Erdekaut

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Erdekaut

IUCN-Kategorie V – Protected Landscape/Seascape

Ein Weiher in der Erdekaut

Lage Eisenberg (Nordteil), Hettenleidelheim (Südteil)
Fläche/Ausdehnung 64 ha / 700 m
Kennung 07-LSG 3.020
WDPA-ID 320666
Geographische Lage 49° 33′ N, 8° 4′ OKoordinaten: 49° 32′ 52″ N, 8° 4′ 28″ O
Markierung
Lage der Erdekaut
Meereshöhe von 203 m bis 212 m (ø 207 m)
Einrichtungsdatum 23. Januar 1985
Rahmenplan Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz[1]
Verwaltung Zweckverband

Die Erdekaut, seit 2008 auch Erlebnislandschaft Erdekaut, ist ein Landschaftsschutzgebiet im nordöstlichen Pfälzerwald (Rheinland-Pfalz), das 1985 auf der Basis aufgelassener Tongruben eingerichtet wurde und die Nummer 07-LSG 3.020 trägt. Im zentral gelegenen historischen Gebäude der einzigen erhaltenen Grube Riegelstein wird ein Bergbaumuseum betrieben.[2]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 64 Hektar große Landschaftsschutzgebiet erstreckt sich von Südwest nach Nordost auf einer Höhe von gut 200 m ü. NHN[3] zwischen Eisenberg und Hettenleidelheim in der hügeligen Talaue südlich des Eisbachs und zum Großteil östlich der Bundesstraße 47.[4] Die Ostgrenze fällt etwa mit dem Schulwiesengraben zusammen, der wenige Meter östlich von links in den Seltenbach mündet, einen rechten Zufluss des Eisbachs.

Der Nordteil der Erdekaut gehört zu Eisenberg, der Südteil zu Hettenleidelheim. Das Landschaftsschutzgebiet ist erreichbar über die Autobahn 6 (SaarbrückenMannheim), Anschlussstelle 18 Wattenheim, und dann die B 47; die Eistalbahn (GrünstadtEiswoog) hält am Bahnhof Eisenberg.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landschaftsschutzgebiet wurde 1985 eingerichtet. Der Name leitet sich her von der pfälzischen Bezeichnung Kaut für „Grube“ und verweist auf den vormaligen Abbau von Tonerde, der sich über Jahrhunderte zurückverfolgen lässt. In Spitzenzeiten waren 800 Bergleute beschäftigt.

Im Mittelalter kam das Gelände ins Eigentum des bischöflichen Hochstifts Worms. Dieses betrieb mit dem in der Gegend der Erdekaut gewonnenen Rohstoff im 20 km entfernten Dirmstein, wo sich auch das Sommerschloss des Fürstbischofs befand, von 1778 bis 1788 eine Manufaktur für die Dirmsteiner Fayencen.[5] Auch an die Porzellanmanufaktur Ottweiler wurde Material geliefert.

Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Französische Revolution auch auf die deutschen Gebiete westlich des Rheins übergriff und diese bis 1815 an Frankreich angeschlossen wurden, wurde das Bistum Worms säkularisiert und 1803 aufgelöst; sein Grundbesitz wurde versteigert. Nach der Entmachtung Napoleons ging das Eigentum an der Erdekaut auf örtliche Unternehmer über. In 30 Gruben wurde bis in die 1980er Jahre Ton abgebaut, dabei wurden noch etwa 600 Bergleute beschäftigt.[2]

Umwelt und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stilllegung der Tongruben förderte die Entstehung von Weihern und Offenland. Eine solche Landschaftsform bietet seltenen Pflanzen und Tieren Lebensraum, insbesondere bestimmten Libellen-, Amphibien- und Vogelarten, die unter Artenschutz stehen, weil sie vom Aussterben bedroht sind.

Nachgewiesen wurden neben 16 Orchideenarten u. a. Plattbauchlibelle, Kammmolch, Erdkröte und Gelbbauchunke sowie Wendehals, Eisvogel und Zwergrohrdommel.[2][6][1]

Die Unterschutzstellung der Erdekaut im Jahre 1985 verhinderte größere menschliche Eingriffe in das gewachsene Biotop. Zur Erhaltung und Pflege des Areals wurde 2003 in einem Gemeinschaftsprojekt der Verbandsgemeinden Eisenberg und Hettenleidelheim der Zweckverband Erdekaut gegründet. Dieser übergab am 15. September 2008 das Landschaftsschutzgebiet der Öffentlichkeit zur Nutzung als Erlebnislandschaft Erdekaut.[7]

Über das Bergbaumuseum Grube Riegelstein werden Führungen für Gruppen angeboten.[4] Im Sommer 2010 fand in der Erdekaut zum zweiten Mal ein internationales Workcamp statt; diesmal verlegten zehn junge Freiwillige aus mehreren Ländern eine neue Wasserleitung.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Erdekaut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Planung vernetzter Biotopsysteme. (Nicht mehr online verfügbar.) Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz, Januar 1998, S. 95, Fußnote 184, ehemals im Original; abgerufen am 28. August 2010.@1@2Vorlage:Toter Link/www.luwg.rlp.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven) .
  2. a b c d Rheinland-Pfalz-Takt: Mit der Eistalbahn ins grüne Paradies. Abgerufen am 27. August 2010.
  3. Lage und Höhe des Zentralbereichs der Erdekaut auf: Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise), abgerufen am 15. April 2022.
  4. a b Erlebnislandschaft Erdekaut. Verbandsgemeinde Eisenberg, abgerufen am 15. April 2022.
  5. Walter Jarosch: Keramik aus Dirmstein. In: Michael Martin (Hrsg.): Dirmstein – Adel, Bauern und Bürger. Chronik der Gemeinde Dirmstein. Selbstverlag der Stiftung zur Förderung der pfälzischen Geschichtsforschung, Neustadt an der Weinstraße 2005, ISBN 3-9808304-6-2, S. 481–497.
  6. Plattbauch-Libelle (Männchen). Fotogruppe der Naturfreunde Rheinland-Pfalz, 11. Juni 2009, abgerufen am 28. August 2010.
  7. Einladung zur offiziellen Eröffnung der Erlebnislandschaft Erdekaut. (Nicht mehr online verfügbar.) Amtsblatt der Verbandsgemeinde Hettenleidelheim, 11. September 2008, S. 1 und 5, ehemals im Original; abgerufen am 26. August 2010.@1@2Vorlage:Toter Link/www.vg-h.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven) .
  8. Arbeit wird zum Wettbewerb. In: Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Unterhaardter Rundschau. Ludwigshafen 9. August 2010.