Erdungswiderstand

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Der Erdungswiderstand RE ist der elektrische Widerstand zwischen dem Anschlusspunkt eines Erders und der Bezugserde.[1] Der Erdungswiderstand ist eine wichtige Kenngröße eines Erders und sollte im Regelfall möglichst klein sein.[2]

Zusammensetzung des Erdungswiderstandes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erdungswiderstand wird von mehreren Größen beeinflusst. Primär wird er durch den spezifischen Erdwiderstand des Bodens in unmittelbarer Nähe der Erderelektrode und der Geometrie der Erderelektrode bestimmt.[3] Der Erdungswiderstand wird oftmals auch Ausbreitungswiderstand genannt.[4] Der Ausbreitungswiderstand, auch Erdausbreitungswiderstand genannt, umfasst grundsätzlich den Widerstand (Wirkwiderstand der Erde) zwischen dem Erder und der Bezugserde.[5] Zum Erdungswiderstand zählt primär der Ausbreitungswiderstand, sofern nicht bereits dem Ausbreitungswiderstand enthalten auch der Widerstand der Metallelektrode des Erders, sowie etwaige an den Erder bzw. die Erdungsanlage angeschlossenen Erdungsleiter.[6] Der elektrische Widerstand zwischen der Potentialausgleichschiene und der Bezugserde wird als Gesamterdungswiderstand bezeichnet.[1]

Erdungsimpedanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wechselstromanlagen spricht man von Erdungsimpedanz ZE, dies ist der Wechselstromwiderstand zwischen Erder und Bezugserde.[7] Bei der Erdungsimpedanz wird neben dem Widerstandsbelag und Querleitwertsbelag auch den Induktivitätsbeleg sowie den Kapazitätsbelag berücksichtigt.[8] Sie ergibt sich aus der Parallelschaltung der Ausbreitungswiderstände der nicht im gegenseitigen Einflussbereich befindlichen, zusammengeschlossenen Erder. Hierzu werden die Impedanzen der angeschlossene Erdseile von Freileitungen sowie der Metallmäntel von Kabeln.[7]

Spezifischer Erdwiderstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der spezifische Erdwiderstand [9] auch spezifischer Bodenwiderstand ρE genannt,[6] ist maßgeblich für die Höhe des Erdungswiderstandes RE bzw. des Ausbreitungswiderstandes RA (auch Erdausbreitungswiderstand genannt) verantwortlich.[9] Dieser spezifische Erdwiderstand entspricht dem Widerstand eines Würfels mit einer Kantenlänge von einem Meter. Voraussetzung für die Widerstandsbestimmung ist, dass der Würfel dabei von einer Kantenfläche zur anderen Kantenfläche durchströmt wird.[7] Die Höhe des spezifischen Erdwiderstandes ist von mehreren Faktoren abhängig.[10] Neben der Bodenart nehmen auch die Körnung und die Dichte des Bodens Einfluss auf den spezifischen Erdwiderstand. Außerdem wirken sich Unterschiede im Feuchtegehalt auf die Höhe des spezifischen Erdwiderstandes aus.[11] Diese Feuchtegehalte unterliegen starken jahreszeitlichen Schwankungen.[3] Die jahreszeitlichen Schwankungen des spezifischen Erdwiderstandes hängt im Wesentlichen von der Tiefe des Bodens ab. Diese Schwankungen verlaufen annähernd sinusförmig.[8] Auch die Temperatur des Erdbodens wirkt sich auf die Höhe des spezifischen Erdwiderstandes aus, gefrorenes Erdreich wirkt sich fast wie ein Isolator aus.[7]

Spezifischer Erdwiderstand ρ in Ωm
Bodenbeschaffenheit Wertebereich Mittelwert
sumpfiger Boden 2–50 30
Ziegelton 2–200 40
Schwemmsand, Humus
Lehmsandboden
20–260 100
Sand und Sandboden 50–3000 200 (feucht)
Torf > 100 200
Kies (feucht) 50–3000 1000 (feucht)
steiniger und
felsiger Boden
100–8000 2000
Beton: Zement/Sand
Mischungsverhältnis 1:5
50–300 150
Beton: Zement/Kies
Mischungsverhältnis 1:5
100–8000 400
Beton: Zement/Kies
Mischungsverhältnis 1:7
50–300 500

Zum Vergleich: Der spezifische Widerstand ρ von guten elektrischen Leitern wie Metallen liegt in Bereichen unter 10−6 Ωm.

Quelle:[12][5][3]

Stromverteilung und Potentialverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei metallische Halbkugelerder als Modell und die Bestimmung des Erdwiderstandes

Die Stromverteilung und der Potentialverlauf des Erders und somit auch der Erdungswiderstand, hängen von den Abmessungen und der Anordnung des Erders ab. Je größer die Oberfläche des Erders ist, umso großflächiger ist die Berührungsfläche mit dem Erdreich. Eine größere Berührungsfläche mit dem Erdreich bedeutet gleichzeitig auch eine größere Stromaustrittsfläche. Somit sinkt dadurch der Erdungswiderstand. Die Form und Größe der Erderoberfläche bestimmt im Wesentlichen in Erdernähe die Stromverteilung um den Erder. Mit zunehmender Entfernung vom Erder nimmt dieser Einfluss ab.[2]

Bei einem Halbkugelerder breitet sich der Strom vom Kugelmittelpunkt ausgehend radialsymmetrisch im Erdreich aus. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn das Erdreich homogen ist. Die Fläche, die dem Strom beim Austritt aus dem Erder zur Verfügung steht, ist zunächst relativ klein, sie wird aber mit zunehmender Entfernung vom Erder immer größer.[7] In nebenstehender Skizze sind zwei metallische Halbkugeln mit dem Radius r mit Abstand d zueinander im Erdreich vergraben. Dabei ist vorausgesetzt, dass der Abstand d wesentlich größer als der Kugelradius r ist. In diesem Fall ist der an den Klemmem K zu messende Widerstand Rk unabhängig von der Entfernung d, dies ist durch den größen Querschnitt des Erdreichs bedingt. In Abhängigkeit vom Radius des Erders und vom Bodenwiderstand ρ in der Umgebung des Erders wird der Widerstand Rk nach folgender Gleichung bestimmt:

Damit ergibt sich der Erdungswiderstand R eines Erders zu:

In der Praxis werden halbkugelförmige Erder jedoch nicht verwendet.[2]

Potentialverteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Potentialverteilung an der Erdoberfläche ist von der Bauform des Erders abhängig. Tiefenerder haben an der Erdoberfläche eine ungünstigere Potentialverteilung als Oberflächenerder.[5] Der über den Erder in das Erdreich eingeleitete Strom erzeugt um den Erder einen Spannungstrichter. Um einen Halbkugelerder ergeben sich konzentrische Äquipotentiallinien. Bei in der Praxis eingesetzten Erdern ergeben sich anders geformte Äquipotentiallinien und somit auch anders geformte Spannungstrichter.[2] Die Potentialverteilung hat einen großen Einfluss auf die Schrittspannung.[5]

Stoßerdungswiderstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei hochfrequenten Vorgängen, wie z. B. bei Blitzströmen, kann nicht mehr mit dem Erdungswiderstand gerechnet werden. Hier wird aufgrund der geänderten Parameter mit dem Stoßerdungswiderstand gerechnet.[4] Der Stoßerdungswiderstand (Stoßimpedanz) hat aufgrund von Wirbelströmen und Abstrahlungseffekten einen höheren Wert als der Erdungswiderstand . Das liegt daran, dass der Erdungswiderstand bei einer Frequenz von 50 Hertz gemessen wird. Für die praktische Erderberechnung ist die Berücksichtigung des bei 50 Hertz ermittelten Erderwiderstandes in der Regel ausreichend.[13]

Erdungswiderstand in der Praxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei praktischen Erdungselektroden kommen noch zusätzliche Widerstandsanteile wie die der Anschlussleitung und der Verbindungselemente (Klemmen) hinzu. Diese Widerstände sind meistens vernachlässigbar, sofern die Verbindungselemente gut befestigt sind, da die Bauteile üblicherweise aus gut leitenden Metallen bestehen. Bei anderen Geometrien des Erders, die deutlich von der Kugelform abweichen, wie beispielsweise Banderder, ergeben sich andere Beziehungen zwischen Form des Erders und Widerstand, die oft nicht analytisch, sondern durch praktische Messungen bestimmt werden.[7]

Messung des Erdungswiderstands[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anordnung zur praktischen Messung des Erdungswiderstandes

Zur Messung des Erdungswiderstands gibt es mehrere verschiedene Verfahren. Wichtige Hilfsmittel sind dabei Erdspieße als Hilfserder und Sonden sowie Stromzangen zur Einspeisung und Messung der Erderströme.[6] Die Messung mit einem Wechselstrom als Prüfstrom ist eigentlich immer eine Messung von Impedanzen. Bei sehr niederen Messfrequenzen ist dies in der Regel jedoch weitgehend (sehr nahe) dem ohmschen Wert entsprechend.[8]

Praktische Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erdungsanlagen, welche in der räumlichen Ausdehnung mehrere Kilometer im Durchmesser umfassen, können mit besonders kleinen Erdungswiderstand im Bereich um und knapp unter 1 Ω ausgeführt werden. Diese werden bei monopolaren Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungen, in welchen die Betriebserdung im Normalbetrieb Ströme bis zu einigen kA führt, eingesetzt. Ein Beispiel einer solchen Anlage ist die Pacific DC Intertie in den USA.

Sternpunktbehandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Begriff Erdungswiderstand als Komponente (technisches Bauteil) werden auch Sternpunkt-Erdungswiderstände bezeichnet, welche in der elektrischen Energietechnik wie beispielsweise bei Mittelspannungsanlagen zwischen dem Sternpunkt eines Leistungstransformators oder Generators und der Erdungsanlage geschaltet werden um im Fehlerfall den Erdschlussstrom zu begrenzen.[14]

Normen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540:2012-06) Errichten von Niederspannungsanlagen - Teil 5-54: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Erdungsanlagen und Schutzleiter
  • EN 50522:2010-11  (VDE 0101-2:2011-11) Erdung von Starkstromanlagen mit Nennwechselspannungen über 1 kV

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Herbert Schmolke: Potentialausgleich, Fundamenterder, Korrosionsgefährdung. 7. komplett überarbeitete Auflage, VDE Verlag GmbH, Berlin Offenbach 2009, ISBN 978-3-8007-3139-8, S. 19.
  2. a b c d Wilfried Knies, Klaus Schierack: Elektrische Anlagentechnik; Kraftwerke, Netze, Schaltanlagen, Schutzeinrichtungen. 5. Auflage. Hanser Fachbuchverlag, 2006, ISBN 3-446-40574-7.
  3. a b c Hennig Gremmel, Gerald Kopatsch: Schaltanlagenbuch (ABB). 11. Auflage. Cornelsen, Berlin 2008, ISBN 978-3-589-24102-6.
  4. a b Valentin Crastan: Elektrische Energieversorgung 1. Springer Verlag, Berlin/ Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-69439-7.
  5. a b c d Gerhard Kiefer: VDE 0100 und die Praxis. 1. Auflage. VDE-Verlag, Berlin/ Offenbach, 1984, ISBN 3-8007-1359-4, S. 50-52, 148-158.
  6. a b c Enno Hering: Messungen und Prüfungen an Erdungsanlagen. Deutsches Kupferinstitut. (online, abgerufen am 18. Juli 2011; PDF; 364 kB).
  7. a b c d e f Anton Gabbauer: Ein Beitrag zur rechnerischen Bestimmung von Erdungsimpedanzen, Erdungsströmen und Erdungsspannungen von elektrischen Anlagen in Netzen mit niederohmiger Sternpunkterdung. Diplomarbeit. (online, abgerufen am 18. Juli 2011; PDF; 1,7 MB).
  8. a b c Johann Frei: Messung der Impedanz ausgedehnter Erdersysteme sowie deren Berechnung. Diplomarbeit. Technische Universität Graz. (online, abgerufen am 18. Juli 2011; PDF; 2,9 MB).
  9. a b Friedhelm Noack: Einführung in die elektrische Energietechnik. Carl Hanser Verlag, München/ Wien 2003, ISBN 3-446-21527-1.
  10. Wilhelm Schrank:Schutz gegen Berührungsspannungen. Dritte überarbeitete Auflage, Springer Verlag, Berlin/ Heidelberg 1958, S. 56–62.
  11. Oskar Lobl: Erdung, Nullung und Schutzschaltung nebst Erläuterungen zu den Erdungsleitsätzen. Verlag von Julius Springer, Berlin 1933, S. 27-29.
  12. Hans-Günter Boy, Uwe Dunkhase: Die Meisterprüfung Elektro-Installationstechnik. 12. Auflage. Vogel Buchverlag, Oldenburg/ Würzburg 2007, ISBN 978-3-8343-3079-6.
  13. Klaus Heuck, Klaus-Dieter Dettmann, Detlef Schulz: Elektrische Energieversorgung. 7. Auflage. Friedrich Vieweg & Sohn Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-8348-0217-0.
  14. Sternpunkt-Erdungswiderstände, GINO GmbH (abgerufen am 20. Februar 2017; PDF; 1,3 MB).