Erdgasleitung

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Kennzeichnung einer Ferngasleitung im Wald bei Darmstadt

Erdgasleitungen sind Rohrleitungen oder Pipelines, die dem Transport von Erdgas (und anderen Brenngasen) und deren Verteilung auf verschiedene Konsumenten dienen.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erdgasleitung in der trockenen Region von Antofagasta, Chile

Sie bestehen im Regelfall aus Metall oder Kunststoffen (meist HDPE, seltener PVC), können für internationale Energietransporte hunderte bis tausende von Kilometern lang sein und wurden bis 2007 meist durch die Farbe Rapsgelb (RAL 1021) gekennzeichnet. Die neue Farbe für Gasleitungen ist nach DIN 2403 Signalgelb (RAL 1003).

Die Versorgung von Gemeinden und Stadtbezirken erfolgt durch unterirdische Leitungen, die bis zu einigen Dezimetern lichte Weite messen und unterhalb der Frostgrenze verlegt werden. Hingegen haben Leitungen in privaten Haushalten meist nur Nennweiten zwischen 12 und 2 Zoll (= DN 15–50 mm).

Leitungsdurchmesserklasse Nennweite DN
A
B
C
D
E
F
G

Große Pipelines verlaufen oft in 2 oder mehr Strängen. Nord Stream in der Ostsee hat zwei parallele Rohre mit 1153 mm Innendurchmesser, zwei weitere parallele Stränge für Nord Stream 2 sollen ähnlichen Durchmesser aufweisen, die Nabucco-Pipeline war mit 1220 mm Durchmesser geplant. South Stream durch das schwarze Meer war 2014 mit 813 mm Außendurchmesser und 39 mm Wandstärke in bis zu 2200 m Meerestiefe geplant.[1] Das Projekt EUGAL aus 2017 mit überwiegend 2 Strängen auf der 485 langen Strecke von Lubmin nach Deutschneudorf sieht Rohrdurchmesser von 1420 mm vor.[2] Auch die Leitung Power of Sibiria soll 1420 mm Durchmesser aufweisen, bei 3000 km Distanz und 98 bar Druck.[3] Die 1804 km lange Trans-Anatolische Gas Pipeline (TANAP) wird an Land Rohre mit 1420 mm und 1220 mm Durchmesser haben, im Marmarameer jedoch 915 mm.[4]

Der Überdruck in Gasleitungen liegt zwischen 200 bar in Hochdrucktransportleitungen über 800 Millibar in Mitteldruckleitungen bis hinunter zu 50 und 20 Millibar in Straßen bzw. Hausanschlüssen. Je nach Versorgungsgebiet werden auch Hausanschlüsse mit Mitteldruck betrieben, hier findet sich im Inneren des Gebäudes ein Druckminderer, der den erhöhten straßenseitigen Druck auf das im Gebäude benötigte Niveau senkt. Lange Meeresunterquerungen weisen typisch höhere Einspeisedrücke auf, während an Land in kürzeren Abständen Verdichterstationen gebaut werden.

Gasleitungen mit den geringsten Durchmessern im Millimeter-Bereich versorgen die Zündflamme in Heizkesseln oder Kleingeräte in Labors. Sie sind durch Thermoelemente bzw. andere Ventile gegen Verlöschen der Zündflamme abgesichert, was seit etwa zehn Jahren zunehmend durch Elektronik überwacht wird.

Es sind eine Reihe von unlösbaren und lösbaren Verbindungen für Gasleitungen zugelassen.[5] Siehe auch Rohrverbindung#Gasleitungen

Jede Gasleitung ist in einzelne Abschnitte gegliedert, deren verbindende Knoten technische Einrichtungen für die Betriebssicherheit und die Wartung der Leitung besitzen.

Je nach der Dimension der Leitung bestehen die letztgenannten Einrichtungen aus einfachen Gasschiebern, größeren Absperrventilen oder bei länderübergreifenden Erdgassträngen aus kompletten Kühl- bzw. Heiz- und Pumpstationen. Eine der ersten derart ausgestatteten Gasleitungen war die südeuropäische Trans Adriatic Pipeline.

Versorgte Druckebenen:

  • Hochdruck (>1 bis 4 bar, 16 bar)
  • Mitteldruck (>100 mbar bis ≤ 1 bar)
  • Niederdruck (≤ 100 mbar)

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1970er Jahren wurden die meisten Verbrauchernetze von Stadtgas auf das ungiftige Erdgas umgestellt. Es wird mit Geruchsstoffen versehen (Odorierung), um ein unkontrolliertes Ausströmen riechen zu können. So kann auch eine grobe Prüfung erfolgen, ob die Hausleitungen dicht sind. Die Odorierung ist ab einer Konzentration von rund 300 ppm mit der Nase feststellbar, was weit unter den unteren Explosionsgrenze liegt.

Ein gravierender Nachteil des Erdgases ist aber seine trockene Konsistenz, wodurch ältere Leitungen undicht werden, da der Dichthanf an den Gewindeverbindungen austrocknet. Besonders anfällig hierfür sind die früher benutzten „Langmuffen“. Dies führte in der Umstellungszeit zu Baumschäden in Stadtgebieten. Eine regelmäßige Kontrolle von Gasleitungen aus verzinktem Stahl in der Hausinstallation ist daher empfehlenswert, um Undichtigkeiten früh zu entdecken. Jedoch werden die Gasleitungen in der Hausinstallation fast ausschließlich nur noch in Kupfer oder NiRo-Stahl verlegt und mit O-Ring gedichteten Fittings verpresst, sodass die Wahrscheinlichkeit für Undichtigkeiten sehr gering ist. Davor wurden Leitungen in Häusern mit 1–2 Zoll Durchmesser in "schwarzen" Eisenrohren autogen verschweißt ausgeführt, was jedoch hohe handwerkliche Fertigkeit verlangte. Viel früher waren auch Leitungen aus Blei üblich, die den großen Vorteil hatten, leicht gebogen und verlegt werden zu können. Da das weiche Material aber leicht beschädigt werden konnte wurden sie bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verboten.

Erdverlegte Gas- und Stromleitungen müssen aus Sicherheitsgründen mit einem Mindestabstand verlegt werden. Dieser kann unterschritten werden wenn elektrische Isolation und explosionshemmende Belüftung gewährleistet ist. In einem seltenen Fall löste ein Schaden an einem Erdkabel einen elektrischen Lichtbogen aus, der eine Kunststoff-Erdgasleitung beschädigte, was letztlich zu einer Gasexplosion führte. Seitdem ist eine extra isolierende Zwischenlage vorgeschrieben, wenn sich Erdgas und Stromleitungen in der Erde kreuzen. Erdverlegte Gasleitungen aus Stahl werden zur Sicherung gegen die feuchte Umgebung des Bodens mit einem Schutzmantel aus Polyethylen versehen. Dieser soll eine Rostbildung und der damit verbundenen Schwächung des Rohrmaterials vorbeugen. Gasleitungen mit erhöhtem Schutzbedarf, etwa Gashochdruck-Leitungen, werden zusätzlich mittels kathodischer Schutzmaßnahmen gesichert.

Erfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterirdische Gasleitungen werden zunehmend durch einen speziellen Leitungskataster erfasst, in den alle Wartungs- und Baufirmen ihre Daten einspeisen müssen. Daher werden in einigen Jahren die öffentlichen Netze zu fast 100 % erfasst sein, während die privaten Zuleitungen ohnehin der amtlichen Überprüfung unterliegen.

Der Leitungskataster wird im Regelfall von der Kommune, im weiteren Umfeld vom Bundesland geführt. Er enthält neben den wichtigsten Daten zur jeweiligen Leitung vor allem deren Lagekoordinaten und die mittlere Verlegungstiefe. Zunehmend werden Leitungen aller Art in gemeinsamen Kabelkanälen verlegt, um eine raschere Behebung von Schäden zu ermöglichen. Zusätzlich werden die Gasleitungen seit längerem mit gelben Bändern markiert, um bei Aufgrabungen dem Baggerführer die kritische Tiefe anzuzeigen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: Erdgasleitung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impulse für die deutsche Wirtschaft: South Stream und EUROPIPE unterzeichnen Großauftrag europipe.com, 29. Jänner 2014, abgerufen 15. Mai 2019.
  2. EUROPIPE liefert 635.000 Tonnen Großrohre für EUGAL-Pipeline europipe.com, 3. April 2017, abgerufen 15. Mai 2019.
  3. Power of Sibiria : Größtes Gastransportsystem im Osten Russlands gazprom.de, abgerufen 15. Mai 2019.
  4. Trans Anatolian Natural Gas Pipeline (TANAP) socarmidstream.az, abgerufen 15. Mai 2019.
  5. Knut Håkansson: Lexikon der Gasinstallation: (Gasinstallation von A - Z), S. 284 ff., Vulkan-Verlag, 1996.