches ReichWar Ensign of Germany (1903–1919).svg
Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne (Rheinland-Pfalz)
Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne

Lage der Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne in Rheinland-Pfalz

Die Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne in Koblenz um 1903

Die Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne war eine militärische Liegenschaft in Koblenz. Die 1903 fertiggestellte und in den 1980er Jahren abgerissene Kaserne lag im Stadtteil Karthause zwischen dem Fort Großfürst Konstantin und der Feste Kaiser Alexander. Erhalten geblieben ist nur eine Exerzierhalle und zwei Wohngebäude. Benannt war die Kaserne nach dem damaligen Kommandierenden General des VIII. Armee-Korps, Generalleutnant Erbgroßherzog Friedrich von Baden. Sie wurde mit dem II. Bataillon des Kgl. Preußischen Infanterie-Regiments Nr. 68 belegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge des Baus der Festung Koblenz errichtete Fort Großfürst Konstantin war zur Unterbringung von Soldaten ungeeignet. So begann man bereits um 1860 auf dem vorgelagerten Plateau, dem „Marsfeld“, mit dem Bau von Kasernenbaracken, die man im Kriegsfall schnell beseitigen konnte, samt einem Exerzierplatz. Etwas später kam noch in naher Nachbarschaft der Bau der Barackenkaserne am Spitzberg hinzu.

Nachdem die linksrheinischen Teile der Festung Koblenz samt Fort Großfürst Konstantin ab 1890 aufgegeben worden waren, errichtete man 1901–1903 auf dem Marsfeld die Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne. Zuvor waren teilweise immer noch Einheiten in den ehemaligen Festungskasematten untergebracht. Die in Formen der Neorenaissance gestaltete Anlage bestand aus zwei Mannschaftshäusern für je zwei Kompanien, einem Wirtschaftsgebäude, zwei Latrinen (Hofaborten), dem Familienhaus I für verheiratete Unteroffiziere und Beamte, sowie einer Exerzierhalle. Eine zweite Exerzierhalle vor dem Fort Großfürst Konstantin war für das in der gegenüberliegenden Spitzberg-Kaserne untergebrachte III. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 68 bestimmt.

Die „Caserne Turenne“ während der französischen Besetzung
Die erhaltene ehemalige Exerzierhalle

Nach dem Ersten Weltkrieg im Rahmen der alliierten Rheinlandbesetzung bezogen 1923 französische Besatzungstruppen die Kaserne und benannten sie „Caserne Turenne“. Nachdem die Franzosen 1929 wieder abgezogen waren, standen die Mannschaftsblöcke eine Weile leer, bis sie zu Wohnungen umgebaut wurden. Die Exerzierhalle des ehemaligen II. Bataillons des Infanterie-Regiments Nr. 68 wurde bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und danach abgerissen. Das ebenfalls beschädigte Mannschaftshaus II wurde reduziert wiederaufgebaut. Bis zum Jahr 1961 wurden auf dem Exerzierplatz Wohngebäude für ausgebombte Familien errichtet.

Bis in die 1980er Jahre dienten die beiden Wohnblöcke noch als Wohnungen. Das Wirtschaftsgebäude wurde vom Technischen Hilfswerk als Lager und Stützpunkt genutzt. Bestrebungen von privaten Investoren, die beiden Großgebäude abzureißen und an dieser Stelle eine Wohnsiedlung zu errichten, scheiterten vorerst daran, dass das komplette Ensemble unter Denkmalschutz gestellt worden war. Ohne dass dieser Schutz aufgehoben worden wäre, fielen 1982 die beiden Mannschaftshäuser und das Familienhaus der Spitzhacke zum Opfer.[1] Ebenso wurden im Jahr 2000 das Wirtschaftsgebäude und der Hofabort Nr. II gegen den Widerstand der Bevölkerung abgebrochen.

Heute ist noch die ehemalige Exerzierhalle des III. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 68 erhalten und dient als Sporthalle. In der Kurve der Simmerner Straße stehen die beiden Familienhäuser II und III von 1912 bis 1914, die vom gesamten Infanterie-Regiment Nr. 68 genutzt wurden, sowie das Offizierslogis. Das Gelände wurde in den 1990er Jahren komplett von einer neuen Wohnsiedlung bebaut.

Zwei Portalesembles zu den Kellerräumen konnten gerettet werden. Sie wurden bei einem Umbau in ein Gebäude in der Münzstrasse in Koblenzer Altstadt integriert.

Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Exerzierhalle vor der ehemaligen Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen. Sie liegt in Koblenz-Karthause Am Fort Konstantin 40.[2]

Seit 2002 ist die ehemalige Exerzierhalle Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rüdiger Wischemann: Die Festung Koblenz. Vom römischen Kastell und Preussens stärkster Festung zur größten Garnison der Bundeswehr. Rhenania, Koblenz 1978.
  • Friedrich Bertkau: Geschichte des 6. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 68. Groos, Coblenz 1908.
  • Manfred Böckling: "Diese neue Unterbringung war ein wesentlicher Fortschritt". Die Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne vor dem Fort Konstantin. – In: Fort Konstantin. Historischer Ort mit Zukunft. Zum 20-jährigen Bestehen des Vereins PRO KONSTANTIN (1993–2013). Hrsg.: PRO KONSTANTIN e. V. Gesamtredaktion: Sebastian Gleixner. Koblenz: Garwain Verlag 2013. S. 67–82. ISBN 978-3-936436-24-2
  • Ulrike Weber (Bearb.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 3.3: Stadt Koblenz. Stadtteile. Werner, Worms 2013, ISBN 978-3-88462-345-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erbgroßherzog Friedrich-Kaserne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Laut Bericht der Rhein-Zeitung erwirkte das Landesdenkmalamt deswegen gegen den Verursacher eine Geldstrafe im vierstelligen Bereich.
  2. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Kreisfreie Stadt Koblenz. Mainz 2019, S. 23 (PDF; 6,5 MB).